Partner von:
Anzeige

ARD und ZDF setzen auf Quote statt Qualität – die aufrüttelnde Kritik eines ehemaligen Rundfunkmanns

Medienkolumnist Hans-Peter Siebenhaar schreibt über den Mut eines ehmaligen TV- und Hörfunkdirektors, die Inhalte-Strategie der Öffentlich-Rechtlichen zu kritisieren
Medienkolumnist Hans-Peter Siebenhaar schreibt über den Mut eines ehmaligen TV- und Hörfunkdirektors, die Inhalte-Strategie der Öffentlich-Rechtlichen zu kritisieren

Seit Jahrzehnten existiert für die Großen und Wichtigen in den Reihen von ARD und ZDF eine unausgesprochene Regel für die Zeit nach ihren Ausscheiden. Obwohl es vielen Intendanten und Fernsehdirektoren schwerfällt, schweigen sie tapfer zum qualitativen Niedergang ihres früheren Arbeitgebers. Jetzt hat einer das inoffizielle Gelübde gebrochen – und kritisiert, dass der Markterfolg ist zum Maß aller Dinge geworden sei.

Anzeige

Von Hans-Peter Siebenhaar

Sein Name: Norbert Schneider. Der Theologe war einst Fernseh- und Hörfunkdirektor bei der damaligen ARD-Tochter Sender Freies Berlin und später viele Jahre oberster Medienwächter in Nordrhein-Westfalen. In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel liest der wortgewaltige Rundfunkmann den Öffentlich-Rechtlichen die Leviten.

Der 78-Jährige beklagt, dass die Quote zum Maß aller Dinge geworden sei. Norbert Schneider warnt die Intendanten eindringlich vor den Folgen dieser Strategie. ‘Wenn Quantität im Zweifel Qualität schlägt, verschwindet der Unterschied von Akzeptanz und Relevanz’, bilanziert der frühere Rundfunkmanager.

Auf den ersten Blick geht die Strategie von ARD und ZDF, quantitativ zu überzeugen, wunderbar auf. Im vergangenen Jahr wurde das ZDF mit einem Marktanteil von 13,9 Prozent die Nummer eins in Deutschland, gefolgt von der ARD mit 11,5 Prozent. Erst dahinter kommen RTL mit 11,3 Prozent und Pro Sieben mit 9,5 Prozent.

Hinter den scheinbar großartigen Marktanteilen verbirgt sich auf den zweiten Blick aber ein handfestes Akzeptanzproblem. Denn vor allem alte und sehr alte Menschen lieben das Erste und das Zweite. In der für die Werbewirtschaft wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sieht die Rangliste umgekehrt aus.

Bei weiten Teilen der Jungen und derjenigen, die mitten im Leben stehen, spielen die Öffentlich-Rechtlichen längst nicht mehr die erste Geige. Das ZDF kommt in dieser Altersgruppe nur auf Platz sechs (6,8 Prozent) – abgeschlagen hinter RTL, Pro Sieben, Sat 1, ARD und Vox. Die Strategie, ausschließlich auf Quote zu setzen, ist für das Öffentlich-Rechtliche im Wettbewerb wie das Rennen von Hase und Igel. Am Ende bricht der Hase zusammen und stirbt.

Streamingdienste wie Amazon, Netflix & Co. haben sich von diesem sinnlosen Rennen längst verabschiedet. Vor Kurzem formulierte Christoph Schneider, Geschäftsführer von Amazon Video in Deutschland, im Interview mit dem Journalist einen bemerkenswerten Satz: “Wer hat denn am Ende wirklich ein Interesse an Zuschauerzahlen? Fachjournalisten vielleicht und die Werbeindustrie. Wir verkaufen keine Werbung.”

Es wäre an der Zeit, auf Reklame im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu verzichten
Anzeige

Die Öffentlich-Rechtlichen verkaufen hingegen immer noch Reklame, obwohl sie es gar nicht finanziell nötig hätten. Noch immer dient ihnen die Werbung im Vorabendprogramm als wichtige Legitimation für die Quote. Es wäre längst an der Zeit, auf Reklame im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu verzichten. Nicht um die Werbemillionen zu RTL, Pro Sieben Sat 1 und anderen Privatsendern zu schieben, sondern um sich frei vom Paradigma der Quantität zu machen.

Statt programmliche Vielfalt über alle Genres und Themen bestimmen heute die Quotenbringer die Hauptprogramme – mit gruseligen Folgen. Wer sich allabendlich durch ARD und ZDF zappt, kann leicht den Eindruck gewinnen, die Zuschauer in Deutschland leiden massenweise unter einer unstillbaren Todessehnsucht. Nirgendwo sonst gibt es in einem großen Fernsehmarkt in Europa eine derart brutale Dichte von Krimis wie im Ersten und Zweiten. Die Programmverantwortlichen reiten die Welle von Mord und Totschlag bis zur Unerträglichkeit – Hauptsache, die Quote stimmt. Dabei merken sie nicht, dass sie mit ihrer Quotenhörigkeit selbst maßgeblich zum Akzeptanzverlust der Öffentlich-Rechtlichen in immer mehr Teilen der Gesellschaft beitragen. Wie sagte der Fernsehproduzent Wolfgang Rademann: ‘Masse erschlägt Klasse, der Qualitätspegel der Programme geht runter.’ Und der legendäre Fernsehmacher starb bereits vor drei Jahren.

Den Wettbewerb gegen die Privaten, die Streamingdienste und Videoportale im Internet können ARD und ZDF nur mit Qualität gewinnen. Das müsste eigentlich mit der stolzen Summe von knapp acht Milliarden Euro an Rundfunkgebühren im vergangenen Jahr auch zu schaffen sein. Kein anderes Medium verfügt über ein derart dichtes Korrespondentennetz rund um den Globus. Doch leider spielen ARD und ZDF ihre journalistische Exzellenz viel zu wenig aus. Viele der spannenden und auch aufwendigen Geschichten der Auslandsbüros von ARD und ZDF werden in Nischensendern wie Phoenix, Arte, 3Sat, ZDF Info oder Tagesschau 24 abgeschoben. Sie werden quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesendet.

Im Ersten und Zweiten regiert hingegen der politische Mainstream – als würde Weltpolitik nur auf den wenigen Quadratkilometern in Berlin-Mitte stattfinden. Viele Themen der innenpolitischen Sendungen werden von den Agenden der Parteien und der Regierung oder von gerissenen PR-Strategen bestimmt, die einen Aufreger nach dem anderen durch die Republik treiben.

Dabei hatte der öffentlich-rechtliche Rundfunk ursprünglich eine ganze andere Aufgabe, an die Norbert Schneider die Granden von ARD und ZDF erinnert: ‘Er (der öffentlich-rechtliche Rundfunk) wurde nicht etabliert, um möglichst viele Menschen möglichst oft in Erregung zu versetzen, sondern um ein Programm anzubieten, dessen oberstes Kriterium die Qualität ist.’ Im Quotentaumel haben die Öffentlich-Rechtlichen ihren ursprünglichen Auftrag mittlerweile aus dem Gedächtnis gestrichen. Eine Vergesslichkeit, die Folgen haben wird.

 

Der Beitrag erschien zuerst in der Kolumnen-Reihe “Der Medienkommissar” bei Handelsblatt Online.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Äpfel vs. Birnen: Im Gesamtpublikum lag der RTL-Marktanteil bei 8,3 und der Marktanteil von ProSieben bei 4,4 Prozent. Die im Artikel aufgeführten Marktanteile von 11,5 bzw. 9,5 sind die Zahlen aus der 14-49-Zielgruppe und werden hier mit dem Gesamtmarktanteil von ARD und ZDF verglichen.

  2. Die genannten Marktanteils-Zahlen bei dem “Auf dem ersten Blick”- Absatz können nicht stimmen bzw. werden Gesamtpublikum und 14-59 Jährige hier durcheinander geworfen. Pro 7 hatte im Gesamtpublikum viel weniger als 9,5 Prozent (um die 4), dafür waren ARD und ZDF bei den Umworbenen nicht zweistellig.

  3. Zum Auftrag des ÖRR heißt es im Rundfunkstaatsvertrag:

    Ҥ 11 Auftrag
    (1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.”

    Das macht die Prioritäten ja wohl hin reichend deutlich. Auch Unterhaltung soll dem Angebotsprofil entsprechen, heißt es dort an letzter Stelle.

    1. Und dieser dumme letzte Satz “..auch Unterhaltung…” hat eine ganze Branche vernichtet bzw. total abhängig gemacht durch das vom Bürger finanzierte Monopol/Kartell, das die ÖR mit ihren 160 Tochterfirmen und anderen und dem vielen Gebührengeld gebildet haben. Massive Diskriminierung von Frauen (also in Filmen und Serien=Unterhaltung) und der Vorwurf, dass sie Schuld am geschlossenen Markt sind,
      der unsere jährlich in den Markt gepumpten jungen Leute, die an Hoch- und anderen Schulen teilweise mit zusätzlichem Steuergeld ausgebildet werden, direkt zu Arbeitslosen macht, wird zu Recht erhoben. Die eigene Studie hat das – zum Erstaunen von ARD, ZDF und Degeto – ergeben.

  4. Es ist nachgerade großartig, dass Herr Siebenhaar nicht aufgibt, obwohl er über Jahre hinweg bei FAZ und Handelsblatt ohne Änderungen zu erreichen – Klartext über den ÖR und seine Vermengung mit der Politik, plus Monopol bzw. Kartell, das die gesamte Filmwirtschaft im Griff hat, geschrieben hat. Auch das ARD/ZDF-Urteil “massive Frauendiskriminierung und geschlossener Markt” in deren eigener Studie ist im Nirwana verschwunden… Sie machen weiter trotz der Vorwürfe über Kungeleien, Bevorzugungen, Quotenhörigkeit und – bei den über Jahrzehnte auf Machtposten gelandeten, meist Herren – Missbrauch der Macht (inkl. Kungelei mit ihren Tochterfirmen und hier vor allem Network Movie) sowie Hybris-Entwicklung bis zum Ziel von “ich-kann-mir-alles-erlauben-und-machen-was-ich-will” – über Jahrzehnte.
    Beim ZDF war das 17 Jahre lang Hans Janke, der “seine” Fernsehspiel-Abteilung zum Maß aller Dinge hochgepumpt hat – fürs eigene Ego, für Preise, Geld, Macht..und die ständige Umgarnung von Abhängigen.

    Janke und Elschot konnten sich mit dem vielen Geld auf allen Filmfesten etc. breit machen und mit ihrem Elite-Gehabe andere Abteilungen und Formate wie Vorabendserien, Daily-Formate und Einzelfilme bis heute diskreditieren und damit jede/jeden die dort arbeiten.Da begann der zerstörerische Kampf zwischen “Fernsehspiel” und “Schrott”, den es sonst nirgends auf der Welt gibt. Das erlaubt sich der vom Bürger finanzierte Rundfunk tatsächlich! Das generelle Dumping nicht zu vergessen. Übrigens gibt es in Daily-Formaten hervorragende Leistungen, von denen ARD, ZDF, Degeto – bei Nachfragen oder Hinweisen – NULL AHNUNG haben. Sie bewegen sich nur in ihren begrenzten Strukturen und das ist katastrophal für den gesellschaftlichen Auftrag. Deshalb wurde der ÖR auch von der eigenen Studie völlig überrascht. Das Herumstottern von Tochter-Produzenten und Intendanten war maximal peinlich. Das Monopol/Kartell musste lesen, es diskriminiert insgesamt vor allem Frauen. Punkt. Zur Erinnerung: 85 % Regisseure/15 % Regisseurinnen, 75 % Männer-/25 % Frauen-Rollen. Das alles ignorieren die Politiker in den Ländern, die Förder-Anstalten etc..
    Übrigens: Jankes späterer Nachfolger war bereits in den 90ern sein Stellvertreter im ZDF. Elschot wurde 1998 von ZDF/Janke zum Chef der ZDF-Tochter Network Movie, die maximal mit Aufträgen gefüttert wird (wie übrigens weitere 160 Tochterfirmen). Interessant ist, dass man hört, bei den Töchtern könne man “locker“ manches verstecken. Elschot wurde also vom Redakteur zum Produzenten und 2009 wieder zurück zum ZDF-Nachfolger von Janke und das bis 2017. Die Besetzungen in Serien/Filmen in diesen insgesamt ca. 25 Jahren !!! sprechen ihre eigene Sprache. Elschot wurde mit einer noch größeren Hybris zum Auftraggeber massenhafter Krimi-Formate für – man muss es so sagen – “seine” Schauspieler-Freunde und Freundinnen bzw. Hochgeschätzten, die immer noch die Crème-de-la-crème sind, versorgt mit Millionen Bürgergeldern, insbesondere durch Titel- oder Hauptrollen in „ihren“ Reihen oder „ihren2 Seriem (Die Chefin , Friesland, starkes Team, Stralsund, Kriminalist, Unter anderen Umständen, Nachtschicht, Neben der Spur, NordNordMord, alle Sokos und viele, viele weitere): Bevor Elschot ging, wurden noch sehr viele Formate geschaffen und besetzt.. Ein Schelm…
    Trotz all dieser Kenntnisse und viele, vieler “Skandale”, die Herr Siebenhaar und viele andere beschrieben haben, ist nie etwas passiert. Nichts hat – bis auf den Skandal beim NDR, den sie alle nicht übersehen konnten und #metoo u.a. beim WDR – etwas bewirkt. Immer geht und ging es um langjährig mit Macht Ausgestattete… und alles ist beim Alten. Die FAZ bringt manchmal noch Geschichten… einmalig… ohne zu prüfen, ob sich etwas ändert. Das weiß der ÖR natürlich (und das wissen die Politiker)… dem ÖR ist nichts anzuhaben… Niemand kümmert sich, niemand sanktioniert… eher werden diejenigen die das Kartell aufbrechen wollen, sanktioniert. “Aufdecker”, die nicht durch ihren Beruf geschützt sind wie Journalisten etc., erfahren auch nie, warum sie keine Jobs mehr bekommen. Tja Herr Siebenhaar.. die Story ist gut aber was nun? Wie weiter?

    1. Im Interview mit UFA-GF Kosack bei Blickpunkt:Film zeigt sich, dass die Unterscheidung von “Kultur” und “Mist”, die der ÖR im eigenen Haus permanent macht, Nonsens ist. Dafür tackern sie “ihre” Schauspieler in den Schubladen fest und lassen sie nie mehr raus. Die “Fernsehspiel-Schauspieler” freuen sich, verweigern sich dem “falschen” Genre. Die Normalfilm-und-Serien-Schauspieler werden von Sendern, Castern, Produzenten gebraucht aber verachtet und schaffen es bis auf wenige Ausnahmen, NIE ins Fernsehspiel. Und das erlaubt sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen bis heute. Ein Grund, dieses Kartell zu kontrollieren und solche Machenschaften zu verbieten. Die UFA hat’s begriffen:

      “….Nehmen Sie “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”: Als ich dort in den Neunzigern anfing, war das unglaublich verpönt. Heute ist “GZSZ” ein Premiumformat, das auf dem höchsten Niveau produziert wird. Es ist ganz wichtig, dass es innerhalb der UFA KEINE WERTUNG mehr gibt. Diese Programme sind genauso wichtig wie “Der Junge muss an die frische Luft”, “Deutschland83/86”, “Ku’damm 56/59” oder “Charité”.
      Wir diskutieren NUR NOCH, ob ein Programm gut oder schlecht ist. “

  5. …auf Reklame verzichten ? der Käufer eines Mercedes Neuwagen ist im Durchschnitt 58 Jahre alt, die “finanziell Halbstarken” 14 bis 49 sind da nicht so sehr vertreten.

    1. Im Kern richtig. Da die ÖR das Geld für ihre Pensions-Rückstellungen brauchen und für die jährlichen Gehaltserhöhungen plus Unmengen Urlaubszeiten plus Herumfliegerei von Redakteuren zu “Besprechungen” mit Unmengen Übernachtungen in teuren Hotels und Unmengen von Einladungskosten wegen der permanent “nötigen Besprechungen”… stellt sich die Frage, wofür sie “die Reklame” brauchen bzw. verwenden. Soeben kam die Nachricht, man habe sich erneut irgendwo beteiligt.. dazu verwenden sie Milliarden Gebührengelder für Koproduktionen – statt Einkäufen – was sie dadurch kaschieren, dass sie jetzt “Drehbücher” lesen und vielleicht einen Deutschen (aus ihrer Buddy-Liste) platzieren. Und sie drehen immer öfter im Ausland – siehe Prag, Südafrika und Co – wo sich Deutsche um die ÖR-Aufträge kümmern und dortige Teams viel Arbeit haben, die Produktion Geld von dem jeweiligen Staat dafür bekommt und die Riege der Nebenrollen-Schauspieler im jeweiligen Ausland bedient wird aber nicht mehr die Schauspieler im eigenen Land, die unter anderem auch mit Steuergeldern ausgebildet werden und an Hochschulen, wo “die Professoren” fett verdienen. Alle verdienen nur nicht die Künstler – bis auf die Buddys natürlich. Weiteres Geld geht ins Ausland, weil die Deutschen permanent “ausländische” und EU-Bürger beschäftigt (Austria, Schweiz, Dänemark, Schweden etc.), die hier aber keine Gebühren für den ÖR bezahlen, sondern im eigenen Land nur kleine Film-Bereiche haben (Austria und ORF wären bei Fiction “tot” wenn der deutsche Michel keine Koproduktionen mehr bezahlt und deren Schauspieler subventioniert (Achtung… dafür hat der ÖR in Deutschland einen geschlossenen Markt verursacht)..Deshalb sitzen dort auch “Dependancen” z.B. der Bavaria-Tochter von ARD/ZDF u.a.) und immer mehr europäische Produktionsfirmen gründen in Deutschland Ableger-Firmen, um ebenfalls an das deutsche Gebührengeld zu kommen, das die ÖR allen in den Rachen werfen, nur nicht den hier Ausgebildeten (bis auf ihre Buddys).. Also sehr komplex das ganze und eine einzige unkontrollierte Sache. Wenn z.B. die Ableger-Firmen aus Frankreich, Dänemark, Schweden u.a. für Netflix eine Serie in Deutschland drehen, muss man künftig sehen, was die Deutschen für ihre Gebührengeld wirklich bekommen. Die Teams profitieren aktuell davon und können endlich gegenüber dem ÖR auch stark auftreten, weil es viel zu wenige gibt. Was Schauspieler und vor allem Schauspielerinnen anlangt, da schaut das aktuell ganz anders aus. Es drehen die, die schon von ARD und ZDF zu “Stars” erklärt wurden. Buddys eben… und damit wären wir wieder am Anfang der Geschichte.

  6. Ich schaue keine Privaten und doch muss ich sie mit finanzieren, da über die Werbung die Produkte teurer werden. Komisch, auf deren Qualität schaut keiner? Und Jahrzehnte lang wurde für die Privatisierung der Altersvorsorge Werbung gemacht – auch für Betriebsrenten (keine Pensionen) – und jetzt ist es auch wieder nicht richtig? Dennoch kann das intellektuelle Niveau der ÖRs besser sein.

  7. Diese Debatte ist leider so alt wie Kohls Tittytainment-Entscheidung (die er später öffentlich bedauerte).

    Immerhin leisten sich die ÖR noch 3sat, arte und einige Rundfunkprogramme, sowie das ein oder andere Feigenblatt.

    Btw: Sogar Unterhaltung kann der Bildung dienen, wenn ihr entsprechender Rechercheaufwand vorausgeht und in der Produktion nicht alles zugunsten platter b/w-Blockbuster-Dramaturgie wieder geschliffen wird.

  8. Dummerweise machen Leute wie Siebenhaar immer den gleichen Fehler: wenn ARD und ZDF nur noch Nischenprogramm senden, wird die Akzeptanz noch weiter schwinden. Es werden sich noch mehr Leute vom Fernsehen verabschieden und dieses Verabschieden, dieses gar–kein–mehr–Fernsehen–gucken, hätte auch unmittelbare Auswirkungen auf das Privat–TV. Das Privatfernsehen tut sich mittel– und langfristig keinen Gefallen mit diesem permanten Bashing. Und Print schon gar nicht.
    Ich gucke (und höre) übrigens nur Öffis und kann mich wirklich nicht beklagen, dabei liege ich weit unter dem Altersdurchschnitt. Und auch wenn man das eine oder andere nicht mag, dafür finden sich genug andere Sachen, die wirklich sehr gut sind.
    Mit Leuten wie Herrn Siebenhaar erscheint es mir übrigens wie mit dem einen oder anderen Fussballkommentator: selbst kräftig Gehalt beziehen, mit dem Strom schwimmen und hauptsächlich erst hinterher den Mund aufmachen. Wie Olli Kahn noch während seiner Zeit als Aktiver mal sagte: „Auf die Komentare der Ehemaligen darf man nichts geben“ (Philiip Lahm zitierte ihn damit später mal…). Wie war das noch mit den Elchen?

    1. Sowas Naives habe ich lange nicht mehr gelesen. Die Probleme, die durch diesen ÖR entstanden sind und die vor allem Siebenhaar über Jahre hinweg artikuliet hat und zwar zu Recht und Danke dafür!!! sind gravierend. Mir ist doch – wenn ich ausgebeutet, gedumpt, diskriminiert und belogen werde – total egal, ob Dir das dadurch entstandene Produkt gefällt oder nicht. Es geht um untragbare Zustände in einem durch Bürger finanhzieren öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Was Du da schreibst ist ein einfacher Ich-bin-ein-Zuschauer-und-mir-gefällt-das – Statement. So kannste das machen aber zu ignorieren, was Studien usw. festgestellt haben – nämlich Diskriminierung von Frauen, Bevorzugungen, kaputte Strukturen, Buddy-Versorgung, Dumping und alles zusammen genommen die Bildung eines Kartells – ist eine Frechheit gegenüber einer ganzen Branche, die das alles – weil ÖR-Kartell und vollkommene Abhängigkeit – aushalten muss, ohne dass sich etwas ändert. Und das auch noch mit Gebühren der Bürger. Ich möchte Dich mal sehen und hören, wenn DU unter solchen Umständen arbeiten und leben müsstest. Duckmäuser? Allesglauber? Alles-hinnehmer? Mundhalter? Feigling? Da war bisher Herr Siebenhaar einer der wenigen Journalisten, die das alles wissen und weiter versuchen, Änderungen herbeizuführen – obwohl er wie wir seit einer Ewigkeit scheitern.

      1. Ich denke tatsächlich in den endlosen Romanen, die Sie bislang hier verfasst haben, haben Sie ihre Ansichten hinlänglich klar gemacht……. Sie sind aber nicht so narzisstischer zu glauben, dass jeder automatisch Ihrer Ansicht sein muss oder?
        Und möchten Sie eigentlich hinter JEDEM Artikel hier Ihre Duftmarke hinterlassen? Soviel scheinen Sie ja beruflich nicht zu tun zu haben.
        Ich dagegen stimme Herrn Kahn zu, dass es nichts unerträglicheres gibt als besagte Ehemalige eines AGs, die dann hinterher meinen, sie wüssten alles besser und müssten andere belehren, gar bekehren. Hätte ja während seiner Zeit was ändern können, der Gute. Hat ja allein schon äußerlich den Habitus eines Revoluzzers… Jetzt die Pension derjenigen einstreichen, über die er sich gleichzeitig beschwert – das sind genau die richtigen.

  9. Am Thema vorbei argumentiert. Die Deutschen, die schon länger hier leben, die kucken mehrheitlich ARD und ZDF. Die Deutschen, die noch nicht so lange hier leben, die kucken Youtube, Netflix und Al Jazeera. Und wenn alsbald die noch nicht so lange hier Lebenden demographisch die Mehrheit stellen, werden deren politische Interessensvertreter dem ÖRR den Stecker ziehen. Game over.

  10. Die Ufa gehört zur Bertelsmann Stiftung und die zahlen kaum Steuern und haben eh schon zu viel Einfluss auf die Politik. Nach dem 2. WK wurden die ÖRs aus gutem Grund so eingeführt mit ihrer förderalen Struktur. Ein Schelm, wer daran denkt diese Institution zu zerstören. Nach der Diktatur ist vor der Diktatur? Nein danke. Außerdem, was soll das mit der Einschränkung auf 14-49 jährige, das ist doch eine Erfindung der Privaten. Für Jüngere und Ältere soll also kein Programm stattfinden? Das ist ja eine tolle Perspektive.

  11. Grob gesagt gibt es zwei Arten von Fernsehzuschauern: Typ 1 glaubt grundsätzlich an alles, was ihm das Fernsehen vorsetzt. Typ 2 tut das nicht unbedingt. Dieser Typ verfügt entweder über Insider-Informationen (durch eigenen Erfahrungen oder über Bekannte) oder er hinterfragt einiges und stößt hin- und wieder auf Widersprüche.

    Typ 1 ist Gewohnheitstier (oder Jugendlicher). Er hat keine Lust sich mit den Öffentlich-Rechtlichen auseinander zu setzen. Ihm reicht das Programmangebot, solange es “seine Sendungen” beinhaltet, oder er hat ganz abgeschaltet und beschäftigt sich entweder mit überhaupt keinen Informationsquellen, oder er hat seine eigenen aufgetan.

    Typ 2 vergleicht schon einmal die eine oder andere Nachricht mit anderen Quellen und stellt auch Diskrepanzen fest. Er hat aber in der Regel keine Zeit sich direkt an die Redaktionen zu wenden – und wenn er es einmal tut, erwartet er keine wirkliche Antwort. Ihn stört das Programmangebot gewaltig, aber er schafft es nicht dafür etwas zu unternehmen.

    Was wir aber in Zeiten von “Framing-Manuals” und “Übergriffen” in den Redaktionen brauchen, ist der Typ 3: Politiker, Medienschaffende, Journalisten und interessierte Bürger, die sich um eine Erneuerung der Öffentlich-Rechtlichen kümmern. Von alleine werden die einzelnen Anstalten nichts unternehmen – außer gelegentlich mal etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben (z.B. mit Plakataktionen, die mit den Gebühren der Zuschauer bezahlt werden) und den Kritikern etwas Angst machen oder einmal noch etwas mehr Geld zum Fenster hinaus werfen, wie z.B. für “Framing-Manuals”.

    Es wird ziemlich teuer. Es ist immer die Rede von 8 Milliarden Euro. Das stimmt aber nicht ganz. Zum einen kommen Einnahmen durch die Untergesellschaften, Werbung und Zuwendungen dazu, zum anderen profitieren die Öffentlich-Rechtlichen auch von Fördergeldern und internationalen Förderprogrammen. Diese Summen lassen sich aber im Programm nicht mehr erkennen. Das “Preis-Leistungs-Verhältnis” stimmt schon lange nicht mehr und solange wir es einfach weiterlaufen lassen, wird es immer ungünstiger.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia