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“Sterben üben”: Trauerbegleiterin Jasmin Schreiber ist deutsche Bloggerin des Jahres

Hohe Auszeichnung für die Beschäftigung mit einem düsteren Thema: Jasmin Schreiber gewinnt mit Texten über den Tod den “Goldenen Blogger”
Hohe Auszeichnung für die Beschäftigung mit einem düsteren Thema: Jasmin Schreiber gewinnt mit Texten über den Tod den "Goldenen Blogger"

Jasmin Schreiber ist Bloggerin des Jahres. Dafür erhielt sie gestern in Berlin den "Goldenen Blogger". Dieser wurde zum 12. Mal im Telefónica Basecamp in 18 Kategorien vergeben. "Viele ihrer Texte berühren und treiben den Lesern Tränen in die Augen", begründete die Jury die Auszeichnung. Sie ist ehrenamtlich Sterbe- und Trauerbegleiterin. Ihre Erfahrungen schildert sie im Blog "Sterben üben".

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Schreibers Text “Gerda stirbt” war außerdem nominiert als “Blogtext” des Jahres. In dieser Rubrik siegte jedoch die Rechtsanwältin Nina Straßner, die im Netz als Juramama unterwegs ist. Sie erhielt den Goldenen Blogger für ihren Text “Raus aus meinem Uterus”, in dem sie sich unterhaltsam und fachlich tiefgreifend mit dem §219a des Strafgesetzbuchs beschäftigt, der Ärzten Werbung für Abtreibung untersagt.

Newcomer des Jahres wurde das Blog “Not just down” in dem Tabea Mewes über das Leben mit ihrem Bruder Marian schreibt, der das Down-Syndrom hat. “Viele Menschen haben sehr wenig Kontakt zu Menschen mit Behinderung. Das versuchen wir online zu ändern”, erklärte Tabea Mewes ihre Motivation: “Wir wünschen uns, dass mehr Menschen sehen, was in Menschen mit Down-Syndrom steckt.”

Als “Podcast des Jahres” ausgezeichnet wurde “Gästeliste Geisterbahn”, dessen Macher in lockerer Runde über die teils sehr abseitigen Fragen ihrer Hörer diskutieren. “Das praktische am Podcast ist, dass man ihn überall mit hinnehmen kann”, erklärt Co-Produzent Nilz Bokelberg den Erfolg.

Posthum mit einem Sonderpreis für sein Lebenswerk wurde der 2018 verstorbene Blogger Robert Basic ausgezeichnet. Den Preis entgegen nahm sein ältester Sohn Maurice. Blogger und Netz-Urgestein Don Dahlmann zitierte Basic mit den Worten: “Im Journalismus setzt sich immer die Haltung durch, und nicht die Lüge” – auch dafür habe Basic sich eingesetzt.

Für Haltung steht auch die Siegerin in der Kategorie “Twitter-Account des Jahres”. Natalie Grams berichtet unter @NatalieGrams kritisch über Homöopathie. “Ich bin der Homöopathie abtrünnig geworden, weil sie nicht das ist, was sie von sich behauptet. Sie ist keine Arznei”, sagte sie über sich selbst. Dabei erntet sich auch viel Kritik: “Homöopathie wird noch emotionaler diskutiert als die meisten religiösen und politischen Themen.”

Prominente Sieger: Schöneberger, Liefers und Bohlen erhalten Preise für Social Media-Auftritte
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In der Kategorie “Bester Social Media-Auftritt einer Celebrity” teilten sich die Stimmen der Jury gleichmäßig auf die drei Nominierten auf: Barbara Schöneberger erhielt einen Preis für ihr Web-Radio Barbaradio, Jan Josef Liefers und Dieter Bohlen für ihre Instagram-Aktivitäten. Bohlen bedankte sich per Videobotschaft für den Preis und lobte Blogger: “Das ist eine kreative Arbeit – und Kreativität, da steh ich drauf.”

Weitere Preisträger waren unter anderem “Ye Olde Kitchen” als Foodblog des Jahres und “120 Minuten” in der Kategorie “Sport”. Den Preis für das beste Nischenblog nahm der freie Journalist Thomas Wiegold für sein Verteidigungs-Blog “Augen Geradeaus” nach Hause. Zwei Siegerinnen gab es in der Kategorie “Tagebuchblog”. Einerseits Jana Georg für “Russische Provinz”. Dort schreibt sie über das Leben ihrer Familie als Deutsche in kaukasischen Stavropol. Zum anderen Vanessa Giese für ihre Alltagsbeobachtungen unter “Frau Nessy: Draußen nur Kännchen”.

Ausgesucht wurden die Nominierten aus 2.000 Vorschlägen von Internet-Nutzern. Die Sieger wurden dann per Online-Voting, Saal-Applaus sowie über die Goldene Blogger-Akademie ermittelt, in der die Sieger aus den letzten 12 Jahren versammelt sind. Organisiert werden die Goldenen Blogger von den aktiven Bloggern Franziska Bluhm, Daniel Fiene, Thomas Knüwer und Christiane Link. Die Preisverleihung wurde von namhaften Unternehmen gesponsert: comdirect, Daimler AG, Facebook, GoDaddy Deutschland, Telefónica Basecamp sowie Xing.

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Alle Kommentare

  1. Wenn es Jemanden gibt, der einen Preis für das Bloggen verdient, dann Peter M. Heimlich.

    Der ist Journalist, aber sein Blog ist nicht kommerziell.

    Peter M. Heimlich ist Sohn eines weltberühmtens Manns: Doktor Henry Heimlich, auf den das “Heimlich-Maneuver” zurückgeht.

    Leider fand Peter heraus, daß sein Vater ein gemeingefährlicher Betrüger ist, ein Scharlatan – und daß das nach seinem Vater benannte “Heimlich-Maneuver” gar nicht funktioniert, sondern auch noch gefährlich ist:
    http://ariplex.com/folia/archives/2222.htm

    Leider lebt Peter in den USA. Schade. Er hat wirklich einen Preis für Aufrichtigkeit und Rückgrat verdient. Denn das “Heimlich-Maneuver” wird weltweit eingesetzt. Man sieht es auch immer wieder in Filmen. Alle Warnungen davor werden schlichtweg ignoriert. Was für ein Armutszeugnis des kommerziellen Journalismus, aber auch des Bloggertums in Deutschland, das nicht über den Tellerrand schaut, sondern herumhüpft wie ein Brummkreisel und sich wie berauschte Blumenkinder neckisch Preise zuwirft.

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