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Wochenrückblick: Mogelpackung mit echten Fakten – wie sich Der Spiegel in Selbstironie übt

“Mogelpackung” auf dem Spiegel-Cover, Kapitän Max Prager, Angela “die Frau” Merkel, Bahn-Wut in Bild
"Mogelpackung" auf dem Spiegel-Cover, Kapitän Max Prager, Angela "die Frau" Merkel, Bahn-Wut in Bild

Wer gut hingeschaut hat, konnte auf dem Spiegel-Titel vom vergangenen Samstag einen kleinen Witz entdecken. Nur haben den nicht alle so verstanden, wie er wohl gemeint war. Die Zeit bat Kanzlerin Merkel zum Ossi-Feminismus-Talk. Die Bild brachte einen Bahn-Aufreger mit reichlich Verspätung. Und dann ist da noch die Sache mit dem neuen "Traumschiff"-Kapitän. Der MEEDIA-Wochenrückblick

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Kaum zu glauben, aber auf dem Spiegel-Cover vom vergangenen Samstag wurde ein Witz versteckt. Ein Witz! Beim Spiegel! Die Titelgeschichte dreht sich um Recycling in Deutschland und u.a. geht es darum, dass nicht so viel und so toll recycelt wird, wie der brave, seinen ausgespülten Joghurtbecher im Gelben Sack versenkende Bürger immer denkt. Darum ist auf dem Cover ein solcher Gelber Sack abgebildet und drauf steht “Mogelpackung”. Gemeint ist natürlich der Gelbe Sack. Beim Spiegel hatten sie nun so ein bisschen Muffe, dass wenig Wohlmeinende das mit der Mogelpackung auf den Spiegel selbst beziehen könnten, immerhin hat der mit den Fake-Reportagen seines Ex-Reporters Claas Relotius den größten Fälschungsskandal im Journalismus seit weißgottwann an den Hacken. Also kam jemand in der Redaktion auf die Idee, ein kleines Sternchen anzubringen und in Minischrift an die Seite zu drucken: “mit echten Fakten”.

Nicht jeder im Haus soll von der Idee restlos begeistert gewesen sein. David Denk schrieb in der Süddeutschen gar, dem Spiegel mangele es an Demut: “Es ist Ausgabe fünf nach Offenlegung des Falls, und der Spiegel ironisiert bereits das eigene Versagen. Ein schlechter Scherz, oder? Demut jedenfalls klingt anders – und ein bisschen davon stünde dem stolzen Spiegel gerade eigentlich gut an.” Dabei heißt es aus der Redaktion, der Sternchen-Text sei gar nicht als Anspielung auf Relotius gemeint gewesen, sondern sollte eben nur klarstellen, dass man sich der Doppeldeutigkeit der Zeile “Mogelpackung” durchaus bewusst ist. Vielleicht war das ein bisschen viel um die Ecke gedacht vom Spiegel. Aber nicht nur Demut tut gut, ein bisschen mehr (Selbst)-Ironie hat auch noch nie geschadet. Insofern sollte man diese Sternchen-Affäre nicht zu hoch hängen.

Cover kann Spurenelemente von Witz enthalten (unten rechts, ganz klein …)

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Die Zeit hat Angela Merkel interviewt und das Gespräch ist nicht zuletzt wegen der Fragen ein bisschen ungewöhnlich geworden. Persönlich sollte es zugehen und die Fragestellerin Jana Hensel wollte offensichtlich Angela Merkels Selbstbild als ostdeutsche Frau herausarbeiten. Das Instrument der Wahl: Psycho-Fragen! Eine Auswahl:

Zeit: Sind Sie im Amt zur Frau geworden?

Merkel: Nein, im Amt sicherlich nicht, ich war ja schon vorher eine Frau.

Zeit: Mögen Sie es, aus ostdeutscher Perspektive betrachtet zu werden?

Merkel: Genauso wie ich es mag, als Frau betrachtet zu werden oder als über 60-Jährige. (…)

Zeit: Sie selbst wenden sich eher selten an die Frauen.

Merkel: (…) ich bin ja auch nicht allein die Bundeskanzlerin der Frauen in Deutschland (…)

Zeit: Auch ihr Selbstbewusstsein als Frau, ist das etwas Ostdeutsches?

Merkel: Da bin ich sehr zurückhaltend (…)

Für solche Antworten muss man die Kanzlerin einfach mögen.

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Ei, was ist da denn wieder bei der Bahn los? “Bordpreis ist explodiert! Neue Wucher-Gebühr beim Nachlösen im Zug” kawummst die Bild diese Woche in ihrer Online-Ausgabe. Grund für den schäumenden Zeilen-Zorn ist die Erhöhung des so genannten Bordzuschlages, der fällig wird, wenn man im Fernverkehr eine Fahrkarte erst im Zug löst. Bislang betrug diese Gebühr 12,50 Euro, seit Dezember werden 19 Euro fällig. That’s it. Die Bahn selbst hatte diese “Wucher-Preiserhöhung” (Bild) schon am 4. Oktober 2018 bekanntgegeben. Bei der Bahn wundert man sich nun über den Furor des Boulevards. Jürgen Kornmann, Leiter Kommunikation Personenverkehr bei der Bahn sagt: “Keine Frage: Man kann die Erhöhung des Bordzuschlags im DB-Fernverkehr seit 9. Dezember auf 19 Euro kritisieren. Dafür habe ich jedes Verständnis. Aber wie Bild trotz unserer Presseinfo vom 4. Oktober und eigener Berichterstattung dazu am gleichen Tag plötzlich am 22. Januar 2019 (mehr als drei Monate später!) eine Enthüllungsstory aus dem Hut zu zaubern, das Thema als ‘neu’ und uns als ‘Heimlichtuer’ hinzustellen, das ist unterirdisch!” Manchmal haben, so scheint’s, auch “Enthüllungsstories” ganz schön Verspätung.

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Mit der Verpflichtung von Schlager-Musikant Florian Silbereisen als neuem “Traumschiff”-Kapitän ist dem ZDF ein Coup gelungen. Allzu große Anforderungen an das schauspielerische Talent der Nummer 1 an Bord wurden beim “Traumschiff” ja noch nie gestellt (von Siggi Rauch mal abgesehen). Zuletzt kam Sascha Hehn als Kapitän Burger ja auch mit ganzen eineinhalb Gesichtsausdrücken aus. Interessanterweise war nicht nur Silbereisen schon einmal in der Rolle als schlagersingenden Offiziers beim “Traumschiff” dabei, sondern auch seine Verflossene, Helene Fischer als Reiseleiterin Franziska Stein. Falls die auch nochmal an Bord will, könnte Franziska Stein ja ihre alte Liebe zur Akrobatik wieder entdecken und mit ein paar Kolleginnen aus der Bordküche eine Nummer einstudieren.

Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle (Harald Schmidt) sieht das zufällig und verpflichtet die Damen vom Fleck weg für die Bord-Revue. Die musikalische Begleitung besorgt wie gehabt die Schlagerfuzzi-Truppe Klubbb3 vom Silbereisen, die schon bei seinem damaligen Gastauftritt mit von der Partie war. Die olle Rolle als “Florian Barner” wird aber nicht wiederbelebt. Als Kapitän heißt Florian Silbereisen dann Max Prager. Die ersten Folgen mit ihm laufen an Weihnachten und an Neujahr 2019/2020. Reiseziele sind dann die Karibik und Kolumbien.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” sprechen mein Kollege Christian Meier von der Welt und ich diesmal über den Auftritt von Facebook-Chefin Sheryl Sandberg beim zurückliegenden DLD-Kongress. Außerdem geht es um die großen Streaming-Pläne von ProSiebenSat.1-Boss Max Conze, das Kuddelmuddel ums neue EU-Urheberrecht, die Probleme von Buzzfeed und eben auch um den neuen “Traumschiff”-Kapitän. Viel Spaß beim Reinhören!

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