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“Strukturbedingte” Abberufung: Spiegel TV künftig ohne Chefredakteur, Steffen Haug verliert seinen Job

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Eine typische Personalie, wie sie sich Medienhäuser gern für den in der Branche wenig aufmerksamkeitsstarken Freitagnachmittag aufheben: Die zum Spiegel Verlag gehörende Fernsehtochter Spiegel TV schafft die Position des Chefredakteurs ab. Mit Amtsinhaber Steffen Haug werden, wie es heißt, "Gespräche über eine neue Aufgabe" innhalb des Hauses geführt. Die Maßnahme wertet das Unternehmen als "Umbau im Zuge der strategischen Neuausrichtung". Statt durch einen Chefredakteur werden die Redakteure künftig von "Produzenten" geführt.

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Die Verlagsmitteilung beschreibt die Neuerungen bei den redaktionellen Abläufen so: “Der Ende 2018 mit der Neuordnung der Geschäftsführung begonnene Umbau von Spiegel geht zügig voran. Der geplante Aufbau neuer Geschäftsfelder wird begleitet von weiteren Veränderungen in der Organisation des Unternehmens, insbesondere auf Führungsebene. Zukünftig werden die verschiedenen Redaktionen nicht mehr von einer Chefredaktion, sondern von Produzenten geführt, die über eine ausgewiesene Expertise in den jeweiligen Bereichen verfügen und direkt an die Geschäftsführer Goetz Hoefer, 48, und Kay Siering, 42, berichten.”

Goetz Hoefer kommentiert die Neuausrichtung wie folgt:

Wir orientieren uns mit diesen Maßnahmen an den Gepflogenheiten des TV-Marktes und schaffen moderne und schlanke Strukturen, die uns bei der Neupositionierung von Spiegel TV als starkem Partner auf dem freien TV-Markt unterstützen. Selbstverständlich bleibt auch in dieser neuen Führungsstruktur die redaktionelle Unabhängigkeit unbedingt bewahrt: Die Redaktionen von Spiegel-TV-Eigenproduktionen werden auch zukünftig inhaltlich frei und unabhängig berichten.”

Für Steffen Haug, der seit fünf Jahren als alleiniger Chefredakteur an der Spitze von Spiegel TV stand, bedeutet dies womöglich eine Rückkehr in die Autorentätigkeit. Der 51-Jährige ist seit fast zweieinhalb Jahrzehnten bei der Spiegel-Tochter beschäftigt. Mit ihm, so der Verlag, “finden zurzeit Gespräche über seine künftige Aufgabe bei Spiegel TV statt”. Geschäftsführer Kay Siering: „Ich habe über eine lange Zeit eng und vertrauensvoll mit Steffen Haug zusammengearbeitet, seine Abberufung hat ausschließlich strukturelle Gründe. Steffen hat vor mehr als 20 Jahren als Volontär bei Spiegel TV angefangen und seitdem in unterschiedlichen, leitenden Funktionen zur Erfolgsgeschichte unseres Hauses maßgeblich beigetragen. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir ihn in neuer Funktion auch weiterhin für Spiegel TV verpflichten könnten.“

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Auch über die Besetzung der neuen Produzenten-Positionen werde zurzeit beraten, die Umgestaltung der Führungsebene soll im April abgeschlossen sein, so Siering. Durch die Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der Produktion dürfte allerdings eine deutliche Schwächung der redaktionellen Kräfte bei den Entscheidungsprozessen einher gehen. Spiegel TV, das sich lange Zeit eher schwer tat, mit lukrativen und erlösstarken Auftragsproduktionen am Markt Fuß zu fassen, hatte zudem erst im vergangenen Jahr mit seinem Flaggschiff, dem RTL-Format “Spiegel TV Magazin”, den attraktiven Sendeplatz am Sonntagabend auf Betreiben des Senders aufgeben müssen. Das “Magazin” wird nun montags am späten Abend ausgestrahlt.

Für die von Stefan Aust 1988 gestartete Fernsehtochter ist die jetzt verkündete Strukturreform auch in der Spiegel-Gruppe eine deutliche Abwertung: Als einzige Abteilung im Haus muss sie ab jetzt ohne eigene Chefredaktion agieren und verliert auch in der Außendarstellung journalistisches Profil, zumal derzeit unklar ist, welche Qualifikation Bewerber für die Position der “Produzenten” mitbringen müssen. Was die Neuerungen für Spiegel TV, das auf eine lange und journalistisch unabhängige Geschichte zurückblicken kann, bedeuten werden, scheint offen. Die Geschäftsführung wird sich ab jetzt daran messen lassen müssen, ob es gelingt, die Profitabilität mit Erfolgen auf dem dicht besetzten und hart umkämpften Markt der Auftragsproduktionen zu verbessern.

(ga)

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Alle Kommentare

  1. Völlig Wurst, welchen pompösen Namen sich die Führungskräfte so geben. Könnte auch Direktor, Präsident, Prinzipal, General, Don, Boss oder Jefe sein. Oder auch Intendant, wie die Typen und Typinnen bei den GEZ-Sendern sich nennen.

  2. “Für die von Stefan Aust 1988 gestartete Fernsehtochter ist die jetzt verkündete Strukturreform auch in der Spiegel Gruppe eine deutliche Abwertung: Als einzige Abteilung im Haus muss sie ab jetzt ohne eigene Chefredaktion agieren und verliert auch in der Außendarstellung journalistisches Profil, zumal derzeit unklar ist, welche Qualifikation Bewerber für die Position der “Produzenten” mitbringen müssen.”

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  3. *…an die Geschäftsführer Goetz Hoefer, 48, und Kay Siering, 42, berichten.

    Das Wort “berichten”, alleine darüber muss man schon lachen…

    Wenn Leute aufsteigen verändern sie ihr Gesicht und ihre Aussprache, manchmal hält man es nicht für möglich was da in einigen vor sich geht…, wegen ein paar Stufen nach oben und ein paar Luschen mehr auf dem Konto…

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