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Der holländische Claas Relotius: Journalist aus den Niederlanden erfand Quellen und schrieb Artikel ab

Niederländische und belgische Medien sind Fälschungen eines freien Journalisten aufgesessen

Die Medienszene in den Niederlanden und Belgien hat nun auch einen Fälschungs-Skandal im Journalismus. Ähnlich wie der ehemalige Spiegel-Reporter Claas Relotius hat der freie Journalist Peter Blasic in diversen Medien Stories veröffentlicht, bei denen Quellen und Zeugen offenbar erfunden waren oder die teils abgeschrieben waren. Die Dimensionen des Skandals sind nicht so groß wie der Fall Relotius, es gibt aber Parallelen.

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Betroffen sind die niederländischen Magazine Nieuwe Revu und HP/De Tijd sowie die belgische Website Knack.be. Nieuwe Revu hat 27 Artikel des freien Journalisten Peter Blasic zurückgezogen, da dieser Quellen für die Texte angegeben habe, die man nicht nachvollziehen konnte. Ein Sprecher der belgischen Website Knack.be sagte laut Guardian: “Unsere eigenen Ermittlungen zeigen, dass Blasic niemals mit bestimmten Quellen gesprochen hat, die er in den Artikeln zitierte und dass er scheinbar eine Reihe von anonymen Zeugen erfunden hat.“

Tom Kellerhuis, Chefredakteur des niederländischen Magazins HP/De Tijd, sagte, seine Website habe die Zusammenarbeit mit Blasic bereits im Oktober 2017 beendet, nachdem aufgeflogen war, dass er Artikel aus anderen Medien plagiiert hatte. Dass der Fall damals nicht öffentlich gemacht wurde, begründet Kellerhuis damit, dass es sich bei Blasic nicht um einen Star-Reporter gehandelt habe, sondern um einen unerfahrenen Journalisten, der die Plagiate nach wie vor abstreite. Blasic hat laut HP/De Tijd zwischen 2014 und 2017 Artikel von der Website EUObserver ganz oder in Teilen plagiiert.

Aufgeflogen ist der Skandal durch eine Veröffentlichung der Amsterdamer Wochenzeitung De Groene Amsterdammer. Der Text dort ist überschrieben mit der Überschrift „Zu schön, um wahr zu sein„. Genau wie Claas Relotius habe Blasic, der auch unter dem Namen Peter Mertens veröffentlicht hat, Reportagen aus Bereichen geliefert, in man nur schwer Einblick bekommt und „glatte Geschichten“ geliefert. Auch wenn die Dimensionen nicht so groß sind, wie bei dem Fall Relotius – die Parallelen sind unverkennbar. Offenbar ist die Sehnsucht nach allzu perfekten Stories kein rein deutsches Medien-Phänomen.

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