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“Mobbing gegenüber einer Stadt”: Oberbürgermeister fordert Absetzung des Dortmund-“Tatorts”, weil der Einwohner als “Bier trinkend in Trainingsanzügen” zeigt

Der Dortmunder Tatort spielte mit Klischees, kritisiert Dortmund-OB Sierau (SPD)
Der Dortmunder Tatort spielte mit Klischees, kritisiert Dortmund-OB Sierau (SPD)

Der Dortmunder "Tatort: Zorn" sorgte Sonntag mit 9,22 Mio. Zuschauern zwar für den Tagessieg bei den Quoten, aber auch für reichlich Kritik: Als "maximal lächerlich" hat Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau den Krimi wegen seiner Klischeehaftigkeit empfunden. In einem Brandbrief an den WDR forderte er deshalb den vorzeitigen Ruhestand des Dortmunder "Tatort"-Teams. Der WDR reagiert gelassen.

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Die jüngste Folge des “Tatorts” aus Dortmund (“Zorn”) sorgt für Unverständnis beim Dortmunder OB Ullrich Sierau: In einem Brandbrief an den Intendanten des für den Dortmund-Tatort zuständigen WDR, Tom Buhrow, lässt der SPD-Politiker seiner Wut freien Lauf. Ein Krimidrehbuch müsse “ein Mindestmaß an Bezug zur Realität vorweisen”, schreibt Sierau. “Was sich in vorherigen Folgen schon angedeutet hat, lässt sich nach der Folge von Sonntag nur als fortwährendes Mobbing gegenüber einer Stadt, einer Region sowie den dort lebenden Menschen bezeichnen.”

Die Art, wie seine Stadt in dem Film dargestellt wurde, sei “an Klischeehaftigkeit nicht mehr zu überbieten”. Die Macher hätten die Menschen in dem Film “Bier trinkend in Trainingsanzügen vor heruntergekommenen Häusern herumstehen lassen”, beschwert sich Sierau weiter und forderte die Einstellung des Dortmunder Tatorts um die Kommissare Peter Faber und Martina Bönisch. Interessant dabei: Teile des “Tatort” wurden nicht einmal in Dortmund gedreht, sondern in der naheliegenden Ruhrpott-Stadt Duisburg.

Aus dramaturgischen Gründen verdichtet

Der WDR lässt sich ob der harschen Kritik des Dortmund-OBs jedoch kaum aus der Ruhe bringen. In einer Stellungnahme an die Medien reagierte der Sender auf den offenen Brief:

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Der “Tatort” ist Fiktion – aus dramaturgischen Gründen wird auch verdichtet und zugespitzt. Dadurch können einzelne Szenen von den einen als Klischees empfunden werden, von anderen als realitätsnahe Darstellungen. Das polarisiert, löst Debatten aus – das ist aus unserer Sicht nicht negativ, sondern bereichernd.

Der Sender zeige in seinen vielen Dortmunder “Tatort”-Folgen zudem “ein vielschichtiges Bild der Stadt”, etwa durch diverse Milieus und Drehorte wie den Phoenixsee, den Westfalenpark oder das Dortmunder „U“, betonen die Macher weiter.

Die Dortmunder Einwohner stellen sich indes überwiegend auf die Seite ihres Oberbürgermeister. Auf eine Facebook-Umfrage der Lokalzeitung Ruhrnachrichten reagierten 60 Prozent der Abstimmenden negativ auf die Folge vom Sonntag. Die Zeitung zitiert in ihrem Text dazu einen Nutzer: „Man sieht bei jedem ‚Dortmunder‘ Tatort nur deprimierte Gesichter“. Im “Tatort” wurde Dortmund der Charme der 1970er- und 1980er-Jahre aufgedrückt. […] So war es einer der größten Fake-Tatorte überhaupt und die Drehorte waren ein Desaster.“

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Alle Kommentare

  1. Hahahahah, ist das herrlich.

    Die beste Werbung für Dortmund, ich steh auf Bier, ich steh auf heruntergekommene, abgefuckte Häuser und ich steh auf Trainigsanzüg. Und vor allem: Mein Milieu der absoluten Gemütlichkeit. Da bin i zHaus.

  2. ..und in München liegen die Leichen im Bahnhofsviertel, auch nicht schön Münchnerisch.
    Klischeehaft finde ich eher die Kommissar-Figuren, was mich zunehmend nervt. Muss man denn immer im Kommissariat übernachte, im knüsseligen Anorak und den Kopf auf der Tischplatte? Müssen die beiden jungen Kolleg*innen denn immer den anderen “Scheiße” finden und sich emotional beharken? Sieht so die “dramaturgische Fallhöhe der Konflikte” aus?
    Dann doch lieber “Kiel”, “Weimar”, “Bodensee”, die Tatorte sind/waren auch spannend und kotzen den Zuschauer nicht dauernd an mit ihren internen Problemen.

  3. Ich kenne Dortmund nicht und ich sehe keinen Tatort, egal wo er handelt. Krimis sind mir vollkommen egal.
    Dass man sich darüber unterhält, diskutiert, gern auch streitet, ist erkennbar normal und wenn einem das Ding missfällt, schaltet man ab.

    War mir allerdings vollkommen unverständlich bleibt, wieso der empörte OB nichts weniger als die Absetzung, also Zensur fordert. Ich habe keine Ahnung, und deshalb auch meine Einleitung, ob seine Kritik gerechtfertigt ist. Es ist mir auch egal. Nicht egal ist mir, mit welcher SelbstverständlichKeit er seine Kritik nicht als Beitrag zu einer denkbaren Debatte versteht sondern dass er davon ausgeht, er dürfe ein Verbot einfordern. Dass sowas nicht eine entschiedene Abfuhr in den Medien, auch nicht in diesem Artikel, und beim Sender erfährt, ist nur schwer einzusehen. Der Sender rechtfertigt sein. Ob das “cool” ist? Mag sein. Nur müsste die Ansage sein, dass man mit Zensoren und Menschen, die Verbote fordern, nicht diskutieren kann. Und das es sowas wie Freiheit der Kunst gibt, die Verfassungsrang hat und näher steht als der Wunsch eines OB seine Stadt so beschrieben zu sehen, wie er es sich wünscht.

  4. Na ja … warum
    Nicht Jogginghose und Bierchen. Daran is ja nix schlimm, sach ich ma.
    Schlimm ist eher, dass das Ruhrgebiet seinen Stolz verloren hat, schon länger. Schade schade, denn das ist nicht das Ergebnis von Jogginghose und Bierchen, sondern leider nicht wirklich guter Städte und vorrausschauender Ruhrgebiets Politik seit vielen Jahrzehnten. Den Menschen geht es schlecht, sie fühlen sich nicht ernst genommen und ungeliebt.
    Das hat jetzt auch alles nichts mehr mit diesem Tatort zu tun, sondern mit der Einstellung aller: Herr Bürgermeister, wenn Sie ein besseres Image filmen lassen moechten, dann muss es auch von innen kommen. Neue Energien sind in jedem Fall richtig gut!

  5. Egal wann und wo man einschaltet, überall öffentlich-rechtlicher Mord- und Totschlag. Das verstehen die ÖR also unter Informationsauftrag und Grundversorgung, finanziert durch Gebühren. Die Inhalte generell sollten unter die Lupe genommen werden-

  6. GEZ S******dreck

    Ermittler sind IMMER kaputte Deppen, Soziopathen oder ach-so-diskriminierte Problemweibchen

    Die letzte echte Überraschung in dem Sumpf war der Analverkehr vom Berliner Ermittler …

    Dann lieber Schimanski aus den 80ern oder Stöver bevor das elende Gesinge losging

  7. So schaut’s da halt aus. Die Ossis beschweren sich doch auch nicht, dass ihre Städte (inkl. Berlin) seit Jahren in fast allen TV-Serien als dreckig und schäbig dargestellt werden… Die Realität ist anders. NRW am Ende.

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