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Der ProSiebenSat.1-CEO und seine neue Wachstumsstory: Max Conze kündigt “deutsches Hulu” für den Spätsommer an

“Keine Angst vor Kannibalisierung”: ProSiebenSat.1-CEO Max Conze
"Keine Angst vor Kannibalisierung": ProSiebenSat.1-CEO Max Conze

Max Conze, seit Juni vergangenes Jahres an der Spitze von ProSiebenSat.1, will den Aktienkurs des Konzerns in den kommenden fünf Jahren verdoppeln – während das Ziel bereits klar war, gibt der bislang unerfahrene Medienmanager nun die Marschroute vor: Im Wettbewerb mit Streaming-Anbietern setzt er auf Kooperation und ruft dazu auf, keine Angst vor Kannibalisierung zu haben.

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2019 soll sich im Bewegtbildmarkt maßgeblich etwas ändern: Genug wurde über die Bedrohung durch Netflix, Amazon & Co. geredet, in diesem Jahr haben die großen Anbieter in Deutschland vor, den Streaming-Diensten etwas entgegenzusetzen: Kurz vor dem Start des Quotengaranten “Ich bin ein Star, holt mich hier raus!”, relaunchte die Mediengruppe RTL ihre Mediathek und stieg mit TV-Now ins Geschäft der Streamingdienste ein. Und unter dem neuen CEO Max Conze will in diesem Jahr auch ProSiebenSat.1 sein Revier markieren – beim DLD in München deutete der noch frische Medienmanager an, was ihm vorschwebt. Jedoch steht der Konzern unter dem Druck, schnell Ergebnisse zu liefern.

Im Spätsommer dieses Jahres rechnet Conze mit dem Launch der eigenen Streamingplattform, die ProSiebenSat.1 im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem US-Konzern Discovery angekündigt hat. Conze unterstrich bei seinem Auftritt auf dem DLD, dass man – im Gegensatz zur Konkurrenz von RTL – nicht an einer eigenen Lösung interessiert sei. “Unsere Plattform könnte alle deutschen Inhalte vereinen, die die Leute sehen wollen”, sagte der CEO. Der ProSiebenSat.1-Chef hat ein großes US-Vorbild im Sinn. In den Staaten haben sich TV-Sender wie NBC, Fox und ABC zusammengeschlossen und Hulu an den Start gebracht. Conzes Vision passt zu Plänen, die auch auf öffentlich-rechtlicher Seite bestehen, und denen sich auch andere private Konzerne wie Axel Springer nicht gegenüber verschließen.

Mit dem Angebot will sich Conze aber den finanzstarken und global aufgestellten Wettbewerbern wie Netflix und Amazon abgrenzen – und hier wird auch deutlich, weshalb Conze Kooperation dringend braucht. Unterhaltung bestehe nämlich nicht nur Fiction, sondern auch aus Shows, Sport und Nachrichten. Letztere hatte ProSiebenSat.1 in Form von N24 vor Jahren verkauft – heute wäre ein eigenes Nachrichtenangebot wohl durchaus nützlich.

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Auf der neuen Plattform will Conze alles einbringen, was ProSiebenSat.1 inhaltlich zu bieten hat und das lineare Programm mit den bereits bestehenden Digital-Aktivitäten verschmelzen. Als Beispiel nannte er das Multichannel-Network Studio71, das mehr als 1.000 YouTube-Channels unter Vertrag hat. “Wir sind in zwei Welten aus neuem und alten Geschäft unterwegs und sie sind noch nicht so miteinander vernetzt, wie sie könnten”, so Conze. “Eine Streamingplattform zu bauen, die beide wundervollen Dinge, die wir tun, miteinander verbindet, ist eine unserer Möglichkeiten.”

Eine weitere Stärke gegenüber den Anbietern aus Übersee sei das lokale Verständnis der hiesigen Medien, so Conze. Der Manager glaubt, sich näher am Publikum und seinen Vorlieben zu bewegen, besser einschätzen zu können, welche Bedürfnisse Zuschauer zu welcher Zeit haben – eine Einschätzung, die im Wettbewerb wohl kaum geteilt werden dürfe. Längst haben Amazon und Netflix damit begonnen, mit regionalen Inhalten auf Nutzerbedürfnisse einzugehen. Zudem investieren beide Unternehmen massiv in die Analyse der erhobenen Daten, um ihre Produkte stets zu verbessern. Auch im Segment von Shows und Sport schauen die Amerikaner nicht einfach unbeteiligt zu.

Conze braucht vor allem eine überzeugende Wachstumsstory, wenn er seine Ziele am Finanzmarkt erreichen will. Innerhalb der kommenden fünf Jahre will er den Wert der Aktie verdoppeln. Zuletzt fiel ProSiebenSat.1 auf den tiefsten Kurs seit sieben Jahren. Der Börsenwert hat sich innerhalb des vergangenen Jahres nahezu halbiert.

Um wieder die Kurve zu bekommen, das machte Conze ebenfalls klar, braucht es jedoch mehr als ein neues Digitalgeschäft. Der ProSiebenSat.1-Chef, der zuletzt den Staubsaugerhersteller Dyson führte, forderte auf der Bühne des DLD auch einen internen Kulturwandel. Vor allem die Angst vor der eigenen Kannibalisierung müsse fallen. “Sie ist der größte Verhinderer neuer Geschäftsmodelle”, so Conze. Wer sich nicht selbst kannibalisiere, werde irgendwann von anderen gefressen werden.

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