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Wochenrückblick: Die Quoten der RTL-Dschungelshow verdienen eine differenzierte Betrachtung

Kretsch; Dschungel; ratter, ratter, push; es war einmal die HuffPost
Kretsch; Dschungel; ratter, ratter, push; es war einmal die HuffPost

Das T-Online.de-Interview mit Ex-Handballer Stefan Kretzschmar und seine Einlassungen zur Meinungsfreiheit sorgte in dieser Woche noch für reichlich Aufregung. Das Aus für die deutsche HuffPost ist kein gutes Zeichen für reine Digitalmedien. Zeit Online pusht kryptisch. Und die Quoten des RTL-Dschungelcamps verdienen eine differenzierte Betrachtung. All dies in der MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Das Interview, das Ex-Handballer Stefan Kretzschmar T-Online.de gegeben hat, stammt zwar von vergangener Woche, die Diskussion um Meinungsfreiheit nahm aber erst in dieser Woche so richtig Fahrt auf, weshalb sich der Kretsche-Meinungsfreiheit-Komplex nachhaltig für diese Kolumne qualifiziert. Die T-Online.de Leute haben einen Videoclip mit dem Meinungsfreiheit-Teil bei Facebook eingestellt und dazu leicht verkürzt getextet: “Stefan Kretzschmar kritisiert fehlende Meinungsfreiheit in Deutschland”. Das sorgte dafür, dass das Video herumgereicht und teils in rechten Kreisen beklatscht wurden. Wörtlich hatte Kretzschmar von “Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne” gesprochen. Gemeint hat er damit, dass man in D-Land zwar nicht für seine Meinungsfreiheit in den Knast wandert, aber halt riskiert, Gegenmeinungen bzw. Kritik abzubekommen. Oder als Sportler eventuell Ärger mit einem Werbepartner oder Sponsoren. So weit, so normal. Interessant dabei ist nun schon, dass die Welle erst losging, als das verkürzte Zitat bei Facebook und später Twitter auftauchte. Von dort schwappte die Empörung dann zurück in die Medien (u.a. zur Bild, die ein ziemliches Fass deswegen aufmachte) und wieder zurück in die sozialen Medien. Wenn man mal studieren will, wie sich Social Media und klassische Medien auf ungute Weise hochschaukeln – hier wäre ein idealer Case.

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Noch was vom Ende vergangener Woche: In Deutschland macht die HuffPost dicht. Das ist insofern bemerkenswert, als das rein digital publizierende Medium vom hierzulande verantwortlichen Burda-Verlag stets als lupenreine Erfolgsstory verkauft wurde. Offenbar liegen die Gründe für die Einstellung nun auch nicht bei krasser Underperformance, sondern eher darin, dass es Zoff mit dem HuffPost-Lizenzgeber Verizon gibt, der möglicherweise mehr Geld für die Lizenz verlangt hat. Wäre die deutsche HuffPost jetzt aber eine Gelddruckmaschine gewesen, hätte sich vermutlich schon eine Lösung gefunden. Das Aus für das einst so gehypte Medium ist eher ein Beleg dafür, dass sich die rein auf Reichweite fixierten Digitalmedien auf lange Sicht wirtschaftlich doch ziemlich schwer tun. Klicks machen keinen satt.

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Knatter, knatter. Ritsch, ratsch.

Wer die Zeit-Online-Lesetipps als Push-Nachrichten auf seinem Handy abonniert, bekommt bisweilen kryptische Texte. In der Vergangenheit teasten die Zeit-Online-Leute ihre Lesetipps schon mal mit Nachrichten an wie “Hähähähä! oder “Guten Tag, hier kommt ihre Wurst!” Dahinter verbargen sich dann jeweils Artikel, die irgendwie was mit dem Gaga-Teasing zu tun hatten. Aktuell pushten die Faxenmacher:

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Das Irre ist nun, dass der Text, der sich hinter diese Ratsch-Lesetipp verbirgt, auch fast ausschließlich aus der Lautmalerei “Ratsch” besteht. Es handelt sich um eine Glosse über die so genannten Klatschpappen bei Sport-Events wie der Handball-WM. Tütelüüüt. Ding!

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Seit einer Woche läuft jetzt schon die 13. Staffel des RTL-Dschungelcamps “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!” Ich muss sagen, dass das Camp diesmal wieder für reichlich gute Unterhaltung sorgt, insofern man sich für dieses Format interessiert. Zeitgenossen, die darin den kulturellen Untergang des Abendlandes oder einen Angriff auf die Demokratie sehen, werden wohl eher fernbleiben. RTL und die Produktionsfirma ITV haben sich diesmal einiges einfallen lassen, damit es nicht wieder so langweilig wird wie im vergangenen Jahr. Aber der Hauptgrund, dass das Camp wieder sehenswert ist, sind natürlich die Teilnehmer, die sehr bereitwillig menschliche Untiefen ausloten. Trotz der inhaltlich guten Qualität stagniert die Quote auf dem Niveau der lahmen Vorgängerstaffel. Dabei darf man freilich nicht vergessen, dass die TV-Reichweiten generell im Sinkflug sind. Hinzu kommt noch, dass die Privatsender davon stärker betroffen sind als ARD und ZDF und überproportional viele junge Zuschauer immer weniger Fernsehen schauen (blame ze Internet). Das und ein gewisser Abnutzungseffekt nach zwölf Staffeln mag die aktuellen Dschungelquoten zumindest teilweise erklären. Trotzdem schaffte es die Show am Donnerstag auf einen Marktanteil von über 42 Prozent bei den jungen Zuschauern von 14 bis 49 Jahren. Das schafft wohl kein anderes TV-Format.

Mein Tipp für die Dschungelkrone in diesem Jahr lautet übrigens: Evelyn “The Brain” Burdecki. Das Dschungel-Publikum liebt einfach die Simpel.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt auch über die Meinungsfreiheit-Debatte rund um Stefan Kretzschmar. Außerdem geht es um die aufgebauschte Plakataktion der rechten Identitären Bewegung gegen Medien und Politiker, um Erkenntnisse aus dem aktuellen Reuters Report, das Aus für die HuffPost und natürlich auch ein bisschen um den Dschungel. Viel Spaß beim Reinhören!

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