Partner von:
Anzeige

SPD-Medienbeteiligung Öko-Test finanziell in Not: Aktionäre entscheiden über Zukunft der Verlagstochter

Jens Berendsen, Geschäftsführer der SPD-Medienholding ddvg, will die Probleme bei Öko Test lösen
Jens Berendsen, Geschäftsführer der SPD-Medienholding ddvg, will die Probleme bei Öko Test lösen

Die zur SPD Medienholding ddvg gehörende Öko-Test Holding mit dem Verbrauchermagazin Öko-Test befindet sich finanziell in einer prekären Lage. Das Unternehmen, das in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt wird, hat mehr als die Hälfte seines Grundkapitals aufgezehrt. Nun findet am Montag eine außerordentliche Hauptversammlung statt. Hier sollen 900 Aktionäre diverse Maßnahmen beschließen, um den Verlag vor dem Untergang zu bewahren.

Anzeige

Es gilt als publizistisches Aushängeschild für die SPD-Medienholding: das Verbrauchermagazin Öko-Test. Monat für Monat publiziert die Zeitschrift Produkttests: Von Olivenöl, Matratzen, Schmerztabletten bis zu Finanzprodukten. Kaum einen Lebensbereich spart die Redaktion aus.

Wie vielen Zeitschriften fällt es auch Öko-Test schwer, sich im hart umkämpften Markt zu behaupten. Die Auflage sinkt seit Jahren – im 3. Quartal um mehr als sechs Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. „Öko-Test ist zu textlastig und nicht sinnlich genug“, mäkelte Jens Berendsen, Geschäftsführer der SPD Medienholding, am Mittwoch bei einem Pressegespräch an dem Blatt herum. Daher werde das Verbrauchermagazin noch in diesem Jahr relauncht. Mehr Lifestyle, mehr Lebensgefühl – zumindest optisch soll der Verbrauchertitel so den Zeitgeist der Leser treffen.

Doch die Auflage ist noch das geringste Übel. Viel größer sind die finanziellen Probleme, die die Öko-Test Holding AG hat. Die Gesellschaft hat mehr als die Hälfte ihres Grundkapitals aufgezehrt, für eine Aktiengesellschaft ein No-Go. Über die bittere Wahrheit informierte der Vorstand den Kreis der 900 Öko-Test-Aktionäre kurz vor Weihnachten in einer Pflichtmitteilung im Bundesanzeiger.

Die Ursachen für das finanzielle Desaster sind vielschichtig. Eines der größten Probleme ist der unternehmerische Ausflug von Öko-Test nach China. Hier hatte sich der ddvg-Geschäftsführer Berendsen große Hoffnung gemacht. Er wollte dort mit unabhängigen Produkttests das große Geschäft aufziehen. Diverse Lebensmittel-Skandale hatten die Chinesen schwer verunsichert. Sie waren sehr daran interessiert, neutrale Urteile über die Qualität ihrer Produkte zu erfahren.

Anzeige

Doch das Öko-Test Engagement in China entwickelte sich nicht wie erwartet. Die Geschäftsführung zog deshalb die Reißleine. Sie verkaufte die Aktivitäten im November 2018 an das dortige Management. Für das Unternehmen kein gutes Geschäft – Wertberichtigungen waren nötig. Sie führten unter anderem dazu, dass die Öko-Test GmbH als operative Unit in die roten Zahlen rutschte. Für die Miesen musste allerdings die Muttergesellschaft, die Öko-Test Holding AG in Frankfurt, aufkommen, da ein Ergebnisabführungsvertrag besteht. Zusätzlich musste die Holding der Tochter mit liquiden Mitteln aushelfen.

Nun soll eine außerordentliche Hauptversammlung der AG am kommenden Montag das Ruder herumreißen. „Um diese unnötige Liquiditätsbelastung für die AG zu vermeiden und die Unternehmensstruktur zu optimieren, haben Vorstand und Aufsichtsrat entschieden, Mutter- und Tochtergesellschaft zu verschmelzen“, heißt es hausintern. Berendsen will sich zu diesem Sachverhalt nicht äußern. Er betont lediglich: “Losgelöst von der aktuellen Situation ist das Management von Öko-Test entschlossen – im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat – den bislang eingeschlagenen Sanierungskurs mutig fortzuführen: Es geht darum, das Unternehmen zu modernisieren und Öko-Test neu aufzustellen”. Der Vorstand der AG ließ eine Anfrage unbeantwortet.

In der Branche geht man davon aus, dass die ddvg ihre Mehrheit an der Öko-Test-Holding AG nutzt, um die Verschmelzung durchzuwinken. Sie ist mit mehr als 67 Prozent an der Öko-Test Holding beteiligt. Möglicherweise könnte es aber aus den Reihen der Aktionäre Widerstand gegen die Maßnahme geben. Das wäre fatal: Käme eine Verschmelzung nicht zustande, wäre die weitere Zukunft des Öko-Test-Verlags mehr als ungewiss.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia