Partner von:
Anzeige

DLD-Gründerin Steffi Czerny über den digitalen Wandel: “Wenn wir zu lange zögern, werden andere für uns entscheiden”

DLD-Gründerin Steffi Czerny: “Bildung und Mut zur Veränderung sind entscheidend, um mit dem Wandel Schritt halten zu können”
DLD-Gründerin Steffi Czerny: "Bildung und Mut zur Veränderung sind entscheidend, um mit dem Wandel Schritt halten zu können"

Am Wochenende startet die DLD-Konferenz in ihre nun schon 15. Runde. Unter dem Motto "Optimism and Courage" wollen die Macher aus dem Hause Hubert Burda Media ein Bewusstsein dafür schaffen, dem digitalen Wandel mit deutlich weniger Skepsis zu begegnen, auch um ihn mit seinen Risiken besser umgehen zu können. Im Interview mit MEEDIA erklärt DLD-Gründerin Steffi Czerny, wie das gelingen kann, und was sie vom Auftritt von Facebook-Co-Chefin Sheryl Sandberg erwartet.

Anzeige

Frau Czerny, bei jedem DLD laden Sie internationale Gründer, Konzernlenker oder Wissenschaftler ein, um dem Publikum die Zukunft ein bisschen näher zu bringen – in Deutschland streitet man aber lieber über die Notwendigkeit des Netzausbaus als über Visionen zu diskutieren – ärgert Sie das?
Ärgerlich finde ich die Diskussionen nicht, denn der Netzausbau ist wichtig für die Innovationskraft unseres Landes; es sollte aber schneller gehen, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Wir müssen in Deutschland noch viel mehr begreifen, dass wir die Digitalisierung nicht ignorieren können, denn sie betrifft jeden Bereich unseres Lebens. Wenn wir zu lange zögern, werden andere für uns entscheiden, wie wir morgen leben werden und das sollten wir unbedingt vermeiden.

Sie fordern in diesem Jahr unter dem Motto “Optimism and Courage” eine neue, aufgeschlossene Grundeinstellung gegenüber der Digitalisierung, weil die Skepsis in vielen Teilen noch immer überwiegt. Wie lässt sich diese Zögerlichkeit, teils negative Einstellung gegenüber der Veränderung abstellen?
Ängsten begegnet man am besten, indem man sich ihnen stellt, das Neue kennenlernt und sich mit ihm auseinandersetzt. Es wird höchste Zeit, dass wir der Digitalisierung nicht mehr per se ängstlich und pessimistisch gegenübertreten, sondern sie als Chance sehen. Nur mit Mut und Optimismus können wir die Zukunft nach unseren Vorstellungen gestalten. Das bedeutet auch, offen für Veränderungen zu sein.

Welche Rolle nimmt die Politik ein?
Die Politik steht vor der großen Herausforderung, mit dem wahnsinnig schnellen Tempo der Veränderung Schritt halten und die notwendigen Rahmenbedingungen für den digitalen Wandel schaffen zu müssen. Das ist schwierig, denn viele der heutigen Mandatsträger und Politiker sind in einer analogen Welt groß geworden. Sie müssen sich jetzt auf etwas einlassen, das sie selbst nicht richtig kennen. Auch die politischen Strukturen selbst sind nicht für eine Zeit geschaffen, die rastlos Fakten schafft, ehe ein Parlament überhaupt Gelegenheit hatte, Vor- und Nachteile radikaler Veränderungen zu diskutieren. Deshalb freue ich mich sehr, dass Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier an unserer DLD-Konferenz teilnehmen, um sich an unserem Ideenaustausch zu beteiligen und ihren Horizont zu erweitern.

Mit Dorothee Bär gibt es eine Staatsministerin für Digitales, der Etat für Digitales liegt aber im Verkehrsministerium. Braucht es ein eigenes Digitalministerium, wenn die Digitalisierung zugleich überall stattfindet?
Wenn dieses Digitalministerium in der Lage ist, tatsächlich etwas zu bewegen, dann macht es sicher Sinn. Wenn es aber nur wirkungslose Regierungsposten beinhaltet und lediglich mehr Bürokratie bedeutet, können wir hierauf verzichten.

Die Digitalisierung wird immer komplexer, mit der Veränderung durch soziale Netzwerke konnten noch viele Menschen etwas anfangen, bei Themen wie Blockchain und Artificial Intelligence wird es schwieriger. Wie können wir verhindern, dass die Digitalisierung die Menschen abhängt?
Je mehr die Menschen wissen, desto besser können sie Prozesse verstehen und den Wandel aktiv mitgestalten. Viel zu oft beschwert man sich über die Digitalisierung, weiß aber eigentlich viel zu wenig über sie. Wir brauchen deshalb dringend eine Digitalerziehung, die schon in frühen Jahren ansetzt. So wie Kinder Rechnen und Schreiben lernen, müssen sie heute das Digitale verstehen und früh an Fähigkeiten wie das Programmieren herangeführt werden. Bildung und Mut zur Veränderung sind entscheidend, um mit dem Wandel Schritt halten zu können und zu verstehen, was auf uns zukommt. 

Anzeige

Sie sind mit dem DLD viel in der Welt unterwegs – wie viel Zukunft kommt noch aus dem Silicon Valley?
Das Silicon Valley ist längst nicht mehr das einzige Zentrum für Innovation und Zukunftstechnologien. Im Gegenteil – ich beobachte, dass immer mehr erfolgreiche Unternehmen aus ganz anderen Ländern dieser Welt kommen. China nimmt hier eine immer wichtigere Vorreiterrolle ein, deshalb erwarten wir bei DLD eine deutlich größere Delegation aus China als in den Vorjahren. Mich freut aber ganz besonders, dass wir die Konferenz zum ersten Mal dem Thema Afrika öffnen mit großartigen Unternehmern aus verschiedenen Regionen des Kontinents, die Vorbilder für ihre Heimat sind. Zu ihnen gehört Fatoumata Bâ, die mit ihrer E-Commerce-Plattform Jumia das erfolgreichste Digital-Startup Afrikas gegründet hat. Wir wollen zeigen, dass die junge Generation in Afrika enormes Potential und sehr viel Engagement mitbringt, um das Leben auf ihrem eigenen Kontinent zu verbessern.

Einer der wohl am meisten beachteten Gäste beim DLD in München in diesem Jahr wird Facebook-Chefin Sheryl Sandberg sein, deren Konzern gerade eine Krise erlebt. Was erwarten Sie von dem Auftritt? 
Ich verspreche mir von ihr, dass sie ehrlich Stellung bezieht zu den Herausforderungen, mit denen Facebook zu kämpfen hat und auch aufzeigt, wie das Unternehmen das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen möchte. Grundsätzlich ist der Gedanke von sozialen Netzwerken, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und den Ideenaustausch zu fördern, wertvoll für unsere Gesellschaft. Es muss aber endlich ein Weg gefunden werden, Fake News, Feindseligkeiten und Datenmissbrauch zu unterbinden, damit das Positive dieser Netzwerke wieder überwiegt.

Der DLD findet vom 19. bis 21. Januar in der alten Kongresshalle in München statt. 

Die Fragen an Steffi Czerny wurden schriftlich gestellt.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Wenn ich ein Drehbuch für eine DLD schreiben würde, bekommt es den Titel

    “Strategie, Volkswirtschaft, digitale Wertschöpfung und Arbeitsteilung – Grundlagen einer nachhaltigen Medien- und IT-Regulierungspolitik und digital-wirtschaftlichen Industriepolitik.”

    Systemfragen:
    Wie antwortet Europa auf die asiatische IT-Regulierungspolitik und Good-Governance Strategien in Smart City-Projekten?

    Zukunftsmarkt One-Belt One-Road? Infrastrukturen mit digitalen
    Long-Tail der Wertschöpfung?

    Digitale Stadt-Land-Verflechtung und nachhaltige Landnutzung
    zur Ernährungssicherung und Erhalt der Naturressourcen mit
    autonomen Fahrzeugen und Agrartchnologien?

    Open-Innovation: Strukturen und Technologien für die digitale
    und soziale Stadt: wie kann das Verletzlichkeitsparadoxon im
    Datenschutz und im Krisenfall abgebaut werden?

    Nachhaltigkeit von IT-Technologien und Design-Strategien zur
    Vermeidung von Produktivitäts-Paradoxa: Wie digital darf eine
    Lösung sein?

    Staatslabore, Normenkontrollräte, Kompetenzzenten für
    Öffentliche IT, IT-Beauftragte der Bundesregierung, Digitalräte,
    Datenethik-Kommissionen, Kafka-Brigaden – oder Open Innovation?

    Wer soll Innovationspolitik antreiben, strukturieren und regieren?

    Auch eine Preisverleihung darf sein:
    “Der größte digitale Scheissprozess des Jahres!”

    Die beste E-Government-Innovation mit Datenschutz, ePrivacy und
    eDialog-Privacy für Web + IoT.

    … natürlich sind nach ein paar Wünsche offen, …

    Ich lege schon mal los ….

    “Arbeitsziel inklusive digitale-soziale Marktwirtschaft” in “SmartCities”
    und connected “SmartRegions!”

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia