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Netflix für 18 Euro pro Monat? Der Streaming-Primus und das riskante Spiel mit dem Preis

Netflix passte erst kürzlich die Preise für seine Abomodelle an
Netflix passte erst kürzlich die Preise für seine Abomodelle an

Drama findet nicht nur in den Serien von Netflix, Prime Video & Co. statt, sondern auch im Markt der Streaming-Anbieter. 2019 könnte das Jahr der Streaming-Wars werden, wenn große Player wie Disney und Warner mit eigenen Angeboten neu auf den Markt drängen. Netflix rüstet sich für die neue Konkurrenz in den USA mit einem auf den ersten Blick ungewöhnlichen Schritt: einer Preiserhöhung. Während die teueren Abopreise in den USA beschlossen sind, werden sie für Deutschland noch getestet. Doch das Spiel mit dem Preis ist riskant.

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In den USA steht bereits fest, dass man künftig tiefer in die Tasche greifen muss, wenn man Netflix-Stoff wie “Stranger Things” oder “Birdbox” schauen will. Der Streaming-Gigant erhöht die Preise im Stammland für das populärste Abo von 11 auf 13 Dollar Monat. Damit können bis zu zwei Nutzer gleichzeitig in HD-Qualität streamen. Das Basis-Angebot für nur einen Nutzer in SD-Qualität wird von acht auf neun Dollar erhöht, das Premium-Paket, bis zu vier Nutzer können gleichzeitig schauen und es werden Inhalte in Ultra-HD angeboten, kostet nun 16 statt wie bisher 14 Dollar.

Die Börse quittierte die Preiserhöhung in den USA (sie gelten auch für Lateinamerika und die Karibik, wo Netflix ebenfalls in US-Dollar abrechnet) mit einem Kurssprung von über sechs Prozent. Netflix braucht das Geld für seine massiven Investitionen in Inhalte. Laut Schätzungen von Analysten gibt das Unternehmen allein in diesem Jahr zwölf Milliarden US-Dollar für Lizenzen und Eigen-Produktionen aus. Eine Verdopplung innerhalb von zwei Jahren!

Disney und Warner starten eigene Diensten

Netflix rüstet sich mit den massiven Investitionen für den kommenden Kampf gegen neue Schwergewichte im Markt. Disney und Warner wollen noch in diesem Jahr mit eigenen Streaming-Services starten, wobei Disney bereits erklärt hat, Netflix preislich unterbieten zu wollen. Der Micky-Maus-Konzern hat dabei nicht nur Trickfilme im Angebot, sondern ist auch Herr über die Marvel-Superhelden und das komplette Star-Wars-Universum. Warner wiederum hält die Rechte an der “Harry Potter”-Reihe samt Ablegern, den “Herr der Ringe” und “Hobbit”-Filmen sowie der immer noch populären Sitcom “Friends”. Als Netflix “Friends” 2019 aus dem Katalog werfen wollte, gab es einen Aufschrei von Fans. Netflix zahlte schließlich angeblich die Rekordsumme von 100 Mio. Dollar an Warner, um “Friends” auch 2019 noch zeigen zu können. In den beiden Jahren zuvor soll die Lizenz jeweils “nur” 30 Mio. Dollar pro Jahr gekostet haben. Trotzdem wird “Friends” auch im neuen Warner-Service zu sehen sein. Die Bedeutung von Eigenproduktionen nimmt für die Streaming-Anbieter immer mehr zu.

Es wird erwartet, dass Warner und Disney weitere Lizenzen ihrer Top-Inhalte bei Netflix entweder auslaufen lassen oder sich extrem teuer bezahlen lassen. In den USA ist der Konkurrenzkampf im Streaming-Segment noch härter als hierzulande. Dort spielt auch der Pay-TV-Anbieter HBO (“Game of Thrones”) eine große Rolle und es gibt noch den Streaming-Service Hulu, der Disney, Comcast und 21st Century Fox gehört und ebenfalls im Kampf um die besten Lizenzen mitmischt.

Jüngste Netflix-Preiserhöhung im Herbst 2017

Hierzulande buhlen vor allem Netflix und Amazons Prime Video um die Gunst der Streaming-Zuschauer. Beide Anbieter teilen sich ungefähr die Hälfte des Marktes auf. Weitere Player sind neben einigen Nischen-Anbietern etwa Sky oder das ProSieben-Sat.1-Angebot Maxdome – jeweils mit deutlichem Abstand zu den beiden großen Anbietern. Interessant ist nun, dass Netflix aktuell auch in Deutschland wieder einen Test mit höheren Preisen angestoßen hat. Dabei testet der Anbieter bei einzelnen Neuanmeldungen Preise von bis zu 17,99 Euro für das Premium-Abo. Das Standard-Abo würde demnach von 10,99 auf maximal 13,99 Euro pro Monat steigen, das Basis-Abo von 7,99 auf bis zu 9,99 Euro. Dies sind wohlgemerkt Tests. Es ist unklar, ob und in welchem Umfang diese Preiserhöhungen überhaupt kommen. Die Test-Kunden müssen den höheren Preis übrigens nicht tatsächlich bezahlen. Es geht Netflix nur darum zu erfahren, ob jemand diese Preise zahlen würde.

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Die jüngste Preiserhöhung hat Netflix in Deutschland im Herbst 2017 vollzogen. Damals stiegen die Preise fürs Standard-Abo von 9,99 auf 10,99 Euro und fürs Premium-Abo von 11,99 auf 13,99 Euro. Der Preis für das Basis-Abo blieb gleich, obwohl auch hier eine Erhöhung auf 8,99 Euro zuvor getestet wurde. Beim Standard-Abo wurde ein Preis von bis zu 11,99 Euro getestet. Zwischen den Tests und dem Vollzug der Preiserhöhungen lagen damals rund drei Monate. Interessant ist auch, dass Netflix in Deutschland aktuell auch wöchentlich kündbare Abos testet, die zusammengerechnet deutlich teurer wären, als die monatliche Abrechnungsweise.

Must-Have-Charakter in den USA

Amazon drehte für seinen Prime-Service, der neben Gratis-Lieferungen und weiteren Angeboten auch das Video-Streaming enthält, hierzulande zuletzt 2016 an der Preisschraube und erhöhte von 49 auf 69 Euro pro Jahr. Außerdem führte Amazon die Möglichkeit ein, monatlich zu kündigen. Bei monatlicher Zahlung schlägt Prime mit 8,99 Euro pro Monat zu Buche. Amazon ist also in Deutschland deutlich günstiger als Netflix. In den USA hat Amazon den Prime-Preis zuletzt im vergangenen Jahr erhöht, und zwar von 99 auf 119 Dollar jährlich. Nach Branchen-Untersuchungen etwa des Analyse-Unternehmens Goldmedia ist Prime Video immer noch der meist genutzte Streaming-Dienst in Deutschland (wobei Netflix stark aufholt), während Netflix in den USA die klare Nummer 1 ist.

Ein allzu heftiges Drehen an der Preisschraube in Deutschland wäre für Netflix demnach deutlich riskanter als in den USA. Einmal weil der Haupt-Konkurrent Prime Video deutlich günstiger ist und die Marktposition von Netflix hierzulande (noch) nicht den Must-Have-Charakter wie in den USA hat, der dort ein sehr selbstbewusstes Pricing ermöglicht.

 

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Alle Kommentare

  1. Bei Amazon ist die Filmsparte (wo man auch noch zwischen inklusiven Inhalten und der Online-Videothek unterscheiden könnte) nur ein Teil des Abo’s – sollte man nicht vergessen!

    Daneben gibt es Vorteile beim Versandgeschäft und Musikangebote für den Preis …. meiner Meinung nach eine völlig abwegiger Vergleich (hinsichtlich des Preises) mit Netflix.

    Das Tollste an beiden Anbietern ist – wie von Ihnen schon bemerkt – man kann monatlich kündigen!

  2. Ich zahle lieber freiwillig für gute Inhalte als gezwungen für schlechte oder indirekt über Werbung für noch schlechtere.

  3. 17,99 Euro für Premium, also ebenso viel wie fürs Öffentliche-Rechtliche und das in einem Land, in dem man zur Hälfte mit dem Wort Streaming auf Grund katastrophaler Internetanbindung nichts anfangen kann. Was ist das für ein Geschäftsmodell?

  4. Die Argumention hinsichtlich Warner und “Herr der Ringe” geht fehl, diesbezügliche TV-Verwertungsrechte sind an Amazon abgetreten, das eine eigene Spin-Off-Serie plant, mit Option auf mehr.

    Das ist die Kirsche im ausgelutschen Franchise, die ollen Kinostreifen sind abgenudelt, ein Warner-Streamdienst hat dahingehend also wenig zu bieten.

    Auch die Strategie, diverse DC-Figuren an andere Sender ausgelagert zu haben, wird sich demnächst rächen.

    Warner wird ein kleiner Stream-Player.

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