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Geschäftsmodell Daten: Wieso die TV-Branche Fernseher auch verschenken könnte – und dennoch profitabel wäre

Smart TVs sind auf dem Vormarsch: Immer mehr Fernseher tauschen Daten über das Internet aus
Smart TVs sind auf dem Vormarsch: Immer mehr Fernseher tauschen Daten über das Internet aus

Wozu nutzen moderne Fernseher ihre Rechenpower? Nicht nur für eine gute User Experience, wie nun ein US-Hersteller zugibt. Demnach verdient die Branche mit dem Verkauf von Smart-TVs kaum noch Geld, sondern erst, wenn sie beim Kunden stehen – und dann alles mitlesen, was der Zuschauer sieht.

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Dass Smart-TVs etliche Daten erfassen und an die Hersteller zurücksenden, war schon länger ein offenes Geheimnis. Doch bislang hatte noch kein Vertreter der Branche so offen darüber gesprochen: Bill Baxter, seines Zeichens CTO beim TV-Hersteller Vizio, stand den Redakteuren von TheVerge im aktuellen Podcast Rede und Antwort. Und stellte gleich zu Beginn klar, dass man in erster Linie gar nicht an der Auswertung der Daten interessiert sei: “Es geht uns per se nicht ums Datensammeln. Sondern darum, einen Fernseher nach seinem Verkauf profitabel zu machen.” Für den Mann, der die technologische Entwicklung beim US-Hersteller von Billig-TVs vorantreibt, offenbar ein alternativloser Schritt. “Es ist eine mörderische Industrie. Mit gerade einmal sechs Prozent Marge.”

Geld wird kaum noch mit dem Verkauf verdient

Und so nutze man die Intelligenz der Smart-TVs nicht nur, um diese geringe Marge “aufzustocken”: “Die größere Strategie dahinter ist, dass ich wirklich kein Geld mit dem Verkauf des Fernsehers verdienen muss. Ich muss meine Kosten decken.” Tatsächlich sind die Preise für Neugeräte auch in Deutschland nicht gestiegen – trotz immer höherer Auflösungen, besserer Farbwiedergabe und mehr Rechenleistung. Kostete ein neuer Highend-Fernseher hierzulande im Jahr 2005 noch durchschnittlich 1639 Euro, lag der Preis im Jahr 2017 bei 604 Euro. Ein Minus von 63 Prozent.

Einnahmen generiere ein TV demnach erst in den rund sieben Jahren, die ein Vizio-Fernseher durchschnittlich beim Kunden stehen würde. Hat ein Nutzer bei der Einrichtung seines TVs die Inhalte-Erkennung nicht deaktiviert, weiß Vizio beispielsweise ganz genau, was auf dem Bildschirm läuft: “Wir sehen tatsächlich alles, was der Zuschauer auch sieht”, so Baxter. Allerdings mit einigen Ausnahmen: “Es gibt rechtliche Einschränkungen, zudem anonymisieren wir die Daten.” Man wolle ja nicht die Privatsphäre verletzen.

Auch andere Hersteller “schnüffeln”

Vizio musste bereits 2017 eine Strafzahlung in Millionenhöhe leisten. Laut der US-Handelskommission hatte der Hersteller die Sehgewohnheiten von elf Millionen Kunden sekundengenau erfasst, mit personenbezogenen Daten wie Geschlecht, Alter, Einkommen und Bildungsstand der Nutzer verknüpft und anschließend an Dritte verkauft – ohne Einverständnis der Nutzer.

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Doch neben dem US-Produzenten sammeln auch andere namhafte Hersteller Informationen: Die TVs von Samsung und LG erfragen bei der Einrichtung eine Zustimmung zur Inhalte-Erkennung, und Geräte von Sony und Philips können Daten mit Google austauschen. Beim Endkunden scheint diese Information aber noch nicht wirklich angekommen zu sein. Laut der New York Times haben im Schnitt mehr als 90 Prozent der Nutzer ihren Smart-TV mit dem Internet verknüpft.

“Dumme” TVs würden mehr kosten

Daten seien laut Baxter aber auch nicht der einzige Erlösstrom, um im hart umkämpften TV-Markt profitabel zu bleiben: “Man macht ein bisschen Geld hier, ein bisschen Geld da. Man verkauft ein paar Filme, ein paar TV-Sendungen. Und man verkauft ein bisschen Werbung.” Das Geschäft sei nicht großartig anders als bei einer Online-Plattform. Auf die Frage, wo dabei der Vorteil für den Kunden sei, bleibt der Top-Manager unkonkret: “Wenn die Inhalte-Erkennung eingeschaltet ist, ist das auch für die Kunden ein echter Vorteil. Das wird gerne vergessen. Wenn man dem zustimmt, können wir in vielerlei Hinsicht auch eine bessere Nutzungserfahrung anbieten.” Wie das konkret aussehen soll, verrät er aber nicht.

Eine Nachricht an all jene, die sich einen “dummen” Fernseher zurückwünschen, hat Baxter ebenfalls: Modelle, die nur das TV-Bild anzeigen und keine Daten über das Internet austauschen, wären absolut denkbar – allerdings nicht zu den aktuellen Preisen. “Die Kosten müssten wir uns dann über eine höhere Marge im Handel zurückholen.”

Ein dummer Fernseher mit weniger Funktionen wäre also teurer als die aktuellen Highend-Geräte.

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