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Warum das RTL-Dschungelcamp in der 13. Staffel alles richtig macht … und der Funke trotzdem nicht überspringt

Rumble in ze RTL-Jungle: “Pippi-Yotta” (l.)  und der Curywurstmann
Rumble in ze RTL-Jungle: "Pippi-Yotta" (l.) und der Curywurstmann

Die 13. Staffel der RTL-Dschungelshow "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" ist angelaufen und die bange Frage für Fans und RTL-Obere lautet: Kriegt das Format noch einmal die Kurve hin zu alter Trash- und Quotenherrlichkeit? Die aktuelle Staffel ist produktionstechnisch und Kandidaten-mäßig absolut auf der Höhe. Und trotzdem schwächeln die Quoten massiv und der Funke will nicht recht überspringen. Woran liegt's?

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Zunächst einmal sieht man nach den ersten drei Folgen der neuen Staffel Dschungelcamp, dass sich die Macher bei RTL und der Produktionsfirm ITV die Schwächen vom vergangenen Jahr zu Herzen genommen haben. Sowohl bei der Besetzung als auch bei den Rahmenbedingungen wurden Mechanismen eingeführt, die dafür sorgen sollen, dass sich die gepflegte Langeweile aus Staffel 12 nicht wiederholt. Darum sind mit dem Ex-“Bachelor in Paradise”-Pärchen Evelyn und Domenico sowie den Beef-Brothers Bastian Yotta und “Currywurstmann” bereit zwei Konfliktherde vorab etabliert worden. Außerdem wurde ein Tag-Schlafverbot als zusätzliche Regel eingeführt und ein Preisgeld von 100.000 Euro für den Sieger oder die Siegerin ausgelobt. Alles Maßnahmen zur Steigerung der Motivation der Insassen, bzw. zum Anheizen von Konflikten.

In der Auftaktsendung hat man mit der ersten Dschungelprüfung außerhalb des Dschungels (Kandidaten mussten auf einer Planke in schwindelerregender Höhe einen Buzzer drücken) noch ein interessantes neues Element hinzugefügt. Bemerkenswert auch die Cameo-Auftritte des Ex-Campers Thorsten Legat im “Baumhaus” der Moderatoren. Möglicherweise hat die Produktion noch weitere Überraschungen auf Lager.

Die Mischung und die Charaktereigenschaften der Kandidaten waren bislang der wichtigste Erfolgsfaktor für die Show. Hier lässt sich bei der aktuellen 13. Staffel nicht meckern. Yotta geriert sich als Schmalspur-Motivationshammel, der Currywurstmann ist vor Hass auf seinen Intimfeind geradezu zerfressen und sieht hinter der blaugetönten Brille dauerrot. Evelyn Burdecki und Don Domenico zelebrieren ihre wohl doch nicht ganz erkaltete Tele-Lovestory. Gisele Oppermann bricht bereits beim Buffet vorm Dschungel-Einzug heulend zusammen. Alf-Stimme Tommy Piper erweist sich als erstaunlich agiler Nerv-Opi. Die einzige Enttäuschung bisher ist Sex-Podcasterin Leila Lowfire, die bislang auf kleinster Sparflammen vor sich hin schmurgelt.

Dazu ist die Produktion auf gewohntem Spitzenniveau, was Schnitttechnik, Musikauswahl und Moderations-Texte betrifft. Alles eitel Sonnenschein im RTL-Dschungelland? Denkste! Mit den Quoten der ersten Tage kann RTL bei einer so extrem aufwändigen und teuren Show nicht zufrieden sein. Die erzielten Einschaltquoten sind die jeweils schlechtesten seit elf Jahren. Und das, obwohl das Camp inhaltlich alles liefert, wofür die Show zu ihren Hoch-Zeiten von zig Millionen entweder geliebt oder gehasst wurde. Jetzt macht sich einmal mehr ein großes Schulterzucken breit. Folgende Gründe könnten dafür verantwortlich sein, dass trotz inhaltlicher Stärke der Funke beim Dschungelcamp auch diesmal nicht recht überspringen will:

1.  Das Format läuft einfach schon zu lange

Irgendwann hat jedes TV-Format seinen Zenit überschritten. Zuschauer haben sich am Dschungel-Setting nach all den Jahren womöglich schlicht satt gesehen. Hinzu kommt, dass die ganzen Konflikte und Gruppendynamiken sich wiederholen. Es gibt immer “die Zicke”, “die Heulsuse”, “den Faulen”, “den Fiesen”, eine Love-Story, Streit ums Essen, um Camp-Pflichten und um Schlafplätze. Das alles hat man einfach schon zu oft und immer auch mal besser (Larissa-Staffel) gesehen.

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2. Die Dschungelprüfungen haben sich überlebt

Die berüchtigten Ess-Prüfungen haben ihren tabuverletzenden Charakter längst verloren. Entweder die Kandidaten mampfen ungerührt alles in sich hinein oder sie verweigern taktisch. Die Produktion versucht schon seit Jahren mit immer größeren Portionen, noch abstruseren Speisen (Buschschwein-Vagina) oder fast unmöglichen Zeitlimits, den Druck hochzuhalten. Das klappt aber nicht. Die anderen Prüfungen sind auch alle in ihren Variationen bekannt: Krokodile, Kakerlaken, Spinnen, irgendwo reinspringen oder balancieren, das ganze Programm. Wenn es dumm läuft, haben sie die nervtötend lange Prüfung mit dem Autofahren auch diesmal dringelassen. Mittlerweile muss man als Zuschauer sogar froh sein, wenn Leute vom Schlage einer Gisele sich einer Prüfung komplett verweigern. Denn das räumt Sendezeit frei für interessantere Szenen und verschärft dank ausbleibender Nahrung das Konfliktpotenzial.

3. Die Show ist weniger wandelbar als andere Formate

Auch andere RTL-Shows haben ihre große Zeit hinter sich, etwa die beiden Bohlen-Formate “Deutschland sucht den Superstar” oder “Das Supertalent”. Vor allem “DSDS” schafft es aber immer wieder, sich zu wandeln. Die Show ist von einer Musikshow im Laufe der Zeit zu einer Art Reality-Soap mutiert. Die Jury wechselt ebenso regelmäßig wie die Schauplätze, nur Bohlen bleibt als Fixpunkt. Beim Dschungelcamp ist eine solcher Häutungsprozess nicht vorgesehen. Die Show lebt gerade von maximaler Kontinuität, was Setting, Moderatoren und Rahmenbedingungen betrifft. Der einzige Wechsel sind Jahr für Jahr die neuen Kandidaten, doch auch hier verändern sich zwar die Gesichter, aber die Charaktertypen und Konflikte ähneln sich. Lange Zeit war diese Kontinuität eine Stärke der Show, mit den Jahren nutzt sich aber die Attraktivität ohne neue Impulse naturgemäß ab.

Noch ist es freilich zu früh für ein echtes Urteil. Wenn RTL Glück hat muss es sich erst herumsprechen, dass das Camp wieder unterhaltsam ist und die Quoten steigen im Laufe dieser Woche mit sich weiter zuspitzenden Konflikten an. Wenn es nicht gut läuft für den Sender, bleibt das Interesse vergleichsweise niedrig und sinkt in der zweiten Woche noch stärker ab. Sollte dies der Fall sein, wird irgendwann eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgemacht werden. Das Dschungelcamp dürfte eine der teuersten Show-Produktionen im deutschen TV sein. Wenn die Einschaltquoten und die damit erzielten Umsätze den finanziellen Aufwand nicht mehr tragen, wird RTL den Stecker ziehen. Die Gesetze des Marktes gelten auch im Dschungel.

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Alle Kommentare

  1. So ungefähr ein Drittel aller – ganz nett geschriebenen – Wortspiele leiden darunter, dass Moderatorin Zietlow sie in den Live-Passagen schlimm verstottert. Schwer zu verstehen, wieso man in einem 60-Sekunden-Take nicht einmal drei kurze Sätze hintereinander fehlerfrei aufsagen kann.

  2. Vielen Dank für dieses Stück Sekundärliteratur über ein Format, dass es bei mir noch nicht einmal auf die Durch-Zap-Liste geschafft hat. (BTW: Die Endlosschleife nach Sendeschluss bei Kika ist drauf). Einem Format, dass einzig und allein auf Schadenfreude aufgebaut ist, wünsche ich das Allerschlechteste. Z.B., das ihm alle Zähne ausfallen mögen, bis auf einen fürs Zahnweh.

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