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Prisma Media unter Druck: Gruner + Jahr-Tochter schließt führenden Bewegtbild-Vermarkter AdVideum

Prisma Media-Chef Rolf Heinz
Prisma Media-Chef Rolf Heinz

Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr will in Frankreich den führenden Videovermarkter Advideum dichtmachen. Betroffen von der Maßnahme sind rund 40 Mitarbeiter. 2014 hatte die Pariser G+ J-Tochter Prisma Media das Unternehmen für angeblich rund 30 Millionen Euro erworben, um die Expansion der Firma voranzutreiben.

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Die Firma sollte das digitale Wachstum von Gruner + Jahr in Frankreich beflügeln. Vor fünf Jahren stieg die Pariser Tochterfirma Prisma Media bei AdVideum ein, dem führenden Bewegbild-Vermarkter des Landes. Dafür griff G+J tief in die Tasche. Angeblich einen Betrag im „mittlereren achtstelligen Bereich“ zahlte Gruner + Jahr damals laut einem Bericht von Horizont, um die Mehrheit an dem Vermarkter zu erhalten.

Dass Gruner + Jahr einen so hohen Kaufpreis akzeptierte, lag damals an den guten Expansionschancen in dem Segment. Zeitweise vermarktete die Gesellschaft rund 300 Webseiten von Großunternehmen und Mittelständlern. „Der Bewegtbild-Bereich ist der Werbesektor, der momentan die höchsten Wachstumsraten verzeichnet. Prisma Media verfügt selbst über eine Vielzahl an Bewegtbild-Angeboten und wird die Monetarisierung dieser Inhalte durch den Einstieg bei AdVideum noch deutlich verbessern“, so Prisma Media-Chef Rolf Heinz beim Erwerb der Anteile.

Jetzt, fünf Jahre später, steht Advideum vor dem Aus. Das Unternehmen soll dicht gemacht werden. Betroffen von der Maßnahme sind 40 Mitarbeiter. Grund hierfür sei vor allem die nachlassende Werbekonjunktur in Europa, die dem Dienstleister immer schwerer zu schaffen macht. Eine G+J-Sprecherin bestätigt die Schließung. „Prisma Media plant, Mobvalue und AdVideum nicht fortzuführen. Trotz intensiver Bemühungen der beiden Tochtergesellschaften und Prisma Media war die Perspektive für das Geschäft nicht mehr gegeben“.

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Dabei hatte der Prisma Media-Chef Heinz noch versucht, das Ruder herumzureißen. Er fusionierte die Gesellschaft im vergangenen Jahr mit dem Mobilvermarkter Mobvalue. Diesen hatte der Manager 2013 erworben, um vor allem die Vermarktung auf Smartphones voranzutreiben. Doch auch diese Gesellschaft geriet durch die Krise an den Werbemärkten und den wachsenden Wettbewerbsdruck durch Google & Co. zunehmend in die Klemme.

Erste Probleme bei AdVideum zeichneten sich bereits 2017 ab. Damals wies der Gruner + Jahr-Mutterkonzern Bertelsmann im Geschäftsbericht auf die schwierige Lage des Vermarkters hin. „Das Geschäft von G+J Frankreich war von moderaten Rückgängen im Umsatz gekennzeichnet. Das Ergebnis ging stark zurück. Besonders das Printanzeigengeschäft sowie einzelne digitale Geschäfte standen unter Druck, darunter etwa der digitale Videovermarkter Advideum“, hieß es. Nun dürfte auch 2018 das Ergebnis von Prisma Media unter Druck geraten, da der Firmenchef bereits Rückstellungen für die Restrukturierung des Bereichs vorgenommen haben soll, heißt es in Branchenkreisen.

Mit dem Aus von AdVideum kommt der Prisma Media-Chef nicht zur Ruhe. Die G+J-Tochter hatte Mitte des Jahres das traditionsreiche Wochenmagazin VSD an den im Libanon geborenen Unternehmer Georges Ghosn verkauft, weil die Auflage des Blattes in den vergangenen Jahren stark rückläufig war. Ghosn soll deshalb das Nachrichtenmagazin angeblich zu einem symbolischen Preis von einem Euro übernommen haben. Von der Transaktion waren rund 30 Redakteure betroffen. Prisma Media gehört zu einer der wenigen verbliebenen Auslandsbeteiligungen von Gruner + Jahr. Das Zeitschriftenhaus hatte in den vergangenen Jahren seine internationalen Aktivitäten massiv zurückgefahren.

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