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Aus wegen Zustellkosten: NOZ-Mediengruppe macht Warnow Kurier in Mecklenburg-Vorpommern dicht

Aus für den Warnow Kurier: medienhaus:nord Geschäftsführer Andreas Gruczek
Aus für den Warnow Kurier: medienhaus:nord Geschäftsführer Andreas Gruczek

Die Zustellung von Regionalzeitungen sowie auflagenstarken Anzeigenblättern wird für die Printbranche zur Belastung. Jetzt ist der Warnow Kurier, einer der führenden Anzeigentitel in Mecklenburg-Vorpommern, Opfer dieser Entwicklung geworden. Die NOZ-Gruppe hat den ehemaligen DuMont-Titel nach 28 Jahren eingestellt. Der Mindestlohn habe das Printprodukt zunehmend belastet.

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Es war eines der führenden Anzeigenblätter in Mecklenburg-Vorpommern: der Warnow Kurier. Jetzt ist damit Schluss. Das zur Osnabrücker NOZ Medien zählende medienhaus:nord (mh:n) stellt das Printprodukt ein. Als wesentlichen Grund nennt mh:n-Geschäftsführer Andreas Gruczek gegenüber MEEDIA die Einführung des Mindestlohns, der die Zustellkosten deutlich erhöht hätte. Mit der weiteren Anhebung des Mindestlohns Anfang des Jahres habe sich die wirtschaftliche Situation für den Titel weiter verschärft.

Von der Maßnahme sind vier festangestellte und vier freie Mitarbeiter betroffen. Der Titel, der bis 2013 zur DuMont Mediengruppe gehörte, war mit mehr als 150.000 gedruckten Exemplaren am Samstag einer der größten Anzeigenblätter in der Region und galt für den Verlag als wichtiger Erlösbringer. Die Zustellung von Regionalzeitungen und Anzeigenblätter wird für Verlage immer stärker zum Problem. „In Kombination mit der Portoerhöhung der Post und anderen Faktoren, führt es dazu, dass das flächendeckende Zustellernetz immer schwieriger aufrechtzuerhalten ist. Es gibt demnächst immer mehr Gebiete, in denen Zeitungen nicht mehr zugestellt werden können“, sagt Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), heute in einem dpa-Gespräch. So dränge der „staatlich erzwungene Wechsel von Stück- auf Stundenlohn viele Leute aus dem Zustellerjob“.

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Grund für den Zusteller-Exodus ist auch, dass die Arbeit nicht sehr attraktiv ist. „Es gibt leichtere Jobs, die jetzt mit dem gleichen Lohn bezahlt werden. Anstatt morgens um drei aufzustehen, um Zeitungen zuzustellen, stehen viele lieber um sieben auf und verpacken Kartons für einen Logistiker“, erläuterte der BDZV-Präsident das Branchenproblem. Er forderte deshalb finanzielle Hilfe vom Staat: „Man muss überlegen, wie die zu leistenden Sozialabgaben für diese Tätigkeiten vielleicht stärker entlastet und vom Staat übernommen werden können“, so Döpfner.

Dass die Anzeigenblätter zunehmend in die Klemme geraten, liegt aber auch an anderen Faktoren. So belasten die nachlassende Werbekonjunktur sowie die steigenden Papierpreise den Deckungsbeitrag der gedruckten Produkte. Vor allem die Papierpreise schlagen zu Buche. Sie sind laut Branchenexperten im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent gestiegen. Jörg Eggers, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Anzeigenblätter (BVDA), hatte deshalb die Branche im Herbst zu mehr Geschlossenheit aufgefordert, um die Probleme zu bewältigen. „Heute sind Kooperationen, Austausch und ein engmaschiges Netzwerk wichtiger denn je. Nur ein starker Verband kann für ein wirksames Gattungsmarketing und eine schlagkräftige Interessensvertretung in Politik und Werbewirtschaft sorgen“, betonte Eggers.

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