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TV in der Krise: Unter-50-Jährige schauten 2018 so wenig fern wie seit Jahrzehnten nicht

Der Fernseher bleibt immer öfter ausgeschaltet
Der Fernseher bleibt immer öfter ausgeschaltet

Die Krise des herkömmlichen Fernsehens verschärft sich. Trotz der Fußball-WM, die dem Medium jeweils viele zusätzliche Zuschauer beschert, wurde 2018 insbesondere bei den 14- bis 49-Jährigen so wenig fern gesehen wie seit ewigen Zeiten nicht mehr. Nur bei den Über-50-Jährigen wird so viel geschaut wie (fast) nie zuvor.

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Schaut man auf den gesamten TV-Konsum in Deutschland, so sieht die Situation gar nicht so dramatisch aus: 217 Minuten wurden 2018 fern gesehen. Vier Minuten weniger als 2017 zwar, doch die Sehbeteiligung ist seit zehn Jahren weitgehend stabil. Ein genauerer Blick auf die verschiedenen Altersgruppen zeigt jedoch, dass einzig und allein das ältere TV-Publikum für diese Stabilität sorgt. Die Über-50-Jährigen sahen 2018 satte 315 Minuten fern, also im Durchschnitt fünf Stunden und 15 Minuten pro Tag. Das ist nur eine Minute weniger als beim Alltime-Rekord 2017. Seit vielen Jahren steigt die Sehbeteiligung hier an – seit Anfang der 2000er-Jahre um inzwischen mehr als eine Stunde.

Bei den Unter-50-Jährigen sieht es hingegen genau anders herum aus: Die 14- bis 49-Jährigen sahen 2018 noch 153 Minuten fern. Das ist der geringste Wert seit über 20 Jahren. Allein seit 2011 ging der TV-Konsum in dieser Altersgruppe von Jahr zu Jahr um insgesamt fast 40 Minuten zurück.

Noch dramatischer sieht es bei den 14- bis 29-Jährigen aus: Hier wurde mit 94 Minuten TV-Konsum pro Tag der geringste Wert gemessen, seit Sehbeteiligungs-Daten für einzelne Altersgruppen veröffentlicht werden, also seit rund 25 Jahren. Noch 2010 und 2011 sahen die 14- bis 29-Jährigen 142 bzw. 141 Minuten fern, inzwischen sind es fast 50 Minuten weniger.

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Der Grund für die Krise des traditionellen Fernsehens ist klar: Netflix, Amazon & Co. klauen den Sendern Aufmerksamkeit und Bewegtbild-Nutzungszeit. ProSiebenSat.1-Vermarkter SevenOne Media sagt in seinem ViewTime Report 2018 beispielsweise, dass die 14- bis 49-Jährigen bereits 20 Minuten Pay-VOD (also Netflix & Co.) und 28 Minuten kostenlose Onlinevideos pro Tag schauen. 48 Minuten, die dem herkömmlichen Fernsehen fehlen. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es schon 55 Minuten. Und wenn man sich vor Augen führt, dass sich diese Zahlen in zwei Jahren nahezu verdoppelt haben, so wird klar, in welche Richtung es weiter gehen dürfte. Bei den 14- bis 29-Jährigen dürften Online-Videos und Streams das Fernsehen schon in wenigen Jahren als Nummer 1 in Sachen Bewegtbild abgelöst haben.

 

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Insbesondere für Privatsender, die immer noch sehr viel Geld mit Werbespots im linearen Fernsehen verdienen, sind die neuen Zahlen des Jahres 2018 eine bittere Nachricht. Denn wenn die Unter-50-Jährigen dem Fernsehen Jahr für Jahr immer stärker den Rücken zuwenden und sich für andere Medien entscheiden, dann wird TV als Werbeplattform unattraktiver. Dann müssen die Preise gesenkt werden, die Umsätze fließen nicht mehr so wie gewünscht. Da hilft auch die Stabilität der Sehbeteiligung der Über-50-Jährigen nicht viel.

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Alle Kommentare

  1. Kann das vielleicht daran liegen, dass ein einmal ganz erfolgreiches Filmchen zu Tode gesendet wird bis man auch den flachsten Dialog mitsprechen kann ?
    Oder sind das die Stundenlangen Laberveranstaltungen mit immer den selben Leuten ?

    1. Ja Susi,
      das liegt ganz sicher daran. Mehr Qualität, statt Quantität wäre besser, inhaltlich gesehen. Dabei die Felder besetzen, die Online-Streaming nicht bedienen. Erziehungs- und Bildungsthemen, Internationales, Globalisierung für die Bürger begreifbar machen. Es gibt Vieles. Vielleicht muss man den Rundfunkbeitrag kürzen, damit mehr Effizienz in das TV-Medium kommt.

  2. Netflix, Amazon und Co. klaut keinem TV Sender die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Die Leute die diese Dienste in Anspruch nehmen (wie auch ich), bezahlen dafür – extra – und zwar weil sie diese Dienste auch nutzen, bzw. freiwillig nutzen möchten.

    Meiner persönlichen Meinung nach kann man sich Artikel auch schön schreiben … . Ich finde es nicht witzig, für die bei mir in der Miete enthaltenen Kabelgebühren und die “Demokratieabgabe” zu zahlen (sehe weder private noch öffentliche Sender).

  3. Wer viele junge Leute abkoppelt, in dem er per dvbt2 den Empfang kostenpflichtig macht, der darf sich nicht wundern, dass seit 2016 über 20% der Zuschauer weg sind. Jeder Apparat braucht einen Decoder! Wenn einer bezahlt werden muss, dann steht der im Wohnzimmer (der Eltern). Sohnemann oder Töchterchen bräuchten auch ein solches Teil für je 5€ im Monat.
    Frage: Wieso können sich Bibel-TV und 2 Homeshopping Sender die kostenlose Ausstrahlung von HD leisten, die beiden privaten Konzerne jedoch nicht? Sie sparen Geld und verlieren Zuschauer/ potentielle Werbekunden. Blöd gelaufen!

  4. dann sollte man bei meedia und anderen darüber nachdenken ob die Quoten für die “hochgehypte Zielgruppe 14-49” so wichtig sind, diese Zielgruppe ist immer weniger relevant.

  5. Was soll man sich denn noch anschauen – ultraflache Eigenproduktionen vielleicht?
    Popcorn-Kino, das unter dem Mäntelchen der “FSK” auf “ab-12-Versionen” radikal zusammengeschnitten wird, dass die Handlungen mancher Filme kaum noch Sinn ergeben. Und das nur, um noch mehr Werbung unterbringen zu können.
    Die frühere “Primetime”, also 20:15 Uhr ist nahezu tot produziert.

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