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„Vergessene Männer unserer Branche“: Bild-Boss Reichelt zur Kritik der Ex-Springer-Kollegen Spreng und Streiter

Bild-Chef Julian Reichelt (links) hat sich gegen die Kritik von Michael Spreng (Mitte) und Georg Streiter geäußert

Eine „Vorfeldorganisation der AfD“ hatte Michael Spreng die Bild unter Julian Reichelt in einem Beitrag auf seinem Blog Ende September 2018 genannt. Der Ex-Bams-Chef und langjährige Politikberater gilt als scharfer Kritiker des Boulevardsblatts. In einem Interview mit Horizont hat Reichelt sich nun gegen die Kritik gewehrt – mit einer Anekdote aus dem Jahr 2002.

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Der ehemalige BamS-Chef Michael Spreng scheint kein Fan der Bild unter der Führung von Julian Reichelt zu sein. In einem Blogeintrag von Ende September 2018 nannte er das Blatt eine „Vorfeldorganisation der AfD“. Das Boulevardblatt zersetze den „Respekt vor Institutionen und Repräsentanten des Staates“. In der Talk-Show von Markus Lanz die Bild als „ein Kampagnen- und Kampfblatt“ bezeichnet (MEEDIA berichtete).

Nun hat sich der Bild-Chef im Interview mit Medienjournalistin Ulrike Simon bei Horizont zur Kritik geäußert. Dabei nahm er zudem Stellung zu den Äußerungen von Georg Streiter, ebenfalls früher beim Axel-Springer-Boulevardblatt und von 2011 bis 2018 stellvertretender Regierungssprecher, der Reichelts Kurs „fanatisch“ findet. Der 38-Jährige lasse seinem „persönlichen Hass auf den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin und die Institutionen dieses Landes“ freien Lauf.

„Kurze Spanne berechenbarer Aufmerksamkeit“

Die Antwort des Bild-Boss‘: „Ich ringe jeden Tag mit mir, welche Zeile man machen kann und welche nicht. Ich frage Freunde und Vertraute um Rat und stelle mich stundenlang in Talks der Kritik all meiner Kollegen.“ Daher ärgere ihn „die platte Kritik vergessener Männer unserer Branche wie Spreng und Streiter“ umso mehr, erläutert Reichelt. Sie sei gekennzeichnet durch eine nicht zu überbietende „Bigotterie“, „nur um sich mal wieder in einer wenn auch kurzen Spanne berechenbarer Aufmerksamkeit zu sonnen.“

Auf Simons Nachfrage, was daran bigott sei, erzählt der Bild-Chef eine Anekdote aus dem Jahr 2002. Als Volontär habe er Spreng, damals Wahlkampfberater von Edmund Stoiber, erstmalig getroffen. Zusammen habe man gemeinsam mit weiteren Vertretern aus der Union am Vorabend der Bundestagswahl in der Paris Bar den Wahlkampf ausklingen lassen. Folgendes soll sich dabei laut Reichelt abgespielt haben:

Am Tisch bediente ein Kellner, der aus dem Iran stammte. Irgendwann ging es um die Frage, wer was nach der Wahl machen wird. Sollte die Union gewinnen, antwortete ein damals hochrangiger Vertreter der Partei, dann ‚Alle Ausländer raus‘, und der da, er zeigte auf den Kellner, der da werde ein Perserteppich. Ich erinnere mich nicht, dass Spreng eingegriffen oder widersprochen hätte. Vielmehr hat er gelacht. Ich hätte das damals schreiben sollen. Ich gebe zu, ich habe mich das nicht getraut. Stattdessen stand ich auf und ging.

Gegenüber Simon antwortete Spreng, dass er sich zwar an den Abend, nicht aber an die Äußerung erinnern könne. Auch für Streiter findet Reichelt klare Worte. Dieser sei als Regierungssprecher „stets so gleichgültig und unvorbereitet aufgetreten ist, dass man es durchaus als Verächtlichkeit gegenüber der Institution der Bundespressekonferenz verstehen konnte“. Viele hätten sich gewünscht, dass er bei Bild so pointiert geschrieben hätte wie in diesem Facebook-Posting kurz vor Weihnachten 2018. Darin hatte er die Bild-Zeitung stark kritisiert und den „fanatischen Kurs“ erklärt.

„Nein, ich verachte nicht die Institutionen in diesem Land, dessen Freiheiten ich liebe, denn ich weiß, wie es anderswo zugeht“, schließt er seine Abrechnung. Auf die Nachfrage, ob es nicht billig sei, auf diese Art von der Kritik an seiner Person abzulenken, erwidert er wiederum: „Mit Kritik kann ich umgehen, Verlogenheit ekelt mich an.“

tb

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