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Politikberater Mathias Richel über Robert Habecks Twitter-Probleme: “Man kann das professioneller beantworten, als sich zu löschen”

Der Politik- und Strategieberater Mathias Richel hält Robert Habecks Twitter-Abschied für keine politisch kluge Entscheidung
Der Politik- und Strategieberater Mathias Richel hält Robert Habecks Twitter-Abschied für keine politisch kluge Entscheidung

Die Entscheidung des Grünen Bundesvorsitzenden Robert Habeck, Twitter und Facebook nicht mehr zu nutzen, sorgt für gespaltene Reaktionen. Der Politikberater Mathias Richel hält die Entscheidung Habecks für menschlich nachvollziehbar, politisch aber für falsch. Habecks Image sei weitgehend auch über Social Media geprägt worden, komplett wird er nicht darauf verzichten können, meint Richel im Gespräch mit MEEDIA.

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Robert Habeck, der Parteivorsitzende der Grünen, hat sich aus Twitter und Facebook verabschiedet. Halten Sie das für eine kluge Entscheidung?
Mathias Richel: Es ist eine menschlich nachvollziehbare aber politisch nicht so kluge Entscheidung. Menschlich nachvollziehbar ist sie, weil da gerade eine ganz Menge bei ihm zusammenkommt. Da sind diese Datenleaks, die auch ihn betreffen, als auch die Reaktionen auf seinen Post zu Thüringen. Das kann man nachvollziehen, dass man da unter Druck gerät und negatives Feedback hochschlägt, gerade wenn das in sehr persönliche und intime Bereiche eindringt. Aber man muss hier auch trennen zwischen der privaten und der öffentlichen Person. Während man eine solche Entscheidung für die private Seite nachvollziehen kann, so ist es für die öffentliche Person umso weniger sinnvoll, sich zurückzuziehen. Ein guter Teil des Images von Robert Habeck basiert darauf, wie er in sozialen Netzwerken und seinem Blog agiert hat. Das gibt er jetzt ein Stück weit auf.

Muss ein Politiker heute twittern?
Überhaupt nicht. Er muss aber valide Ansprechpunkte im Netz bieten. Das Wahlkreisbüro und der Gartenzaun haben zwar ihre Bedeutung nicht verloren, aber soziale Netzwerke sind in eine gleichwertige Position gerückt. Und natürlich sind soziale Netzwerke ein unglaublich guter Zitierpunkt. Da hat sich auch die Medienlandschaft sehr gewandelt. In den ersten Jahren ging es in der Berichterstattung häufig nur um die Zahl der Follower, also eher quantitative Werte, heute sind Twitter, Facebook und sogar Instagram-Kommentare valide Zitatquellen, die von den Medien genutzt werden. Wenn man als Politiker das nicht auch nutzt, um seine Botschaften zu verteilen, dann verliert man ein enormes Potenzial.

Heribert Prantl von der SZ hat die Twitterei generell als überbewertet bezeichnet. Das würden Sie demnach nicht unterschreiben?
Das ist ja eine Perspektivfrage, für wen das überbewertet ist. Twitter ist für eine Großteil der Journalisten in Deutschland nicht überbewertet, weil es eine valide Quellenlage darstellt und man von dort wichtige Informationen abziehen kann. Natürlich ist Twitter für die meisten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland im Alltag kein wichtiges Medium. Aber für bestimmte Zielgruppen ist es das sehr wohl. Da eine pauschale Aussage zu treffen, ist inhaltlich falsch und auch irreführend.

In den Worten von Robert Habeck klingt auch eine gewisse digitale Überforderung durch. Glauben Sie, dass dieses Phänomen auch andere Politiker betrifft, die das aber vielleicht nicht zugeben?
Klar gibt es das. Und natürlich muss man sich überlegen, auf welche Art und Weise man sich einbringt. Aber genau diese Überlegung steht zwischen den Extrempositionen “Ich gebe mich Social Media bedingungslos hin” oder “Ich trete aus”. Dazwischen steht: Wie kann man das professionalisieren und halbwegs kontrollieren? Viele Politiker, aber auch Marken, Unternehmen und Organisationen beantworten diese Frage damit, dass die professionelle Menschen haben, die diese Accounts betreuen und den persönlichen Aspekt mit hineinbringen. Christian Lindner von der FDP lässt sein Social Media Profil auch von einem Team pflegen, aber er taucht auch persönlich auf, wenn es von Nöten ist. Man kann solche Mechanismen bedienen, ohne dass man sich verbiegen muss. Man kann das professioneller beantworten, als sich zu löschen.

Das professionelle Filtern wäre Ihrer Meinung nach eine klügere Herangehensweise gewesen?
Genau! Eine gute redaktionelle Betreuung hätte ja so einen mehrfachen Fehler, wie er Robert Habeck unterlaufen ist, auch verhindern können. Natürlich hat ein Politiker Besseres zu tun, als sich den ganzen Tag in sozialen Netzwerken zu tümmeln. Aber dass man dort präsent ist und das gepflegt wird, das kann man schon organisieren.

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Meinen Sie, Robert Habeck kann das auch in einem Bundestagswahlkampf durchziehen, auf Social Media zu verzichten?
Meiner Einschätzung nach wird Folgendes passieren: Die persönlichen Accounts werden inaktiv bleiben. Er wird den persönlichen Robert Habeck dann aber auf den Parteikanälen zeigen. Da wird er stattfinden in Formaten, die ihn auch authentisch zeigen. Aber dann mit redaktioneller Betreuung.

Das bedeutet aber letztlich: Ganz verzichten kann man als Politiker auf Social Media eben doch nicht.
Es gibt kaum einen Bundespolitiker, dessen Blog so oft in Medien und Nachrichtenagenturen zitiert wurde, wie der von Robert Habeck. Sein Image wurde weitgehend auch über Social Media geprägt. Als es bei den Grünen um die Wahl zum Parteivorsitz ging, hat er effektiv und sehr geschickt soziale Netzwerke genutzt, um innerhalb der Grünen für sich zu werben. Dieses Image als Quereinsteiger, das er pflegt, hat ursächlich damit zu tun, wie er sich in sozialen Netzwerken präsentiert hat. Dieses Image wird er nicht ablegen wollen.

Sie glauben aber auch nicht, dass das jetzt eine PR-Masche war?
Nein, das glaube ich nicht. Das war wohl eine sehr menschliche Entscheidung über die man vielleicht noch einmal zwei, drei Nächte hätte schlafen sollen.

Mathias Richel ist gemeinsam mit Frank Stauss Inhaber der Strategie-Beratung Richel/Stauss.

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Alle Kommentare

  1. Robert Habeck hat das richtige getan. Jeder Nutzer, der diese Portale verlässt, ist ein Nutzer weniger, der dazu beiträgt, dass mit seinen Daten das Vermögens einiger weniger vermehrt wird.

    Es gibt andere Portale. Mit Servern in Europa und die dadurch dem Europäischen Datenschutz unterliegen. Ich hoffe, dass er bald dort auftaucht. Einen Follower hätte er schon.

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