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Oh G0d, wie peinlich: So verrannte sich Bild-Chef Julian Reichelt beim Hacker-Angriff mit seiner Russen-Theorie

Realitätsferne Mutmaßungen zum Hackerangriff: Bild-Chef Julian Reichelt
Realitätsferne Mutmaßungen zum Hackerangriff: Bild-Chef Julian Reichelt

Kaum ein Medium lag mit der Berichterstattung zum Hackerangriff auf Politiker und Prominente so daneben wie die Bild. Chefredakteur Julian Reichelt hatte nur Stunden vor Präsentation des geständigen Einzeltäters im Podcast von Gabor Steingart "staatliche Unterstützung" und "eine größere Struktur" hinter der Aktion ausgemacht. Am Ende präsentierten die Behörden als Hacker "G0d" ein "armes Würstchen" – einen Schüler, der noch bei den Eltern wohnt.

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Noch Montagabend wähnte er sich auf der richtigen Spur: Im Morning-Briefing von Gabor Steingart äußerte sich Bild-Chef Julian Reichelt zum Hackerangriff und möglichen Hintermännern. Der Bild-Macher, Steingart in seinem Newsletter, sitze “mit einer Truppe hochspezialisierter Investigativreporter auf dem riesigen Datenschatz der Hacker, der nun nach allen Regeln der Kunst gesichtet und analysiert wird”. Die bisherigen Erkenntnisse der Bild-Rechercheure ließen demnach folgende Schlussfolgerungen zu: “Das waren nicht ein oder zwei Jungs, die bei Pizza und Cola light im Keller gesessen haben”, so Reichelt gegenüber Steingart. “Das muss eine größere Struktur gewesen sein.” Das Wahrscheinlichste sei, dass es “zumindest staatliche Unterstützung – von welcher Seite auch immer – für diesen Hack gab”.

Schon kurz nach Bekanntwerden des Hacks Ende vergangener Woche deutete zumindest für die Bild alles auf eine Aktion mit russischem Hintergrund hin: “Normalerweise ist das eine Methode der Hacker des russischen, auf Cyberkrieg spezialisierten Militärgeheimdienstes GRU”, zitiert Bildblog aus einem Artikel. In einem anderen Beitrag hieß es demnach: “Dritte Spur: der russische Militärgeheimdienst GRU. Putins Cyberkrieger hackten sich bereits ins Bundestagsnetz. Reste dieser Angriffe könnten jetzt für den erneuten Daten-Angriff genutzt worden sein.”

Nun stellte sich im Laufe des Dienstagvormittages heraus: Der Gesuchte ist kein russischer Spion, sondern ein 20-jähriger Schüler aus Mittelhessen, der noch bei seinen Eltern wohnt – und offenbar schon kurz nach der Festnahme am Sonntagabend ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Der vermeintliche Spionage-Hack? Allem Anschein nach ein Racheakt aus Unzufriedenheit über Politiker, Journalisten und Prominente. Und nach aktuellem Erkenntnisstand lag Reichelt offenbar auch mit folgender Mutmaßung grandios daneben: “Es wird nicht gehackt und geleakt, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, sondern es wird gehackt und geleakt, um eine politische Agenda zu verfolgen.” Wie BKA-Präsident Holger Münch in einer Pressekonferenz am Dienstagmittag zudem verlauten ließ, handelt es “nicht um eine politisch motivierte Tat”.

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Der Hang, vorschnell ausländische Mächte aus dem Osten als Drahtzieher hinter Vorgängen im eigenen Land zu orten, war für Julian Reichelt schon einmal zum Problem geworden: Im Februar 2018 saß die Bildredaktion einer Satire-Aktion der Titanic auf, wonach Juso-Chef Kevin Kühnert angeblich ein Spendenangebot eines Russen namens “Juri” annehmen wollte. Tatsächlich stammte der vermeintlich hochbrisante Mailverkehr aus der Feder eines Titantic-Redakteurs, der das Boulevardblatt damit köderte. Reichelt verteidigte damals die Berichterstattung über die angeblichen Mails um Juso-Chef Kevin Kühnert. Erst durch die rechtlichen Schritte der SPD in Form der Strafanzeige gegen Unbekannt seien die Mails zum Thema geworden.

 

Update, 08.01., 19.25 Uhr: In der ersten Fassung des Artikels hieß es, Bild-Chef Julian Reichelt habe im Morning Briefing von Gabor Steingart erklärt, “dass man mit einer ‘Truppe hochspezialisierter Investigativreporter auf dem riesigen Datenschatz der Hacker’ sitze”. Tatsächlich stammte diese Formulierung über die Arbeit der Bild-Mitarbeiter von Gabor Steingart, der damit die nachfolgenden Aussagen Reichelts über die Erkenntnis aus dem Investigativ-Einsatz der Bild-Redaktion antextete. MEEDIA bedauert den Fehler und hat die Passage korrigiert.

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