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IT-Blogger Fefe zum Datenleak-Skandal: “Aus meiner Sicht ist die Politik nicht Opfer, sondern Täter”

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Der bekannte IT-Experte und Blogger Felix von Leitner aka Fefe hält den aktuellen Datenskandal, bei dem persönliche Informationen von zahlreichen Prominenten und Politikern veröffentlicht wurden, nicht für einen Betriebsunfall, sondern für ein Symptom eines Systemversagens. Die Politik habe die Probleme mit Datenmissbrauch, die sich nun zeigen, jahrezehntelang selbst herbeigeführt. Politiker, so Fefe, seien hier nicht die Opfer, sondern die Täter.

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In Deinem Blog hast Du geschrieben, dass Du es gar nicht interessant findest, wo die via Twitter veröffentlichten Daten herkommen und was der oder die Täter damit bewirken wollen. Warum nicht?
Felix von Leitner:
Weil das eine Suggestivfrage ist. Sie tut so, als sei das mysteriös. Sie suggeriert, sichere Datenhaltung sei grundsätzlich ein gelöstes Problem und jetzt hätte es einen Fehler gegeben. Wenn wir den gefunden haben, ist wieder alles gut. Das Gegenteil ist der Fall. Jede Ebene des Problems ist entweder ungelöst oder wird aktiv in die falsche Richtung optimiert. Wir haben das falsche Ziel vorgegeben, wir erheben sinnlos Daten, wir speichern sie unsicher in der Cloud, und unsere Software ist auch unsicher. Aber auch das greift noch zu kurz. Es sind nicht Fehler in der Umsetzung, es sind Fehler in der Zielsetzung!

Die Politik verkündet seit Jahren Slogans wie „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts“ — trotz Datenschutz und Privatsphäre und obwohl das Bundesverfassungsgericht ihnen aus Mangel ans Respekt vor der Intimsphäre der Menschen ein Gesetz nach dem anderen zerreißen musste. Welches Signal setzt denn das? „Sammelt weniger Daten“? Wohl kaum! Wenn die Daten nicht gesammelt worden wären, hätten sie nicht wegkommen können. In der Privatwirtschaft gibt es auch einen Trend zu mehr Datensammeln (Stichwort „Big Data“), obwohl in der Praxis niemand weiß, was man mit den Daten anstellen soll. Das will man aber vor der Konkurrenz nicht zugeben, und so sammeln alle fleißig und speichern alles weg, aber keiner tut damit sinnvolle Dinge. „Künstliche Intelligenz“ soll jetzt helfen. Der Innenminister ist natürlich auch sofort aufgesprungen und macht Feldversuche mit Gesichtserkennung.

Diese Verlogenheit ärgert mich. Du kannst nicht die Opferrolle für dich einfordern, wenn du selbst Täter bist. Hört auf, Daten über mich zu sammeln; dann habe ich auch Mitleid, wenn jemand eure Daten sammelt.

Gibt es auch so etwas wie einen “alltäglichen Datenmissbrauch” durch Firmen, Institutionen oder die Politik?
Die Politik versucht nicht mal, die Meldedaten ihrer Bürger abzusichern, sondern verkauft sie weiter. Wer in einem Hotel übernachtet, muss seine persönlichen Daten hinterlassen, inklusive Geburtsdatum. Die dem ausgesetzten Bürger haben verstanden, dass die Politik nicht am Sichern ihrer Privatsphäre interessiert ist sondern an möglichst umfassender Massendatenerhebung. Das merkte man gut bei der Mautsystem-Debatte, wo niemand glauben wollte, dass es nicht um die Daten aller Autos geht.

Versuch mal, dich anonym von A nach B zu bewegen! Fliegen ohne Namensnennung geht nicht. Beim Autofahren gibt es anlassloses Kennzeichen-Scannen. Bei der Bahn kauft man die Tickets online mit Account und Kreditkarte und ist auch nicht mehr anonym.  Selbst der öffentliche Nahverkehr wechselt stetig zu Apps und damit zur Deanonymisierung. Und man müsste auch das Mobiltelefon zuhause lassen, denn das hinterlässt auch Datenspuren, auf die u.a. die Polizei gerne zugreift. Die Botschaft an die Bürger ist klar: Es geht hier nicht darum, euch eure Privatsphäre zu lassen. Ihr werdet vermessen und in Datenbanken abgelegt, wo ihr auch hingeht und was ihr auch tut. Überall gibt es Datenbanken, und die Bürger haben so gut wie keinen Einblick darin, wer was über sie gespeichert hat.

In der Cloud gespeicherte Daten kommen jetzt mit solcher Regelmäßigkeit weg, dass man Multi-Millionen-Datensätze verlieren muss, um überhaupt in der Presse Erwähnung zu finden. Die DSGVO hat Meldepflichten eingeführt — aber das wird nicht der Presse oder den Kunden gemeldet sondern dem BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik; Anm.d.Red.), und das tut das dann in eine Datenbank und schweigt. So viel schwarzen Humor hätte man sonst eher bei Monty Python erwartet. Die Politik hat sich jahrelang der Beratung von Datenschützern aktiv widersetzt und erfolgreich in die Richtung optimiert, in der Daten halt verlorengehen. Und jetzt sind sie selbst betroffen. Insofern: Ja, die Frage, wo die Daten hergekommen sein könnten, stellt sich meiner Ansicht nach nicht. Wenn man nicht will, dass Menschen Opfer von Schusswaffen werden, dann muss man dafür sorgen, dass Schusswaffen nicht überall einfach verfügbar sind. Mit Daten ist das genau so.

Warum wird dieser Fall öffentlich so hoch aufgehängt, während “alltäglicher Datenmissbrauch” etwa durch Werbe-Anrufe oder Spam-Mails kaum noch jemanden aufzuregen scheint?
Meine Mutmaßung: Weil Politiker betroffen waren. Die haben einfach eine andere Perspektive auf viele Probleme, weil sie anders betroffen sind als Bürger. Der typische Politiker ist ständig unterwegs und hat eine Bürohilfe. Die Spamanrufe zuhause kriegt der Ehepartner ab, und die Spam-Mails filtern die Büroangestellten heraus. Das sieht der gar nicht. Und natürlich hat man auf staatliche Datenbanken eine andere Perspektive, wenn man sich selbst als den Chef sieht. Aus der Perspektive sieht das nicht aus wie „der Staat sammelt Daten über mich“ sondern wie „meine Angestellten führen eine Datenbank über Gefährder“. Als Abgeordneter muss man sich auch wenig Sorgen machen, eine spontane Hausdurchsuchung erdulden zu müssen, wie es in letzter Zeit leider unter normalen Bürgern ein Trend zu werden scheint.

Mal ganz plakativ gesprochen: Abgeordnete haben ein sicheres Gehalt, Krankenversicherung und Rente. Das sind für die gelöste Probleme. Entsprechend geringer fällt die Energie aus, die in die Lösung dieser Probleme für andere gesteckt werden wird. Das ist ein ganz natürlicher, menschlicher Mechanismus, man muss (und sollte!) da gar keine böse Absicht unterstellen. Ungelöste Probleme, die einen selber betreffen, haben immer höhere Priorität.

Es ist die Rede davon, die Veröffentlichung sei ein “Anschlag auf die Demokratie” – was ist davon zu halten?
Das zeigt deren Weltbild. Niemand betrachtet sich selbst als Täter. Aus Sicht der Abgeordneten sind sie die Guten, die für die Demokratie arbeiten, und wichtige und notwendige Datenbanken über die Bevölkerung führen, damit man im Notfall was tun kann. Wenn sie ihre IT-Leute fragen, ob man die Sicherheit der Daten garantieren kann, werden die das mit dem Brustton der Überzeugung bejahen — das ist schließlich deren Selbstbild. Aber am Ende kommt so eine Formulierung heraus, die eine erschütternde Abwesenheit von Mitgefühl für die Millionen von Bürgern erkennen lässt, die von ähnlichem Mobbing oder Doxing (das Zusammentragen und Veröffentlichen von persönlichen Daten aus dem Internet; Anm.d.Red.) betroffen sind, und denen niemand hilft. Die Formulierung hat mich echt geärgert. Das war ein „der Kaiser hat keine Kleider“-Moment, fand ich.

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Inwieweit steht die Politik hier in der Verantwortung? Was wurde versäumt, was wären richtige und wichtige Reaktionen?
Die Politik hat aus meiner Sicht das Problem vollständig selbst herbeigeführt, und zwar über Jahrzehnte. Erst hat die Politik unsere IT-Industrie gegen die Wand gefahren. In Deutschland wird so gut wie keine Hardware mehr hergestellt, alles kommt aus China. Manche Hersteller setzen die Teile noch in Deutschland zusammen, aber das sind dann häufig Fördermodelle mit Langzeitarbeitslosen und 1-Euro-Jobs. Auch bei Software ist Deutschland stark ins Hintertreffen geraten. Als dann die skrupellose Industrie kam, und der Politik erzählte, man könnte ja Geld damit verdienen, indem man Daten über wildfremde Menschen erheben, auswerten und die Erkenntnisse verkaufen, da hat die Politik sofort nach dem Strohhalm gegriffen – um nicht das Ausmaß ihres Versagens vorher thematisieren zu müssen. Das sah für die Politik so aus, als löse sich das Problem jetzt von selbst. Win-Win!

Und so haben wir einen atemberaubenden Wachstum an Datenhalden mit Daten über irgendwelche Leute, die nicht nur nie zugestimmt haben, sondern dazu erpresst werden mussten („wenn du nicht zustimmst, darfst du unseren Service nicht nutzen“) oder wo die „Zustimmung“ hinter seitenlangem Kleingedruckten versteckt wurde. Zu jedem Zeitpunkt hätte die Politik gegensteuern können. Hat sie aber nicht. Im Gegenteil! Die Politik hat fleißig mitgemacht, und immer neue Datenbanken und Behörden mit Datenbanken geschaffen.

Aber nicht nur das muss man ihnen vorwerfen. Sie haben sich aktiv über entsprechende Beratung durch Datenschützer und NGOs hinweggesetzt, die genau vor diesen Szenarien gewarnt haben, die wir jetzt alle der Reihe nach sehen. Daher ärgert mich das Narrativ gerade, das die Politiker als Opfer darstellt. Aus meiner Sicht ist die Politik nicht Opfer, sondern Täter, und zwar mit Vorsatz. Und das war auch kein einzelner Fehltritt sondern die Kulmination einer langen Tradition aus sinnloser Datenerhebung und bewusstem Ignorieren der eigenen Hybris und Unfähigkeit, die Daten dann
auch sicher zu lagern.

Trügt der Eindruck, dass die Datenschutzgrundverordnung nicht dazu beiträgt, Datenmissbrauch zu verhindern oder wenigstens einzudämmen?
Ja, der Eindruck trügt. Der Chaos Computer Club hat vor vielen Jahren die Forderung aufgestellt, dass Bürger jährlich einen „Datenbrief“ kriegen sollen. Alle Firmen und Behörden, die Daten über mich haben, müssen mir jährlich einen Brief schreiben, wo sie mir sagen, was sie über mich gespeichert haben, wozu sie das erhoben haben, und wie lange sie das noch zu speichern gedenken, und dann sollte ich eine Möglichkeit haben, sie zum Löschen aufzufordern.

Das haben wir nie bekommen, aber die DSGVO hat immerhin einen einmaligen Datenbrief herbeigeführt. Die Bürger haben jetzt erstmalig gesehen, wer alles Daten über sie gespeichert hat oder zu speichern gedenkt. Das Ausmaß war für viele Bürger so augenöffnend, dass sie direkt zur Resignation übergegangen sind. Man stelle sich mal vor, wir hätten die DSGVO früher bekommen, rechtzeitig. Als man noch etwas hätte tun können! Das ist schon ein Riesenerfolg. Aber es ist halt am Ende auch wieder nur ein fauler Kompromiss. Wenn die Politik ein Gesetz macht, das sinnlos Daten über mich erhebt, dann habe ich nach wie vor keine realistische Handhabe. Ich kann höchstens bei der nächsten Wahl anders wählen oder jahrelang Klagen führen.

Wie gehen die Medien Deiner Wahrnehmung nach mit dem Fall um?
Die Medien wirkten auf mich etwas hin- und hergerissen. Auf der einen Seite haben viele Reporter (besonders aus dem Politik-Segment ihrer Zeitungen) Doxing und Mobbing aus dem Internet schon mal am eigenen Leib miterlebt. Die haben auch gesehen, dass die Politik ihnen nicht geholfen hat, und nicht mal an der Eindämmung des Problems gearbeitet hat. Die waren prädisponiert, der Politik das mal zu gönnen, dass sie betroffen sind. Die meisten Medien haben aber das Narrativ der Politik direkt übernommen. Ich vermute: Aus Gewohnheit. Jahrelang heißt es jetzt immer, wir werden von den Russen oder den Chinesen gehackt. Jetzt heißt es halt, wir wurden von einem 20-Jährigen gehackt, der noch bei seinen Eltern wohnt. Da verwendet man einfach die alten Textbausteine weiter und ändert in der Mitte ein paar Wörter. Ich hätte mir da viel mehr Kritik an der Politik gewünscht. Aber vielleicht sieht man das nicht so deutlich, wenn man den ganzen Tag so nah an denen dran ist. Dann färbt deren Weltbild ab.

Im Podcast von Gabor Steingart hat Bild-Chef Julian Reichelt noch am Dienstagmorgen die Theorie verbreitet, dass staatliche Akteure hinter dem Leak stecken würden. Wie beurteilst Du die Aussagen Reichelts?
Das sind haltlose Verschwörungstheorien. Das sagt, wie häufig bei sowas, mehr über ihn aus als über die Leute, die er damit belasten wollte. Die Daten im Internet sind im Moment wie eine saftige Wiese. Wer sich Zeit zum Grasen nimmt, wird Daten finden. Die wahrscheinlichste Variante war die ganze Zeit, dass das einer oder mehrere Einzeltäter sind. So funktioniert heutzutage Freiwilligenarbeit. Jemand hat eine Idee, arbeitet los, findet im Internet vielleicht Sympathisanten, die mithelfen, oder er macht es halt alleine fertig. Ob das jetzt einer in Vollzeit war, oder zwei in Teilzeit und drei Kumpels aus Messageboards, die unterstützt haben, das spielt aus meiner Sicht keine Rolle. Ich frage mich auch, woher der Reichelt sein Insider-Wissen darüber haben will, wie man Daten hackt. Gibt es da etwas, das er uns mitteilen möchte? Wenn die Bild Daten sucht, geht sie dann zu einer befreundeten staatlichen Stelle? Ich würde das nicht weiter ernst nehmen.

Die Fragen an Felix von Leitner wurden via Mail gestellt.

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Alle Kommentare

  1. Ja, ein unaufgeregter Artikel und mit der nötigen Sachlichkeit und Neutralität verbunden.

    Obwohl man Staat und Unternehmen nicht gleichstellen sollte. Für ein Unternehmen scheint Big Data zu Werbezwecken und zur Produktwirtschaft interessant oder den Veranwortlichen zumindest hilfreich.

    Dem Staat aber geht es um Kontrolle und Macht und um die Durchsetzung seines Hoheitsanspruches. Zum Beispiel das Greifen des allumfassenden Rechtswesens.

    Ich wäre mittlerweile nicht so leichtgläubig dem Staat, also den Politikern und Beamten die Naivität abzukaufen, die sie zumeist vortrefflich spielen. Allein die Bundeskanzlerin schon hat beim Wahlkampf 2009 Rat von USA-Kampagnenspezialisten gekauft, wie man seine Politik dem Volk aufs Auge drücken kann. Das hätte man von Merkel damals vielleicht garnicht erwartet.

    Sicher, die Politik war und ist kurzsichtig auf Profit gepolt wie ein beliebiges Wirtschaftsunternehmen. Gab es damals doch genug Versprechen, billig Produkte im Ausland zu bauen und die Entwicklung dafür hier in Deutschland zu machen. Und wer der Politik auch nur beiläufig zuhört, der hört raus, dass die an das Model immer noch glauben. Also das Deutsche tatsächlich auf lange Sicht klüger sind und solche Völker wie die Afrikaner und Chinesen als Billiglöhner für die Deutschen malochen. Eine Zeit lang ging das auf, als vor allem China nach jedem Stück Fortschritt aber auch jedem Stück wirtschaftliche Globalhoheit gegriffen hat und dafür die Gesundheit seines Volkes aufs Spiel setzte und noch immer setzt. Aus kapitalistischer Sicht: ja, die Chinesen haben den Ausländern durch ihre niedrigen Löhne die Investionen aber vielmehr den Abbau ihrer eigenen ausländischen Werke sehr schmackhaft gemacht.

    In der Elektrotechnik war Deutschland früher auch nur gehobenes Mittelmaß. Schon damals fand man es viel zu teuer, in Deutschland zu produzieren. Damals, als Taiwan anfing sich mit Elektrotechnik zu globalisieren.

    Materieller Bezug ist für die meisten Menschen halt sehr wichtig, wenn es um die geistige Entwicklung geht. Die Politiker hatten aber geglaubt, man könne in Bildungsschlössern eine Intellektuelle Weltelite aufbauen und musste dann aber erleben, dass sich die Welt dann doch schneller drehte oder klüger war, als man in seinen eigenen Kreisen gewohnt war und man vorallem die Welt nicht durch Patente beherrschen konnte.

    Wäre die IT-Industrie ähnlich subventioniert worden wie es die Agrawirtschaft oder die Kohlekumpels noch heute werden (von den Atomkraftwerken garnicht zu sprechen), dann hätte die Deutsche und auch die Europäische Wirtschaft vermutlich einen nicht kleinen Teil vom derzeitigen Boom mitgenommen. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dann hätte es dieses Big-Data nicht in der Art von heute gegeben. Dann gäbe es noch genügend Leute die wissen, dass nicht die Masse der Daten ein gutes Programm ausmachen, sondern die richtigen Daten und je mehr Daten man bewältigen muss, desto fehleranfälliger und langsamer wird man. Da wäre ich ganz in der Hoffnung, wenn genug Schafe blöcken, dann springt auch der Schäfer von seinem Stuhl auf. Die Politiker haben den Fehler gemacht, wie es aber im allgemeinen auch in der gesamten IT-Landschaft gehalten wurde, man hat dann einfach auf Geschwindigkeit gesetzt, um damit den mangelenden Intellekt auszugleichen. Obwohl auch in Deutschland das Sprichwort Klasse vor Masse ziemlich bedeutend ist. Ich glaube, IT und Politiker wollten zu schnell zuviel und haben dafür das wichtigste dafür aufgegeben, nämlich ihre Grundlage, ihr Fundament.

    Nun schweben beide in der Luft. Wundert es da sehr, dass die Politiker schon hysterisch reagieren, wenn sowas wie ein Leak, dass das normalste der Welt für den Bürger geworden ist (und ehrlich gesagt auch schon immer war), auch ihnen passiert? Die Politiker hatten geglaubt, dass ihre Macht und Kontrolle durch die Elektrotechnik, durch die Digitalisierung, ungebrochen wäre, sie unverwundbar wären. Nun hat ein einfaches Passwortraten eines Jugendlichen gereicht, um all die Erwartungen zum Einsturz zu bringen. Der eine Grünenpolitiker hat schon resigniert und seine Social-Media-Accounts geschlossen. Das zeigt doch, das zwar der Anspruch an die Technik im Nanometerbereich genau definiert ist aber das überhaupt Sinn macht garnicht mehr eine Frage darstellt. Das fast alle Politiker grundlegend falsche Ausgangsperspektiven zu pflegen scheinen zeigt sich doch schon daran, dass sie über die Gesetzgebung und dessen Überwachung hinaus überhaupt keine Vorstellung haben. Sprich, sie können nur mit Zwängen denken (Wortspiel nicht wirklich beabsichtigt). Das ist Usus in der Deutschen Politik (und nicht nur dort) und sollte auch nicht verwundern, dass der Staat selbst nach diesem Leak, der für ihn persönlich so unglaublich unangenehm zu seien schien, nicht auf die Idee kommt, vielleicht vom Zwang zurückzutreten und wieder etwas Freiheit im gesellschaftlichen Leben zu fördern. Warum soll das so wichtig sein, wenn ein paar Bescheißen? Soll man sie doch lassen aber dadurch nicht allen anderen auf den Schlipps treten!

    Genauso könnte man ja auch mal davon ausgehen, dass die Elektrotechnik auch, ähnlich der Mechanik, weiterhin ein Bestandteil unseres Lebens sein wird. Warum wird also nicht in Deutschland diese gefördert? Ist ja schön, wenn man auf Innovationen setzen will und dann erst richtig loslegen will. Sicher vermeidet man dadurch ein paar alte Fehler. Aber wenn man nichts hat, worauf man aufbauen kann, dann hilft einem ein Bagger beim Luftschlösserbauen auch nicht viel.

    Aber wie gesagt, die Politiker, gerade die der Union, stecken immer noch im Herrenmenschendenken fest und glauben, dass immaterielle Güter die Qualität von materiellen Gütern überflügelt, ganz nach dem Motto, ich Verkauf dir die Gurkenkrümmung teurer, als die Gurken selbst.

    So schluss jetzt. Ich hab noch nichteinmal Drogen genommen und kann trotzdem schwerlich aufhören zu schreiben.

    Ein Kommentar hätte ich aber noch an die Politik: Fangt doch mal an euren Wein auch zu trinken, den ihr den Leuten predigt. Vielleicht hält euch das dann davon ab, ihn mit Wasser zu panschen. 😀 Aber dafür wird die Faulheit schon sorgen. Die ist nämlich mindestens genauso mächtig wie die Dummheit auch. 😀

  2. Ich bin mir sicher, dass das Magazin der an- und abfahrenden Politikerlimousinen, die Tagesschau, das ungekürzt bringt und fefe zu Anne Plasberg und Gundula Kleber eingeladen wird, weil unser Staatsfunk ja nur das Beste für uns Bürger im Sinn hat.

  3. Informatives, durchdachtes Interview. Danke.
    Nur dem Schusswaffenargument möchte ich erwidern (oder hinzufügen): Das Versagen der Politik (wie auch Wirtschaft, Medien, bisweilen Wissenschaft…all jener halt, die die vorherrschenden Denk- und Handlungsmuster, Welt-, Menschen- und nicht zuletzt (immer öfter narzisstischen) Selbstbilder in dieser zivilisierten (sic) Gesellschaft prägen) liegt vor allem darin, dass sie mit eben ihrer Politik, der damit geförderten (und geforderten) Art zu leben (in der Konsequenz: Immer und überall gegeneinander statt miteinander) jene Lebensweise unterwandert haben, in der aufgeklärte, der Vernunft folgende, solidarische, mithin empathische Menschen sich der Wirkung von Waffen bewusst sind, diese (ob frei verfügbar oder nicht) also gar nicht erst nutzen. Dieses Versagen zeigt sich räumlich überall, hierzulande und global. Schöne (neue und “liberale”) Welt das. Eine Welt des Vergessens. Die Ursache der Daten(krake) liegt tiefer. Sie hat, nein, sie ist System.

  4. Von diesem Interview und der darin steckenden Analyse sollte sich jedes Medienunternehmen – namentlich Spiegel, Sueddeutsche, ARD, ZDF, FAZ, Zeit, TAZ, Bild sowiso) mal 100% abschreiben!
    Das was man ansonsten zu lesen zu hören/ sehen bekommt ist einfach nur daneben.

  5. Kleine Richtigstellung bezogen auf DSGVO und Melde- und Benachrichtigungspflichten. Die Meldungen gehen an die für das Unternehmen zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde und nicht an das BSI. Diese Meldeschwelle ist verdammt niedrig.

    Sollte sich aus einer Datenschutzverletzung ein hohes Risiko für die persönlichen Rechte und Freiheiten natürlicher Personen ergeben, so muss diese Person benachrichtigt werden.

    Ansonsten kann man Fefe nur zustimmen.

  6. Ein schönes aber kurzes Interview.
    Da geht noch viel mehr. Weiter so!

    Heute erst wieder bei der ARD gesehen: Die Journalisten fragen entweder Politiker, Behörden oder den Passanten auf der Straße nach seiner Meinung zum Datenklau.

    Warum gehen die nicht mal einfach zu jemanden, der wirklich Ahnung davon hat? Es muss ja nicht Fefe sein, aber der kann vielleicht 2-3 Ansätze liefern bzw. einem sagen, wen man interviewen sollte.

  7. Danke für den Artikel. Es ist schön mal zur Abwechslung keine hysterischen Märchengeschichten zu lesen.

  8. Einer der besten Kommentare, die FvL je geschrieben hat.
    Ich lese sein Blog täglich – bin nicht immer seiner Meinung, aber er gibt wichtige Impulse.

  9. Auf den Punkt gebracht!
    Leider zu kurz das Interview.
    fefe hatte noch einiges mehr auf Lager gehabt,wie z.bsp. der krampfhafte Versuch KommunikationsSoftware mit Staatlichen Hintertueren,der Aufkauf und die Verheimlichung von 0day exploits um poese Kriminelle fassen zu koennen und und und.
    JA die Politiker und ihre Helfer sind die wahren Taeter!

  10. Bravo und Chapeau!
    Endlich mal kein zerfaserter und in die Irre führender Unsinn, wie beinahe überall in den Artikeln der Medien und vor allem in deren Kommentaren zu lesen, sondern genau das was hier (seit vielen, vielen Jahren) Tatsachen sind auf den Punkt gebracht.
    Danke vielmals, fefe!

    ich hoffe dieses Interview, diese wirklich differenzierte Aufklärung, wird entsprechend in die breite Öffentlichkeit getragen und geteilt!

  11. Der aktuell aufgeblasene Pipifax mit Politikerdaten passt prima zur Anti-Internet-Kampagne. Das WWW – der Ort, an dem Hate-Speech regiert, Fake-News verbreitet werden und Hacker ihr Unwesen treiben. Das muss alles dringend mehr kontrolliert werden!!1!

    Diese DSGVO macht den Branchenriesen übrigens nichts aus, dem kleinen StartUp allerdings schon. Insofern wird das sicher auch prima zu einer Flurbereinigung beitragen. Was Facebook, Amazon & Co. genau speichern interessiert übrigens nach meiner Erfahrung hierzulande allenfalls IT-Sachverständige oder diejenigen Ü40, die noch etwas mit dem Begriff “Volkszählung” anfangen können.

    Unser Internet wird dank der False Flag “Datenschutz” bald bestimmt viel schöner werden. Dann wird man vielleicht auch diese unbequemen Alternativ-Medien endlich wieder los ( weil: Fake-News und Hatespeech).
    Russia Today gilt in den USA bereits jetzt als ausländischer Agent, Alex Jones und Julian Assange wurde schon die Leitung gekappt, 9/11-Zweifler und Chemtrails-Gläubige bei YouTube sind dann sicher die nächsten – bis es irgendwann bestimmt auch die Nachdenkseiten trifft (rein rechtlich natürlich).

    1. Julian Assange, der ausschließlich geholfen hat, Belege zu veröffentlichen, mit einem Verschwörungstheorieunternehmer wie Alex Jones auf eine Stufe zu stellen ist gelinde gesagt etwas abseitig.

      1. Julian Assange, dessen WikiLeaks e-mails sowohl der Republikanischer als auch der Demokratischer Partei zugestellt wurde aber nur die der Demokraten veröffentlicht hat — und damit maßgeblich zur Wahl Trumps als US-Bundespräsident beigetragen hat — auf eine Ebene mit anderen Rechtsradikalen und Vertreter der Interessen Putins zu stellen ist keineswegs abseitig.

    2. Und btw: es gibt keine Anti-Internet-Kampagne, nirgends. Es gibt Kritik an Fake-News und -Social-Media-Propaganda a la Palantir/Bannon. Und das zurecht.

      1. Die Bestrebungen das Internet zu zensieren oder in eine Art Rundfunk light zu verwandeln gibtes schon recht lange in der Politik, hinzu kommt noch der erhebliche Trend zur Zentralisierung auf geschlossene Plattformen. Es ändert sich nur das Ersatzargument, mal es ist es der Jugendschutz (recht standard für Zensur), dann geht es um Urheberrechte, dann geht es um Fake News und Manipulation durch den bösen Russen, Datenschutz in irgendeiner pervertierten Form (alles Datensammeln ist okay solange ich ein Popup habe und viele Anwälte bezahle), fiese Cyberterroristen, Hate Speech / Volksverhetzung, Rundfunklizenzen für youtuber, Abmahnunwesen, Mitstörerhaftung etc.. Wenn das keine Kampagne ist, was dann?

        Zensur ist ein starker Angriff auf die Demokratie. Traut man dem Bürger nicht zu sich selbst seine Meinung zu bilden dann stellt man damit die Demokratie in Frage. Ob man heir nun Assange, Snowden oder Alex Jones zum Schweigen zu bringen versucht ist da nicht relevant. Schlimm ist nur dass man sich inzwischen schon auf die Seite von Leuten wie Alex Jones stellen muss, den man eigentlich besser ignorieren sollte.

  12. Präzise Analyse der aktuellen Situation.

    Merkel ist seit 14 Jahren Kanzlerin, die SPD ist noch länger in der Regierung.
    Die Politiker können die Schuld auf keinen schieben außer sich selbst.

    1. SPD noch länger? Zwischendrin war die FDP mal dran. Ich kann ja verstehen, dass die aus dem Gedächtnis verschwindet, aber > 14 Jahre nonstop SPD ist einfach faktisch nicht richtig.

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