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“Smart Working” bei Gruner + Jahr: Verlag schafft mit neuer Zentrale in der Hafencity mehr mobile Arbeitsplätze

Verlagschefin Julia Jäkel, neue G+J-Heimat in der Hafencity: mit “Smart Working” in die Medienzukunft
Verlagschefin Julia Jäkel, neue G+J-Heimat in der Hafencity: mit "Smart Working" in die Medienzukunft

Eigentlich hatten die rund 2000 Gruner + Jahr-Mitarbeiter am Hamburger Baumwall gehofft, physisch einen festen Platz im neuen Verlagsgebäude in der Hafencity vorzufinden. Doch nun kommt heraus: In der künftigen Firmenzentrale ist nur Raum für 1800 Arbeitsplätze. Der Grund: Im Zeitalter des digitalen Journalismus will die Bertelsmann-Tochter mehr auf mobiles Arbeiten und Heimarbeit setzen – neudeutsch auch Smart Working. Es sei aber nicht geplant, vor dem Umzug Stellen abzubauen.

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Große Bullaugen, eine schiffsähnliche Architektur: Beinnahe jeder Hanseat kennt das imposant wirkende Firmengebäude von Gruner + Jahr am Hamburger Baumwall. Damit ist bald Schluss. Die Bertelsmann-Verlagstochter will in diesem Jahr mit dem Bau ihrer neuen Unternehmenszentrale beginnen. Standort ist der Lohseplatz in der Hamburger Hafencity, nicht weit vom Spiegel-Verlag entfernt.

Das neue Bürogebäude wirkt eher schlicht. Eine Fassade mit grüner Keramik und Dachflächen mit gestuften Gärten sorgen optisch für Auflockerung. Im Inneren formieren sich die Büros und Besprechungsräume um drei große Höfe, die vor allem für eine bessere Kommunikation sorgen sollen. Für die Belegschaft bedeutet der voraussichtlich für 2021 geplante Umzug der Aufbruch in eine neue Ära. Jahrzehnte war der Baumwall ihre Heimat. Künftig finden sie sich in einem eher schnörkellosen Bürokomplex wieder. „Unsere gesamte Art zu arbeiten hat sich verändert. Wir brauchen ein Haus, dessen Räume Kreativität nicht beschränken, sondern ermöglichen“, stellte Jäkel jüngst heraus.

Doch nicht alle 2000 Verlagsmitarbeiter am Baumwall werden in dem neuen Gebäude wohl unterkommen können. Denn jetzt kommt heraus: die neue Firmenzentrale bietet nur Raum für 1800 Arbeitsplätze. Dies geht aus einer Unterlage hervor, die MEEDIA vorliegt. Sie machte vor Weihnachten hausintern die Runde und schürte die Angst vor einem Stellenabbau. Doch Gruner + Jahr weist dies zurück. Geschäftsführerin Jäkel will stattdessen verstärkt auf mobiles Arbeiten setzen und Heimarbeit fördern. Auslöser hierfür sei der digitale Journalismus, der die Anwesenheit an einem festen Arbeitsplatz immer überflüssiger macht.

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“Unser Geschäft und unsere Arbeitsweise verändern sich seit einigen Jahren deutlich. Die Arbeit wird, technisch unterstützt, mobiler. Es gibt Bereiche bei G+J, die schon lange agil arbeiten, andere, die Sharing eingeführt haben. Home Office ist in weiten Teilen des Verlags normal. Dieser starken Veränderung folgend, schaffen wir uns in der Hafencity ein neues Gebäude, das zu der neuen Art des Arbeitens passt“, erklärt ein G+J-Sprecher auf Anfrage von MEEDIA. Und fügt hinzu: „Selbstverständlich wird es auch dort Sharing geben. Und, ebenso selbstverständlich, wird es dort Platz für alle Mitarbeiter geben, ganz ohne Stellenabbau. Wie genau die Büros und Arbeitsplätze aussehen und wie genau wir dort zusammenarbeiten werden, entwickeln wir allerdings erst in den kommenden Jahren.“

Für Gruner + Jahr birgt das Smart Working mehrere Vorteile. Das Unternehmen spart nicht nur Raumkosten ein. Es erhöht zugleich auch die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter, die nicht mehr den starren betrieblichen Regelungen unterliegen – so jedenfalls der Plan.

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Alle Kommentare

  1. Mobiler Journalismus? LOL? Ich sehe hier einen Zweiklassenjournalismus aufkommen. Die einen, die schön Zuhause sitzen und gelegentlich mal einen Promi interviewen.
    Und die anderen, die “schreiben was sein sollte” Relotiusstyle, weil sie sich nicht in die Gebiete trauen, wo was passiert. Das letzte mal das ich einen deutschen Journalisten an der “Front” bei Recherche gesehen habe war beim arabischen Frühling. Danach hat man eigentlich immer nur dpa Meldungen übernommen. Warum machen die keine eigene Zeitung auf?

  2. Die Mehrzahl der Journalisten und Gestalter sucht die Gegenstände der eigenen Arbeit kaum noch physisch auf, sondern recherchiert und produziert mithilfe digitaler Technik. In technischer Hinsicht macht es deshalb keinen Unterschied, ob sich der Kopf samt Hintern im Büro, in der Bahn oder zu Hause befindet. Und in puncto Lebensqualität? Nicht alle Kollegen sind ungebunden und nur für sich selbst verantwortlich (was sich im Zuge der Verrentung oder vorzeitigen „Freisetzung“ der letzten Babyboomer in naher Zukunft ändern könnte). Wer Familie hat, weiß, wie wichtig es ist, sich dieser planbar und verlässlich zuwenden zu können – und wie notwendig andererseits die räumliche Abgrenzung von ihr während der Arbeit ist.

    Nimmt man beides zusammen, mag das mobile Arbeiten aus Sicht smarter Verlagsmanager einen wirtschaftlichen Nutzen bringen, an dem ihr Erfolg ja gemessen wird. Was den gemeinen Mitarbeiter betrifft, bin ich jedoch skeptisch. Für wen genau ist die technisch mögliche Ausdehnung der Arbeitszeit auf 24 Stunden am Tag ohne Lohnausgleich vorteilhaft? Darüber sollte jeder für sich entscheiden dürfen; Arbeitsmediziner würden Ihnen übrigens davon abraten.

    Zumindest für mich selbst kann ich sagen: Meine Arbeitsergebnisse sind immer dann sehr gut, wenn ich in den Räumen meines Arbeitgebers tätig bin und man mich nur unterbricht, wenn es um die Sache geht. Arbeite ich unterwegs oder zu Hause, bin ich weniger produktiv und muss später vieles korrigieren oder sogar verwerfen. Diente ich im Jäkelschen Reich, hätte man mir – wie so vielen anderen – in ihrem Auftrag vermutlich schon vor Jahren ein Trennungsangebot unterbreitet. Sicherlich aber auf elegante Art.

  3. Vielleicht sollte man in Zeiten des martialischen Feminismus 2.0 auch mal anerkennend feststellen, wie beeindruckend souverän Frau Jäkel ihren Verlag durch die Ära der Erneuerung steuert.

    Eine Frau, die Frau ist, auch elegant und ästhetisch ausgeprägt… aber dies völlig selbstverständlich nicht als Instrument gebraucht, sondern als gegebenen Teil einer Identität, auf die das Wort “Captain” in jeder Hinsicht passt. Durch Cleverness, durch Weitsicht, durch Handlungsfähigkeit.

    Von so einer Dame könnten Stokowski etc. noch viel, viel lernen.

    Glückwunsch an die Mitarbeiter von Gruner & Jahr, das sie unter so einer Dame dienen dürfen.

  4. Das wird jetzt aber auch Zeit, dass sich auch in Verlagen die Sichtweise durchsetzt, dass Journalisten nicht für ihren Hintern bezahlt werden, sondern für ihren Kopf, der im besten Falle immer dort ist, wo was passiert. Und: Nicht nur Journalisten sollten mobil oder “smart” arbeiten, schön wärs, wenn die Verwaltungsleute sich jetzt mal unter Redakteure mischen könnten, um zu sehen, wie stark eingeschränkt die Personalpower heute schon in Redaktionen ist.

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