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“Täter wird Ticket in die Heimat zu lösen haben”: Stadt Cottbus irritiert mit Statement zur Tat eines Ausländers

Die Stadt Cottbus sorgt mit einem Statement zu einer Auseinandersetzung in der Silvesternacht für Irritationen
Die Stadt Cottbus sorgt mit einem Statement zu einer Auseinandersetzung in der Silvesternacht für Irritationen

In der Neujahrsnacht verletzte in Cottbus ein noch unbekannter Ausländer einen 28-jährigen Deutschen offenbar schwer. Die Stadt kommentiert den Vorfall mit einem vorauseilenden Statement: Sollte der Täter "hier noch ein Gastrecht genießen" und "kein unbeschriebenes Blatt" sein, wolle man ihm klarmachen, sein "Ticket in die Heimat zu lösen", heißt es darin. Leser reagierten empört.

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Laut Polizeiangaben ist sowohl die Ursache als auch die genaue Identität des Täters (“ein unbekannter Ausländer”) noch ungeklärt. Die Pressestelle der Stadt Cottbus reagierte am Dienstag trotzdem auf den Vorfall in der Silvesternacht, bei dem der Täter mit einer Stichwaffe auf sein Opfer einstach und ihn mehrfach verletzte.

In dem Statement der Stadt, das auf der Webseite zu lesen ist, heißt es zunächst: “Diese Tat ist – wie die vorhergehenden auch – abstoßend und durch nichts zu entschuldigen. (…) Zunächst müssen Hergang und Hintergründe aufgeklärt und der oder die Täter gefunden werden, damit die Justiz zum Zuge kommen kann.”

Im letzten Absatz des Textes steht dann:

Sollte der oder die Täter hier noch ein Gastrecht genießen und kein unbeschriebenes Blatt sein, werden wir nicht zögern, ihm oder ihnen klarzumachen, dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben. Wir hoffen, dass die rechtsstaatlichen Instanzen schnell und kompromisslos entscheiden. Wir lassen unsere Stadt nicht durch Typen beschädigen, die sich nicht benehmen können und denken, Konflikte auf diese Art lösen zu können.

Dass sich die Pressestelle mit ihrer Wortwahl (“Gastrecht”, “Ticket in die Heimat lösen”) aus dem rechten Milieu bedient, wird insbesondere in den Sozialen Netzen kritisiert. Zudem müssen sich die Presseleute dort die Frage gefallen lassen, warum sie versuchen, der Justiz Vorgaben zu machen und bei ungeklärter Sachlage derartige Drohungen aussprechen. Die Ermittlungen in solchen Fällen sind eigentlich Sache der Polizei und Staatsanwaltschaft.

Auf Twitter kommentiert ein Nutzer: “Unglaublich was die @Stadt_Cottbus hier ablässt. #NaziJargong der untersten Schublade”.

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Ein anderer Twitter-Nutzer schreibt: “Die kennen weder Tathergang noch wird was über den Täter gesagt, aber man definiert Konsequenzen für Abschiebung. Weil ja jede Tat immer von einem Ausländer ohne gesicherten Status kommt?”

Auch in den Kommentarspalten unter dem Facebook-Post der Stadt stößt die Meldung überwiegend auf Kritik. Eine Nutzerin schreibt: “Die in dieser öffentlichen Stellungnahme verwendete Sprache ist beschämend und schlichtweg unverschämt. Von der öffentlichen Verwaltung erwarte ich einen angemessenen Ton.” An anderer Stelle heißt es: “Das soll eine offizielle Stellungnahme einer Stadt sein? Was ist das für ein Ton? Eine Stadt, die mit Toleranz wirbt? Man muss sich fremdschämen!”

Die Social-Media-Verantwortlichen der Stadt reagierten auf Facebook auf einige der Kommentare: “Das ist sicher drastisch, aber deutlich, um die Konsequenzen von Straftaten aufzuzeigen, wenn diese durch den Rechtsstaat geahndet werden”. Auf Nachfrage haben sich die Verantwortlichen bislang jedoch nicht zu dem Statement geäußert.

Seit Jahren hat Cottbus ein Problem mit der Ausländerfeindlichkeit. Im vergangenen Jahr ist die Stadt insbesondere durch massive rechte Proteste ins Zentrum der Berichterstatter gerückt.

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