Partner von:
Anzeige

Bei Interessenskollision mit Rolle als Managing Editor: Sprecherin der Spiegel Mitarbeiter KG plant Rücktritt

Baldiger Rücktritt als Chefin der Mitarbeiter KG? Spiegel-Journalistin Susanne Amann könnte den Posten aufgrund der Berufung zum Managing Editor verlieren
Baldiger Rücktritt als Chefin der Mitarbeiter KG? Spiegel-Journalistin Susanne Amann könnte den Posten aufgrund der Berufung zum Managing Editor verlieren

Susanne Amann will Konsequenzen aus ihrer Doppelrolle als Sprecherin der Mitarbeiter-KG des Spiegel und ihrem neuen Posten als Managing Editor ziehen, um mögliche Interessenskollisionen zu vermeiden. Die bisherige Print-Wirtschaftsressortleiterin beabsichtigt deshalb, von ihrem KG-Posten umgehend zurückzutreten, falls ein von der KG beauftragtes Gutachten zu dem Schluss kommt, dass beide Ämter nicht miteinander zu vereinbaren sind. Wann das sein wird, ist aber unklar.

Anzeige

Die Fälschungs-Affäre um den ausgeschiedenen Star-Reporter Claas Relotius beschäftigt den Spiegel-Verlag weiter. Um den Schaden zu begrenzen, hatten das Medienhaus-Management und der damals noch designierte Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann am 19. Dezember die Vorgänge im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal umfassend öffentlich gemacht.

Gut eine Woche später verkündete Klusman, die Verträge von Ullrich Fichtner als Print-Chefredakteur und von Matthias Geyer als Blattmacher Gesellschaft “vorerst ruhen” zu lassen, bis eine hausinterne Kommission die Affäre abschließend untersucht hat. Das aber dürfte Monate dauern. Damit hat sich Klusmann Zeit verschafft, um die Spiegel-Führung möglicherweise personell neu ordnen. Denn hausintern wird stark bezweifelt, ob Fichtner und Geyer nach den Skandal für die angestrebten Ämter überhaupt noch für die Top-Positionen in Frage kommen. Wer allerdings ihre Posten interimistisch übernimmt, ist bislang offenbar noch nicht geklärt. Eine Sprecherin des Spiegel betont auf MEEDIA-Anfrage, dass man sich melde, wenn „das feststeht.“

Doch Klusmann hat noch ein weiteres Personalproblem. Und das heißt: Susanne Amann. Der frühere Chefredakteur der Financial Times Deutschland (FTD) hat die bisherige Print-Wirtschaftsressortleiterin in seinem neuen Führungsteam zum „Managing Editor“ befördert. Damit provoziert er aber ein Konflikt herauf, die ohne die Relotius-Äffäre vielleicht gar nicht groß ans Tageslicht getreten wäre. Der Grund: Amann soll sich in ihrer neuen Position als eine Art Change-Managerin verdingen. Ihre Aufgabe: Sie soll die geplante Fusion von Print und Online vorantreiben und ein Auge auf Arbeitsabläufe, Kosten und die Personalplanung werfen.

Anzeige

Damit wächst Amann deutlich mehr Gestaltungsmacht zu. Sie hat im neuen Job ad hoc die Befugnis, hausintern Strukturen zu verändern. Für große Teile der Belegschaft ein völliges Unding. Denn die Journalistin ist zugleich Sprecherin der Spiegel-Mitarbeiter-KG, mit 50,5 Prozent Hauptgesellschafterin des Verlags an der Ericusspitze. Sie würde damit nicht nur ihre eigene Arbeit kontrollieren, sondern auch gegen den geltenden KG-Vertrag verstoßen. Der sieht vor, dass Geschäftsführer, Verlagsleiter, Prokuristen, Chefredakteure und ihre Stellvertreter nicht zeitgleich KG-Vertreter sein können. Durch die Veränderung der Führungsstruktur unter dem neuen Chefredakteur entfallen jedoch die Vize-Posten in der Chefredaktion und werden durch die Positionen der Managing Editors ersetzt – und in diesem Rang würde Amann eine Führungsrolle ausüben, die früher den Stellvertretern des Chefredakteurs zukamen. Ob dies der Fall ist, wird derzeit juristisch geprüft.

Zudem empfinden Spiegel-Mitarbeiter Klusmanns Entscheidung, Amann zum jetzigen Zeitpunkt befördern, als nicht passend. Denn als Mitglied der fünfköpfigen Mitarbeiter-KG hatte die KG-Sprecherin zuvor geholfen, den langjährigen Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer abzusetzen und Klusmann an seine Stelle zu hieven. Um Klusmann wohl nicht noch mehr unter Druck zu setzen und weitere Diskussionen um Compliance-Probleme beim Spiegel zu vermeiden, will Amann offenbar von ihrem Posten als KG-Sprecherin umgehend zurücktreten – allerdings nur dann, wenn ein von der Mitarbeiter-KG in Auftrag gegebenes Gutachten zu dem Schluss kommt, dass die beiden Positionen der Journalistin nicht mit den Spiegel-Statuten konform seien. Dies erfuhr MEEDIA aus Kreisen der Mitarbeiter-KG. Offiziell will sich das Gremium nicht dazu äußern.

Zu diesem Schritt genötigt wird das KG-Mitglied offenbar durch eine Gruppe von rund 30 stillen Gesellschaftern. Diese hatten sie aufgefordert, aus der Mitarbeiter-KG auszuscheiden, um Interessenkollisionen zu vermeiden. Würde sie dem nicht nachkommen, sollte ein Schiedsgerichtsverfahren und gegebenenfalls eine spätere Feststellungsklage vor dem Landgericht die notwendigen Fakten schaffen. Damit gerät Amann in Zugzwang. Denn ein solches Verfahren wäre nicht nur öffentlichkeitswirksam. Es könnte auch die Position von Klusmann als neuen Spiegel-Gesamt-Chefredakteur beschädigen, falls das Gericht die Doppelrolle als nicht Statuten-konform erachtet. In diesem Fall hätte der ehemalige Manager Magazin-Chefredakteur Amann befördert, ohne im Vorfeld solch wichtige Usancen des Spiegel-Verlags abgeklärt zu haben.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia