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Das Horrorjahr der deutschen Medienaktien: Von Axel Springer bis ProSiebenSat.1 nur Verlierer

Horror im Handelssaal: Besitzer von Medienaktien erlebten ein bitteres Jahr 2018
Horror im Handelssaal: Besitzer von Medienaktien erlebten ein bitteres Jahr 2018

Außer Spesen nichts gewesen: Besitzer von deutschen Medienaktien brauchten in den vergangenen zwölf Monaten ein dickes Fell. Gerade zum Jahresende dürfte der Blick ins Depot schmerzen: Ganz gleich ob sich Anleger für Axel Springer, die RTL Group oder Ströer entschieden haben – sie müssen auf Jahressicht eine happige Entwertung ihres Investments beklagen. Ganz dick kommt es dagegen für den einstigen Überflieger ProSiebenSat.1, der sich nach einem Albtraumjahr fast halbierte.

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Es ist seit jeher eine Binsenweisheit: So faszinierend die Medienbranche auch sein mag, so problematisch ist das Investment in Medienaktien. Das Vorurteil fand seine hundertprozentige Bestätigung beim Blick auf die Entwicklung der wertvollsten börsengelisteten deutschen Medienunternehmen (mit einem Börsenwert von mindestens einer Milliarde Euro), die allesamt im Nebenwertewerte Index MDax gelistet sind.

In einem rabenschwarzen Börsenjahr, in dem der MDax einen halben Handelstag vor Jahresende ein Minus von 18 Prozent angehäuft hat, haben die größten Medienunternehmen ihren Anteilseignern noch weitaus größere Verluste eingebrockt. (Außenwerbevermarkter Ströer stieg im September in den SDax ab und performte auch dort schwächer.)

Axel Springer: – 25 Prozent

Wenn der Klassenbeste mit einem Minus von 25 Prozent aus dem Jahr geht, sagt das viel über das Anlegervertrauen in eine Branche aus. Eine Überraschung kann die neue Skepsis an der Börse kaum sein, gilt doch die konjunktursensitive Medienindustrie als klassisches Opfer bei einer Eintrübung der Wirtschaftslage – nichts ist schließlich einfacher, als Werbebudgets in schwierigen Zeiten herunterzufahren.

Der größte börsengelistete deutsche Verlag merkt von einer aufziehenden Krise indes noch nichts: Bei den im November vorlegten 9-Monats-Zahlen konnte der Berliner Traditionsverlag, der inzwischen 80 Prozent seiner operativen Gewinne aus dem Digitalgeschäft bestreitet, weiter anziehende Erlöse und Gewinne verkünden.

Allerdings bleibt das klassische Verlagsgeschäft mit journalistischen Inhalten schwierig: Im Segment News Media, dem klassischen Mediengeschäft u.a. mit der Bild- und Welt-Gruppe, sanken die Umsatzerlöse in den ersten neun Monaten leicht von 1,095 auf 1,090 Milliarden Euro. Das Segment Classified Media, also das Geschäft mit digitalen Rubrikenanzeigen, bleibt Springers Wachstums- und Gewinntreiber.

Anleger zeigten sich wenig beeindruckt von der Geschäftsentwicklung und ließen die Springer-Aktie von 65 Euro zu Jahresbeginn auf heute 49 Euro im Xetra-Handel fallen.

Ströer: – 31 Prozent

Seit Jahren versucht sich der Außenwerbevermarkter an einer Imagepolitur zum veritablen Contentanbieter. Mehr als drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Kölner von der Telekom T-Online übernahmen, das 2017 mit dem ehemaligen Spiegel Online-Chef Florian Harms verstärkt wurde, um als “digitales Leitmedium” wahrgenommen zu werden.

Im März dieses Jahres rollte Störer den Content-Teppich für die Generation Mobile aus und startete die deutsche Variante des Jugendportals Watson. Im Kerngeschäft liefert der Außenwerbevermarkter  dank des Ausbaus des Telefon- und Direktvertriebs unterdessen kräftig weiter.

In den Monaten Januar bis September verbuchte Ströer Umsätze von 1,1 Milliarden Euro, was einem Erlösplus von rund 28 Prozent entspricht. Netto blieben nach den ersten drei Quartalen immerhin  59 Millionen Euro hängen – ein Zuwachs von 13 Prozent im Vorjahresvergleich.

Obwohl die Analysten der Deutschen Bank und von Goldman Sachs in den vergangenen Wochen Kaufempfehlungen aussprachen, zogen Anleger die Notbremse und schickten die Ströer-Aktie im schwachen Marktumfeld immer weiter in die Tiefe. Aktionären blieb nach Startkursen zu Jahresbeginn von knapp 62 Euro zwölf Monate später gerade noch rund 42 Euro – ein Minus von rund 31 Prozent.

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RTL Group: – 31,5 Prozent

Auch den weiterhin wertvollsten deutschen Medienkonzern schmerzt der Paradigmenwechsel vom linearen Fernseh- ins Streaming-Zeitalter zusehends. Das symbolische Ende einer Ära verkündete die RTL Group erst vor einem Monat mit einem Führungswechsel.

“Im besten gegenseitigen Einvernehmen” habe man beschlossen, den auslaufenden Vertrag von Anke Schäferkordt als CEO der Mediengruppe RTL Deutschland nicht zu verlängern, teile die RTL Group mit. Die Personalie kommt durchaus überraschend, zumal Schäferkordt viele Jahre lang das Deutschland-Geschäft von RTL, das stets einen Löwenanteil zur Gesamtbilanz der RTL Group und damit auch zum Mutterkonzern Bertelsmann beisteuert, sehr erfolgreich gemanagt hat.

2018 hatte das Deutschland-Geschäft der Gruppe jedoch erkennbar geschwächelt und damit zur immer weiteren Erosion der Aktie beigetragen, die sich seit den Höchstkursen 2015 inzwischen mehr als halbiert hat. Bei den im November vorgelegten 9-Monatszahlen konnte CEO Bert Habets nur noch einen marginalen Umsatzanstieg um 2,7 Prozent auf nunmehr 4,47 Milliarden Euro verkünden.

Der operative Gewinn (EBITDA) stagnierte mit 892 Millionen Euro indes (Vorjahr: 889 Millionen Euro), während unterm Strich mit 424 Millionen Euro nach neun Monaten sogar ein geringerer Nettogewinn hängen blieb als im Vorjahreszeitraum (434 Millionen). Anleger hatten genug gesehen und schickten die Aktie der RTL Group bis einen Tag vor dem Jahresende von 66,78 auf nunmehr 45,78 Euro nach unten.

ProSiebenSat.1: – 47 Prozent

Es ist fraglos die verrückteste Börsenstory aller deutschen Medienaktien: Der Fall und Aufstieg von ProSiebenSat.1, der ein Pennystock-Unternehmen (2009) binnen sieben Jahren in den deutschen Eliteindex Dax beförderte. Es war der Gipfel- und Wendepunkt der bemerkenswertesten Turnraround Story, dir sich nun im dritten Teil des Mediendramas wieder zur Tragödie zu entwickeln scheint.

Von 29 Euro sind nach zwölf Monaten nur noch 15 Euro übrig geblieben. Vom einstigen Allzeithoch jenseits der 50-Euro-Marke haben sich die Münchner damit bereits zu mehr als zwei Dritteln wieder entfernt. Beschleunigt hat den Kurssturz eine Reihe wenig erfreulicher Nachrichten, die mit dem Rückzug des langjährigen Erfolgsgaranten Thomas Ebeling begann, der im Februar seinen Hut nahm und zuvor auf unrühmliche Weise mit Äußerungen über seine Zuschauer gegenüber Analysten (“ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm”) seine Demission vorangetrieben hatte.

Es folgte der Dax-Abstieg und unmittelbar darauf eine Short-Attacke: Das in Südafrika ansässige Analysehaus Viceroy Research veröffentlichte Anfang März eine 37-seitige Studie, die sich wie ein Abgesang auf den heutigen MDax-Konzern liest. Dem neu installierten Vorstandschef Max Conze gelang es bislang nicht, das Anlegervertrauen zurückzugewinnen. Im Gegenteil: Im November musste Conze für das dritte Quartal einen unerwarteten Gewinneinbruch vermelden, der den Ausverkauf weiter beschleunigte.

Nach erdrutschartigen Jahresverlusten von 47 Prozent notiert die ProSiebenSat.1-Aktie kurz vor dem Jahresende bei gerade noch 15 Euro auf einem frischen 7-Jahrestief. Anleger zittern wie in einem guten Serienmehrteiler nun vor dem Anbruch des nächsten Börsenjahres: Droht in der P7S1-Börsensaga 2019 etwa die Rückkehr der einstelligen Kurse?

 

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