Partner von:
Anzeige

Der Spiegel-Skandal um Starreporter Claas Relotius: Vorerst kein Fall für die Staatsanwaltschaft

Im Zentrum des Skandals: Ex-Spiegel-Redakteur Claas Relotius
Im Zentrum des Skandals: Ex-Spiegel-Redakteur Claas Relotius

Die Aufarbeitung des Skandals um den preisgekrönten Spiegel-Reporter Claas Relotius bewegt die Medienbranche. Per SMS hat sich der Journalist inzwischen beim Reporter-Forum gemeldet, um seine vier Preise zurückzugeben. Strafrechtlich hat der 33-jährige Star-Journalist offenbar bislang nichts zu befürchten. Die Staatsanwaltschaft sieht bisher keinen Grund, in dem Fall zu ermitteln.

Anzeige

Das Ausmaß der journalistischen Verfehlungen bei dem inzwischen ausgeschiedenen Spiegel-Reporter Claas Relotius lässt sich bislang nur erahnen. Der Spiegel hat eine dreiköpfige Kommission aus erfahrenen Journalisten ins Leben gerufen, um den Fall hausintern zu klären. Doch die Aufarbeitung soll sich sechs Monate hinziehen.

Welche juristischen Konsequenzen Relotius langfristig drohen, ist daher bislang nicht abzusehen. Strafrechtlich hat der preisgekrönte Reporter bisher nichts zu befürchten. Die Staatsanwaltschaft Hamburg sieht jedenfalls gegenwärtig keinen Grund, Ermittlungen aufzunehmen. „Zurzeit liegen keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für konkrete verfolgbare Straftaten vor. Die Staatsanwaltschaft wird daher nach gegenwärtigem Stand keine Ermittlungen von Amts wegen aufnehmen“, erklärt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg gegenüber MEEDIA. Schwer vorstellbar wäre es allerdings auch, wenn Staatsanwälte im Falle späterer Ermittlungen Büroräume des Verlags betreten würden, um Recherche-Material des Journalisten zu sichten. Vielleicht spielte auch dieser Gesichtspunkt bei der Entscheidung des Spiegel-Verlags eine Rolle, zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Strafantrag zu stellen und auch keine zivilrechtlichen Ansprüche gegen den Autor geltend zu machen. Zugleich hatte die Spiegel-Chefredaktion jedoch erklärt, das Geständnis von Claas Relotius gegenüber seinen Vorgesetzten komme einer “Selbstanzeige” gleich.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von MEEDIA (@meedia.de) am

Anzeige

Inzwischen hat Relotius seine vier Reporterpreise zurückgegeben. Das gab das Reporter-Forum auf seiner Webseite bekannt, das die Preise ausgelobt hat. Bevor die 39 Jurorinnen und Juroren über den Fall entscheiden konnten, hat Relotius selber Fakten geschaffen. Per SMS habe er sich gemeldet, “sich entschuldigt und seine 4 Reporterpreise von sich aus zurückgegeben“, heißt es. Am Mittwoch hatte ihn bereits die Ulrich-Wickert-Stiftung den Peter-Scholl-Latour-Preis aberkannt. “Ich bin tief erschüttert über diesen Betrug”, erklärte der frühere Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. “Glaubwürdigkeit ist das wichtigste Gut eines Journalisten.“ Der Spiegel-Verlag hatte den Betrugsfall in eigenen Hause offengelegt. Relotius soll über Jahre weite Teile seiner Reportagen erfunden oder Fakten gefälscht haben.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia