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Weser-Kurier-Verleger einigen sich auf neuen Vorstand: das Weihnachtswunder von Bremen

Moritz Döbler, Chefredakteur des Weser Kurier
Moritz Döbler, Chefredakteur des Weser Kurier

Die zerstrittenen Eigentümerfamilien des Weser-Kuriers (WK) haben sich nun doch noch auf einen neuen Vorstand für den WK-Verlag Bremer Tageszeitungen AG (BTAG) geeinigt und damit ein Führungsvakuum verhindert. Einer der beiden neuen Vorstände ist Chefredakteur Moritz Döbler. Dass er jetzt eine Doppelrolle als Redaktions- und Verlagschef einnimmt, ist bei deutschen Tageszeitungen ungewöhnlich und umstritten, weil darunter die Unabhängigkeit der Redaktion leiden könnte.

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Von Eckhard Stengel

Am Montag hatten sie sich noch vor Gericht getroffen, weil sie sich wechselseitig aus der BTAG-Muttergesellschaft Hackmack Meyer KG herausdrängen wollten, aber nun haben sich die beiden verfeindeten Eigentümerfamilien doch noch zusammengerauft: Der BTAG-Aufsichtsrat, der sich jeweils zur Hälfte aus Vertretern der beiden Familienstämme zusammensetzt, hat WK-Chefredakteur Döbler zum neuen Vorstandsmitglied bestellt, wie die BTAG am Mittwoch bekanntgab. Der 53-jährige soll „unter anderem“ für die Redaktion, die Weiterentwicklung von Digitalprodukten, für Finanzen / Controlling, IT und Personal / Recht zuständig sein. An Döblers Seite amtiert künftig der 49-jährige bisherige Marketingchef David Koopmann als Vorstandsmitglied für Vermarktung, Corporate Publishing, Drittgeschäft, Druck und Logistik.

Beide übernehmen damit zum 1. Januar die Nachfolge von Eric Dauphin und Jan Leßmann, die zum Jahresende ihre Ämter niederlegen. Als Grund für ihren Abgang nennt der Verlag „die unterschiedliche Auffassung über die künftige Strategie des Unternehmens“.

Die Suche nach einer neuen Führungsspitze hatte monatelang gedauert, weil sich die beiden Eignerfamilien nicht einigen konnten. Mit dem nun beschlossenen Personalpaket konnte der größte Bremer Tageszeitungsverlag noch knapp verhindern, ohne Führung dazustehen und womöglich per Gerichtsbeschluss einen kommissarischen Vorstand eingesetzt zu bekommen. Döblers Doppelrolle als Chefredakteur und Vorstandsmitglied wird von vielen kritisch gesehen, auch von der Betriebsratsvorsitzenden Ruth Gerbracht. Er selbst erklärte am Mittwoch: „Ich empfinde es als Ehre und Herausforderung, neben der redaktionellen nun auch unternehmerische Verantwortung für unser Haus übernehmen zu dürfen. Die Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit, die für den Wert unserer Marken bestimmend ist, steht dabei an oberster Stelle.“

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Der BTAG-Aufsichtsratsvorsitzende Bernhard Gätjen erklärte, das Aufsichtsgremium und der neu bestellte Vorstand „schauen mit Zuversicht in die Zukunft, in der entscheidende Weichenstellungen für die Bremer Tageszeitungen AG vorgenommen werden müssen.“ Dazu dürfte unter anderem die seit Jahren ungeklärte Frage zählen, ob die BTAG ihre veraltete Druckerei modernisiert oder auf ein anderes Druckhaus ausweicht.

Döbler war im Januar 2015 vom Berliner Tagesspiegel in die WK-Chefredaktion gewechselt. Er brachte frischen Wind ins Bremer Pressehaus, ohne alles durcheinanderzuwirbeln, wie es einer seiner Vorgänger, Lars Haider, praktiziert hatte. Nach und nach baute Döbler das Traditionsblatt weiter um. Als Aufmacher auf der Titelseite stehen nicht mehr politische Großereignisse vom Vortag, sondern Neuigkeiten aus der Region – mal mehr, mal weniger gewichtig. Trotzdem wurde aus dem Weser-Kurier kein Provinzblatt, denn für die überregionale Berichterstattung kaufte der WK Berichte der angesehenen DuMont-Hauptstadtredaktion ein (inzwischen abgelöst durch das Redaktionsnetzwerk Deutschland). Neben der Tagesberichterstattung prägen opulent bebilderte Doppelseiten und mehrseitige Dossiers das Erscheinungsbild. Eine der jüngsten Neuerungen: Sang- und klanglos verschwand die tägliche Lokalglosse „Tach auch“.

Alles andere als erfolgreich lief eine kostspielige andere Neuerung: Der WK baute eine eigene Redaktion für Themen rund um den Fußball-Bundesligisten Werder Bremen auf. Die zunächst gratis angebotene und inzwischen teilweise kostenpflichtige App „Mein Werder“ erfüllte bisher längst nicht die Umsatz-Erwartungen. Die Werder-Redaktion bindet Personalkapazitäten, die an anderer Stelle fehlen.

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