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Laut NYT-Bericht: Facebook soll Tech-Riesen wie Microsoft und Netflix Zugang zu Nutzerdaten gewährt haben

Facebook-CEO Mark Zuckerberg
Facebook-CEO Mark Zuckerberg

Facebook verkauft keine Nutzerdaten, doch nun hat die New York Times in einer aufwendigen Recherche aufgedeckt: Das US-Unternehmen hat viele Abkommen mit Firmen wie Yahoo, Spotify und Netflix, die ihnen Zugang zu Nutzerdaten verschaffen. Manche Partner sollen dabei sogar auf Privatnachrichten zugegriffen haben. Facebook wehrt sich in einer Stellungnahme.

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Facebook hat nach neuen Vorwürfen den Zugang zu Nutzerdaten für Firmen wie Microsoft, Netflix oder Spotify verteidigt. Das Online-Netzwerk betonte, die Schnittstellen seien dazu gedacht gewesen, Nutzern den Kontakt zu ihren Facebook-Freunden auf den anderen Plattformen zu ermöglichen. Sie seien auch lediglich nach einer Anmeldung aktiviert worden, hieß es in einem Blogeintrag am Mittwoch mit dem Titel “Let’s Clear Up a Few Things About Facebook’s Partners”. Die New York Times hatte in einer großen Recherche unter anderem herausgefunden, dass Microsofts Suchmaschine Bing Zugriff auf die Namen von Facebook-Freunden eines Nutzers gehabt habe und die Streamingdienste Netflix und Spotify auf die privaten Nachrichten.

Dazu hatten die Reporter des Blattes mit mehr als 60 Leuten gesprochen (hier der ganze Artikel), darunter ehemalige Facebook-Mitarbeiter und Angestellte der Partnerfirmen sowie 270 Seiten vertraulicher Dokumente des Konzerns ausgewertet. Demnnach solle es mit mehr als 150 Firmen Daten-Deals gegeben haben. Solche Verknüpfungen von Facebook-Accounts mit anderen Diensten werfen nicht zum ersten Mal Fragen auf. Das Online-Netzwerk sieht darin keine Verletzung der Datenschutz-Vorgaben. Die Nutzer hätten einfach auf der Plattform der Partner-Firma den Zugang zu ihren Facebook-Daten gehabt. Kritiker argumentieren, dass dabei Daten zum Beispiel Informationen von Freunden ohne deren Zustimmung weitergegeben worden seien.

Auch New York Times auf Liste der Partner

Zugleich bestätigte Facebook, dass die entsprechenden Schnittstellen zum Teil noch 2017 verfügbar gewesen seien, obwohl der Datenzugang eigentlich 2014 eingestellt wurde. Das hätte nicht passieren dürfen, räumte der zuständige Manager Konstantinos Papamiltiadis ein. Facebook habe aber keine Hinweise darauf, dass es Datenmissbrauch nach dem Ende des Programms gegeben habe. Das Netzwerk nannte auch die New York Times selbst in der Liste der Partner, bei denen es eine Verknüpfung mit Facebook-Daten gab.

Die New York Times berichtete zugleich auch, dass Facebook von Partnern wie Amazon, Yahoo oder dem chinesischen Smartphone-Anbieter Huawei Daten wie zum Beispiel Kontaktlisten erhalten habe, die dann unter anderem für Freundschaftsvorschläge genutzt worden seien. Das gehe aus internen Unterlagen hervor, die der Zeitung vorliegen. Noch im vergangenen Jahr hätten unter anderem Sony, Microsoft und Amazon E-Mail-Adressen von Facebook-Nutzern über ihre Freunde abrufen können.

Netflix und Spotify bekamen dem Blatt zufolge das Recht eingeräumt, private Nachrichten von Nutzern zu lesen, zu löschen und diese anzuschreiben. Die Streaming-Anbieter erklärten, dies sei ihnen nicht bewusst gewesen.

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Seit Monaten hat Facebook mit zahlreichen Negativ-Schlagzeilen im Bezug auf den Umgang mit Nutzerdaten zu kämpfen: Im Frühjahr wurde enthüllt, dass über Facebook-Quiztools Daten von Millionen Nutzern gesammelt und ohne deren Wissen an die dubiose PR-Firma Cambridge Analytica weitergegeben wurden (MEEDIA berichtete). Als Folge des Skandals gelobte das weltweit größte soziale Netzwerk Besserung. Dessen Firmenchef Mark Zuckerberg und hochrangige Manager mussten zudem vor politischen Untersuchungsgremien auftreten.

Zuletzt machte das Unternehmen ebenfalls auf sich aufmerksam, als ebenfalls die New York Times berichtete, dass Facebook eine PR-Firma namens Definers Public Affairs mit Negativkampagnen gegen Rivalen wie Google und Apple sowie George Soros beauftragt haben soll.

Update, 19. Dezember, 15.20 Uhr: 

Der Streamingdienst Netflix hat mittlerweile ebenfalls ein Statement zu den Vorwürfen gegenüber Facebook veröffentlicht. Darin heißt es: “Im Laufe der Jahre haben wir verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, Netflix sozialer zu gestalten. Ein Beispiel dafür war eine Funktion, die wir 2014 starteten. Sie ermöglichte Mitgliedern, Facebook-Freunden Serien und Filme über den Messenger oder Netflix zu empfehlen. Da das Feature nicht gut ankam, haben wir es 2015 wieder abgeschaltet. Zu keinem Zeitpunkt haben wir auf private Nachrichten von Personen auf Facebook zugegriffen oder um die Möglichkeit dazu gebeten.”

tb/mit Material der dpa

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