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Flüchtlinge, Angela Merkel, Claudia Roth: Buzzfeed ermittelte die "erfolgreichsten" Falschmeldungen bei Facebook im Jahr 2018

Buzzfeed untersuchte Falschmeldungen bei Facebook 2018. Drei Opfer von Fake News: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Grünen-Politikerin Claudia Roth, Paul Kirchhof

Buzzfeed News hat wie schon im vergangenen Jahr untersucht, welche Falschnachrichten bei Facebook die meisten Interaktionen einheimsten. Diese „Hitliste der Fake News“ zeigt, dass vor allem Angela Merkel und Flüchtlinge immer wieder Thema von Falschbehauptungen bei Facebook sind. Außerdem ergab die Untersuchung, dass Facebooks Maßnahmen zur Eindämmung von Fake News offenbar nicht funktionieren. Das deckt sich mit MEEDIA-Auswertungen.

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Laut Buzzfeed News hatten die acht erfolgreichsten Falschmeldungen 2018 mehr Facebook-Interaktionen als fast alle Artikel der größten Nachrichtenseiten in Deutschland. Die erfolgreichste Falschnachricht auf Facebook war demnach ein Artikel der in Russland registrierten Webseite Anonymousnews.ru. Der Artikel habe insgesamt 148.000 Facebook-Interaktionen generiert. Nur die Süddeutsche Zeitung hatte in diesem Jahr einen Artikel, der mehr Interaktionen auf Facebook erzeugte. Keine andere der 50 meistgelesenen deutschen Nachrichtenseiten – nicht Bild, Spiegel, Focus, Welt oder Stern – hätten einen Artikel mit so vielen Interaktionen auf Facebook wie die Fake News von Anonymousnews.ru gehabt. Diese Seite hat mit der Internet-Bewegung Anonymus übrigens nichts zu tun. Die Schlagzeile der Falschmeldung lautete: „Staat zahlt Harem 7500 Euro im Monat: Syrer lebt jetzt mit 2 Ehefrauen und 8 Kindern in Deutschland“. Diverse Faktencheck-Seiten hatten die Meldung als Falschmeldung enttarnt, was deren Verbreitung freilich nicht behinderte. Kreisverbände der AfD, dieNPD und die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach hatten u.a. zur Verbreitung beigetragen. Die AfD und Erika Steinbach sind laut Buzzfeed wichtigste Verbreiter von Fake News im deutschen Facebook. 
Weitere Fake News, die 2018 besonders erfolgreich bei Facebook liefen: „Laut Merkel ist Flüchtlingen bei den Tafeln unbedingter Vorrang zu geben“ von Blog.Halle-Leaks.de (125.000 Facebook-Interaktionen), „Claudia Roth: Im Ramadan soll ein Verkaufsverbot für Alkohol bestehen“ von der Pseudo-Satire-Seite Berliner-Express.com (91.000 Facebook-Interaktionen) oder auch: „GEZ-Urteil: Verfassungsrichter und Urheber des Rundfunkbeitrags sind Brüder“ von journalistenwatch.com (80.000 Facebook-Interaktionen).
Fake-News vermischen dabei häufig echte Fakten mit Falschbehauptungen. So sind Paul und Ferdinand Kirchhof aus dem letztgenannten Artikel tatsächlich Brüder und es stimmt auch, dass Paul Kirchhof 2013 ein Gutachten erstellte, das mit eine Grundlage für den heutigen Rundfunkbeitrag war. Es stimmt zudem, dass sein Bruder Ferdinand Kirchhof Richter am Bundesverfassungsgericht ist, das über die Rechtmäßigkeit jenes Rundfunkbeitrags urteilte. Der von der Seite journalistenwatch.com vermittelte Einruck aber, dass hier Vetternwirtschaft betrieben wurde und der eine Bruder einfach ein Gutachten des anderen quasi abnickt, ist komplett falsch. Zum einen hat der Richter Ferdinand Kirchhof die Entscheidung nicht allein treffen können, zum anderen gibt es für Paul Kirchhof überhaupt keinen Vorteil, dass das Verfassungsgericht, die Rechtmäßigkeit des Rundfunkbeitrags bestätigte.
Buzzfeed schreibt: „Unsere Recherche zeigt, dass Lügen-Artikel auf Facebook auch 2018 immer wieder erfolgreicher sein können als seriöse Nachrichten. Das stützt die These, dass Facebooks Veränderungen an seinem Newsfeed den Verschwörungsmedien in Deutschland offenbar nicht geschadet haben, sondern vielleicht zu ihrem Vorteil waren.“ Zu demselben Ergebnis kam eine große Analyse von MEEDIA, in der  die 1.500 größten Facebook-Pages von Medienmarken dahingehend untersucht haben, wie sich sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf die Interaktionen von Medienmarken ausgewirkt haben. Dabei zeigte sich u.a. dass selbst ernannte „Alternativmedien“, die insbesondere in rechten Kreisen sehr beliebt sind, kaum unter den Veränderungen leiden – ganz im Gegensatz zu traditionellen Medienmarken.

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