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Wochenrückblick: die Fake-Fake-News bei den französischen Gelbwesten-Ausschreitungen

Bild-Politik-Macher Nikolaus Blome, Fake-Fake-News, Danke-Anke-Schild und der arme Martin Schulz
Bild-Politik-Macher Nikolaus Blome, Fake-Fake-News, Danke-Anke-Schild und der arme Martin Schulz

Martin Schulz musste bei der "Anne Will"-Sendung vergangenen Sonntag mal kurz raus - für manche Medien war das ein Rechercheauftrag. Eine Feuer-Foto-Montage von den Gelbwesten-Ausschreitungen in Paris täuschte Fake News nur vor. Springer will dem Spiegel Konkurrenz machen. Und RTL sagt ganz groß "Danke, Anke!" Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Ei, da haben die Investigativ-Abteilungen der Republik am Anfang der Woche aber knallhart durchrecherchiert! Nicht, was Sie jetzt denken – es geht weder um neue CumEx-Sauereien, noch um weitere Football-Leaks. Bild und dpa haben gründlich nachrecherchiert, WARUM der frühere SPD-Vorsitzende Martin Schulz bei der “Anne Will”-Sendung vom vergangenen Sonntag mal kurz weg war. Komplett überraschende Auflösung: Er musste aufs Klo! Ja, sagemal! Die dpa hat einen mehrere Absätze langen Text zu dem Vorfall publiziert. Die Bild hat erst mit einem minutiösen Foto-Protokoll des Schulz’schen Weg bzw. Austritts Klicks geholt und die Auflösung (“Darum verschwand Martin Schulz mitten in der Sendung“) später im Premium-Pay-Bereich platziert. Wo denn sonst!? Tja, Anne Will … da hat die Moderatorin den Toilettengang des Gastes vermutlich in dezenter Absicht nur zurückhaltend kommentiert (“Herr Schulz war kurz weg, jetzt ist er wieder da.”) und dann kommen die Qualitätsmedien und machen ein Fass auf.

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Anlässlich der Gelbwesten-Proteste in Frankreich machte diese Woche eine Bilder-Montage im Social Web die Runde, die angebliche zeigt, wie Medien die Wirklichkeit manipulieren. Auf der einen Seite ist ein dramatisches Feuer vor dem Pariser Triumphbogen zu sehen. Das Bild daneben zeigt ein kleines Feuer auf gepflastertem Untergrund, das von mehreren Fotografen abgelichtet wird. “Perspective matters” ist auf einem Tweet dazu zu lesen. Die Story, die transportiert wird: Medien basteln sich die Wirklichkeit zurecht, bauschen auf, produzieren absichtlich die sattsam bekannten “Fake News”. Diese Lesart wurde vor allem auch von zahlreichen Journalisten und Medien schnell übernommen und verbreitet. All den Schwüren, dass Genauigkeit wichtiger sei als Geschwindigkeit und dass man super sorgfältig sein will usw. zum Trotz. Später stellte sich heraus, dass der Fake ein Fake war. Tja.

Die beiden Aufnahmen haben gar nichts miteinander zu tun. Woher die ursprüngliche Montage stammt, ist unklar. Es gibt Hinweise, dass sie aus China kommt. t-online.de hat dazu eine lesenswerte Rekonstruktion veröffentlicht. Der Schaden aber, war längst angerichtet.

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Das war mal wieder eine veritabel Mediennews, die es beim diesjährigen Medien Get together bei Axel Springer gab. Der Verlag, pardon: das Medienhaus, testet kommendes Jahr ein politisches Wochenmagazin mit dem nicht direkt grundstürzend originellen Namen “Bild Politik”. Statt normaler Ressorts soll es eine Einteilung in die Rubriken “Ärger”, “Freude” und “Neugier” geben. Naja. Ich bin kein Freund solcher “originellen” Rubrikenbetiteleien, aber das bin nur ich. Doch wer soll “Bild Politik” eigentlich lesen/kaufen? Typische Bild-Leser? Ob die Geld für ein Politik-Wochenmagazin ausgeben wollen? Neue, politisch interessierte Zielgruppen? Ob die nicht vielleicht ein Problemchen mit dem Krawall-Image der Marke Bild haben? Ich bin skeptisch, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Der Spiegel-Journalist Alexander Kühn erinnerte bei Twitter daran, dass es schon einmal ein politisches Wochenmagazin aus dem Hause Springer gab. Dialog hieß das Ding (auch ein doofer Name) und der Chefredakteur war Wolf Schneider. 1973 wurde Dialog dann eingestellt und es ist wirklich interessant, wie der Spiegel das in seiner Hausmitteilung kommentierte:

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Von der gespreizten Von-Oben-Herab-Ansprache des 70er-Jahre-Spiegel mal abgesehen: Ist das nicht der Wahnsinn, dass die damals, Anfang der 70er, den Eindruck hatten, es herrsche “die Härte des Marktes”? Und über “gestiegene Kosten für Redaktion, Produktion und Absatz” gejammert haben die auch schon. Hätte man die Verlagsmanager in den 70ern gefragt, die wären ganz sicher überzeugt gewesen, dass gerade sie es ganz besonders schwer haben in dieser schlimmen Zeit. Von heute aus betrachtet, war es freilich das goldene Zeitalter der Printmedien.

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Anke Schäferkordt hört zum Jahreswechsel ja bekanntlich als RTL-Deutschland-Chefin auf. Ihre Leute in Köln haben der scheidenden Chefin einen nicht zu übersehenden Abschiedsgruß an den Parkhaus-Eingang getackert. “Danke, Anke!” Obwohl, das war doch beim Sat.1 … wurscht. Schöne Geste allemal!

Frohes drittes Adventswochende!

PS:

Im Podcast “Die Medien-Woche” reden Christian Meier von der Welt und ich diesmal ausführlich über die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Correctiv-Chefredakteur Oliver Schröm. Dazu gibt es auch ein Interview mit ihm. Außerdem geht es um die neue stern-Chefredaktion, die Lead-Awards und das Aus für den “Tatortreiniger”. Nicht, dass Sie denken, ich hätt’s vergessen – steckt alles im Podcast drin! Viel Spaß damit!

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