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Von elitär zu populär: Wie Markus Peichls Lead Awards ihren Markenkern zu verwässern drohen

Think popular: Lead Awards-Preisträger Marion Horn (BamS), Uwe Bokelmann und Sabine Ingwersen (beide Bauer)
Think popular: Lead Awards-Preisträger Marion Horn (BamS), Uwe Bokelmann und Sabine Ingwersen (beide Bauer)

Der Preis war mal heiß. Die Lead Awards galten lange als innovativste Orden für kreative Blattmacher. Wer von der Lead Academy nebst Zeremonienmeister Markus Peichl mit Gold, Silber oder Bronze bedacht wurde, durfte sich zum erlauchten Kreis der Medien-Avantgarde zählen. Nach Krisen und Denkpause kamen die Awards diese Woche zurück – und stellten sich mit der Neuauflage als Marke selbst in Frage.

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Nach den Awards ist vor den Awards. Grund genug, die Veranstaltung, zu der Markus Peichl am Dienstag dieser Woche in das Hamburger Kampnagel-Theater geladen hatte, rückblickend einzuordnen. Kritische Töne, das muss vorausgeschickt werden, hat es rund um das Medien-Event erstaunlich wenig gegeben. Überraschend deshalb, weil bereits die Liste der Nominierungen für langjährige LA-Enthusiasten einem Kulturbruch gleichkam. Denn neben den üblichen Verdächtigen aus der Leitmedien-Filterblase waren Vertreter von Titeln auf der Shortlist, über die das elitäre Publikum einst schon die Nase gerümpft hätte, wenn sie nur als Zuhörer der Gala gekommen wären.

So aber aber waren mit der Chefredakteurin von Tina, Bella, Laura und Alles für die Frau (um nur einige ihrer Titel zu nennen) und ihrem ebenfalls vielfach engagierten Verlagskollegen von TV Movie, TV 14, TV Hören und Sehen, Happinez und Einfach sein zwei Blattmacher der Bauer Media Group nominiert. Dass die neugeschaffene Preiskategorie Magazin Popular ein wenig so klingt wie der Slogan der Hamburger Mediengruppe (“We think popular”), war sicher Zufall. Am Ende reichte es für die Bauer-Nominees zu Silber und Bronze, Gold ging an den Chefredakteur von Burdas Bunte. Weitere fünf Auszeichnungen wurden hier vergeben, die künftig u.a. in den Redaktionen von Klambts OK!, Bauers Closer oder Burdas Offenburger Glücks Revue ausgestellt werden dürfen.

Irgendwas ist passiert im Jahr 2018 mit Peichls Lead Awards, die zum Comeback den avantgardistischen Standesdünkel über Bord geworfen haben, ohne die Elite zu vernachlässigen. So gab es Preise für die hippen Berliner Magazinchefs von Flaneur, Numeró oder Dummy, für die vom Frankfurter Allgemeine Quarterly, von SZ, Zeit Magazin oder Die Dame oder einer ganzen Reihe von G+J-Titeln – aber eben auch für Publikumszeitschriften, bei denen vielen Lead Awards-Fans ehedem nur die Vokabel “Trash” in den Kopf gekommen wäre.

Lead Academy-Chef Markus Peichl erklärt die Veränderung in einer Presseaussendung zur Veranstaltung so: “Durch ein verändertes Kategorisierungs- und Jurierungssystems wird sichergestellt, dass alle Bereiche der Printbranche bei der Preisvergabe berücksichtigt werden, also auch Massen- und Mainstreamtitel. Dadurch wird die Vielfalt der deutschen Magazin- und Zeitungslandschaft noch besser abgebildet und alle kreativen Leistungen gewürdigt.”

Bei der Preisverleihung führte diese neue Chancengleichheit dazu, dass etwa in der Kategorie Zeitung überregional die BamS-Chefredakteurin Marion Horn mit Gold ausgezeichnet wurde und dem hochdekorierten SZ-Duo Kurt Kister und Wolfgang Krach sowie Giovanni di Lorenzo von der Zeit nur Silber bzw. Bronze blieben. Selbst wer die BamS gut gemacht findet und die Springer-Journalistin Marion Horn für eine hochtalentierte Zeitungsmacherin hält, könnte auf die Idee kommen, dass BamS und Zeit vielleicht einfach nicht in derselben Liga spielen.

Doch darüber gingen Peichl, Lead Academy und Sieger wie Verlierer galant hinweg. Vor Jahren hatten die Investigativen der Süddeutschen Zeitung schon mal beim Nannen Preis eine Büste stehen lassen, weil sie sich den ersten Platz mit Reportern der Bild am Sonntag teilen mussten. Davon war diesmal kaum etwas zu spüren, und auch das Medienecho fiel überwiegend freundlich aus. In einer E-Mail an die Online-Abonnenten von Werben & Verkaufen konstatierte Managing Editor Frank Zimmer:

Vor einigen Jahren haben wir uns hier in der Redaktion gefragt, wie relevant die Lead Awards noch sind. Ob unsere Leser in Marketingabteilungen und Agenturen einen Medienpreis wirklich noch so interessant finden, wie wir Journalisten glauben. Eine Traffic-Analyse ergab damals: Nein, finden sie nicht mehr.

Nach einer Denkpause 2017 sind die Lead Awards neu an den Start gegangen. Ein Blick in unsere Zahlen zeigt, dass nicht nur der Preis zurück ist, sondern auch die Leute, die sich dafür interessieren. Selten hat ein Artikel über die Lead Awards so viele Leser gefunden wie in diesem Jahr.

Das mag daran liegen, dass das Award-Konzept erneuert und verbessert worden ist. Vielleicht steht die Rückkehr der Lead Awards aber auch für ein ganz anderes Comeback: Für den Respekt vor einem Medienbetrieb, der trotz aller Unzulänglichkeiten immer noch für die beste aller möglichen Content-Welten sorgt.

Womöglich sagt diese Bilanz aber vor allem etwas über die aktuelle Verfassung einiger Branchenportale aus. Der Nachhall im Social Web jedenfalls war bei den Lead Awards äußerst übersichtlich. Zum Hashtag #leadawards gab es laut Analyse-Tool Talkwalker in den vergangenen sieben Tagen ganze 159 Tweets. Schreibt man “Lead Awards” auseinander, waren es gar nur 21 Tweets. Nicht viel angesichts einer nie dagewesenen Flut von 45 Preisen, die im Kampnagel-Theater über die Bühne gingen. Auch noch interesssant in dem Zusammenhang: Der Twitter-Account @leadacademy wurde zwar in  “LeadAwards2018” umbenannt, der jüngste Tweet stammt dort aber vom 26. Oktober 2016.

Zu den wenigen Brancheninsidern, die offen Kritik an der Verleihung übten, gehörte DWDL-Gründer Thomas Lückerath, der vor allem den Preis für Bauers Programmie-Blattmacher Uwe Bokelmann via Twitter hinterfragte:

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Man darf gespannt sein, ob Markus Peichl das Konzept der Inflationierung seines renommierten Awards weiterverfolgt oder es bei der nächsten Ausgabe korrigiert. Als Massenprodukt taugen die Lead Awards nicht. Die Gala hat trotz des Erfolgs der Verpflichtung von Porsche als Hauptsponsor schon bessere Zeiten erlebt.

(ga)

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Alle Kommentare

  1. Was ist das für eine Arroganz! Marion Horn ist also “hochtalentiert”. Ihre männlichen Kollegen dagegen sind “hochdekoriert”. Und die “BamS” und die “Zeit” (und die “SZ”) spielen eh nicht in derselben Liga! Oder meinen Sie vielleicht das Leserinteresse? Dann stimmt`s sogar…

  2. Wer ist denn die “Meedia Redaktion”? Warum verstecken sich die Autoren? Sehr fragwürdige journalistische Arbeit.

  3. Lead Award – ist das eigentlich ein Blei-Preis? Oder eher Lied-Award, der Nachhall vom “Echo”?

    Ich hätte ja lieber einen Gold Award, totally unleaded …

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