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Bild Politik als Angriff auf Spiegel & Co.: Springer testet Wochenmagazin mit den Rubriken "Ärger, Freude, Neugier"

Nikolaus Blome, einst selbst für kurze Zeit beim Spiegel, will dem Nachrichtenmagazin Nummer eins und anderen Wochentiteln mit Bild Politik Konkurrenz machen

Der hart umkämpfte Markt der politischen Wochentitel bekommt Zuwachs. Der Berliner Medienkonzern will im Frühjahr eine neuartige Politikzeitschrift testen, die sich an eine möglichst breite Zielgruppe richten soll. Der Name: Bild Politik. Geplant ist, das Magazin nach MEEDIA-Informationen im Einzelverkauf zunächst in Nordrhein-Westfalen einzuführen. Sollte das Blatt hier genügend Leser ansprechen, ist eine bundesweite Verbreitung vorgesehen.

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Es ist ein ungewöhnliches Heftkonzept. Statt nach klassischen Ressorts wie Innen- oder Außenpolitik geordnet, will Axel Springer sein geplantes Politik-Magazin in drei Rubriken einteilen: Ärger, Freude und Neugier. Damit plant Bild-Vize-Chefredakteur Nikolaus Blome, das aktuelle politische Geschehen aus der Brille des Lesers einzufangen. „In diesen politisch stark emotional geprägten Zeiten nehmen wir mit der neuen Heftstruktur die Gefühle der Leser ernst und geben ihnen kompakt verdichtet, transparent und schnell erfassbar die Fakten und Einordnung zu den wichtigsten Fragen der Woche“, resümiert der Bild-Vize über das Konzept, das er mitentwickelt hat.
Geplant ist, mit dem Heft eine möglichst breite Leserschaft anzusprechen. Vermutlich werde die Zielgruppe aber etwas jünger sein, betonte Springer-Chef Mathias Döpfner. Getestet werden soll das gedruckte Produkt zunächst im Einzelverkauf in einer ausgewählten deutschen Region. Nach MEEDIA-Informationen handelt es sich um das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen. Findet der Titel hier eine wirtschaftlich tragfähige Leserschaft, soll das Magazin offenbar schnell auch bundesweit verbrietet werden, heißt es in Springer-Kreisen. Damit bekämen Spiegel, Zeit & Co. Konkurrenz.
Doch das Print-Experiment ist ein Wagnis. Seit Jahren stehen politische Magazine unter erheblichem Auflagendruck. Bitter bekommt dies u.a. der Spiegel zu spüren. Zudem ist die Marke Bild kein Garant dafür, dass sich ein Ableger des publizistischen Flaggschiffes von Axel Springer am Markt etabliert. Erst vor wenigen Wochen nahm der Verlag die Fußball-Bild aus dem Handel. Zu wenig Leser hatten sich für den Titel begeistert, um eine wirtschaftlich tragfähige Basis zu schaffen. Jetzt soll ein neuer Versuch gelingen. Dabei nehmen die Berliner mit Bild Politik auch einen eher sperrigen Heftnamen in Kauf. Laut Döpfner habe er aber in der Marktforschung Anklang gefunden. Kunstnamen hingegen wären bei einer Leserbefragung durchgefallen.
Redaktionell verantwortlich für das Print-Experiment ist neben Blome auch die Vorstandsreferentin News Media, Selma Stern. Die 32-Jährige, die bei der Zeit ein Praktikum absolvierte, hatte das Konzept gemeinsam mit dem Bild-Vize entwickelt. Stern ist vom Erfolg des Vorhabens überzeugt: „Bild Politik ist ein Politikmagazin, das es so in Deutschland nicht gibt, aber geben sollte. Insbesondere die sozialen Medien werfen mit ihrer unendlichen Informationsfülle oft mehr Fragen auf, als sie beantworten. Wir glauben, dass wenn es darum geht, eine Auswahl und die Einordnung des Wesentlichen zu lesen, viele Menschen weiterhin ein gedrucktes Heft in der Hand schätzen.“

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