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Annegret Kramp-Karrenbauer bei “Anne Will” vs. die alten, weißen Männer Kubicki und Steingart 2:0

Annegret Kramp-Karrenbauer, aka AKK bei “Anne Will”
Annegret Kramp-Karrenbauer, aka AKK bei "Anne Will"

Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (Nom de guerre: AKK) absolvierte bei "Anne Will" einen souveränen ersten Talk-Auftritt nach der Wahl. Dabei hatte sie es mit zwei Vertretern einer immer noch aktiven Spezies zu tun, dem Team Alte Weiße Männer (AWM), hier vertreten mit einer Doppelspitze aus FDP-Vize Wolfgang Kubicki und Publizist Gabor Steingart.

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Rein technisch betrachtet war der ebenfalls anwesende SPD-Pechvogel Martin Schulz zwar auch ein AWM, nach seiner Komplett-Erniedrigung durch den eigenen Apparatus, tritt er freilich nur noch in der Rolle als netter Onkel auf, der Tipps und warme Worte verteilt und zwischendurch auch mal kurz raus muss.

Die eigentlichen Kontrahenten von Annegret Kramp-Karrenbauer waren in dieser lehrreichen Talksendung der FDP-Vize Wolfang Kubicki und der Dampf-Publizist Gabor Steingart. Letzterer hatte das Amt der Ministerpräsidentin des Saarlandes, vormals AKK, mal mit einem Bürgermeisteramt verglichen. Es war im letzten Drittel der Sendung, als Kramp-Karrenbauer der Kragen platzte und sie Tacheles redete, was sie von solchen Sprüchen und der ganzen Attitude der AWMs hält: wenig bis nichts.

Im Sessel zurückgelehnt, spöttisch grinsend, die Arme verschränkt – so hockten Kubicki und Steingart da. Ein Körpersprachen-Hohefest für Samy Molcho wäre das gewesen. Als Kubicki letztlich in einem Anfall von Großkotzigkeit erläuterte, eine rhetorisch so gute Rede wie auf dem CDU-Parteitag hätte er AKK gar nicht zugetraut, um gleich hinterherzuschicken, dabei habe er sie ja auch schon im Karneval erlebt und da sei sie ja auch “sensationell” gewesen, war das an unangenehmer Gönnerhaftigkeit schwerlich zu überbieten.

Da hob AKK zu einem kleinen Rundumschlag aus. “Die Art und Weise wie hier gesprochen worden ist, begleitet mich mein ganzes Leben lang”, sagte sie. Als Mutter sei sie schon früh wegen ihres Engagements in der Politik gefragt worden, wie sie das denn stemme. Und eine Formulierung wie “ein Mann steht uns gut zu Gesicht”, sei ihr gänzlich unbekannt. Was das Saarland betrifft, das Steingart in der Sendung erneut als Loser-Land charakterisierte: Da wurde AKK richtig fuchsig und verteidigte ihr Bundesland mit Zähnen und Klauen. Sie beschrieb, den Weg, den das Saarland unter ihrer Führung zurückgelegt hat, dass ein ausgeglichener Haushalt nun in Reichweite ist, was für die bilinguale Erziehung schon in den Kitas getan wird, wie innovative Technologien angelockt wurden.

Mit einem mal sahen die beiden AWMs in der Runde ziemlich blass aus. Ähnlich blass wie AKKs großer Konkurrent um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, der Schutzpatron des Konservativismus von vorgestern, der am Ende zwar knapp, aber nach seiner schlechten Rede, überaus verdient unterlag.

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Auch wenn Annegret Kramp-Karrenbauer es selbst an diesem TV-Abend nicht sagte, vermutlich nicht sagen wollte: Ihre Wahl war durchaus eine Richtungsentscheidung für die Partei CDU. Hätte Friedrich Merz die in ihn gesetzten Erwartungen am Wahltag erfüllt, dann hätte es vielleicht eine stärker polarisierte Parteienlandschaft gegeben. Merz an der CDU-Spitze hätte es vor allem der SPD wieder einfacher gemacht, Profil zu zeigen. Aber es den Sozen wieder ein bisschen leichter zu machen, kann ja nun auch nicht Haupt-Job der CDU sein.

Doch Merz wurde auf dem Parteitag, wie Spiegel-Frau Christiane Hoffmann in der Sendung zu recht analysierte, gewogen und für zu leicht befunden. Einer, der bei so einer Gelegenheit keine Leistung abrufen kann, hat den Vorsitz nicht verdient.

Die Wahl der AKK zur CDU-Chefin demonstriert nun in allererster Linie, dass der Aufstieg von Angela Merkel in der Politik nicht bloß ein Betriebszufall war. Die Zeiten haben sich tatsächlich geändert. Und wenn das bedeutet, dass Leute nach ganz oben kommen können, die authentisch, unkorrupt und intelligent sind, wie eben AKK, dann ist das zunächst einmal eine gute Sache.

Hier gibt es die “Anne Will”-Sendung vom vergangenen Sonntag in der ARD-Mediathek.

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Alle Kommentare

  1. Irgendwann werden auch die nicht “alten, weißen Männer” merken, das sie inzwischen schon seit Jahren von der Substanz leben, die die Generation dieser “alten, weißen Männer” erarbeitet hat.
    Der Verteilungskampf um das materielle Erbe dieser Generation hat ja schon lange begonnen.
    Gerade für die aufstrebenden Länder in Asien (und auch mancher Länder im afrikanischen/arabischen Raum) ist diese neue, massiv von der Substanz zehrende, aber von moralischer Überlegenheit geradezu betrunkene Generation geradezu ein Geschenk…

    1. Ach ja, und Sie meinen nicht, dass die “alten, weißen Männer” nicht zufällig genau diejenigen sind, die die Substanz dieser Gesellschaft aushöhlen? Indem sie zum Beispiel überfällige Modernisierungen in die (digitale) Infrastruktur blockieren und lieber weiterhin Auslaufmodelle mit Milliarden subventionieren (Braunkohleförderung)? Und woran machen Sie die moralische Überlegenheit einer jüngeren/moderneren/evtl auch weiblicheren Politikergeneration fest? Daran, dass einigen AWMs jegliche moralische Grundlage für ihr politisches Handeln fehlt?

  2. naja.. man kann es auch so sehen.. da ist einer 15 Jahre weg vom Fenster und du schaffst es trotz aller Vorschusslorbeeren von Mutti nur minimal über den Zielstrich als Erste.

    Würde mir zu Denken geben.

  3. Ob man Steingart unsympathisch findet oder nicht: das Saarland hat die mieseste wirtschaftliche Situation. Aber man kann ja auch über Gefühle quatschen…

    1. .. und Steingart, da er nicht mehr beim Handelsblatt ist, endlich als Dampf-Hans outen.

    2. Ja, und ich wüsste auch beim besten Willen nicht, wie man diese AKK bezeichnen sollte, wenn denn nicht als WEISS und ALT. Und “Mann” wäre vermutlich auch nicht völlig abwegig.

  4. na ja, nach 18 Jahren weiße Mutti immer noch die Dominanz der alten weißen Männer zu entdecken (AKK ist fünf Jahre jünger als Merz, aber gefühlt 30 Jahre älter als Spahn) zeugt auch nicht gerade von Wirklichkeitswahrnehmung

  5. Lächerlicher Text. Steingart ist sechs Wochen älter als AKK. Ist sie nun eine “junge weiße Frau”? Kubicki zwei Jahre älter als Merkel. Und nun?

  6. Ich gebe Gerhard Schröder recht: Die Wahl von AKK war ein schwerer Fehler. Die CDU wird der SPD auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit folgen. Schon die nächsten Wahlen werden es zeigen. Fines Volksparteien.

  7. Schade, dass dieser Dienst glaubt “Haltung” demonstrieren zu müssen und damit schlicht parteilich ist. Zufällig natürlich identisch mit der stark ideologisierten, herrschenden Sichtweise in den meisten Redaktionen.

  8. Da unser Land inzwischen millionenfach von bunten jungen Männern gestürmt wird, wird es hier in Zukunft alles friedlicher, gesitterter und emanzipierter ablaufen. Natürlich wird auch die Wirtschaft prosperieren und die Infrastruktur in neuem Glanz erleuchten. Im Ernst: ich denke der ebenfalls nicht mehr ganz junge, weiße Herr Winterbauer und alle anderen links-grünen Moralaposteln werden den AWM`s noch einige Tränen hinterherweinen, wenn diese politisch und wirtschaftlich abgetreten sein werden.

    1. Hier wird aktuell gar nichts “gestürmt”, aber welches Land Sie meinen, haben sie ja auch zu erwähnen vergessen, meinten Sie die Türkei, Libanon, Pakistan oder Uganda?

  9. Ob alte weiße Frau oder alte weiße Männer – am Ende zählen Fakten. Und da haben Kubicki und Steingart recht, egal ob sie sich sonst wie Kotzbrocken verhalten. Das Saarland liegt nun al am Schluss, zum Beispiel beim BIP. Das kann Frau Kramp-Karrenbauer nicht schönreden. Sachsen, das vielgescholtene, und andere Länder hatten und haben auch Strukturprobleme, und sind dennoch besser.

  10. Nunja, AKK hat auf Steingarts Anmerkungen zu ihren “Erfolgen” als Regierungschefin im Saarland nicht nur äußerst dünnhäutig reagiert, sondern – wie der Faktencheck der WELT inzwischen bewiesen hat – auch schlicht die Unwahrheit gesagt.
    “Souveränität” sieht weißgott anders aus ……

  11. Das Lamento über “alte weiße Männer” hat inzwischen soooo einen Bart, und Erkenntnisgewinn hat solche Stereotypisierung noch nie gebracht.
    Herr Winterbauer ist selber alter weißer Mann, aber wahrscheinlich macht ihn die richtige Haltung zum alterslosen biodeutschen Mensch.
    Ja, Kubicki und Steingart sind selbstgefällige Großkotze, aber reden sollte man über ihre Argumente, nicht das Gebaren.

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