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Rechte sollten sich selbst entlarven – “Soko Chemnitz” von Kunstaktivisten soll “Honeypot” gewesen sein

Erregt mit seiner Kunstaktion die Gemüter: Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit
Erregt mit seiner Kunstaktion die Gemüter: Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit

Das Aktionskunst-Kollektiv Zentrum für politische Schönheit hat Anfang der Woche eine Seite mit Fotos von rechten Demonstranten aus Chemnitz ins Netz gestellt und dazu aufgerufen, die mutmaßlichen Nazis zu identifizieren und zu denunzieren. Nun ist "Soko Chemnitz" wieder offline und die Aktivisten klären auf: Man habe mit der Seite höhere Ziele erfolgt – Nazis anzulocken, um so ein größeres Netzwerk offenzulegen.

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Die Website sei somit ein so genannter “Honeypot” gewesen. So werden Fallen im Internet genannt, die bestimmte Personen anlocken und zu bestimmten Dingen verleiten sollen, ohne dass diese dies merken. Ziel der Aktion “Soko CHemnitz”sei also gar nicht gewesen, dass den veröffentlichten Fotos von mutmaßlichen Nazis Namen zugeordnet werden, sondern Rechte sollten damit angelockt und verführt werden, ihre eigenen Namen bei der Suchfunktion einzugeben und somit sich und ihr Umfeld unfreiwillig selbst zu entlarven.

Dazu gedient haben soll eine in die Soko-Seite eingebaute Suchfunktion, in die Nutzer womöglich zuerst ihren eigenen Namen eingetippt haben, um herauszufinden, ob sie bereits Teil der Datenbank sind. “Über die Suche habt Ihr uns mehr mitgeteilt, als öffentlich zugängliche Quellen je verraten hätten”, heißt es auf der Soko-Seite, die das Zentrum für politische Schönheit am Anfang der Woche online gestellt hatte. Der ursprünglichen Pranger und die Suchfunktion sind nicht mehr zugänglich.

“Die Suchdaten wurden gemäß Datenschutzbestimmung wie bei allen Web-Suchdiensten mitgeloggt und einer pseudonymisierten Benutzerkennung zugewiesen”, heißt es zur Erläuterung der Methodik. “Als nächstes haben mehr als 62 Prozent der relevanten Besuchergruppe unsere Datenbanken nach Familienangehörigen durchforstet, bevor im Schnitt nach 6,72 Freunden oder Bekannten gesucht wurde.” Die Suchanfrage habe somit “jede Menge” vollständige Namen zutage getragen, aber auch “Wahrscheinlichkeitswerte”, mit denen die Aktivisten weitergearbeitet haben wollen. “Die Datensätze boten die einmalige Möglichkeit, das ‘Netzwerk Chemnitz’ auszuleuchten.”

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Die Suche sei so programmiert worden, je nach Suchbegriffen unterschiedliche Relevanz zu errechnen, erklärt Aktivistin Zora Kich gegenüber dem Hamburger Abendblatt. „Wer Namen wie Björn Höcke gesucht hat, wurde bei weiteren Suchanfragen eher niedrig eingestuft. Wer dagegen Namen weniger bekannte Namen gesucht hat, wurde bei den folgenden Anfragen höher gelistet, die dort gesuchte Namen hatten also eine höhere Relevanz.” So habe man mittels Netzwerkanalyse und Datenvisualisierung Freundeskreise, Knotenpunkte und Mitläufer auswerten können. Wie genau das funktioniert haben soll, behielten die Aktivisten bislang für sich.

Die Aktion der Gruppe ist durchaus umstritten, vor allem wegen der Veröffentlichung von Fotos, die Demonstranten aus Chemnitz gezeigt hatten sowie der Aufforderung zur Denunziation. Laut Organisatoren soll das alles aber nur eine Finte gewesen sein, um von der Suchfunktion, dem “Honigtopf”, abzulenken. Was mit den nun ermittelten angeblichen Netzwerken geschieht, ist unklar.

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