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Promi-Magazine leiden am stärksten unter Algorithmus-Änderungen, große Unterschiede bei Qualitätsmedien – der Facebook-Medien-Report, Teil 2

Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?
Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?

Facebooks Entscheidung, Medien-Posts in den Timelines seiner Nutzer zu benachteiligen, hat deutschen Medienseiten innerhalb eines Jahres 43,7% der Interaktionen gekostet. Wie der zweite Teil des großen Facebook-Medien-Reports von MEEDIA zeigt, leiden bestimmte Segmente besonders stark – vor allem Anbieter von Promi-News wie Bunte, Gala, Promiflash & Co. Bei den Qualitätsmedien, die Facebook eigentlich besser behandeln wollte, gibt es sehr unterschiedliche Ergebnisse.

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Im ersten Teil des Facebook-Medien-Reports haben wir analyisert, dass die Facebook-Seiten deutschsprachiger Medien extrem unter den Algorithmus-Änderungen leiden. Seit dem Rekordmonat März 2017, als die 1.500 von MEEDIA ausgewerteten Facebook-Pages 122,6 Mio. Likes, Reactions, Shares und Kommentare mit ihren Posts einsammelten, ging es um mehr als die Hälfte nach unten: auf 56,1 Mio. und 56,8 Mio. in den Monaten September und Oktober 2018. Zuletzt erreichten die Medienseiten im Februar 2015 weniger Interaktionen mit ihren Posts.

Zur Erinnerung: MEEDIA sorgt mit einer aufwändigen Analyse für den bisher wohl genauesten und ausführlichsten Blick auf die Entwicklungen, die durch Facebooks Algorithmus-Änderungen für deutschsprachige Medien entstanden sind. Mit Hilfe der Rohdaten des Social-Media-Tools Crowdtangle haben wir 1.500 der größten Facebook-Pages von Medienmarken untersucht und präsentieren nun in einem mehrteiligen Report die Ergebnisse. Zu allen Artikeln des Facebook-Medien-Reports gelangen Sie jederzeit mit einem Klick auf diesen Link.

In Teil 2 unseres Reports kümmern wir uns um die konkreten Fälle. Welche Medienseiten leiden besonders unter den Algorithmus-Änderungen? Und welche nicht? Gibt es bestimmte Themen und Segmente, die besonders abgestraft werden? Leiden Qualitätsmedien und regionale Anbieter weniger – wie Facebook es eigentlich angekündigt hatte?

Die größten Verlierer: Promi-News, Frauenmagazine, Kino

210 Facebook-Seiten aus unserer Gesamtmenge der 1.500 erreichten im Oktober 2017 und/oder im Oktober 2018 mehr als 100.000 Interaktionen mit ihren Posts. Von diesen 210 lagen 172 im Oktober 2018 unter den Vorjahreszahlen. Acht der Facebook-Seiten sind in diesen 12 Monaten um mehr als 90% nach unten gekracht:

  • Bild am Sonntag -96.7% (von 165.120 auf 5.519)
  • Business Insider Deutschland -96,0% (von 144.380 auf 5.705)
  • BuzzFeed Deutschland -95,6% (von 1.140.638 auf 50.219)
  • Très Click -94,3% (von 338.884 auf 19.393)
  • Gut für Dich -93,1% (von 125.207 auf 8.687)
  • Giga Games -92,6% (von 549.424 auf 40.620)
  • Transfer Ticker – Das Magazin -92,3% (von 819.022 auf 63.395)
  • DeinUpdate – Das Magazin (ehemals RapUpdate) -91,6% (von 549.085 auf 45.857)

Medienmarken, die stark auf soziale Netzwerke als Aufmerksamkeits- und Traffic-Bringer setzen, wurden von Facebook also offenbar besonders abgestraft: der Business Insider, BuzzFeed, Très Click, Heftig-Ableger Gut für Dich, der Transfer Ticker und DeinUpdate sind die Parade-Beispiele für solche Marken.

Blickt man auf die weiteren Medien, die viele Interaktionen verloren haben, so wird zudem deutlich, dass Facebook offenbar keine Promi-News mehr mag. Erreichten Medien wie Promipool, Promiflash und die Bunte im Oktober 2017 noch jeweils mehr als 1 Mio. Likes & Co. rauschten sie allesamt massiv nach unten:

  • Promiflash -46,1% (von 1.321.465 auf 712.185)
  • Bunte.de -67,7% (von 1.068.278 auf 344.867)
  • Promipool -77,8% (von 1.580.242 auf 351.323

Weitere Anbieter aus dem Segment bestätigen den radikalen Trend:

  • Très Click -94,3% (von 338.884 auf 19.393)
  • ohmymag Deutschland -85,3% (von 108.907 auf 15.979)
  • Gala -83,0% (von 442.041 auf 74.930)
  • Promipool Retro -81,6% (von 655.036 auf 120.220)
  • InTouch -62,4% (von 276.824 auf 104.145)

Aber auch thematisch breiter aufgestellte Facebook-Seiten von Frauenmagazinen leiden sehr in Sachen Interaktionen:

  • Brigitte -88,9% (von 685.985 auf 76.481)
  • Jolie -85,9% (von 142.036 auf 20.012)
  • goFeminin.de -84,1% (von 200.415 auf 31.803)
  • Woman (Österreich) -78,6% (von 177.937 auf 38.116)
  • sixx -67,1% (von 701.825 auf 230.785)

Ein weiterer auffälliger Trend, der zu den Verlusten der Promi-Magazine passt: Facebook-Seiten zum Thema Hollywood und Kinofilme büßten ebenfalls massiv Interaktionen ein:

  • kino.de -89,2% (von 1.512.813 auf 162.637)
  • Film.TV -88,2% (von 246.829 auf 29.129)
  • kino.de Horror -87,1% (von 394.979 auf 51.047)
  • moviepilot -85,1% (von 1.488.568 auf 222.213)

Die Entwicklungen in anderen Segmenten

Was Facebook seinen Nutzern weiterhin prominent anbietet, ist Humor. Die drei großen deutschen Satire-Marken beispielsweise büßten wenig bis gar nichts ein:

  • Der Postillon -17,6% (von 1.684.298auf 1.388.165)
  • ZDF heute-show +7,4% (von 695.683 auf 747.000)
  • Extra 3 -3,9% (von 468.557 auf 450.329)

Sehr unterschiedliche Ergebnisse gibt es beim Thema Sport. Während eine auf Social Media ausgerichtete Marke wie der Transfer Ticker 92,3% verlor (siehe oben), büßten traditionellere Onlinemarken weniger ein:

  • sport1 -44,2% (von 1.207.364 auf 673.441)
  • kicker -39,8% (von 472.178 auf 284.249)
  • Spox.com -30,4% (von 379.554 auf 264.087)
  • Sky Sport News HD -22,5% (von 346.663 auf 268.682)
  • Sportschau -22,1% (von 454.891 auf 354.443)
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Zwei der großen Anbieter liegen sogar auf Vorjahresniveau:

  • Sky Sport DE +0,4% (von 634.566 auf 637.172)
  • Bild Sport -0,4% (von 259.361 auf 258.324)

Während die Haupt-Facebook-Seite der Bild 51,7% verlor, blieb die Sport-Facebook-Seite der Bild fast auf Vorjahresniveau.

Die Qualitätsmedien

In verschiedenen Mitteilungen wies Facebook in der Vergangenheit immer wieder darauf hin, im Kampf gegen Lügen, Fake News und Verschwörungstheorien auf Qualitätsmedien zu setzen, deren Inhalte bevorzugt ausgespielt werden sollen. Doch haben die Algorithmus-Änderungen das auch umgesetzt? Ja und nein. Die Trends sehen hier sehr unterschiedlich aus, wenn man die großen seriösen Nachrichtenmarken Deutschlands betrachtet. So finden sich unter diesen Anbietern tatsächlich Facebook-Seiten, die sich gegenüber dem Vorjahr steigern konnten, also mehr Likes, Reactions, Shares und Kommentare mit ihren Inhalten erreichen als vor einem Jahr:

  • FAZ.net – Frankfurter Allgemeine Zeitung +29,4% (von 276.693 auf 358.079)
  • ZDF heute +18,8% (von 569.880 auf 677.112)
  • Zeit Online +10,9% (von 422.236 auf 468.279)
  • Spiegel Online +9,0% (von 1.202.709 auf 1.310.441)
  • taz +7,7% (von 140.031 auf 150.873)
  • tagesschau +3,2% (von 1.131.910 auf 1.168.467)

Andere überregionale Nachrichtenmarken hingegen profitierten nicht:

  • Süddeutsche Zeitung -42,5% (von 506.209 auf 231.128)
  • Focus Online -33,8% (von 701.976 auf 464.774)
  • stern -31,1% (von 418.541 auf 288.434)
  • Welt -15,4% (von 666.177 auf 563.516)

Im Vergleich zum Oktober 2016 schrumpften die Interaktionen von Welt, Süddeutscher Zeitung und stern sogar um mehr als 50%, während tagesschau, Spiegel, heute und FAZ auch in diesem Vergleich im Plus liegen. Offenbar also eine deutliche Ungleichbehandlung durch Facebook.

Die Regionalmedien

Angekündigt hat Facebook im Rahmen seiner Strategieänderungen auch, dass man lokale und regionale Inhalte bevorzugt in die Timelines der Nutzer spülen wollte, da diese für das Leben der Leute besonders interessant seien. Tatsächlich kommen einige der nur 38 Facebook-Seiten, die im Oktober 2017 und/oder Oktober 2018 mehr als 100.000 Interaktionen erreichten und deren Zahlen 2018 über denen aus 2017 lagen – aus dem Segment Regionales/Lokales. Die schlechte Nachricht für die Verlage: Es handelt sich vornehmlich um öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Anbieter:

  • NDR Niedersachen +69,6% (von 83.606 auf 141.837)
  • WDR +41,2% (von 91.041 auf 128.579)
  • hessenschau +20,1% (von 120.946 auf 145.310)
  • NDR.de +8,1% (von 97.700 auf 105.590)

Auch einige private Radiosender wie Antenne Bayern, Radio Gong 96.3 und Radio Emscher Lippe gehören zu den Gewinnern.

Unter den erfolgreichsten Facebook-Seiten regionaler Verlagsangebote finden sich hingegen nur Verlierer. Einige davon büßten immerhin vergleichsweise wenig ein:

  • Kölner Stadt-Anzeiger -10,9% (von 136.445 auf 121.610)
  • Leipziger Volkszeitung -14,1% (von 166.592 auf 143.142)
  • Hamburger Morgenpost -18,4% (von 139.118 auf 113.510)
  • inFranken.de -19.9% (von 257.053 auf 205.979)

Andere hingegen liegen mit ihrem Minus auf dem Gesamtniveau der 1.500 ausgewerteten Seiten – oder sogar darüber:

  • Berliner Morgenpost -42,5% (von 325.835 auf 187.479)
  • Der Westen -42,7% (von 351.787 auf 201.460)
  • RP Online -44,4% (von 185.986 auf 103.322)
  • Express -63.8% (von 173.764 auf 62.935)

Insbesondere die offensichtliche Ungleichbehandlung von Konkurrenten – sowohl was überregionale, als auch was regionale Nachrichtenmedien anbetrifft, dürfte für viele Diskussionen sorgen. Eine offene Frage dabei: Hat Facebook die Entwicklungen wirklich ausschließlich seinem Algorithmus überlassen? Oder wurde manuell nachgeholfen, indem einige Medienmarken bevorzugt werden?

Im dritten Teil des großen Facebook-Medien-Reports kümmern wir uns am Freitag darum, ob es vielleicht auch in Zeiten der Algorithmus-Änderungen, auf die man als Medium keinen Einfluss hat, Strategien gibt, die zum Erfolg führen? Mit denen man seine Interaktionsverluste gering halten kann oder sogar wieder zulegen kann? Wir werfen einen Blick auf die Entwicklungen der verschiedenen Post-Arten. Sind die Verluste bei Link-Posts besonders hoch? Ist Video immer noch ein Hype-Thema bei Facebook? Und wie sieht es mit Bilder-Posts aus? Die Erkenntnisse sind sehr spannend und zeigen auf, wohin die Reise bei Facebook gehen könnte. Am Freitag an dieser Stelle zu lesen.

 

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Zur Methodik: MEEDIA hat mit Hilfe des Social-Media-Tools Crowdtangle die Likes, Reactions, Shares und Kommentare untersucht, die 1.500 Facebook-Seiten deutschsprachiger Medienmarken mit ihren Posts erreicht haben. In die Wertung kamen für den besten Blick auf die Entwicklungen nicht nur journalistische Angebote, sondern beispielsweise auch Facebook-Seiten zu deutschen TV-Serien, -Shows und Satire-Websites. Nicht in die Wertung kamen Facebook-Pages von Einzelpersonen wie Moderatoren, Schauspieler oder Journalisten. Zu den 1.500 Seiten gehören die größten Medienmarken auf Facebook, aber auch eine Reihe von kleineren Anbietern. Die Wahl fiel auf Crowdtangle, da das Ende 2016 von Facebook gekaufte Tool die zuverlässigsten, genauesten und aussagekräftigsten Zahlen zum Geschehen auf Facebook liefert.

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Alle Kommentare

  1. Für die diversen hier koordinierten Medien-Websites wird Facebook eingeladen, für jedes LIKE den für Google-Adwords üblichen Anklick-Tarif zu zahlen, also zwischen 0,30 und 0,60 Euro pro Klick. Nur für diese Bezahlung von Marketing für Facebook sei Bereitschaft, etwas Leseraufmerksamkeit auf Facebook zu verlagern, unmittelbarer Wettbewerber um die Leserzeit.

    Erstaunlicherweise ging auf dieses generöse Angebot an Facebook von dort noch keine Annahmeerklärung ein. Hätten alle deutschen Medien ihre Leserschaft-Aufmerksamkeit in der gleichen Weise nur gegen Geld abgetreten oder gar nicht, wäre Facebook ein lächerlicher Zwerg.

    Die Dummheit des Herdenverhaltens, kostenlos den faktischen Konkurrenten Facebook zu subventionieren, erzeugte Facebooks Reichtum. Medienmanager beanspruchen für sich, besonders intelligente Manager-Elite zu sein. Hier aber Totalversagen, siehe oben. Haben sich einwickeln lassen wie eine Truppe von pubertierenden Mädchen ihrem Star-Fan hinterher jubelt.

    Übrigens hatten wir vor etwa ???8??? Jahren einen ähnlichen Schwenk bei Google, durch den alle Seiten mit halb-automatischen Software-Text-Robotern usw. – auch wenn anspruchsvolle Ergebnisse – künstlich heruntergerankt wurden, damit Google sich selbst dies Segment für Monopolisierung gegen Aufsteiger schützt. Daraufhin wurde hier logisch die gesamte Anzeigenwerbung für Google auf allen Websites abgeschaltet und eine eigene Werbe-Software analog zu Google-Adwords entwickelt – seither in Anwendung auf diversen eigenen Websites.

  2. Lieber Jens Schröder,
    vielen Dank für die sehr anschauliche Darstellung der Auswirkung der Alogrithmusveränderungen. Die Frage die sich mir hier aufdrängt ist folgende: Ist es möglich diese Zahlen ins Verhältnis zu Werbeaufwendungen der Medienangebote zu setzen?
    Sollte nun ein Verlag, wie etwa die SZ, ihre Werbeausgaben stärker reduziert oder weniger stark angehoben haben, dann müsste sich das in den Zahlen der Interaktionen auch wiederspiegeln, oder?
    Ist es überhaupt möglich darüber Informationen zu erhalten?

    Außerdem finde ich es spannend, dass Sie darüber nachdenken, ob es manuelle Einflussnahme gab um die Vorgaben (mehr Wert auf “Qualitätsjournalismus” zu legen) zu erfüllen. Gibt es dazu weitere Hinweise? Das wäre ja auch etwa für katellrechtliche Fragen im Sinne der Wettbewerbsbedingungen relevant könnte ich mir vorstellen.

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

    Jakob Wiesinger

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