Partner von:
Anzeige

„Harrius Potterus“ kehrt zurück: Radio Bremen reaktiviert Lateinnachrichten

Neuer Service für mehr Bürgernähe: Radio Bremen will mit einem neuen Tool Meinungen aus der Region einfangen und auf dem Sender zum Thema machen
Neuer Service für mehr Bürgernähe: Radio Bremen will mit einem neuen Tool Meinungen aus der Region einfangen und auf dem Sender zum Thema machen

Neben Nachrichten auf Plattdeutsch verbreitet Radio Bremen künftig auch wieder Meldungen in lateinischer Sprache - ein weltweit fast einzigartiges Nachrichtenformat. Damit greift der ARD-Sender eine Tradition auf, die er vor knapp einem Jahr zunächst beendet hatte. Nach dem jetzt angekündigten Neustart werden die „Nuntii Latini“ nicht mehr nur im Internet veröffentlicht, sondern auch im Radio gesendet.

Anzeige

Von Eckhard Stengel

Radio Bremen (RB) war schon immer für Innovationen gut. Ob Loriot, Rudi Carrell oder Hape Kerkeling – manche Künstler wurden erst durch neue RB-Sendeformate zu richtigen Fernsehstars. Im Hörfunk zeichnete sich die kleinste ARD-Anstalt vor allem durch zwei ungewöhnliche Nachrichtenformate aus: Meldungen op Platt sowie „Nuntii Latini“.

1977 war RB das erste Funkhaus, das sich an regelmäßige Nachrichten für die Minderheit der Plattschnacker heranwagte. Noch heute werden die „Plattdüütschen Narichten“ jeden Morgen von Montag bis Freitag um 10.30 Uhr auf „Bremen Eins“ verlesen.

Die Lateinnachrichten kamen 2001 dazu, allerdings nicht fürs Radio, sondern nur für den Internetauftritt www.radiobremen.de. Dort wurden fortan mindestens einmal im Monat die wichtigsten Ereignisse aus aller Welt in der Sprache der alten Römer präsentiert, sowohl zum Lesen als auch zum Anhören. Doch das ehrenamtliche Redaktionsteam legte Ende 2017 die Arbeit nieder – aus Alters- und Zeitgründen, wie es damals hieß. „Finito. Radio Cicero funkt nicht mehr“, schrieb die Lateinredaktion als Abschiedsgruß nach 16 Jahren.

Doch am Dienstag überraschte der Sender alle Latein-Liebhaber mit der Ankündigung, dass das Sendeformat reaktiviert wird. Zum Ende eines jeden Monats wird künftig wieder ein Paket aus lateinischen Nachrichten online gestellt. Am kommenden Freitag, den 30. November, geht es los. Außerdem sind die Meldungen dann erstmals auch in den Null-Uhr-Nachrichten des Kulturprogramms „Bremen Zwei“ zu hören.

Möglich wurde die Wiedergeburt, weil Radio Bremen ein neues Redaktionsteam gefunden hat. Laut RB-Pressemitteilung ließen sich „Bremer Philologinnen und Philologen begeistern, aktuelles Weltgeschehen auf Latein zu vermelden“.

Anzeige

Schon im alten Team saßen vor allem Lateinlehrer, zuletzt überwiegend Pensionäre. Mit im Bunde: der langjährige RB-Redakteur Jörg-Dieter Kogel. Er war einer der Gründer der „Nuntii Latini“ und stellte seit 2001 regelmäßig die wichtigsten Meldungen des Monats zunächst auf Deutsch zusammen. Als Absolvent eines Jesuiten-Gymnasiums hätte er die Texte vermutlich auch selber übersetzen können, aber das überließ er lieber den Lateinexperten.

Die bemühten sich dabei um möglichst eingängige Formulierungen „auch für solche Leute, die nur das kleine Latinum haben“ (Kogel). So erfanden sie zum Beispiel die „bomba atomica“. Harry Potter verwandelten sie in „Harrius Potterus“, den US-Präsidenten in „Civitatum Unitarum Americae praesidens“ und die CSU in „Unio Christianorum Socialium“. Nur selten mussten sie kapitulieren, etwa beim Twitter-Begriff „Hashtag“.

Die Resonanz von Sprachliebhabern aus aller Welt war groß. Kein Wunder, denn neben Radio Bremen gibt es nur zwei weitere Sender mit Nachrichtenangeboten auf Latein: in Finnland und im Vatikan. Wegen des großen Zuspruchs baute die Bremer Redaktion ihr Angebot nach und nach aus: Zeitweise rezensierte sie Bücher und stellte halbwegs aktuelle Nachrichtenfilme ins Internet, natürlich alles auf Latein. Eine Zeitlang betrieben die Bremer Fachleute sogar ein Internet-Forum für geplagte Lateinschüler, die sich mit Problemen herumschlugen wie der korrekten Übersetzung des sogenannten „quamquam-Satzes“. Und Gymnasiasten steuerten regelmäßig „Nuntii Liberorum“ bei: lateinische Kindernachrichten, zum Beispiel über den ersten Oscar für Leonardo di Caprio („Leonardo Di Caprio primum praemio Oscar nominato ornatus est“). Manch Lateinlehrer, der vielleicht nur zufällig die Sendungen im Internet entdeckt hat, dürfte anschließend seinen Unterricht mit solchem Lehrmaterial aufgelockert haben. Bis dann vor knapp einem Jahr der Exitus verkündet wurde.

Nun also die Wiederauferstehung. Zusammen mit dem Monatsrückblick sollen auch die Internet-Kindernachrichten wiederbelebt werden. Die Schülerinnen und Schüler übersetzen ihre Texte nicht nur selbst, sondern nehmen sie auch auf, damit die Novitäten online auch zu hören sind.

Da kann man nur noch wünschen: Ad multos annos!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia