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"Du kennst doch den Christian …": die cremige Podcast-Premiere von FDP-Chef Lindner mit Frank Thelen

Unter die Podcaster gegangen: FDP-Chef Christian Lindner

Jetzt podcastet er auch noch: FDP-Chef Christian Lindner hat mit dem Podcast „1 Thema 2 Farben“ sein eigenes Medium gestartet. Einmal pro Monat will Lindner mit Persönlichkeiten aus Kultur, Sport, Wissenschaft und Politik ein Thema aus zwei Richtungen beleuchten. Die Auftaktfolge mit Investor Frank Thelen wirkte freilich eher wie „2 Stühle 1 Meinung“.

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Frank Thelen, erfolgreicher Investor und TV-Star aus der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“, und FDP-Chef Christian Lindner kennen und schätzen sich. Das wird bei der ersten Folge des Lindner-Podcasts „1 Thema 2 Farben“ sofort klar. Man duzt sich, plaudert über das Jamaika-Aus (Thelen: „Mich fragen viele: Sag mal, du kennst doch den Christian. Was ist denn da mit Jamaika passiert?“). Der FDP-Chef gibt eloquent Antwort, Thelen findet das „super, dass du prinzipientreu bist.“ Dass wir statt eines echten Digitalministeriums bloß Seehofers Heimatministerium haben, finden beide „unfassbar“. Wenn Thelen argumentiert, dass man der Umwelt am besten mit „radikaler Innovation“ helfen kann und nicht mit Verboten, pflichtet Lindner bei: „absolut!“ Die Grünen, da sind sich die beiden wenig überraschend ebenso einig, sind im Kern immer noch eine linke Verbotspartei. Lindner kann an dieser Stelle nochmal anbringen, dass er die Art vom Grünen-Chef Robert Habeck „cremig“ findet. Aber immer noch besser als die Linken, denn die sind laut Thelen genauso radikal wie die AfD.
Beide finden Flugtaxis gut und haben Respekt für Digital-Staatsministerium Dorothee Bär (CSU), der halt bloß ein „Maschinenraum“ (Thelen) fehlt. Thelen findet es wiederum „super“, mit welcher „Agilität“ der Christian Dinge angeht und preist den FDP-Chef noch für die von ihm mit verhandelte Landesregierung in NRW: „In NRW haben wir eine hervorragende Regierung.“ Lindner: „Find‘ ich auch.“
Künftige Folgen mit angekündigten Gesprächspartnern wie WirtschaftsWoche-Herausgeberin Miriam Meckel und vor allem dem Linken-Radikal-Politiker Dietmar Bartsch versprechen ein wenig bis deutlich mehr Kontroverse, was dem Format sicher gut tun würde. Die Auftaktfolge geriet doch etwas sehr selbst-bewienernd, Christian Lindner würde vielleicht sagen: cremig.
Davon abgesehen kann man darüber diskutieren, ob es generell eine gute Idee ist, wenn Politiker nun auch ihre eigenen Medien machen und damit dem Beispiel von Sportlern, Musikern und Unternehmen folgen. Für FDP-Chef Lindner ist das vermutlich folgerichtig und eben digital. So ein Podcast kann ja auch ein Mittel sein, um Bürger und potenzielle Wähler zu informieren. Dass Lindner für solch ein Format die Zeit findet, ist erstaunlich und bewundernswert. Die erste Folge schoß bei Apples iTunes-Charts direkt auf die Spitzenposition und die ersten Nutzer-Rezensionen sind durchweg sehr positiv. Man sollte jetzt nur nicht dem Glauben erliegen, hier würde tatsächlich Journalismus betrieben. Der Lindner-Podcast ist politisches Content-Marketing, vulgo: Werbung.

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