Partner von:
Anzeige

Wochenrückblick: Wenn Claus Strunz gemeinsam mit Boris Palmer ein Buch präsentiert …

Der Millionör hat’s schwör. Sylvies Show ging in die Unterhose. Braucht  Markus S. Nachhilfe beim Telefonieren? Wer kennt diesen Mann (v.l.o.n.r.u.)?
Der Millionör hat's schwör. Sylvies Show ging in die Unterhose. Braucht Markus S. Nachhilfe beim Telefonieren? Wer kennt diesen Mann (v.l.o.n.r.u.)?

Die Medien haben mehr als ein Hühnchen mit dem CDU-Vorsitzenden und Gottkanzler in spe, Friedrich Merz, zu rupfen. Aktuelle Kritikpunkte: Merz hält sich an Gesetze und fliegt in einem Flugzeug. Claus Strunz hat ein Buch geschrieben und es ist genau das, was man erwarten darf. Anke Schäferkordt verlässt das RTL und Markus Söder bekommt Schützenhilfe von Kai Diekmann. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

Anzeige

Darf ein Millionär Kanzler werden? In Amerika würden sie über eine solche Frage lachen. Dort ist Reichtum geradezu eine Voraussetzung, um überhaupt antreten zu können. Nicht offiziell natürlich, aber ohne viel Geld übersteht kaum jemand die strapaziösen und teueren Vorwahl- und Wahl-Marathons. Nun tritt Friedrich Merz bei uns zwar erstmal nur als Kandidat für den CDU-Vorsitz an, aber eine Anwartschaft aufs Kanzleramt ist medial schon eingepreist. Es war die Bild in ihrer Talkshow “Die richtigen Fragen”, die Merz in die Bredouille brachte, indem dort sein Millionärsstatus abgefragt wurde. Merz eierte zunächst rum, um dann halbscharig zuzugeben, dass er vermutlich schon, also weit weg sei er da wohl nicht. Jetzt hat der Mann nicht nur viel Geld verdient, sondern er steht auch noch in Diensten des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, für einige Leute so etwas wie das konzentrierte, schwarze Böse. Neulich bei Anne Will gab Merz allerdings zu Protokoll, dass er Steuertricksereien ablehnt und sich persönlich nichts vorzuwerfen habe. Stefan Kuzmany schrieb bei Spiegel Online diese Woche, dass es “wahrscheinlich” sogar stimme, wenn Merz beteure, dass ihm Steuertricksereien zuwider seien. Aber, und jetzt kommt’s:

In diesen Wochen drehen Investigativjournalisten im ganzen Land jeden Stein um, um eine Merz’sche Verwicklung in krumme Geschäfte aufzudecken. Sie haben bisher keine gefunden. Weil es keine gibt? Es ist wohl alles legal, was Friedrich Merz in den letzten Jahren getan hat. Und genau deshalb wäre es nicht gut, wenn er Kanzler würde. Denn Friedrich Merz würde einfach damit weitermachen, die ganz legalen Interessen des globalen Finanzkapitalismus zu vertreten – nur eben in neuer Funktion.

Weil er keine “krummen Geschäfte” getätigt hat, wäre es nicht gut, wenn er Kanzler würde? Kuzmany will wohl darauf hinaus, dass das, was dieser Merz da macht, vielleicht legal, aber trotzdem ganz schlimm ist (globaler Finanzkapitalismus). Stichwort: legal aber nicht legitim. Aber ist das nicht auch sehr, sehr schräg, wenn Medien einem Kandidaten für ein Parteiamt vorwerfen, dass er sich an die Gesetze gehalten hat?

Zeit-Vize Bernd Ulrich trieb es auf Twitter noch doller. Ihn interessiere weniger der Kontostand von Merz teilte Ulrich mit, sondern sein ökologischer Fußabdruck: “Wieviel CO2 produziert sein Lebensstil? Warum denkt jemand, mit einem Privatflugzeug durch die Gegend fliegen zu dürfen? Wieso wurde er das noch nie gefragt?”

Will Ulrich Privatflugzeuge verbieten? Oder Flugzeuge generell? Soll ein künftiger Kanzler Staatsbesuche nur noch mit der Bahn erledigen? Wenn es nach solchen Medien-Einwürfen ginge, dann könnte sich vermutlich nur ein Mönch um die Kanzlerschaft der guten Republik Deutschland bewerben.

+++

Da ist man schon geneigt zu fragen: Geht’s noch? Obwohl, das lassen wir lieber, das ist nämlich der Buchtitel eines neuen Druckwerks des Sat.1-Frühstücksfernsehen-Kommentierers Claus Strunz. Das Buch heißt “Geht’s noch, Deutschland?” und ist so eine Art “Das man wird ja wohl noch sagen dürfen”-Prosa gewürzt mit mehr als nur einer Prise “Ich hatte recht”! Strunz findet sich selbst schon im Vorwort ganz furchtbar mutig, weil er immer dafür angefeindet würde, obwohl er doch nur recht hat. Strunz als Schmalspur-Sarrazin. Bei seiner Buchpräsentation holte er sich Unterstützung vom Grünen Politiker Boris Palmer, im Nebenberuf angeblich Oberbürgermeister einer schwäbischen Uni-Stadt. Weil er da aber anscheinend nicht viel zu tun hat, betätigt sich Palmer auch als Buchautor (“Wir können nicht allen helfen”) und Hobby-Satiriker. Beide, Strunz und Palmer, eint, dass sie sich selbst als Klartext-Sprecher inszenieren. Als Typen, die sich supermutig gegen einen vermeintlichen Mainstream stellen. Da haben sich ja jetzt zwei gefunden.

+++

Diese Woche überraschte uns hier in Medienhausen die Personal-Nachricht, dass Anke Schäferkordt nach über 27 Jahren RTL verlässt. Ein paar Indizien gibt es, dass die Nicht-Verlängerung ihres Vertrages möglicherweise ganz vielleicht nicht so hundertprozentig ihre eigene Idee gewesen sein könnte. Dabei hat Schäferkordt über viele Jahre, enorm erfolgreich RTL Deutschland geleitet. Es ist aber halt auch verflixt schwierig im Privatfernsehen heutzutage. Die Jungen gucken Netflix und YouTube, die alten ARD und ZDF. Abseits von solchen strukturellen Problemen könnte RTL aber tatsächlich auch programmlich nicht erst seit gestern ein wenig frischen Wind vertragen. Viele der großen Formate haben ihren Zenit längst überschritten (“DSDS”, Dschungel). Der Trash-Anteil ist teils unangenehm hoch (“Adam sucht Eva”). Und wieso bitteschön lässt man eine Sendung wie “Sylvies Dessous Models” auf die Leute los? Dachte wirklich jemand, dass es heute einfach reicht, Frauen in Unterwäsche zu zeigen? Schaut sich sowas vor Ausstrahlung keiner mehr an? Jetzt soll der bisherige Vox-Chef Bernd Reichart zeigen, dass er es besser kann. Einfach wird es nicht.

+++

Anzeige

Der Markus Söder ist ja auch ein Facebook-Fex. Der bayerische MP postet gerne und viel und lässt seine “Fans” so am aufregenden Leben eines bajuwarischen Spitzenpolitikers teilhaben. Zum Beispiel, wenn er am Bahnhof neben dem schon dampfenden ICE nach Berlin steht und er am Smartphone noch allerletzte Anweisungen an seine Unterlinge durchphoniert.

Fiese Hatebook-Kommentaristen machten sich darüber lustig, dass auf dem Söder-Phone noch der Homescreen zu sehen ist. Ergo: Der MP telefoniert gar nicht in echt, sondern tätigt einen Fake-Phoner! Sakradi! Shitstorm ante portas, beim turi2 haben sie schon die Messer gewetzt.

Zum Glück eilt Ex-Bild-Chef Kai Diekmann herbei, um die Ehre des Markus Söder zu retten. Diekmann klärt auf, dass man natürlich mit dem iPhone telefonieren UND den Screen wechseln könne. turi2 rudert sofort zurück.

Wir lernen: Es sind durchaus gewisse komplexe Anwendungs-Szenarien denkbar, in denen der iPhone-Bildschirm beim Ans-Ohr-Halten an bleibt. Dass Markus Söder ein Telefonat stellt, hätten wir uns aber auch ganz ehrlich nun wirklich überhaupt gar nicht vorstellen können! Gut, dass Diekmann da eingegriffen hat!

Schönes Wochenende!

PS: In unserem wöchentlichen Podcast “Die Medien-Woche” debattiere ich diesmal mit dem Kollegen Christian Meier von der Welt über den Ärger wegen des Anti-AfD-Aufklebers im ARD-“Polizeiruf”. Außerdem weinen wir der “Lindenstraße” ein bisschen nach und reden über das Ende der Ära Anke Schäferkordt beim RTL. Freut mich, wenn Sie reinhören!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia