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Quo vadis, RTL? Analysten rechnen nach Ausscheiden von Anke Schäferkordt mit Neuausrichtung des Privatsenders

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Sie galt manchen geradezu als Inkarnation von RTL. Anke Schäferkordt hat 27 Jahre lang die Geschicke des Senders bestimmt. Jetzt kehrt die 55-Jährige der Bertelsmann-Tochter überraschend den Rücken – zu einem Zeitpunkt, wo das deutsche Werbegeschäft schwächelt und die Streaming-Konkurrenz Rückenwind hat. Analysten sehen den Rückzug als Signal, dass RTL Deutschland neu ausgerichtet werden könnte.

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Ihr Ausstieg deutete sich bereits an: Als Co-Chefin der in Luxemburg ansässigen Fernsehgruppe RTL zog sich Anke Schäferkordt bereits im vergangenen Jahr zurück, um sich auf das Deutschland-Geschäft zu konzentrieren. Jetzt verabschiedet sich die Top-Managerin in besten Manager-Jahren komplett von RTL, um den Weg für einen personellen Neuanfang frei zu machen. Künftig übernimmt Bernd Reichart, Geschäftsführer des Spartensenders Vox, das Ruder der RTL Group in Deutschland. Der Aktienkurs der Sendergruppe gab nach. Die Notierung sank um 1,65 Prozent auf 50,75 Euro.

Zum Führungswechsel halten sich Aktienanalysten namhafter Bankhäuser indes mit offiziellen Bewertungen zurück. Sie sehen keinen Anlass, aktuell ihre Bewertungen zu ändern. Hinter vorgehaltener Hand werten sie aber den Wechsel an der Spitze als ein Signal, dass sich der Fernsehsender im wichtigen deutschen Markt auf neue Standbeine stellen könnte. Dabei steht der künftige RTL-Deutschland-Chef Reichart vor gewaltigen Herausforderungen. Hauptproblem sind US-Plattformen wie Netflix, Amazon und Apple. Sie verdrängen mit ihren Streaming-Angeboten zunehmend das klassische TV-Geschäft. RTL sei hierfür nicht ausreichend gewappnet. So sei die Sender-Gruppe, zu der RTL, Super RTL, Vox und N-tv zählen, im Streaming-Geschäft kaum vertreten, heißt es. Es fehle an wirksamen Ideen, um sich gegen den massiven Strukturwandel zu stemmen.

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Zudem muss RTL Deutschland gegen schwache Werbeeinnahmen kämpfen. Analystenhäuser hatten deshalb vor wenigen Tagen nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen ihre Kursziele für die Aktie des Senders gesenkt. Die britische Investmentbank HSBC stufte die Notierung von 69 auf 56 Euro ab. Als Grund nannte Analyst Christopher Johnen die weiter sinkenden deutschen TV-Werbeerlöse. Sie würden für keine Kurserholung sprechen. Zudem schätzt er auch die Markterwartungen für das operative Ergebnis (Ebitda) in den beiden kommenden Jahren als zu hoch ein. Ähnliche Töne schlägt auch sein Kollege bei Warburg Research ein. Analyst Patrick Schmidt stufte RTL von “Buy” auf “Hold” herunter und verringerte das Kursziel von 76 auf 58 Euro. Die Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft seien schwach, so Schmidt. Hinzu käme, dass das uneinheitliche Abschneiden der Mediengruppe in den einzelnen Segmenten letztlich auf die Margen drücke.

Schäferkordts Abschied von RTL kommt auf dem Zenit ihrer Karriere. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Paderborn heuert die Gastronomentochter aus dem Weserbergland zunächst bei Bertelsmann in Gütersloh an. 1991 wird RTL-Chef Helmut Thoma auf sie aufmerksam und holt sie als Controllerin nach Köln. Schnell schafft sie den Sprung von der Zahlen- zur Programmwelt. Zunächst möbelt sie als Chefin von Vox den einstigen Krisensender zum Publikumsliebling auf. Dabei beweist die charismatische Geschäftsfrau beim Einkauf von Serien in Hollywood ein glückliches Händchen. Ob “Ally McBeal”, “Six feet under” oder “CSI Miami“ – zielsicher trifft sie den deutschen Massengeschmack. Das beflügelt ihren weiteren Aufstieg bei RTL. 2005 übernimmt die ehrgeizige Managerin die Leitung der Deutschland-Tochter, später wird zudem Co-Chefin der RTL Group in Luxemburg. Doch im April 2017 erfolgt die Kehrtwende. Überraschend zieht sie sich aus als Co-Chefin von RTL Deutschland zurück. Jetzt nimmt sie endgültig Abschied von ihrem langjährigen Arbeitgeber. Was sie künftig machen will, ist nicht bekannt.

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