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Kurzlebiger Hype oder Heilsbringer? Was die Medienbranche von der Blockchain zu erwarten hat

BOTlabs-CEO Ingo Rübe (l) und der CTO von Burda Kai Riecke sprachen auf dem VDZ Tech Summit
BOTlabs-CEO Ingo Rübe (l) und der CTO von Burda Kai Riecke sprachen auf dem VDZ Tech Summit

Der Start des diesjährigen VDZ Tech Summit in Hamburg stand ganz im Zeichen einer viel diskutierten Technologie: der Blockchain. Für die Medienbranche könnte sie ein Heilsbringer sein. Viel getan hat sich in diesem Bereich bislang aber nicht. Zwei Beispiele zeigen, was Verlage von der Technologie erwarten könnten.

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Der größte Fehler, den Medien im Zusammenhang mit der Blockchain machen können? Sie als wertlos abzutun. Dass die Blockchain ein “Gamechanger” der Branche sein kann, hören die Verlagsmanager beim sechsten Tech Summit des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Hamburg immer wieder. Unter anderem von Kai Riecke, der sich seit diesem Jahr CTO von Burda nennen darf und dem das Thema “besonders am Herzen” liegt.

Blockchains, sagt Riecke auf dem Kongress, könnten nicht nur die Branche, sondern die ganze Gesellschaft verändern. Dabei holt er weit aus: Das Internet sei mit seinem ursprünglichen freiheitlichen Ansatz gescheitert. Große Unternehmen wie Facebook und Google hätten die Wertschöpfung auf ihrer Seite, indem sie die Menschen verbinden und damit die Hoheit über ihre Daten haben. Auch in der Verlagsbranche sei das zu spüren: Gab es früher hunderte Verlage zwischen Werbetreibenden und Konsumenten, würden diese heute von den Tech-Giganten ersetzt. “Wir wurden an den Rand gedrängt”, so Riecke.

Die Blockchain kann diesen Missstand beheben, ist sich Riecke sicher: “Sie hat das Potential, Intermediäre zu ersetzen”. Durch ihren dezentralen Ansatz gilt die Blockchain als nicht manipulierbar – Mittelsmänner braucht es daher nicht mehr. Ein Grund, warum gerade die großen Unternehmen die Technologie als Bedrohung wahrnehmen würden. “Wir haben die Möglichkeit, den direkten Kontakt mit dem User aufzunehmen, ohne ein Unternehmen dazwischen zu haben”. Anwendungen dafür in Verlagen zu finden, sei eine Aufgabe des CIOs, appelliert er weiter.

Blockchain – kurz erklärt: Das Wort Blockchain heißt übersetzt Blockkette. Die Blockchain funktioniert wie eine Datenbank, ist aber nicht auf einem zentralen Server abgelegt, sondern dezentral. Das bedeutet, dass jeder Nutzer der Blockchain eine eigene und vollständige Kopie der Daten hat – und auch die Reihenfolge der Daten ist festgeschrieben. Dadurch, dass in einer Blockchain die Daten aufeinander aufbauend gespeichert werden, ist eine nachträgliche Änderung nicht möglich. Die Blockchain gilt daher als nicht manipulierbar.

Civil macht es in den USA vor

Wer konkrete Blockchain-Anwendungen im Medienbereich sucht, wird in den USA fündig: Dort versucht das Unternehmen Civil mit diesem Prinzip nichts geringeres als “den Journalismus zu retten”. Civil ist das derzeit bekannteste Beispiel der Branche. Sich selbst bezeichnet das Unternehmen als “dezentrale Plattform für nachhaltigen Journalismus”, wie die Co-Gründerin Christine Mohan auf dem Tech Summit verriet.

Die Plattform will zum einen zwischen Journalisten und Lesern eine transparentere Beziehung schaffen, indem nicht ein Verlag, sondern die Leser selbst über Content bewerten können. Zum anderen will sie Journalisten mit Blockchain gegen Zensur und staatliche Eingriffe schützen. Dabei stellt das Unternehmen das Blockchain-Protokoll frei zur Verfügung. Heißt: Jeder Journalist oder jede Redaktion kann über die Plattform einen eigenen Newsroom aufbauen, solange er sich an die Regeln hält.

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Derzeit gibt es etwa 18 Webseiten, die auf dem Prinzip laufen, sich aber eigenständig finanzieren müssen. Dazu gehört etwa die Colorado Sun von ehemaligen Journalisten der angeschlagenen Denver Post. Auch mit dem Spiegel und Axel Springer soll Civil schon Gespräche geführt haben, wie Mohan verriet. Forbes und die Associated Press werden ebenfalls Inhalte über das Civil-Protokoll veröffentlichen. Ihr Ziel ist das Vertrauen der Leser in die Autoren zu stärken. Durch die Veröffentlichung von Metadaten ausgewählter Beiträge in der Blockchain könne die Identität des Autors sowie der Expertenstatus der Quellen belegt werden, schrieb Civil-Gründer Matt Coolidge zum Start der Kooperation.

Das Besondere an der Civil-Community ist nämlich, dass sie sich selbst reguliert. Um das zu verwirklichen, hat Civil eine eigene Kryptowährung eingeführt, die sogenannten “CVL Token”. Mit ihnen können sich nicht nur neue Medien auf der Plattform “einkaufen”. Jeder, der solche Tokens besitzt, kann auch bestehende Redaktionen oder Autoren des Civil-Universums herausfordern – wenn er der Meinung ist, dass sich diese nicht ethisch korrekt verhalten würden. Die Standards hat Civil in einer eigenen Verfassung niedergelegt, die über 40 Seiten lang ist.

Das amerikanische Unternehmen ist, was den Umgang mit Blockchains im Medienbereich angeht, Vorbild in der Branche. Doch es offenbart auch die Probleme, die das Thema hat: So ist der Verkauf der Kryptowährung vor einigen Wochen zunächst gescheitert, weil schlicht zu wenig Nutzer die Tokens gekauft haben. Mohan führt das auch darauf zurück, dass das Thema sehr kompliziert und schwer zu durchschauen ist: “Blockchains sind nicht userfreundlich”, sagt sie. Ein neuer Versuch mit einer einfachen Anleitung zum Kauf der Tokens wird bald starten.

Blockchain für Verlage

Mit der Blockchain Vertrauen bei den Lesern zu generieren und ihnen mehr Mitbestimmung zu geben, ist also möglich, aber sicher kein leichtes Unterfangen. Auch an anderer Stelle könnte die Technologie Verlagen helfen: etwa auf dem Werbemarkt.

Während sich die meisten Medienunternehmen in Deutschland mit Blockchains noch zurückhalten, hat zumindest Hubert Burda Media in diesen Bereich investiert: Seit Anfang des Jahres betreibt Burda zusammen mit dem ehemaligen CTO Ingo Rübe das Startup BOTlab. Ziel des Startup ist es “auf Basis der Blockchain-Technologie konkrete Innovationen für Unternehmen zu erarbeiten und Wege zu identifizieren, wie sie in die operativen Geschäfte integriert werden können”.

Stark vereinfacht gesagt sieht das so aus: Rübe und sein Team wollen ein Protokoll entwickeln, auf das alle Verlage später zugreifen und eigene “Applikationen” entwickeln können. Das Blockchain-Protokoll sorgt dafür, dass Unternehmen und Akteure, die damit arbeiten, vertrauenswürdig sind. Rübe spricht von einem “Trust Markt”. Dadurch bedarf es keiner Mittler mehr.

Rübe stellt sich etwa vor, dass künftig Werbende und Publisher so direkt aufeinander zugehen können, ohne dazwischen ein Werbeunternehmen einsetzen zu müssen. Durch das Prinzip ergebe sich für alle Beteiligten Vorteile: Für die Werbenden, die keine Vermittlungsgebühr zahlen müssen und schlechte Werbetreibende zudem ausschließen können. Für Publisher, die ebenfalls auf Mittler verzichten können und durch eigene Währungen zusätzliches Geld verdienen. Und für den Journalisten, der für seine Arbeit demzufolge besser entlohnt wird. Noch ist das “Kilt” genannte Protokoll in Arbeit – Gespräche mit ersten Verlagen gebe es aber schon.

Die Medienbranche, das wurde auf dem VDZ Tech Summit deutlich, hat die Erwartung durch die Blockchain-Technologie Vertrauen und Transparenz zurückzuerlangen – auch wenn die praktischen Beispiele dafür bislang rar gesät sind. Ein Anfang aber ist da. Genau wie die Hoffnung, dass die Blockchain zumindest einige Probleme der Medien lösen kann.

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Alle Kommentare

  1. Liebe VDZ-Kolleginnen und -Kollegen,

    bei allem Respekt: Die Blockchain ist von der Realität so weit entfernt wie die Milchstraße von der Andromeda-Galaxie. Also Millionen von Lichtjahren.

    Erledigt doch bitte erst einmal die Hausaufgaben. Dass alle Redakteure für Print und Online arbeiten. Dass sie SEO beherrschen. Spannende Instagram Stories produzieren. Und, und, und.

    Wenn das alles klappt, kann man gern über die Blockchain sprechen. Die ich übrigens für ziemlich nutzlos halte.

    Wenn schon, dann bitte um KNN kümmern. Diesen ernsthaft wichtigen Trend verschlafen wir gerade.

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