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Fischers kleine Presseschau: Diesel-Depression in der FAZ und Dieter Nuhrs Hohn-Gipfel in der ARD-Themenwoche

Thomas Fischer, Bundesrichter a.D., ist Autor der MEEDIA-Kolumne Fischers kleine Presseschau

Die FAZ arbeitet sich in einem Leitartikel an der akuten Diesel-Depression der deutschen SUV-Gesellschaft ab und schreibt an gegen zerstörerische Kräfte, die es „auf die individuelle Mobilität abgesehen haben.“ Und bei der ARD-Themenwoche Gerechtigkeit musste MEEDIA-Kolumnist Thomas Fischer ein nervenaufreibendes Stück Anti-Mainstream-Komik des Dieter Nuhr ertragen. Fischers kleine Presseschau Folge 7.

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Teil 1: Diesel und Depression

Im Leitartikel vom 15. November 2018 der FAZ für Deutschland widmet sich Herr Appel, „Leiter Technik und Motor“ (schöner Titel!) zweispaltig dem Thema „Diesel, Deutschland, Düsternis“ und verbindet innovativ die traditionellen Leitthemen seines Mediums – „Deutung, Depression, Destination“ – zu jenem Potpourri klagenden Rückblicks auf das Verlorene, das wir am Leitmedium aus Frankfurt schätzen und das sich am Rand des Innovations-Maelstroms festklammern wird, bis dereinst der Taunus im Clash of Continents (vulgo: tektonischer Zusammenstoß von Afrika und Europa) versinkt.
Ja, es ist wahr: Es wird ein „Klima“ sein, wenn der Mensch, der Volkswagen und selbst die FAZ für Deutschland nicht mehr sind. Dies könnte uns aus der Perspektive der Evolution egal sein. Aber man muss gerade deshalb, weil das Insekt sich als stressresistenter erwiesen hat als der Mensch, auf den Zusammenhang achten.
Deutschland, so lesen wir, hat einmal mehr alles falsch gemacht, so dass die FAZ leider den Untergang „der nächsten Schlüsselindustrie“ ankündigen muss. Handlanger dieses Untergangs ist einmal mehr die Justiz, genannt „die Richter“: Verwaltungsgerichte, die Kommunen zur Anordnung von sogenannten Fahrverboten verurteilt haben, wenn anders das geltende Umweltschutz-Recht nicht durchsetzbar sei. „Jetzt flicken die Richter einen Teppich“, meint Leiter Appel in der FAZ. Er hat dabei vermutlich den „Flickenteppich“ im Blick, hat sich aber auf der Metaphern-Liste irgendwie verhauen.
Was den Leiter Technik & Motor besonders empört, ist, dass der Gesetzgeber und „die Politik“ sich einfach nicht entscheiden können, ob sie nun den Diesel oder den Benziner schlimmer finden sollen. Man darf, so Appel, den Diesel schon deshalb nicht schlimm finden, da es der Benziner auch ist. Und umgekehrt.
Es sind üble, ja zerstörerische Kräfte am Werk: „Claqueure des Mainstream“, „dubiose“ Interessen, „Brandmarker“ des Fortschritts und des Standorts Deutschland. Diese Kräfte haben den Bundesumweltminister „auf Linie gebracht“ (welche auch immer), die großen Automobilunternehmen – mit einer überaus rühmlichen Ausnahme aus München – zu irrationalen, sinnlosen Aktivitäten ohne Wert, den Gesetzgeber zu passivem Verharren statt zum Erlass neuer „praktikabler“ Gesetze. 

Endlich Widerstand!

Deshalb ist es, wie FAZ erkannt hat, „hohe Zeit, denjenigen … entschieden entgegenzutreten“. Diejenigen sind Kräfte, die es „auf die individuelle Mobilität abgesehen haben“ und „auf den Verbrennungsmotor“, zwei Zivilisationsgüter also, die dem Menschheitsgeschlecht versprochen wurden per secula seculorum und die als Grundnahrungsmittel jeder anständigen „Redaktion Technik und Motor“ angesehen werden müssen. 

Opfer und Täter

Und dann die Folgen! Die Redaktion Technik & Motor ist sehr betrübt über die Lage der deutschen Menschen, „die sich hohe Mieten in den Städten nicht mehr leisten können und zur Arbeitsstelle pendeln müssen“. Arm in Arm mit der Arbeiterklasse kämpfen FAZ und Daimler, VW, Audi und BMW für die Blechbüchsenarmee der Bedrückten, die aus ihren überschuldeten Schlafstädtchen in die Metropolen fahren müssen im Stop & Go & Stop & Go, in den Ohren die beste Musik aller Zeiten und die täglich verbesserte Stau-Umfahrungs-App.
Die Abermillionen von Getäuschten und Betrogenen haben jahrzehntelang gedacht, dass die Luft umso gesünder werde, je mehr 6-Zylinder-Common-Rail-Diesel man auf Pump kauft, dass die Autobahnen aus Oberhessen nach Frankfurt und aus der Oberpfalz nach München jedes Jahr um eine Spur breiter werden, und dass den Eisbären und dem Permafrost nichts mehr passieren könne, wenn endlich alle Menschen einen GLS 350d führen.
Deshalb sind 50 Millionen deutsche Opfer, also „der Autofahrer“, jetzt fassungslos angesichts des trotz der ganzen eingeborenen Intelligenz des ADAC völlig unvorhersehbaren Betrugs der gierigen Autobosse. Niemals hätten der Deutsche einen SUV geleast, wenn er geahnt hätte, dass dieser die Umwelt belasten könnte! Wieder einmal wurde ein ganzes Volk von gewissenlosen Einzeltätern an der Nase herumgeführt und soll dafür nun auch noch büßen durch Nachrüstung oder, wie die FAZ klagt, die „weiten Umwege“ zur Umfahrung der wegen Gesundheitsgefahr gesperrten Straßen. An letzterer Variante erkennt man die unveränderte Nähe des Menschen zur Natur: Wie die aufsteigende Flut ihren Weg durchs Watt, so bahnt sich der SUV seinen Weg durch die Vororte. 

Lösung

Was bleibt der Redaktion Motor angesichts dieses Desasters? Wenn „Vorwärts zum Diesel“ und „Vorwärts zum Benziner“ gleichermaßen verteufelt werden, hilft nur noch „Vorwärts mit Diesel und Benziner“ – warum ein bewährtes Konzept überstürzt aufgeben? Es sollte vielmehr ergänzt werden, meint die FAZ, eine „praktikable Handhabe“ für die Gerichte, um mit Querulanten fertigzuwerden.
Vorerst entzündet die Zeitung ihren Lesern eine (Advents-)Kerze, die – Achtung, Ironie! – „200 Mikrogramm Stickoxid verursacht – auf der Straße sind 40 erlaubt“. Dagegen könnte man einwenden, dass das Stickoxid sich sozusagen innerhalb der Kerze befindet, aber nicht in der Straße. Aber das Bild ist so schön, dass es die FAZ gleich im nächsten Großbericht zum Thema („Schlampige Messung, irres Fahrverbot“ von Patrick Bernau, 19.11.) wieder aufgreift: „Manche Lungenärzte argumentieren, dass asthmakranke Kinder schon unter geringen NO2-Belastungen leiden können, auch wenn Adventskerzen viel mehr NO2 ausstoßen.“ Ein etwas kryptischer Satz, wie ich finde, aber das könnte vielleicht gerade sein Geheimnis sein. Überhaupt ist der Redaktion Motor alles unklar: Die Messstationen sind viel zu nah an der Straße, die Grenzwerte „willkürlich“, Griechen und Amerikaner großzügiger.
Im Feuilleton ist die Grenzwertforschung schon weiter. Dort schreibt Edo Reents in der FAZ vom 17.11.: „Die Halsstarrigkeit, mir der (in Deutschland) am Auto festgehalten und die Industrie gepampert wird, ..,.nimmt, weil die Gesundheit der Bevölkerung als etwas Nachrangiges betrachtet wird, mittlerweile kriminelle Züge an.“ Da wollen wir mal für Herrn Reents hoffen, dass er nicht aus der SZ erfahren muss, dass er für diese Zeitung nicht mehr schreibt.

Teil 2: Komik und Gerechtigkeit

In der vergangenen Woche fand, wie Sie bemerkt haben werden, die „ARD-Themenwoche Gerechtigkeit“ statt. Sie brachte interessante Dokumentationen wie „Ungleichland“ (WDR, 14.11.) und beeindruckende Filme wie „Keiner schiebt uns weg“ von 1979 (ARD, 14.11.). Die vermeidliche Wiederholung des Schirach-Millionenspiels mit interaktivem Urteil kraft Volksempfinden („Terror“) lief um 22.25 Uhr auf 3sat, konnte also keinen allzu großen zusätzlichen Schaden anrichten.

Auftritt

Das besorgte der als „Komiker“, auch als „Kabarettist“ firmierende Künstler Dieter Nuhr, gelernter Lehrer. „Nuhr gerecht“ hieß ein 45-minüter Beitrag zum Thema (ARD, 15.11.) im dortigen Format „Satiregipfel“. Herr Nuhr ist 1960 geboren und hält sich daher für einen intimen Kenner der „68er-Generation“, deren angeblichen und tatsächlichen Lebensirrtümern er, egal zu welchem Thema, einen Strom höhnischer Verachtung hinterherzunuscheln pflegt.
Der Rest der Nuhr-Kunst befasst sich mit den allzumenschlichen Charakterfehlern des Afrikaners, des Moslems und des jeweils anderen Anderen, also des Anderen in uns allen. Weil er gerne sagt, dass auch Moslems doof sind, gilt er als ungewöhnlich mutiger Humorist. Herr Nuhr verfügt über eine hochentwickelte, wenngleich etwas monothematische Imitationstechnik: Er kann verschiedene Sätze in einem von ihm erfundenen deutschtürkischen Unterschicht-Idiom sagen und dabei ein Gesicht machen, als müsse er dringend in eine betreute Wohngemeinschaft überstellt werden. Das ist sehr lustig. Am Ende jedes seiner Witze auf Kosten von Blöden, Armen, Schwachen sagt Herr Nuhr, dass er selbst theoretisch ähnlich blöd sein könne wie sie. Diese künstlerische Brechung könnte eine gewisse Differenziertheit in die Sache bringen, wenn der Stolz auf sie nicht ganz so penetrant dargeboten würde.
Von allen Nuhr-Monologen, die ich ertrug, war der vom 14.11.2018 der nervenaufreibendste. Zu sagen: der dümmste, verstieße gegen die Diktatur der Korrektheits-Sprachregeln, deren Kritik Herr Nuhr lange Abschnitte seiner mit starrem Blick in die Kamera vorgetragenen Assoziationsketten zu widmen pflegt.
Diesmal also „Gerechtigkeit“. Nuhr, 58. Slimfit-Jacket, tiefes Dekolleté, hautenges Höschen und gewaltige Springerstiefel: ein Frührentner im Jugendoutfit. Paarung von tränentreibendem Genie, fieberndem Sex und Punk-Imitat. Das kann natürlich jede(r) machen, wie er/sie will. Hier allerdings ist es zu erwähnen, weil das Thema Herrn Nuhr zum ersten Satire-Höhepunkt zur Gerechtigkeit führt:

Ungerechtigkeit ist gar nicht zu vermeiden. Ne, schon von Natur aus sind wir ja nicht alle gleich (…) Ein zahnloser Buckliger wird niemals so begehrt sein wie der sexiest man alive… Auch Alte werden ungerecht behandelt. Niemand träumt von einer runzeligen alten Dame mit einem riesigen Zinken und einer Warze auf der Oberlippe, aus der ein langes Haar wächst. … Das ist ungerecht (…) Was kann man da machen? Sollten Sie jung, schön, blondgelockt, aus gutem Hause sein, haben sie noch heute die Chance, diese Ungerechtigkeit abzuschaffen. Suchen Sie sich einen versehrten, hässlichen Wicht, hier im Publikum. Die Auswahl ist riesig.

Ein Mensch mit Humor hätte vielleicht nicht das Publikum als Auswahl von Missgeburten angeboten, sondern sich selbst. Aber Herr Nuhr ist Komiker; das hat mit Humor nichts zu tun. Daher hat er einen anderen Vorschlag:

Wenn Sie eine absolute Bombe sind, können Sie sich nach der Vorstellung auch einen nicht mittellosen Komiker im fortgeschrittenen Alter ansehen und ansprechen.

Wie rührend! Das 58-jährige Komiker-Männchen möchte sich „eine absolute Bombe“ in die Garderobe bestellen. Natürlich ironisch! Aber er sagt doch vorsichtshalber mal „nicht mittellos“ dazu, für den Fall, dass eine Bombe zuhört.
Die Leute klatschen trotzdem, sogar die Frauen. Mit Ausnahme einiger Personen, die auch begeistert sind, wenn Mario Barth in einen Kochtopf furzt, kann das vielleicht als Gegenleistung für das Zuschauer-Catering gedeutet werden, also als Ausdruck eines inneren Gerechtigkeitsgefühls: Er zahlt mir ein belegtes Brötchen und sagt statt „Arschloch“ zu mir „liebes Arschloch“; da klatsch’ ich mal.
Komiker dieser Klasse bemerken die spannungsreiche Dialektik zwischen der eigenen Erbärmlichkeit und der großherzigen Zuwendung der Erbärmlichen oft nicht. Wenn das Trauerspiel lange genug anhält, beginnen sie, die Bevölkerung „mein Publikum“ zu nennen. Von den Programmdirektoren, die Humorgipfel aus zappelnden Zotenschreierinnen, inhaltsfreien Strickmützenträgern und verachtungsvollen Zwangscharakteren kaufen, wollen wir gar nicht sprechen.

Recht und Gleichheit

Wer schon einmal kurz über Gerechtigkeit nachgedacht hat, weiß, dass sie mit Ausgleich, Verhältnis, Fairness zu tun hat. Man muss, um das zu verstehen, diese Worte nicht benutzen, noch weniger die komplizierten Begriffe der Philosophen oder Soziologen. Der Grundsatz „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ entspringt nicht dem vom Berg Sinai herabgeworfenen Artikel 3 Absatz 1 GG, sondern einer langen und leidensvollen Erfahrung zahlloser Millionen von Nicht-Gleichen.
Was bedeutet: „Vor dem Gesetz gleich“? Die Auslegung dieser Formulierung hält ein paar Möglichkeiten bereit. Ein Ansatz zur Deutung ergibt sich daraus, dass von „Menschen“ die Rede ist. Menschen sind, wie der Geschichtslehrer Nuhr zutreffend erkannt hat, in vielerlei Hinsicht verschieden, natürlich und sozial. Also geht es darum, was „Gleichheit vor dem Gesetz“ angesichts der „Ungleichheit vor der Wirklichkeit“ bedeutet. Hierauf gibt es nur zwei Möglichkeiten der Antwort:
Erstens: Gleiches soll gleich, Ungleiches soll ungleich behandelt werden.
Zweitens: Das Ungleiche soll gleich behandelt werden.
Die erste Variante ist – offenkundig – seit 70 Jahren Inhalt von Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz. Die zweite Variante ist ebenso offenkundig eine alberne Verhöhnung dieses Prinzips mit den Mitteln vorgetäuschter Wortlaut-Genauigkeit. Kein bei Trost befindlicher Politiker, Richter, Rechtswissenschaftler oder Bürger vertritt die Ansicht, wenn man das sachlich Ungleiche genau gleich behandele, entstehe Gerechtigkeit. Um das zu behaupten, muss man entweder sehr doof oder sehr böswillig sein.
Zur Veranschaulichung ein paar konkrete Enthüllungen aus nuhrschen Anmerkungen zur Gerechtigkeit:
Arbeit: „Leistung an sich hat ja teilweise bei uns schon den Geruch des Ungerechten.“
„Einer wird Pilot. Und ein anderer darf das nicht, bloß weil er jetzt blind ist. Das ist ja nicht gerecht, wenn man als Blinder nicht Pilot werden darf.“
„Die einen dürfen auf die Universität, und die anderen gehen mit 23 noch in die 4. Klasse, bloß weil sie nicht eins und eins zusammenzählen können. Und da fragen heute viele völlig zu Recht, wer bestimmt das eigentlich, dass eins und eins immer zwei sein muss. Das ist doch Willkür; das ist dieses kapitalistische System, dass es immer nur um Zahlen geht, selbst im Mathematikunterricht.“
„Die Ungerechtigkeit ist manchmal gar nicht zu korrigieren. das geht im Berufsleben los und hört damit auf, dass Frauen die Kinder kriegen. Das ist ungerecht. Ich wäre auch gern mal schwanger gewesen.“
Armut: „Gerade kamen ja zwei Studien raus… Die eine sagte, die Armut in Deutschland ist auf dem Rückzug, und die andere sagte, die Armut in Deutschland ist auf Rekordstand. Und da sieht man mal wieder: Jede Statistik ist so gut wie der, der sie verdreht (…) Studenten sind öfter arm als früher. Weil die Anzahl der Studenten stark gestiegen ist.“
Bildung: „Viele wollen ja die Noten abschaffen, weil die Kinder unterschiedlich leistungsfähig sind und deshalb unterschiedliche Noten kriegen. Das sei ungerecht. Und gerecht wäre, wenn alle die gleichen Noten bekämen, die Hochbegabten und die Idioten. Weil die ja nicht dafür können, dass sie Idioten sind. ÖUrgghh (imitiert einen geistig Behinderten)… Da kommen dann beim Elternsprechtag immer die Eltern. Die sagen: Meiner ist doch hochbegabt, der haut doch die andern immer auf die Fresse. Da können Sie als Lehrer nicht die Wahrheit sagen heute. Können Sie denen nicht erklären: Wenn Sie Glück haben, findet ihr verkorkster Halbaffe mit 14 ‘ne Lehrstelle als Roggenbrot. Weil in einer gerechten Welt sind alle schlau.“
Fremde: „Wir schaffen das, hat die Kanzlerin gesagt. Ein schöner Satz. so christlich…Na ja, jedenfalls haben das viele in Afrika damals als Einladung verstanden. Die ganzen Menschen aus allen Winkeln der Welt.
Mit Teddies wurde gewunken am Bahnhof, von Bewegten, von Linken, von Grünen. Es war abzusehen, dass das schiefgehen muss. Ne, von lauter Afrikaner und Araber, ne, ich war da schon mal: Mali, Sudan, Jemen und so weiter. Und ich kann ihnen sagen: Es sind Landstriche, in denen kulturell sehr wenig Wert gelegt wird beispielsweise auf Mülltrennung.
Und da waren viele Flüchtlingshelfer schon nach sehr kurzer Zeit frustriert und ha‘m gesagt: Die sammeln die Flaschen nicht; das Fladenbrot, was die essen, das enthält ja Gluten; und das ganze Fleisch, die essen Fleisch, die armen Tiere; und die Plastiktüten. Schon nach kurzer Zeit.“
Sex: „Irgendwann wird es Gleichstellungsgesetze geben, die dafür sorgen, dass jeder Hüne wenigstens einmal im Leben eine verhutzelte Hexe beschlafen muss…“
Diese lustigen Beschreibungen des – wie Sie hoffentlich bemerkt haben – vollständig verblödeten Mainstream-Bedürfnisses nach Gleichmacherei führt auf die Grundfragen der Gerechtigkeit in der Perspektive des bombensuchenden Prinzgemahls:

Wenn alles gerecht ist, wird man nicht mehr zum Leben kommen, weil man den ganzen Tag damit beschäftigt ist, gerecht zu sein. Immer wenn der eine was macht, muss jeder andere dasselbe machen, und dasselbe kriegen… Gerechtigkeit ist das Gegenteil von Freiheit, Lockersein… Wenn wir alles gerecht machen würden: Es wäre der Horror. Alles wäre geregelt. Keiner dürfte mehr was sagen. Wenn einer was sagt, müssten immer auch die anderen was sagen. Weil die alle gleich viel zu sagen haben sollen. Es wäre ein Horror.
Wer sich ein Herren-Fußballspiel anguckt, müsste sich auch ein Frauen-Fußballspiel angucken. Und natürlich eins der Transsexuellen, der Blinden und der Lahmen… Wenn irgendwann mal alles gerecht ist, dann werden wir beim Blindenfußball sehen, dass auch die Sehenden mitspielen dürfen. Dann dürfen auch Gesunde auf dem Behindertenparkplatz stehen…,. dann werden die Reichen arm und die Armen reich… Absolute Gerechtigkeit ist nur zu haben in der absoluten Diktatur…

… und Einigkeit

Frage: Was will uns der Künstler sagen? Er verhöhnt den menschenrechtlichen Gleichheitssatz, indem er ihn in sein Gegenteil verdreht und frei erfundenen Unsinn als angeblichen „Mainstream“ ausgibt, dem er sich zu widersetzen behauptet. Das Prinzip der Nuhrschen Komik ist dabei immer gleich: Von oben nach unten wird Verachtung durchgereicht. Das erreicht, bei Licht betrachtet, bestenfalls das Niveau eines Karnevalsabends im AfD-Ortsverein.
Natürlich darf jeder lachen, worüber er mag. Aber muss man das deshalb gleich stundenlang im Fernsehen zeigen? Ich schlage deshalb vor, die Programmverantwortlichen zur Strafe zu verpflichten, einer zehnstündigen Non-Stop-Aktion des Performance-Künstlers Dieter Nuhr beizuwohnen und dabei drei Flaschen „Oppenheimer Krötenbrunnen“, lieblich, zu verzehren.

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