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Der ausgefallene "Riesen-Aufstand" zum angekündigten Ende der "Lindenstraße"

Die "Lindenstraße"

Bild titelt „Riesen-Aufstand nach ‚Lindenstraßen-Aus!“, Berater und Blogger Thomas Knüwer schreibt: „Schämen Sie sich, ARD-Intendanten!“ und auf Petitions-Plattformen gibt es Protest-Aktionen zur Fortführung der Serie. Doch der „Riesen-Aufstand“ bleibt bisher aus. Der Grund korrespondiert mit der Begründung der ARD für das Aus der „Lindenstraße“: Die Fan-Gemeinde ist nunmal seit den 1980er-Jahren massiv zusammengeschrumpft.

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Einen “Riesen-Aufstand nach ‘Lindenstraße’-Aus!” rief Bild am Samstag aus, obwohl es den noch gar nicht gab. Einziger Grund für die Headline waren Zitate von Marie-Luise Marjan (Mutter Beimer), die sich “enttäuscht” zeigt und prophezeit: „Das Publikum wird sicher auf die Barrikaden gehen!“ Doch ein solcher “Aufstand” wie Bild in bezeichnet, bleibt bisher weitgehend aus, auch Barrikaden wurden noch nicht gesichtet. Auf Twitter gab es laut Talkwalker seit Freitag, als die ARD die Nachricht vom Aus der Serie im Jahr 2020 verbreitete, nichtmal 10.000 Tweets.
Um einen der 10.000 zu finden, der gegen die Absetzung protestiert, muss man zudem eine Weile suchen. Stattdessen vorn: Gags wie der der Nutzerin “flyfrau”:
https://twitter.com/frau_fly/status/1063391949628022785?utm_campaign=nl_Trending&utm_source=nl_Trending&utm_medium=email
Großartig auch der Tweet mit den zweitmeisten Interaktionen. Er kommt vom “F.A.S.”-Autor Jörg Thomann und lautet:
https://twitter.com/Thomann_J/status/1063421708420419585?utm_campaign=nl_Trending&utm_source=nl_Trending&utm_medium=email
Platz 4 ging an Twitterer “Dietmar” aus Wien:
https://twitter.com/Didinable/status/1063394815533035520?utm_campaign=nl_Trending&utm_source=nl_Trending&utm_medium=email
Genau das trifft auf eine Art den Kern des Problems. Die “Lindenstraßen”-Zuschauer der 1980er-Jahre sind zwar nicht alle gestorben, aber sie haben der Serie ihren Rücken zugewandt. Es ist eben nicht so, dass “das Publikum”, das laut Marie-Luise Marjan nun “auf die Barrikaden gehen” wird, noch so groß wäre. Wie MEEDIA bereits am Freitag analysierte, waren von den einst 14 Mio. Zuschauern zuletzt oft nichtmal mehr 2 Mio. übrig.
Wenn Berater, Blogger und „Lindenstraßen“-Fan Thomas Knüwer nun schreibt, dass die „Lindenstraße“ u.a. „die Debatten unserer Zeit thematisiert, dabei zwar Haltung bezieht, aber nicht zur Polarisierung beiträgt, schnell auf sich immer schneller bildende Trends eingeht, eine Brücke zu schlagen versucht zwischen auseinander driftenden Generationen und Subkulturen, die technischen Möglichkeiten des Fernsehens ausreizt, sie gar erweitert und scheinbar unmögliches möglich macht, crossmedial erzählt, nicht an eine Sendezeit gebunden ist, via Social Media eine Community aufbaut“, so mag das alles stimmen. Nur hat das eben immer weniger Leute interessiert.
Insbesondere bei Unterhaltungsformaten – und ein solches ist eine wöchentliche Soap nun mal – egal ob mit oder ohne inhaltlichem Anspruch – müssen sich auch die Öffentlich-Rechtlichen immer wieder hinterfragen, ob die jeweilige Sendung nötig ist oder nicht. Und insbesondere bei Unterhaltungsformaten spielt die Quote dann eben doch eine Rolle und eine Serie wird verzichtbar, wenn zu wenige zuschauen.
Auch Petitionen namens “Die Lindenstraße darf nicht sterben!” und „Lindenstrasse muss auch nach März 2020 weitergehen!“ unterzeichneten – Stand Montagmittag – nur 1.150 bzw. 6.200 Leute. Klingt ebenfalls nicht nach einem „Riesen-Aufstand“. Letztlich hat Christian Lindner (Ja, der FDP-Chef twitterte etwas zum Aus der Serie!) Recht, wenn er schreibt: “An ein Ende der #Lindenstraße zu meinen Lebzeiten hätte ich nicht geglaubt. Ich war kein Zuschauer, aber irgendwie gehört die Serie zum Inventar der TV-Republik. Vielleicht das Problem: Man erinnert sich, schaut aber nicht mehr.

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