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Fake News über WhatsApp: BBC-Studie enthüllt, dass das Problem viel größer ist als bislang angenommen

WhatsApp hat insbesondere in Indien und Brasilien mit Fake News zu kämpfen
WhatsApp hat insbesondere in Indien und Brasilien mit Fake News zu kämpfen

In den westlichen Ländern konzentriert sich die Debatte um Fake News eher auf Facebook. Dabei gibt es einen ebenso großen Treiber aus dem Hause Zuckerberg, der insbesondere in Indien und Brasilien Schaden anrichtet: der Chat-Dienst WhatsApp. Wie die Verbreitung von Fake-News auf WhatsApp funktioniert, hat die BBC nun untersucht – und gezeigt, welche Schwierigkeiten das Unternehmen bei der Bekämpfung des Problems hat.

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In Indien enden Fake News zum Teil sogar tödlich: Die BBC schildert einen Fall, bei dem Dorfbewohner zwei fremde Männer gelyncht haben, weil sie sie fälschlicherweise für Kindesentführer hielten. Solche Gerüchte kursieren in Indien sehr häufig auf WhatsApp. Die Crux: Fake News auf der Chatplattform lassen sich im Gegensatz zu Facebook nur sehr schwer untersuchen. Die Nachrichten sind verschlüsselt und werden in privaten Gruppen geteilt. Sie sind daher nicht öffentlich zugänglich.

Das ist womöglich ein Grund, warum die Auswirkungen von Falschnachrichten auf WhatsApp sehr lange unterschätzt wurden. Die BBC hat nun im Rahmen ihrer Analyse “Beyond Fake News” Zugriff auf die Social-Media-Accounts von Einheimischen bekommen. Dabei wurde klar, dass Fake News auf WhatsApp gerade deshalb so glaubwürdig erscheinen, weil sie von Bekannten oder sogar Familienmitgliedern verbreitet werden.

In Indien konnten die Forscher vor allem übersteigerten Nationalismus als Hauptursache für die Verbreitung feststellen. Weil die Preise für Handys mittlerweile sehr gering und auch Datentarife in dem Land erschwinglich geworden sind, haben viel mehr Menschen Zugriff auf soziale Netzwerke als früher – mehr als 200 Millionen WhatsApp-Nutzer gibt es allein in Indien. Statt Links zu Webseiten werden auf WhatsApp insbesondere Bilder mit Text oder Screenshots geteilt, deren Quelle noch nicht einmal klar ist. Das macht die Falschnachrichten besonders gefährlich.

WhatsApp-Maßnahmen bislang wirkungslos

WhatsApp hat darauf bereits reagiert und im jüngsten Update einen “Weilergeleitet”-Hinweis direkt im Chat über Bildern angebracht, die nicht von der Person selbst hochgeladen wurden. Dieser Hinweis aber habe laut BBC keine Auswirkungen: Dem Nutzer sei es egal, ob die Nachricht weitergeleitet ist oder nicht – solange der Chat-Partner als vertrauenswürdig empfunden wird.

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Darüber hinaus hat WhatsApp die Anzahl der Personen eingeschränkt, an die Bilder weitergeleitet werden können. Das neue Limit liegt bei maximal 20 Personen oder Gruppen, in Indien sogar nur fünf. Außerdem schaltete das Unternehmen Anzeigen in indischen Zeitungen, um Falschmeldungen zu erkennen.

Trotzdem schafft es WhatsApp nicht, der Lage Herr zu werden. Über 30 unschuldige Personen sollen bei solchen “WhatsApp lynchings” umgekommen sein. Die Regierung in Neu Dehli drohte bereits, Whatsapp zu verklagen, sollte es nicht gegen die Verbreitung unwahrer Nachrichten vorgehen.

Das Mutter-Unternehmen Facebook will deshalb künftig 20 Forscherteams unterstützen, die Lösungsansätze für das Problem finden sollen. Dafür hat WhatsApp eine Summe von einer Million Dollar freigegeben. Verteilt wird das Geld nicht nur an indische Projekte, sondern auch an Forscher in Brasilien, Indonesien, Mexiko und 16 weiteren Ländern.

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