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Ennio Morricone beschuldigt deutschen Playboy der Interview-Fälschung – das Magazin weist Vorwurf zurück

Komponist Ennio Morricone (r.) bestreitet, im deutschen Playboy über Regisseur Quentin Tarantino gelästert zu haben
Komponist Ennio Morricone (r.) bestreitet, im deutschen Playboy über Regisseur Quentin Tarantino gelästert zu haben

Das Interview, das der deutsche Playboy mit Filmmusik-Legende Ennio Morricone (u.a. "Spiel mir das Lied vom Tod"), veröffentlichte, hat es in sich. Morricone lästert über Regisseur Quentin Tarantino ("Kretin") und die Oscar-Verleihung ("Peinlichkeit"). Nachdem die Aussagen international Schlagzeilen machten, meldete sich Morricone und erklärte, dies nie gesagt zu haben. Er bestreitet sogar, dem deutschen Playboy ein Interview gegeben zu haben und kündigt rechtliche Schritte an. Beim Burda-Verlag, den den Playboy in Lizenz herausgibt, zeigt man sich überrascht und versichert, das Interview habe unter Zeugen am 30. Juni in den Privaträumen Morricones in Rom stattgefunden.

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“Ennio Morricone: ‘Quentin Tarantino kann mich mal'” lautete die Überschrift zur Online-Fassung des Morricone-Interviews, das der in Deutschland bei Burda erscheinende Playboy in seiner Dezember-Ausgabe veröffentlichte. Mittlerweile wurde die Webseite mit den Äußerungen offline gestellt (Update: Inzwischen ist die Seite online wieder erreichbar.). Die Aussagen darin sind brisant. Der Meister-Komponist lästert ungebremst über US-Regisseur Quentin Tarantino. Für die Musik zu dessen Film “The Hateful Eight” hat Morricone unlängst seinen zweiten Oscar erhalten. Tarantino sei “ein absoluter Chaot. Er redet, ohne zu überlegen, er macht alles auf den letzten Drücker, hat kein Konzept.” So wird der 89-jährige Morricone vom deutschen Playboy zitiert. Tarantino sei ein “Kretin” und klaue nur bei anderen. Er möge dessen Filme nicht, die seien “Trash”.

Auch die Oscar-Verleihungen bekommen in dem Interview ihr Fett weg. Die Verleihung , auf der er seinen zweiten Oscar erhielt, bezeichnet Morricone laut Playboy als “langweilige Veranstaltung”. Er habe „keine Lust mehr, in dieses fürchterliche Amerika zu reisen mit diesen aufgeblasenen Wichtigtuern, diesen Peinlichkeiten wie den Oscars und dem ganzen Firlefanz.“ Starker Tobak, der auch international eifrig zitiert wurde.

Mittlerweile hat Ennio Morricone auf seiner Website allerdings eine Stellungnahme unter der Überschrift “Quentin and I” veröffentlicht, in der er die Aussagen des Interviews von sich weist. Außerdem kündigt er rechtliche Schritte gegen das Magazin an:

It has come to my attention that Playboy Germany has come out with an article in which I have stated extremely negative comments about Tarantino and his films, and the Academy. I have never expressed any negative statements about the Academy, Quentin, or his films — and certainly do not consider his films garbage. I have given a mandate to my lawyer in Italy to take civil and penal action.

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Auf einer Pressekonferenz in London habe er klar zum Ausdruck gebracht, dass er Tarantino für einen der größten Regisseure dieser Zeit halte. Er würde außerdem nie abfällig über die Academy (die die Oscars vergibt) sprechen. Das US-Filmmagazin Vulture zitiert Morricone außerdem mit einem weiteren Statement, in dem der Komponist bestreitet, dem deutschen Playboy überhaupt ein Interview gegeben zu haben: “This is totally false. I have not given an interview to Playboy Germany.”

Auf eine Anfrage von MEEDIA an Burda, wie die Umstände des Interviews waren, ob es einen Ton-Mitschnitt und Stellungnahme zu den Anschuldigen Ennio Morricones gibt, erklärte ein Playboy-Sprecher: „Wir wundern uns, dass Komponist Ennio Morricone bestreitet, dem deutschen Playboy ein Interview gegeben zu haben. Tatsächlich hat das Gespräch am 30. Juni 2018 in seinem Anwesen in Rom stattgefunden. Das Interview war über den Konzertveranstalter Semmel Concerts, der ebenfalls bei dem Gespräch anwesend war, für den deutschen Playboy vereinbart. Ähnlich irritiert sind wir darüber, dass Teile der veröffentlichten Aussagen so nicht getroffen worden sein sollen.“

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Alle Kommentare

  1. Bei Alzheimer im Frühstadium hat man bereits sehr erfolgreich Hirnschrittmacher eingesetzt, damit kann man kognitive, Verhaltens- und funktionale Defizite abbauen. Siehe Scahili, E., (2013), Pressemitteilung des Wexner Medical Centers.

  2. Wahrscheinlich konnten die Herrschaften nur kein Italienisch. Heute ist doch jeder in Experte, der “Wiki” tippen kann…Das ist so ähnlich wie bei vorderasiatischen Autoschraubern…

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