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Trotz Visit-Zuwachs von 25 Prozent: eBay-Tochter Mobile.de kündigt kompletter Motor-Talk-Redaktion

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Mit Motor-Talk.de hat sich die eBay-Tochter Mobile.de 2015 eine der größten Auto-Communities Deutschlands einverleibt, dessen Redaktionsteam die Plattform auch redaktionell zur drittgrößten Digitalmarke im Autosegment gemacht hat – Anfang dieser Woche erhielten die Journalisten ihre Kündigung. Man wolle sich zukünftig auf Mobile.de konzentrieren, lautet es offiziell. Wie genau, das werde aber erst noch entschieden.

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Für die Redaktion von Motor-Talk.de gibt es eigentlich Grund zu feiern. Ihre Plattform wächst. Rund 25 Prozent hat das Portal im Vergleich zum Vorjahr an Visits zugelegt – der Großteil fällt dabei zwar auf das von Nutzern bestückte Forum, doch der von der Redaktion gesteuerte Magazin-Teil, der seit 2012 hinzugekommen war, nimmt stetig zu. 26 Prozent des Traffics entfielen im Oktober dieses Jahres laut IVW auf den redaktionellen Bereich (Vorjahr: 18%). Intern brüstet man sich, nach AutoBild und AutoMotorSport die drittgrößte Plattform rund um Autojournalismus zu sein. Und doch zeigt die Mutterplattform Mobile.de nun in Richtung Ausfahrt. Der Rennstall wird zwar nicht dicht gemacht, die Boxencrew aber braucht man nicht mehr.

Etwa sieben bis acht Redakteure – das komplette Team – sollen betroffen sein, Anfang dieser Woche haben sie ihre betriebsbedingten Kündigung erhalten. Mobile.de, nach AutoScout Deutschlands größte Plattform für den Kauf- und Verkauf von Gebrauchtwagen, wolle sich auf sein “Kerngeschäft” konzentrieren, soll es intern geheißen haben.

Offiziell wird das bestätigt, klingt aber anders: “Im kommenden Jahr möchten wir unsere Relevanz entlang der gesamten Customer Journey weiter ausbauen”, erklärt das Unternehmen auf Anfrage von MEEDIA, “und werden dafür noch stärker in mobile.de, Motor-Verkauf und unser Finanzierungsgeschäft investieren.” Die eBay-Tochter will also daran arbeiten, den Dienstleistungsbereich auszubauen, nicht nur Marktplatz, sondern auch Finanzierungspartner des Kunden zu werden. Damit hält die Plattform bei der allgemeinen Marktentwicklung durchaus mit. Nicht nur im Autosegment, sondern auch bei Immobilien, Reisen, im Einzelhandel versuchen Handelsplattformen möglichst ein Rundumsorglospaket für den Kunden zu schnüren – und damit auch seine Erlösmodelle auszubauen. Mit Inhalten lassen sich – in diesem Segment – zumindest direkt eher keine Umsätze erzielen.

Der Abbau der Redaktion wirkt dabei dennoch zumindest auf den ersten Blick eher ungewöhnlich. Viele Marktplätze und Vergleichsportale haben den Nutzen redaktioneller Inhalte längst erkannt. Ob Immobilien- oder Jobportale: redaktionelle Begleitung betrachten die Anbieter mit Service- und Informationscharakter. In manchen Konzernen heißen die Geschäftsfelder der Rubrikenmärkte “Classifieds Media” – Rubrikenmärkte in Verknüpfung mit Inhalt.

Gewisse Synergien hatte auch Mobile.de bereits genutzt – die Motor-Talk-Redaktion war – wenn auch verhältnismäßig gering – mit Auto-News, Fahrberichten und Tests auch Mobile.de präsent. Mit dem “Motortalk” gibt es einen extra produzierten Video-Podcast. Das könnte es bei Mobile.de auch zukünftig weiter geben, an Inhalten zumindest wolle man festhalten. “Content zum Autokauf werden wir ab dem kommenden Jahr primär unter der Marke mobile.de anbieten und nicht mehr über Motor-Talk News”, heißt es. “Wir möchten unsere Nutzer so noch besser erreichen und zugleich zusätzliche Kraft in unseren neuen Geschäftsfeldern entfalten.” Weshalb die Redaktion dafür nicht einfach anders eingesetzt wird? Unklar. Klar hingegen ist: Dafür braucht es nicht unbedingt eine Vollredaktion, oft reichen freie Journalisten oder Dienstleister. Ein Konzept soll noch erarbeitet werden. Das wird Aufgabe des weiterhin beschäftigten Motor-Talk-Chefredakteurs Timo Friedmann sein.

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Über die Schritte hat Motor-Talk seine eigene Community in dieser Woche informiert. In den tiefen der Seite versteckt heißt es in einem Blogeintrag, der Ausbau des Magazins sei ein “spannendes Experiment und eine aufregende Reise” gewesen. “Ab 2019 werden wir uns wieder komplett auf die Motor-Talk Community konzentrieren, um Euch die Plattform zu geben, auf der Motor-Talker Lösungen finden und diskutieren.”

 

 

 

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Alle Kommentare

  1. Totalentlassung, Erfolg ganz egal, und dann dieses widerliche Investorengesabbel. Ekelhaft. Warum steht hier eigentlich kein einziger Name der für diese Entscheidung Verantwortlichen, sonst sind sie doch in jeder Jubelmeldung alle persönlich am Start?

    Man kann gar nicht so viel Motoröl saufen, wie man kotzen möchte.

  2. Ist man den Extremisten in der Bundesregierung mit ihrem Kampf gegen die individuelle Mobilität entgegengekommen? Wo bleibt der übliche Aufschrei vom Angriff auf die Pressefreiheit von Überall, DJV und Konsorten?

  3. Kündigung kurz zu Weihnachten – extra unschön. So unschön wie die Zahlen. Kurzer Blick auf die IVW-Zahlen: 1,3 Millionen Visits (redaktionell) im Monat (09/18), für ca. 7 Redakteure (= 7 FTE?) – das kann ja nicht klappen. Von den o.a. red. Visits kommen offenbar 0,5 Millionen von der Home – also auch von Nutzern, die nur das Forum / UGC wollen.

    Konstantes Visit-Wachstum (wichtig für wirtschaftliche Perspektive) des red. Teils sehe ich nicht, wenn ich die letzten Monate durchklicke – sondern nur Schwankungen. So jubelig wie im Artikel dargestellt scheint mir die Entwicklung nicht.

    http://ausweisung.ivw-online.de/index.php?i=1161&a=o66943

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