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Verlegerin stellt Bauer Media Group auf vier Säulen und kündigt Rückzug aus schwierigen Auslandsmärkten an

Verlegerin Yvonne Bauer, interne Strategie-Präsentation für Führungskräfte: ” Evaluieren Handlungsoptionen, die auch zu einem strategischen Rückzug führen können”
Verlegerin Yvonne Bauer, interne Strategie-Präsentation für Führungskräfte: " Evaluieren Handlungsoptionen, die auch zu einem strategischen Rückzug führen können"

Die Verlegerin Yvonne Bauer richtet das familieneigene Verlagshaus global neu aus. Künftig soll das international agierende Medienunternehmen auf vier Säulen ruhen: Publishing, Radio, Vergleichsplattformen und einem neuen Geschäftsfeld, das noch nicht benannt wurde. Auf Märkten, wo Bauer dauerhaft keine Marktführerschaft in Aussicht hat, will sich die Unternehmerin dagegen konsequent zurückziehen.

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Bunte Charts, multimedial animierte Organigramme  – optisch reizvoll aufbereitet wirkt die Präsentation, die Verlegerin Yvonne Bauer für ein Meeting von 60 Top-Führungskräften der Bauer Media Group erstellen ließ. Erstmals macht die Verlegerin hier den neuen Kurs des familieneigenen Medienunternehmens intern publik. Danach will die Firmenchefin das Unternehmen global auf vier Säulen ausrichten: Publishing, Radio, Vergleichsplattformen und einem neuen Geschäftsfeld, das im Unternehmen bislang noch nicht kommuniziert worden ist.

Geplant ist auch, das Auslandsgeschäft neu auszurichten. So will die Verlegerin nur noch in Segmenten agieren, wo das viel verzweigte Verlagshaus die Marktführerschaft erreichen kann. „Es ist die Strategie der Bauer Media Group, sich auf Märkte und Teilmärkte zu fokussieren, in denen das Unternehmen entweder eine führende Stellung hat oder diese erreichen kann. Dies umfasst Akquisitionen, Launches neuer Titel und Produkte sowie den Ausbau und die Entwicklung von Geschäftsideen rund um unsere starken Marken“, erklärt eine Bauer-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Sollte der Verlag dies nicht umsetzen, macht Yvonne Bauer tabula rasa und stellt die Aktivitäten zur Disposition. „In Märkten und Teilmärkten, in denen eine Marktführerschaft nicht möglich ist, evaluieren wir Handlungsoptionen, die unter Umständen auch zu einem strategischen Rückzug führen können“, so die Firmensprecherin.

Nach diesem Grundsatz trennte sich Yvonne Bauer vom Publishing-Geschäft in Tschechien und Slowakei. Fast unbemerkt der Öffentlichkeit verkaufte die Konzernherrin deshalb den Bereich vor wenigen Tagen an den Mafra-Verlag aus Prag. Dahinter steht ein Treuhandfonds, der dem tschechischen Ministerpräsidenten und Gründer der populistischen Partei ANO, Andrej Babis, gehört. An den Radioaktivitäten hält sie hier hingegen fest. Tschechien und die Slowakei sind nicht die einzigen Länder, in der sie Geschäfte loseiste. Auch in Spanien hatte sie das Verlagsgeschäft um diverse Kindertitel an den Konkurrenten Hubert Burda abgegeben.

Mit dem Teil-Rückzug aus diversen Auslandsmärkten folgt Bauer auf seine Weise der Strategie des Konkurrenten Gruner + Jahr. Jahrzehntelang hatte das zu Bertelsmann gehörende Medienhaus weltweit expandiert. Doch mit der wachsenden Digitalisierung und Wachstumsschwächen in vielen europäischen Ländern stellte Gruner + Jahr die internationale Expansion auf den Prüfstand. Bis auf Frankreich zog sich der Verlag daher weitgehend aus dem Geschäft jenseits von Deutschland zurück. Und das mit Kalkül: Gruner + Jahr nutzte den Strategiewechsel, um neben dem Ausbau des inländischen Printgeschäfts die bis dato schwächelnden Digitalaktivitäten voranzutreiben. Das hat zwar auch Yvonne Bauer vor. Anders als die Konkurrenz will die Verlegerin im eigenen Land offenbar nicht massiv in digitale journalistische Produkte investieren. Sie hat vielmehr ganz neue Wachstumsfelder im Blick, die sie langfristig für vielversprechender hält.

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Dazu zählen vor allem digitale Vergleichsplattformen – auf neudeutsch: Online Comparison Platforms (OCP). Hier hatte Bauer erst jüngst seinen Anteil an der Netbrokers Holding weiter erhöht und hält die Gesellschaft jetzt komplett. Bauer war erst vor zwei Jahren bei dem hierzulande weitgehend unerkannten Webunternehmen eingestiegen, das Vergleichsplattformen unter anderem für Versicherungen sowie Finanz- und Telekommunikation-Dienstleistungen betreibt. Mit dem jetzigen Schritt baut das Hamburger Verlagshaus das Geschäft weiter aus und ist im OCP-Segment auf den Märkten Polen, Finnland, Norwegen und Schweden aktiv. Gerüchte, wonach Netbrokers auch in Deutschland Fuss fassen könnte, weist eine Bauer-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage zurück. Grund ist offenbar, dass hier der deutsche Markt weitgehend verteilt ist. Ob Check24 oder Verivox – Bauer müsste erhebliche Geldmittel investieren, um Netbrockers bundesweit bekannt zu machen. Das scheut die Unternehmerin offenbar.

Ein weiteres strategisches Wachstumsfeld ist der Bereich „New Business“. Welche Aktivitäten Yvonne Bauer hier entwickeln will, ist bislang geheime Verschlusssache und nur wenigen Eingeweihten bekannt. Eine Bauer-Sprecherin erklärt auf MEEDIA-Anfrage, dass es hierzu keine Informationen gebe. Ob es sich hier auch um ein medienfernes Geschäft handelt? Auch das kann sie nicht ausschließen.

Dass Bauer einen neuen Kurs einschlägt, ist verständlich. Das Wachstum des traditionsreichen Zeitschriftenhauses stagniert weitgehend. 2016 hatte der Konzern einen weltweiten Umsatz von 2,24 Milliarden Euro erzielt, das waren 2,4 Prozent weniger als 2015. Als Gründe für das Minus führte der Verlag damals Wechselkurseffekte sowie eine reduzierte Beteiligung in Russland an. Doch auch in den Folgejahren 2017 und 2018 erwartet das Medienhaus, dass der Konzernumsatz nur durch Zukäufe gehalten werden kann. „Insgesamt plant die Bauer Media Group in 2017 und 2018 unter Berücksichtigung der realisierten und beabsichtigten Neuakquisitionen mit Umsatzerlösen und operativen Ergebnissen weltweit auf Vorjahresniveau“, ging im Februar aus einer Veröffentlichung im Bundesanzeiger hervor.

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