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WDR als “ganovenhafter Arbeitgeber” – Medienprofessor rechnet mit dem System Scheinselbstständigkeit im öffentlichen Rundfunk ab

Medienprofessor Hektor Haarkötter kritisiert den WDR für den Umgang mit freien Mitarbeitern
Medienprofessor Hektor Haarkötter kritisiert den WDR für den Umgang mit freien Mitarbeitern

Hektor Haarkötter ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, früher hat er als freier Mitarbeiter für den WDR gearbeitet. Für die Fachpublikation Medienkorrespondenz hat er nun seine Erfahrungen als Freier beim WDR niedergeschrieben und kommt zu einem vernichtenden Urteil: Journalistische Kompetenz spiele für eine Karriere im öffentlichen Rundfunk keine Rolle. Vor allem prangert Haarkötter eine systematische Ausbeutung von freien Mitarbeitern an.

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Die Medienbranche habe über Jahre ein Beschäftigungssystem etabliert, das weitgehend auf die freie Mitarbeit williger Journalisten setze, so Haarkötter in seinem Beitrag für die Medienkorrespondenz. “Frei” bedeute hier aber vor allem, das diese Mitarbeiter nicht die gleichen Schutzrechte wie ihre festangestellten Kollegen besitzen würden und in “deutlich höherer Abhängigkeit vom Auftraggeber bzw. Arbeitgeber” stehen.

In vielen Programmbereichen des WDR würden über 90 Prozent des Programms von freien Mitarbeitern erstellt, so der Medienprofessor. Nur wenn eine Tätigkeit mit Prestige oder Vergnügen verbunden sei, seien festangestellte Redakteure bereit, journalistisch tätig zu werden. Haarkötter nennt hier attraktive Auslandsreisen, Korrespondententätigkeiten oder Aufsager für die “Tagesschau”: “Weil das die hausinterne und die öffentliche Reputation erhöht – die man dann zum Beispiel auch nutzen kann, um mit gutdotierten Moderatorenjobs in der freien Wirtschaft sein Tarifgehalt aufzubessern.”

Haarkötter nimmt Bezug auf den Bericht von Monika Wulf-Mathies, die Vorfälle sexueller Belästigung im WDR untersucht hat und dabei ein Machtgefälle im Sender konstatierte. Während im Wulf-Mathies-Bericht der Fokus auf sexueller Belästigung und der dahingehenden Ausnutzung eines Machtgefälles liegt, betont Haarkötter, das generelle Machtgefälle zwischen Freien und Festangestellten im öffentlich-rechtlichen System. Journalistische Kompetenz sei fast ausschließlich bei den freien Mitarbeiter zu finden von denen nahezu niemand Karriere im WDR mache. Freie dürften zudem in der Regel nicht an Redaktionskonferenzen teilnehmen und hätten auch keine adäquaten Arbeitsplätze im Sender, um Klagen auf Festanstellung zu vermeiden.

Haarkötter schreibt:

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Es wundert einen, dass Wulf-Mathies in ihrem Abschlussbericht formuliert, es herrsche beim WDR „eine generelle Tendenz, bei der Vergabe von Aufstiegspositionen, Beförderungen und Führungsfunktionen das Hauptgewicht auf die journalistischen Fähigkeiten zu legen“. Das Gegenteil ist der Fall, journalistische Kompetenz spielt für eine Karriere in der öffentlich-rechtlichen Hierarchie des WDR nahezu keine Rolle.

WDR-Redakteure können laut Haarkötter “ziemlich willkürlich und nach Belieben” Bekannte, Verwandte oder Nachbarn als freie Mitarbeiter beschäftigen. Dass eine freie Mitarbeiterschaft eigentlich nach zwei Jahren laut Gesetz in ein festes Arbeitsverhältnis überführt werden muss, würde vom Sender mit Hilfe einer so genannten “Prognoseregelung” unterlaufen. Demnach müssten freie Mitarbeiter garantieren, höchstens acht bis zehn Tage im Monat für den Sender zu arbeiten. Maßgeblich dafür seien allerdings so genannte “Prognosetage”, die eine rein rechnerische Größe darstellten und die bis zu drei “Tätigkeitstage” enthalten könnten. Freie Mitarbeiter könnten so “in einem einzigen Kalendermonat 30 Tage arbeiten, also deutlich mehr, als das Arbeitszeitschutzgesetz für ‘normale’ Arbeitnehmer vorsieht – und viele der Freien tun das auch.”

Haarkötter schreibt, dass unter den Freien in der damaligen Wirtschaftsredaktion des WDR-Fernsehbereichs, in der er u.a. tätig war, gewitzelt wurde, wie es wohl wäre, wenn die Maßstäbe, die in kritischen Berichten für die Magazine „Markt“ (WDR Fernsehen) oder „Plusminus“ (ARD) an andere Wirtschaftsunternehmen angelegt werden, auch auf den WDR angewendet würden. “Der WDR wäre in einem solchen Beitrag denkbar schlecht weggekommen, als ganovenhafter Arbeitgeber, der seine wichtigsten Mitarbeiter in einem perfiden Zwangssystem beschäftigt, das grundlegende Arbeitnehmerrechte verwehrt”, so Haarkötter.

Am Ende seines Beitrags fordert der Professor, dass “das System flächendeckender scheinselbständiger freier Mitarbeiterschaft der eigenen programmprägenden Journalisten” beendet und freie Mitarbeiter in feste Anstellungsverhältnisse überführt werden müssten. Dabei kritisiert er auch die KEF (kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs): “Eine KEF, die hierfür nicht die nötigen Mittel zur Verfügung stellen will, hat vom wirklichen Finanzbedarf der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nichts verstanden und leistet weiterem Missbrauch Vorschub.”

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Alle Kommentare

  1. Ich finde den Titel etwas problematisch. Ich “rechne” nicht mit dem WDR ab, da ich gar keine Rechnung mit ihm offen habe, sondern ich benenne die arbeitnehmerischen Realitäten.

      1. Schreiben Sie grundsätzlich ohne Hirn, Herr/Frau/Dingsda IrishTV? Wenn eine Frage nach Kleidungsstücken das Brennendste auf Ihren Nägeln ist und das Beste, was Ihnen einfällt, dann verschonen Sie doch bitte die Medienfachleserinnen und -leser mit Ihren Äußerungen. Danke.

      2. Lieber Mittagspausen-Leser,

        ich finde diesen Mützen-Style sehr schön exzentrisch.

        “Medienfachleut*innen” beglücken mich schon seit Jahrzehnten mit zahllosen Artikeln über die Frisuren (Merkel, Trump) oder den Kleidungsstil (Lindner, Gauland) von Politikern, wieso sollte es einem Medienprofessor da anders ergehen?

      3. Lieber “IrishCoffee”!

        Die Kopfbedeckung (nicht nur ein Forenname)kann auch Ausdruck einer politischen Gesinnung sein, sie dient nicht nur zum Schutz oder als Volkstracht.
        Ich habe zb eine Kochmütze, ebenso ein im Hauswirtschaftsunterricht vor fast einem Jahrhundert von mir selbst und persönlich genähtes Kochkopftuch und für alle Fälle eben eine Kochhaube. Raten Sie mal warum? Außerdem trage ich wie schon oft erwähnt Schnabelschuhe.

        Schockiert hat mich dieser Artikel allemal, da mich schon allein die Schlagzeile “WDR”, “ganovenhafter Arbeitgeber”, fassungslos gemacht hat.
        Ich werde nun die Beiträge der anderen ebenso ehrenwerten Foristinnen und Foristen lesen, und mir dann nach Möglichkeit eine Meinung bilden.
        Grüße

    1. Sie haben in allem Recht Prof. Haarkötter. Wer hier behauptet, das sei nicht wahr, hat nur eine Absicht: Weiter verschleiern und alles tun, damit keine größeren Kontrollen bei allen öffentlich-rechtlichen Sendern stattfinden und endlich Tabula Rasa gemacht wird. Kontrollen durch die KEF betreffen “nur” das Geld, sonst nichts. Was die Sender für die Kohle (das Geld der Bürger) machen, entscheiden sie hochherrschaftlich und in abgeschotteten “Hierarchien”, in denen es auch 2018 wie zu Kaisers-Zeiten zugeht, selbst. Es gibt viele untergeordnete Frauen, auch sogenannte “leitende”.. aber ganz oben bestimmen fast nur Männer (Intendanten, Programmdirektoren) und Chefredakteure über das, was “das Volk” zu sehen bekommt. Die Kompetenz dieser Leute kann man sehr gut in Frage stellen. Viele starten als “Volontäre” und landen in Berufen, die sie nachweislich nie gelernt haben (Mitarbeiterführung ist katastrophal.. alles kleine Könige die nur mit anderen kleinen Königen sprechen, die dann “durchführen” und weitergeben an den “kleinen Redakteur”.. usw. Dazu eine der wichtigsten Verschleierungs-Taktik der ÖR: Wie viele unkontrollierte Tochterfirmen wollen sie noch öffnen, denen sie Millionenaufträge zuschanzen. Was Network Movie vom ehemaligen Chef und späteren Machthaber über Fernsehfilme zugeschanzt bekommen hat, ist eine unkontrollierte Unverschämtheit allerersten Ranges. Dazu die vielen Buddys und Entscheidungen, die dem persönlichen Geschmack oder den Freundschaften dieser wenigen “Entscheider” (Studie ARD/ZDF) entsprechen, denen sie das Geld gerne in den Rachen werfen um “Preise” einzuheimsen. Deutlich erkennbar im Fictionbereich, wo aber die “kleinen Entscheider” oder Einzelpersonen im Versuch (oder in ihrer Angst) “korrekt” zu arbeiten tatsächlich und nachweislich Berufsverbote aussprechen während ihre Chefs …siehe oben. Gleichzeitig – als ein Beispiel unter vielen – überprüfen sie die pesönlichen Intentionen der von ihnen eingekauften und der internen Caster-und-Casterinnen überhaupt nicht. Ein besonderes Beispiel ist eine Casterin die Dozentin ist und ihre Schauspielschüler castet während die bereits Ausgebildeten im “geschlossenen Markt”, den der ÖR verschuldet!! keine Arbeit finden (ARD/ZDF-Studie und Info der freien Produzenten, die keine Buddys sind, so sie sich bei diesem Kartell/Monopol ARD/ZDF überhaupt äussern). Der ganze “Rest” der Schweinereien – z.B. die ständigen Krimis, dass 90 % der Filme und Serien aus Männer-Sicht erzählt und mit 85 % Männern besetzt werden – kann sich jede/r jeden Tag anschauen und nachlesen. Wer Drehstart- oder Sendestart-Informationen aufmerksam liest, kann es unzweifelhaft sehen. Es ist eine Unverfrorenheit aller dieser ÖR-Mitarbeiter – egal in welcher Position – dass sie diese Vorwürfe aus den eigenen Studien weder beenden noch dass es sie interessiert. Wenn diese Sender mit ihrem “edlen Rundfunkstaatsvertrag voll mit schönen Worten”, sich erlauben, “investigativ” gegen alle anderen vorzugehen (sic!!!) aber ihre eigenen Schweinereien – bis zu Berufsverboten, Kürzungen bei Freien, um Vorgesetzten zu gefallen u.v.a. – zu verschleiern, nicht zu erkennen oder für selbstverständlich zu halten, muss die Politik oder wer auch immer vehement sanktionieren und vorgehen. Dazu gehört auch, dass diese Aufsichtsgremien – offensichtlich ebenfalls Männer-orientiert – diese unsäglichen ARD/ZDF-Studienergebnisse wie “massive Frauendiskriminierung” b e e n d e n. Stattdessen haben sie eine Hotline für “sexuellen Bla…” eingerichtet, bei der sich die zahlenden ÖR bereits wieder durchgesetzt haben. NUR “sexuelle Übergriffe”. Wie bitte? Und der Machtmißbrauch allenthalten? Über den darf man sich dort nicht “beschweren”… Das ist der nächste Supergau, den Aufsichtsgremien und Politiker “durchgewunken” haben. Wie gut, dass Herr Haarkötter aus Sicht der Freien über “ganovenhafte Arbeitgeber” berichtet und damit die ganze Wahrheit in eine Bezeichnung bringt. Generell ganovenhaft! – egal ob Redakteure, Produzenten, SchauspielerINNEN und viele weitere betroffen sind.

  2. Da spricht offenbar jemand, der gerne fester Redakteur geworden wäre bei WDR – in der Tat eine sichere Sache. Aber Freien wird auch nicht versprochen, dass sie ewig bei einem Sender beschäftigt werden können. Das ist ein Geben und Nehmen. Denn viele Freie, gerade beim WDR, verdienen überdurchschnittlich gut und mehr als viele festangestellte Redakteure. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und von Ausbeutung kann nur die Rede sein, wenn man nicht anständig honoriert oder droht.
    Viele Freie WOLLEN ja sogar mehr arbeiten, um NOCH mehr zu verdienen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber Freie im WDR werden im Grundsatz satt!! Dass man sich als Freier spezialisiert und irgendwann mehr Expertenwissen aneignet als der abnehmende Redakteur, ist völlig normal. Das geschieht jedoch häufig durch das Zurverfügungstellen von Quellen und Infrastrukturen, die eben auch der WDR bietet. Der Redakteur redigiert, prüft aus Plausibilität, hinterfragt Quellen im besten Sinne. Sicher gibt es im WDR schwarze und faule Schafe, wie überall. Hier jedoch alle über einen Kamm zu scheren, ist boshaft und muss andere Gründe haben.

    1. @L.Lindemann und Leser

      Ihre idealisierte Darstellung trifft vlielleicht noch bis Anfang der 90er Jahre zu, als Freie für ihre Leistungen tats. noch gut bezaht wurden und fachliche Qualifizierung gewünscht und sogar für die Freien gefördert wurden. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Das Idealbild der Redakteure und des Senders welches Sie hier zeichnen, ist scheinbar kenntnisgeprägt, aber leider von vorvorgestern!
      Tatsache ist vielmehr, dass heute die journalistische Qualifiktation zahlreicher festangestellter Redakteure oft nicht einmal ausreicht um Themen und fundierte Recherchen ansatzweise zu erfassen und zu prüfen, dafür stehen strategische Karriereplanungen auch ohne journalistische Qualifikation und Eitelkeiten an erster Stelle.
      Im Haus produzierter hintergründiger Qualitätsjournalismus für die Bereiche Feature und Magazin ist – bis auf wenige Ausnahmen – auch aus Kostengründen kaum noch gefragt und wird extern eingekauft. Das Thema zu kompliziert, der Unterhaltungsapsekt zu gering, zu anspruchsvoll für unsere Zuschauer, oder den (prominenten) Namen nennen wir nicht, weil Ärger und zusätzliche Arbeit unerwünscht sind. Diese beispielhaften Argumente begneten mir nicht ausnahmsweise, sondern wurden im Laufe der Jahre zunehmend Teil der Auseinanndersetzungen in meiner täglichen Arbeit für den WDR. Auch die gezielte Einflußnahme auf die Berichterstattung ist belegbar.

      An Herrn Haarkötters Darstellung ist nichts boshaftes und er beschreibt auch keine negativen Ausnahmen, vielmehr eine wahre und weitgehend allgemeingültige Situation, die ich aus eigener Erfahrung bestätige.
      28 Jahre war ich als fester freier §-Fachjournalist für den WDR tätig, bis das Maß voll war – an Ausbeutung, Einflußnahme auf die Berichterstattung, sowie Erfahrungen und Beobachtungen des Machtmissbrauchs.
      Meine Entscheidung nach mehr als einem halben Berufsleben, dem WDR nicht mehr als “FREIER” zur Verfügung zu stehen, ist eine Befreiung – für die Selbstachtung und den intellektuellen Geist.

      Mit besten Grßen!

    2. L.Lindemann… Woher haben Sie Ihre “Wahrheiten”? Weil sie angestellter Redakteur sind oder mit welchem Knowhow agieren Sie hier gegen wen? Unerträglich, wenn man nicht das Ganze kennt und plappert, die Freien bekämen mehr.. Bekommen die danach mit 65 über Jahrzehnte satte Pensionen, weil mancher Redakteur über 9000 Euro verdient hat?? Wovon reden Sie? Ich kenne Freiberufler, die von ARD/ZDF seit 15 Jahren keine Erhöhung bekommen haben trotz höherer Anforderungen, die sie von ihren kleinen Redakteuren weitergeben lassen ohne dass irgendwo eine kompetente Beschwerde- oder Gesprächsmöglichkeit eingerichtet ist. Diese “kleine Redakteure” – oft Frauen geben nur weiter… es tut ihnen leid… und der Vorgesetzte bis zum Intendanten reiben sich die Hände, weil sie ja den Auftrag haben, zu sparen. Natürlich nicht bei ihnen… da muss die jährliche Erhöhung schon kommen. Bei den Buddies der “wenigen Entscheider” wird auch erhöht.. alljährlich fette Beute… Hej was soll das? Worüber reden Sie? Haben Sie schon mal das Desaster im Umgang mit Schauspielern gesehen? Diese Sender erdreisten sich, ihren “Stars” – natürlich immer dieselben – Millionen in den Rachen zu werfen und alle anderen, ohne die sie auch keine Filme machen könnten, abzuzocken bis zur Schmerzgrenze. Vor allem Frauen, weil sie – ein Witz! – “weniger arbeiten” als die Männer. Dabei verursachen die das selbst… beauftragen ständig Filme mit bis zu 85 % Männern (alle Historienfilme, alle Krimis, alle Serien…) und zocken dann insbesondere Frauen in unverschämtester Weise ab…haben auch keine älteren Rollen für sie… während dann alte Männer in Stubbe, Matula, Rentnercops und unfassbaren weiteren Krimis (Zürich, Amsterdam, Prag, Bozen, TelAviv, Kroatien, Istanbul, Split, Nordwest, Wolfsland..das ZDF hat noch mehr zu bieten) zuhauf auch noch “eigene Reihen” bekommen. Das werther Schreiber sind MILLIONEN, wenn Sie verstehen, was ich meine! Wenn das kein “ganovenhafter Arbeitgeber” ist, wer oder was ist es dann? Oder zählt Frauen abzocken, Frauen raushalten, Frauen Mistrollen geben, Frauen als Geschmackssache besetzen… keine “Ganovenhaftigkeit”? Weil ja auch “die Politik” nichts dagegen unternimmt – im Gegenteil! Gleichberechtigung zwar im GG aber in Wahrheit? Beim ÖR jedenfalls ist das Absicht, sonst wäre seit der Studie irgendetwas passiert. Wenn ARD und ZDF sich erdreisten, “in der “Wirtschaft” all das aufzudecken und gleichzeitig viel schlimmere Verfehlungen begehen… was ist das dann eigentlich? Ist das “der verfassungsrechtlich vorgegebene Auftrag, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten (also Frauen massiv zu diskriminieren) und so zu einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen”??? Aha… damit ist aus Sicht der Sender wohl der Schutz des Männer-Patriarchats vor den gesetzlichen Rechten der Frauen gemeint oder so?! Und die Bedeutung des ÖR bzw. die beschriebene “Aufgabe und Funktion des ÖR” – für das diese Lachnummer ARD/ZDF 9 Milliarden Euro bekommt und das auch noch von 1,4 Millionen Frauen mehr als Männern – zeigen ARD und ZDF damit, dass sie stereotype Frauenbilder in ihren Filmen/Serien aufrecht erhalten und Frauen trotz Studie noch weniger beschäftigen. Das dürfen die und Politik labert nur! Da kann man nur Ex-Verfassungsrichter Papier zitieren: Wer solche Zustände im staatlichen System nicht umgehend beendet, ist mit Schuld am “Verfall des Rechtsstaats”. Wer braucht dann noch einen ÖR der den hohen Ansprüchen eines “Rundfunkstaatsvertrages” in keiner Weise genügt?

  3. Die beschriebenen Zustände sind schon länger bekannt. Es bestehen jedoch ganz offensichtlich keine Bestrebungen daran etwas zu ändern. Diese prekären Verhältnisse sind schließlich (auch) ein Mittel die “Freien” gefügig zu halten…und widerspricht damit dem Anspruch der öR auf unabhängigen Journalismus bzw. Berichterstattung.

    Herr Prof. Haarkötter, was wollen Sie sagen mit:
    “Eine KEF, die hierfür nicht die nötigen Mittel zur Verfügung stellen will, hat vom wirklichen Finanzbedarf der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nichts verstanden und leistet weiterem Missbrauch Vorschub.”
    Nicht ausreichend Finanzmittel vorhanden? Mit mehr als jährlich 8 Milliarden Euro, aus den aus dem per Zwang eingetriebenen sogenannten “Rundfunkbeitrag”, zuzüglich ca. 500 Millionen Euro aus Werbeeinnahmen, stehen mehr als genügend Finanzmittel bereit! Doch diese Mittel kommen nicht dort an wo sie für einen unabhängigen Journalismus gebraucht werden. Stattdessen werden astronomische Summen durch Fussballrechte, Tatorte und auch Luxusrenten, beim ZDF ca. 2050 €/Monat – zusätzlich zur gesetzlichen Rente, etc. verbrannt.

    1. Fred Freund sagt:
      05.11.2018 um 14:28 Uhr

      Stattdessen werden astronomische Summen durch Fussballrechte, Tatorte und auch Luxusrenten, beim ZDF ca. 2050 €/Monat – zusätzlich zur gesetzlichen Rente, etc. verbrannt.

      Das ist aber alles legal! Für Tatorte werden keine astronomischen Summen verbrannt. Das ist Fließbandarbeit, weil für neue Filmproduktionen – außer diese vielen, vielen Krimiserien – kein Geld vorhanden ist. Rechnen Sie doch selber aus: 34 – 41 % der GEZ Einnahmen verbrauchen die Pensionsrückstellen, weitere 40 % die echten Personalkosten. Den Rest teilen sich Fussballlizenen, und im einstelligen Prozentbereich die Kosten für neue Technikanschaffungen, Versicherungen, Produktionskosten für Krimis, Prozesskosten (der WDR ist sehr Klagewütig gegen alles und jeden). Eigentlich müßte der GEZ Beitrag auf 59,99 €/Monat erhöht werden.

  4. Ein solches Machtgefälle, wie es Monika Wulf-Mathies konstatiert hat, herrscht ebenso in allen anderen ARD-Anstalten. Der Grund, warum dies so gut wie nie öffentlich zur Sprache kommt, liegt in der Angst der Freien begründet, die jederzeit auf Nimmerwiedersehen aus dem Dienstplan gestrichen werden können. In einer solchen Atmosphäre kommt es logischerweise auch zu harten Machtkämpfen untereinander und zu gegenseitiger Denunziaition. Warum sollten die Sendeanstalten an den Arbeitsbedingungen etwas ändern? Es läuft ja hervorragend.

  5. Der WDR kritisiert andere Unternehmen heftig, die “Freie” zwar beschäftigen, aber nicht übernehmen. Er macht es aber selbst so. Wieder einmal: Wein saufen und Wasser predigen.

  6. Mimimi, die Welt ist so gemein…. Vielleicht hat der Autor keinen Direktoren-Posten beim WDR angeboten bekommen? Dieser Beitrag ist ein extrem gutes Beispiel für die typisch deutsche Eigenheit, Selbstständigkeit als permanente Gefahr, aber nie als Chance zu sehen. Ich habe nie mehr journalistische Freiheit plus sehr guter Bezahlung erlebt als in der Zeit als kleiner freier Mitarbeiter beim NDR. Wer etwas anderes will kann sich ja beim Stadtarchiv bewerben.

    1. Was Du hier schreibst bedeutet, Du nimmst die Leute nicht ernst und verzapfst Deine privaten Erlebnisse. Was soll das? Da hat jemand Dinge erfahren – in einem gebührenfinanzierten !(!) Sender, den Gehälter und Pensionen zahlt, davon kann JEDER normale Selbstständige nur träumen. Und damit haben sie – wie Buhrow selbst bestätigt – sich erdreistet, Gepflogenheiten, Hierarchien und Hybris aufgebaut, die ganovenhaft sind. Und darunter leiden NUR selbstständige und abhängige… Da lässt sich noch viel erzählen, wenn die Leute mal in die Gelegenheit kommen, nicht mehr abhängig von diesem Monopol bzw. Kartell zu sein. Der Dank für die Kreativen ist: Sie haben einen geschlossenen Markt geschaffen. Jährlich wird ausgebildet – an steuerfinanzierten “Hochschulen” und an privaten – und der einzige Spieler für die Ausgebildeten ist der ÖR… Lustig was? Mit unseren eigenen Geldern finanzieren wir so etwas? Mal abwarten was die Plattformen bringen. Die Milliarden-ÖR versuchen gerade, mit Geld Platz zu finden… wie sie auch alle Europäer ständig einladen, hier Platz zu nehmen…Schauspieler, Regisseure, Firmensitze aus ganz Europa.. während die hier ausgebildeten zu 80 % und vor allem Frauen (Regie, Schauspielerinnen usw.) keinen Platz finden und der Staat= WIR deren Studium vollkommen für umme finanziert. Und das ist nur ein Spitzchen des Eisbergs.

  7. Dass der WDR im Glashaus sitzt und ständig mit Steinen wirft, dürfte niemanden überraschen.
    Moralisch völlig verkommen.
    Staatsfunk eben.

    1. Guten Tag,
      das hat mit Staatsfunk nichts zu tun.
      Sondern mit Machtgefälle, Privilegien und Abhängigkeiten.

      Bei Privatsendern ist es noch viel schlimmer, RTL z.B. hat sein Unternehmen in dermaßen kleine Einheiten zerteilt, dass kein Betriebsrat vorgeschrieben ist.
      Beim ÖR gibts die überall.

      Und in Sachen Moral schaffen es die Privaten auf jeden Fall immer den ÖR zu unterbieten (z.B. Manipulation bei Drehs von Reality-TV, um die Protagonisten dumm dastehen zu lassen…habe ich beim ÖR so auch noch nicht erlebt).

  8. Mich graust es! Noch ein paar Gründe mehr, dem ÖR endlich den Hahn abzudrehen. Dass derartige Zustände wohl in den anderen Landesrundfunkanstalten ebenfalls üblich sind bekommt man mit, wenn einem durch Zufall mal ein “Freier” sein Herz ausschüttet. Der rbb ganz vorne mit dabei. Moderne Sklaverei!

    1. Wieso ist Hahn abdrehen dann sinnvoll?
      Dann gibts gar keine Aufträge mehr für Freie…kommt mir eher sinnlos vor.
      Was soll das bringen, außer eine nach unten offene Richterskala aus dem privaten TV- und Rafdiobereich?

      Für Veränderungen kämpfen ist aufgrund der im Artikel beschriebenen Probleme eine adäquate Reaktion, zumindest aus meiner Sicht.

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