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Der Gebührenzahler zahlt zweimal: Telekom macht bei Magenta TV mit 8.000 Programmen von ARD / ZDF Kasse

Fragwürdiger Lizenz-Deal: Telekom-Manager Wolfgang Elsäßer schnürte mit ARD und ZDF ein umfassendes Rechte-Paket, bei dem GEZ-Zahler und Magenta TV-Nutzer für Inhalte zweimal abkassiert werden
Fragwürdiger Lizenz-Deal: Telekom-Manager Wolfgang Elsäßer schnürte mit ARD und ZDF ein umfassendes Rechte-Paket, bei dem GEZ-Zahler und Magenta TV-Nutzer für Inhalte zweimal abkassiert werden

Dem Telekom-Digitalfernsehen liefern ARD und ZDF Programme für vier Kanäle. Gebührenzahler werden mit diesem Bezahlangebot zweimal zur Kasse gebeten. Auch wenn der Lizenz-Deal juristisch kaum angreifbar sein dürfte, so ist er medienpolitisch doch anrüchig und moralisch verantwortungslos. Derartige Ausflüge der Öffentlich-Rechtlichen in die Privatwirtschaft müssen gestoppt werden, fordert Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar.

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Von Hans-Peter Siebenhaar

Das Fernsehgeschäft kennt Wolfgang Elsäßer aus dem Effeff. Viele Jahre war der heute 50-Jährige Deutschlandchef des Luxemburger Satellitenkonzerns SES und lieferte sämtliche Programme – egal ob private oder öffentlich-rechtliche – per „Schüssel“ frei Haus. Im vergangenen Jahr wechselte der bayerische Honorarkonsul des Großherzogtums Luxemburg zur Deutschen Telekom. Für den Konzern hat Elsäßer ein neues Fernsehpaket geschnürt, um der immer stärkeren Konkurrenz von AmazonNetflix und Sky begegnen zu können.

Vor wenigen Tagen wurde daher aus dem bisherigen Telekom-Angebot Entertain TV das Magenta TV – in Anlehnung an die Konzernfarben. Elsäßer mit seinem exzellenten Spürsinn für Kundenbedürfnisse schwärmt: „Bei uns können die Kunden alle Inhalte auf einer Plattform gucken und dabei zwischen linearem und nicht linearem Fernsehen wechseln.“

Doch der neue TV-Chef des börsennotieren Branchenprimus hat sich noch mehr einfallen lassen: nämlich vier Kanäle mit den Inhalten von ARD und ZDF. „Bei den öffentlich-rechtlichen Mediatheken verschwinden große Teile der Inhalte nach vier Wochen“, konstatiert der Telekom-Manager und ergänzt: „Hier haben wir Lizenzvereinbarungen mit den Anstalten getroffen, um diese Inhalte auch länger zeigen zu können.“ Zu den Details, beispielsweise die jährliche Überweisungen für die Lizenzen, macht der Bonner Konzern auf Anfrage keine Angaben.

Bei Magenta-TV heißen die vier Kanäle ARD Plus, ZDF select, ARD Plus Kids und ZDF tivi. ARD Plus und ZDF select sind Mediatheken, beispielsweise mit ARD-„Tatort“-Krimis und Episoden des ZDF-„Traumschiffes“. Bei ARD Plus Kids und ZDF tivi handelt es sich ausschließlich um Kinderprogramme, etwa mit dem WDR-Klassiker „Sendung mit der Maus“.

Aus Sicht des teilstaatlichen Branchenriesens Telekom ist das neue Fernsehangebot zum Preis von 7,95 Euro monatlich ein schlüssiges Angebot. Denn die qualitativ hochwertigen Inhalte von ARD und ZDF sind ein Wettbewerbsvorteil im Kampf gegen AmazonNetflix & Co. Die Telekom erwirbt über 8000 Programme von ARD und ZDF.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wiederum holt sich über die Lizenzierung von Programmen zusätzliches Geld in die Kasse. Wie viel Geld die Telekom an kommerzielle Töchter von ARD und ZDF überweist, ist unklar. Wie auch bei anderen Deals, schweigen die WDR Mediagroup, ZDF Enterprises & Co. zu finanziellen Informationen ihrer Verkäufe. Bei der Kooperation handele es sich um eine branchenübliche Lizenzierung von Content, so wie er regelmäßig an andere Kunden wie Netflix, Amazon oder Maxdome verkauft werde, heißt es in ARD-Kreisen zur Verteidigung. Die an die Telekom verkauften Inhalte der Mediatheken von ARD und ZDF würden ohnehin aus rundfunkrechtlichen Gründen nicht mehr in den eigenen öffentlich-rechtlichen Mediatheken verfügbar sein.

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Die Namen der neuen vier Kanäle zeigen den Telekom-Kunden, dass es sich um Inhalte des mit Rundfunkgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens handelt. Der Unterschied: Der Kunde zahlt für die Programme zweimal – zum einen über die Rundfunkgebühr und dann noch an die Deutsche Telekom über die Abo-Gebühr. Gerade in einer Zeit, in welcher der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seiner jährlichen Rundfunkgebühr von rund acht Milliarden Euro auf dem Prüfstand steht, stellt dieser umfangreiche Programmdeal mit der Telekom eine Provokation dar. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk vergibt über eine opulente Programmlizenzierung seine Inhalte und auch noch seine Marke an einen Dax-Konzern.

Auch wenn das Geschäft zwischen ARD/ZDF und der Telekom juristisch in Ordnung ist, medienpolitisch ist es äußerst fragwürdig. Warum sollen mit Rundfunkgebühren bezahlte Inhalte exklusiv einem Branchengiganten zum Zweck der Gewinnsteigerung zur Verfügung gestellt werden? Wäre es nicht besser, die Inhalte im eigenen Land ausschließlich über die eigenen Kanäle zu verbreiten? Warum überlassen die Anstalten auch die Marken ARD und ZDF dem Bonner Konzern?

Eines ist klar, der Verkauf von Programmlizenzen ins Ausland – beispielsweise auf den Film- und Fernsehmessen in Cannes – ist legitim und richtig. Zum einen verdienen ARD und ZDF damit gutes Geld, zum anderen exportieren sie mit ihren Spielfilmen, Serien und Dokumentationen auch Kultur aus Deutschland in alle Welt. Doch es stellt eine neue Dimension dar, wenn ARD und ZDF dem Ex-Monopolisten Telekom die exklusive Verwertung von Inhalten und Marken gewährt. Die Telekom zählt bei ihrem Digitalfernsehen mittlerweile 3,3 Millionen Kunden. Magenta TV verfügt insgesamt über rund 80 Sender und exklusive Inhalte im Unterhaltungsbereich.

Die fragwürdigen Ausflüge der Anstalten in die Privatwirtschaft demonstrieren, wie sehr sich ARD und ZDF von ihrem ursprünglichen Rundfunkauftrag entfernt haben. Verantwortungsvolle Medienpolitiker sind daher aufgerufen, diesen Auswüchsen möglichst schnell einen Riegel vorzuschieben. Die Zuschauer werden es ihnen danken.

 

Dieser Kommentar aus der Reihe “Der Medienkommissar” erschien zuerst bei Handelsblatt Online.

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Alle Kommentare

  1. Kackdreist. Auch meine Aktienbeteiligung an der Telekom und die damit einhergehende Aussicht auf leicht verdiente Dividenden lindern meine Wut kaum.

    1. … das ist ja cool! Fleissig daran mitverdienen aber wütend sein. Das muss
      man erst mal hinbekommen. Verkaufen Sie doch einfach Ihre Aktien.

      1. Wieso soll ich meine Aktien verkaufen? Solange ich welche habe, kann ich sogar auf die Hauptversammlung der Telekom gehen und mich dort auf die Rednerliste setzen lassen und dann mit etwas Glück den ganzen Telekom-Vorstand öffentlich zur Sau machen, wenn ich darauf Lust habe.

        Allerdings hat die Telekom hier sehr geschickt gehandelt, finde ich. Die Versager sitzen auch in diesem Fall mal wieder in der Politik. Die hat mit der dämlichen Regelung, dass zwangsgebührenfinanzierte Inhalte nach 7 Tagen wieder aus den öffentlich-rechtlichen Mediatheken gelöscht werden müssen, dieses Geschäft für die Telekom erst ermöglicht.

        Im Übrigen hält der deutsche Staat 31.9% der Aktien der Telekom, teils direkt und teils über die staatseigene KfW-Bank. Diese Beteiligung sollte dringend verkauft werden, dann wird auch die Verfilzung zwischen Öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Staat und Telekom weniger.

    2. Ich bin seit geraumer Zeit Entertain-Kunde, weil hier kein Kabel liegt. Das neue Angebot funktioniert gut und freut mich – aber davon, dass ich etwas extra bezahlen soll, weiß ich bisher nichts.

      1. @IrishTV : Ich weiß jetzt noch immer nicht, was genau Du als kackdreist und was Dich wütend macht?

        Es sind ja längst nicht alle Inhalte, die nach 7 Tagen aus den Mediatheken entfernt werden müssen. Zudem gibt es hier Initiativen aus der Politik, die Zeiträume für den Verbleib in den ÖR-Mediatheken deutlich zu verlängern. Widerstand dafür kommt allerdings aus dem Bereicht der privaten Produzenten, die dafür höhere Lizenzgebühren kassieren möchten.

      2. Also nochmal, ganz langsam: Ich bezahle 17,50 EUR pro Monat für meinen privaten Haushalt und dann noch einen extra Rundfunkbeitrag für die Betriebsstätte meines Unternehmens, ob ich will oder nicht. Falls ich dann allerdings bestimmte Inhalte sehen will, für die ich bereits bezahlt habe, aber deren Ausstrahlung länger als 7 Tage zurück liegt, dann muss ich nochmal an die Telekom Geld bezahlen, weil die Verwertungsrechte weiter lizenziert wurden. Das ist kackdreist – und falls die “privaten Produzenten”, ob nun mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten verfilzt oder nicht, noch höhere Lizenzgebühren fordern, dann sollten entsprechende Produktionsverträge nicht mehr abgeschlossen werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland hat ein Jahresbudget von 9 Milliarden Euro, mehr als jede andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt auf der Welt. Und das soll immer noch nicht reichen, um Inhalte zu produzieren und sie mir dann dauerhaft anzubieten?

  2. Was für ein halbseidener “Medienexperte” muss das sein, wenn er ernsthaft schreibt “Doch es stellt eine neue Dimension dar, wenn ARD und ZDF dem Ex-Monopolisten Telekom die exklusive Verwertung von Inhalten und Marken gewährt. ” während er kurz zuvor selbst schreibt, dass die gleichen Inhalte z.T. auch an Netflix, Amazon und Maxdome lizensiert werden – von exklusiv also keine Rede sein kann? Wie ich sehe stammt der Text aus dem Handelsblatt. Wäre ein guter Grund diese Zeitung nicht mehr zu lesen, wenn ich auf seriöse Informationen und Kommentare Wert lege.

    1. Bitte genau hinsehen S.F.: Amazon bietet keine ARD/ZDF-Inhalte an. Es erlaubt die Installation einer App, die den Zugriff auf das Live-Programm ermöglicht. Das ist auch schon fragwürdig, aber es handelt sich um keine Lizensierung von Programmen. Auf Inhalte der Mediathek, auf die Gebührenzahler aus “medienrechtlichen Gründen” nicht mehr zugreifen können – die aber mit den Gebühren der Gebührenzahler produziert wurden – stehen nur bei Magenta zur Verfügung.

      Der zweite Punkt ist, dass die Telekom gerade eine ziemlich aggressive Werbung mit den Marken ARD und ZDF fährt. Bei Netflix, Amazon und Maxdome werden sie noch nicht einmal erwähnt und auch nicht direkt angeboten.

      Ich glaube, da schlagen Sie mit Ihrer Beleidigung (“halbseiden”) auf den Falschen ein.

      1. Nein, das stimmt nicht. Ob “In aller Freundschaft – die jungen Ärzte” (Amazon) oder “Charité” und “Weißensee” (Netflix, IIRC), es werden ARD/ZDF-Produktionen an private Betreiber lizenziert. Der Unterschied bei Magenta TV ist lediglich, dass es hier vier “Channels” gibt, innerhalb derer dann gefiltert werden kann, und eben die Werbung damit. Amazon bietet solche Channels ja ebenso an, nur halt nicht auf ARD und ZDF spezialisiert, sondern andere. Von daher ist das ganze mMn kein großes Problem, nur die öffentliche Wahrnehmung ist eine andere.

      2. @lenni: Liebe Lenni, Du täuscht dich. “In aller Freundschaft” wird von Saxonia in Leipzig produziert. Gesellschafter ist u.a. die Bavaria Film GmbH. “Charité” wurde von der UFA produziert, wo z.B. auch GZSZ und SOKO Leipzig hergestellt wird. Nur Babylon Berlin wurde von der ARD-Degeto GmbH mitproduziert.

        Ich muss allerdings zugeben, dass das ÖR-System für Außenstehende schwer zu durchschauen ist. Eigentlich ist es ein riesiger Verwaltungsapparat, der selbst viele Gesellschaften unterhält, aber auch vieles einkauft. Außerdem wird extrem viel mit freien und “festen freien” Mitarbeitern gemacht, die mittlerweile ziemlich schäbig behandelt werden, obwohl sie auch in Schlüsselpositionen zu finden sind. Selbst WDR-Intendant Buhrow war neulich überrascht, als er wegen der Klärung der sexuellen Übergriffe mal (aus Versehen möchte man fast sagen) durch die Abteilungen gegangen ist und feststellen musste, wie unzufrieden da seine Mitarbeiter sind. (Das kannst Du u.a. in einem Stern-Interview nachlesen). Es gibt aber noch viele andere Gründe, warum dieser Verwaltungsapparat abgeschafft werden muss. Er ist nicht zukunftsfähig, er ist viel zu teuer und die Vetterleswirtschaft ist nicht mehr in den Griff zu bekommen – von Mobbing, sexuellen Übergriffen und regelrechter Korruption ganz zu schweigen.

      3. Ohh, die Degeto!

        Eine der Degeto-Geschäftsführerinnen ist übrigens eine gewisse Christine Strobl, das ist die Ehefrau von Thomas Strobl (Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration in Baden-Wüttemberg) und gleichzeitig die Tochter vom ehemaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

        Es bleibt alles in der Familie – wie bei der Mafia.

      4. @Richard Ervins: Okay, dann ist da, glaube ich, gar kein Dissens zwischen uns. Inhaltlich sind es ARD-Produktionen, bzw. von der ARD beauftragt, und diese wurden bisher auch schon woandershin lizenziert.

    2. Richard Erwins. Na, dann schauen Sie doch einmal nach wie viele Inhalte von ZDF Enterprise lizensiert wurden. Die ÖR lizensieren durchaus auch selbst Inhalte.

      1. Da haben Sie Recht. ZDF Herzkino mit Rosamunde-Pilcher-Filmen zum Beispiel. Die werden aber wiederum von FFP produziert. Aber hier benutzt Amazon eindeutig die Marke ZDF für eigene Zwecke. Im Sinne einer Zweitverwertung juristisch gesehen sicher in Ordnung. Das ZDF hat aber einen anderen Auftrag und subventioniert damit sozusagen einen großen Anbieter und bootet alle anderen aus. Mit öffentlichen Mitteln ist das nur über obskure Konstrukte möglich, die aber im Kern nicht von den Beitragszahlern für gut geheißen werden können. Ehrlicher Wettbewerb sieht anders aus. Und im Fall ARD-Degeto GmbH brauchen wir ja nicht mehr viel erzählen…

  3. Wer jemals als freier Journalist gearbeitet hat, kennt das Prinzip: Man schreibt einen Beitrag für eine bedeutende Zeitung (ich möchte keine Namen nennen), bekommt ein mageres Honorar – und dann erscheint der Beitrag als Zweitverwertung im Newsfeed von T-Online auf diversen Webseiten, der auch von Unternehmen bezogen werden kann, ohne dass der freie Journalist einen einzigen Cent dafür sieht.

    1. Ein freier Journalist, der “keine Namen nennen” möchte? Sagen Sie’s doch: Süddeutschesüddeutschesüddeutsche…ist doch hinreichend publiziert, welchen Deal zulasten ihrer Freien die mit der NZZ haben. Auch, wenn die SZ nur ein Beispiel sein mag, für das Sie vllt. nicht arbeiten und das eben mit anderen, als t-online “kuschelt”. Und auch bei Ihrem “Kunden” werden Sie schon nicht der einzige “Sven K.” sein…
      Was man dabei aber bitte nicht vergessen darf – zu der Nummer gehören zwei! Ich weiß aus eigener Anschauung, dass es echt hart ist – aber man muss als Freier, gerade mit seriösem Anspruch, auch mal “Nö!” sagen können. Und wenn es im Zweifel auch mal einen “Kunden” kosten sollte – alles schon selbst er-, aber, Achtung!, auch überlebt. Und dann lehrt einen die Erfahrung, dass es eben auch andere gibt – und für Zweitverwertungen auch Geld, selbst bei miteinander kooperierenden Medien.
      Das ist allemal besser, als – getrieben von dem eitlen? Impuls, seinen Namen als reputierter Autor möglichst weit zu verbreiten??? – solche Sauereien mitzumachen. Und noch besser ist es, wenn sich dem Ansinnen immer mehr verweigern, und sich stattdessen für die an sie herangetragenen “Wünsche” anderweitige Veröffentlichungskanäle suchen – dann auch gern mal unentgeltlich. Nur so nämlich erfährt die Öffentlichkeit, was da mitunter Gang und Gäbe ist – und nur so besteht eine Chance für einen wertgeschätzten Journalismus, weil jeder nicht ganz Zweizellige weiß, dass es im Leben nüscht – nicht mal den Tod – wirklich “für umme” gibt.

  4. Ich verstehe das Ansinnen des Textes überhaupt nicht. Ein Medienangebot hat doch nur Sinn, wenn es verbreitet wird. Daß sich ARD und ZDF neue Verbreitungswege suchen erscheint mir da sinnig. Das ARD und ZDF damit noch Erlöse erzielen, ist ziemlich clever.

    Völliger Unsinn ist der Seitenstrang: “exklusiv”. Hätte die AFD noch schöner gemacht mit den Worten GEZ, Staatsfernsehen und Monopolist. Ist aber Unsinn. Das ZDF vermarktet schon lange Pay-Angebot – mal bei Sky, mal bei Amazon, mal bei der Telekom.

    Fernsehen, das mehr sein soll als ein reines Geschäft, muß den Rezipienten erreichen. Da ist nichts schlechtes an sortierten Angeboten bei MagentaTV.

    1. Doch da ist was schlechtes dran Herr Kerstan, nämlich, daß die Zahler der Rundfunkgebühren für bereits bezahlte Inhalte noch mal zur Kasse gebeten werden. Verstehen Sie das nicht oder wollen Sie es nicht verstehen?
      Und Ihre dümmlich dreiste Rabulistik, die versucht den Schreiber des Artikels in eine Schublade mit der AFD zu packen, was in diesem Zusammenhang absolut sinnfrei ist, lässt darauf schliessen, daß Sie bestimmte Interessen verfolgen. Soviel Enthusiasmus und Propaganda für ARD und ZDF – da weiß man wer hier wirklich schreibt.
      Im übrigen sind zwar die Mitglieder der AFD Pfeifen aber was bestimmte Themen angeht haben sie eine, für dieses Land und dessen Bürger, sehr gesunde vorteilhafte Einstellung. Und da wir NOCH in einem freien Land leben besteht eben die Möglichkeit auch eine andere als die von den Parteien und linken Suborganisationen verbreitete linke Einheitsmeinung zu äussern. Noch geht das.

      1. Je lauter ein Kommentar, umso sinnentleerter. Sie verstehen nicht, dass die ÖR Inhalte lizensieren, die sie selbst online nicht zur Verfügung stellen DÜRFEN. Zudem ist das alles nicht exklusiv und kommt den Produzenten und Gebührenzahler zu Gute da diese Einnahmen natürlich auf den Gebührenbedarf angerechnet werden. Übrigens: in einem freien Land darf man eigentlich auch noch erwidern, auch wenn das Trollen wie Ihnen nicht passt. Mit Ihren Äußerungen machen Sie nur klar, dass Sie selbst nur für Ihre Meinung Freiheit akzeptieren.

      2. Mal hübsch langsam, liebe Freyana! Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein, auch nicht mit Herrn Kerstan. Aber deswegen gleich ausfallend werden?

        Ich bin noch hin- und hergerissen, ob ich mich über diese Entwicklung freuen oder ärgern soll. Denn der erste Absatz Herrn Kerstans Kommentar verbunden mit SFs Antwort an Sie deutet den Widerspruch doch schon deutlichst an!

        Auf der einen Seite soll es wettbewerbsrechtlich nicht in Ordnung sein, dass die ÖR ihre Inhalte auch zeitlos dem Gebührenzahler, der deren Produktion erst ermöglichte, in den Mediatheken zur Verfügung zu stellen – andererseits soll ein solcher Deal, bei dem es dann ein Dritter tut und damit Kasse macht, rechtlich beanstandungsfrei bleiben?

        Da stellt sich mir die Frage, für wen genau dieser Widerspruch wohl der bessere “Coup” war – den Magenta-Riesen oder ARD und ZDF. Denn abgesehen davon, dass zunächst mal bei denen mehr Kohle landet. Und zwar ausschließlich die der – mit Verlaub – zahllosen aber zahlungswilligen “Dummen”, die sich als GEZahler und Mag-TV-Kunden partiell doppelt abmelken lassen!!!

        Das macht doch die weitere Entwicklung ungemein spannend! Denn die ÖR, die sich gegen die Restriktionsansinnen des VPRT bezüglich ihrer Onlineauftritte und auch der Mediathek-Verweildauern sehr sehr lange tapfer, aber erfolglos zu wehren versucht haben, erhalten mit Zulassung dieser Geschäftspraktik nun einen neuen Hebel! Wie sollte es auf Dauer rechtlich und politisch durchhaltbar sein, dass die ÖR ihre gebührenfinanzierten Inhalte in den EIGENEN, ebenfalls gebührenfinanzierten Kanälen ihren Gebührenzahlern vorenthalten müssen, wenn andere Privatrechtliche das dann dürfen – und damit auch noch Geschäfte machen?

        Dann nämlich muss man nur Herrn Kerstans letzten Satz relativieren rsp. ergänzen – “Da ist nichts Schlechtes an den sortierten Angeboten bei Magenta TV.”…sofern Magenta TV damit kein Wettbewerbsvorteil gegenüber eben jenen ÖR Urhebernutzungrechteinhabern gewährt wird, den man genau jenen aber beharrlich versagt.

        Ist das nicht eine herrliche Demaskierung der Doppelzüngigkeit, mit der die privaten Fernsehanbieter ihre kostenpflichtigen Programme erst so erfolgreich im Markt etablieren konnten?

      3. Wo werden Sie den zweimal zur Kasse gebeten? Ich zahle den ARD-ZDF-Deutschlandradio-Betrag und ich zahle für Magenta. Magenta für die praktische Zubringung – ich habe Fernsehen, ich habe eine Mediathek, ich habe alles praktisch.
        Für den Zubringer muß ich immer zahlen: Kabel, Satellit, DVBT 2, Zattoo. Nicht an einem Punkt habe ich das Gefühl, zweimal zu zahlen.

      4. Herr Kerstan, sagen Sie mal, sind Sie Lobbyist oder einfach nur total begriffsstutzig, ohne dabei eigene kommerzielle Interessen zu verfolgen?

        Für den Zubringer müsste ich gar nichts extra bezahlen, wenn die vor mehr als 7 Tagen erstellten öffentlich-rechtlichen Inhalte nicht aus den frei zugänglichen Mediatheken gelöscht werden würden.

    2. Sie sind ein wunderbares Beispiel dafür, wie einfach es für die Manager bei ARD und ZDF ist die Bevölkerung hinters Licht zu führen.

      Die Öffentlich-Rechtlichen haben es seit 15 Jahren versäumt ihre Strategien an die Entwicklungen immer besser nutzbarer Online-Möglichkeiten anzupassen. Nicht aus Absicht, sondern wegen ihrer hierarchisch organisierten Struktur. Für die Verantwortlichen war mit einer Neuentwicklung persönlich einfach zu wenig Staat zu machen und es wäre auch zu kompliziert geworden. Also haben sie einfachere Wege eingeschlagen, z.B. die teure, aber recht erfolglose Verzigfachung der digitalen Programme. Es mag die eine oder andere erfolgreiche Sendung bei diesen Programmen geben, aber die ließen sich genauso – ohne Ballast – ins Sendeschema der Hauptprogramme integrieren (die stattdessen Wiederholungen senden).

      Der explizite Auftrag der ÖRs ist es für eine unabhängige Berichterstattung zu sorgen und nicht Babylon Berlin zu produzieren und zuerst über Sky zu “verbreiten”. Aber eine wirklich unabhängige Berichterstattung findet nur noch selten statt. Ich bin selbst hin und wieder an Beiträgen für einen ÖR-Sender beteiligt und ich weiß daher wovon ich rede. Die Interessen der Kirchen, Parteien und kommerziellen Partner stehen immer im Hintergrund – und verhindern nicht selten ein kritisches Thema.

      “Fernsehen, das mehr sein soll als ein reines Geschäft, muß den Rezipienten erreichen.” Da muss ich Ihnen zustimmen. Nur genau das gelingt den ÖRs auch mit dem mehr als fragwürdigen Deal mit MagentaTV nicht mehr.

      Paradoxer Weise hilft die AfD den ÖRs. Mit ihrer Hilfe lässt sich das Gespenst “amerikanische Verhältnisse” an die Wand malen und vor allem Senioren Angst machen. Abgesehen davon, dass wir schon längst amerikanische Verhältnisse haben, wird sich die Jugend (und die geht in diesem Fall bis 55) auch mit “ARD über Magenta” nicht davon abhalten lassen Netflix oder Amazon Prime zu nutzen – aber sicher nicht um vermehrt ARD-Inhalte abzurufen.

      1. Sorry, ber die “Jugend” geht nicht wegen einer unabhängigen, kritischen Berichterstattung zu Amzon, Netflix & Co. Die findet sich nach wie vor doch eher bei den ÖR. Und um im Unterhaltungssegment netflix etc. paroli zu bieten, macht dann auch eine Serie wie Babylon Berlin Sinn, die trifft dann auch bei den unter 55-Jägigen auf Interesse.

  5. Ich halte den Artikel für groben Unfug. Kein Mensch wird dazu gezwungen, Magenta-TV zu abonnieren. Niemand muss zwei Mal bezahlen.
    Ohne das zusätzliche Angebot von ARD und ZDF hätte der Dienst von Magenta-TV mit hoher Wahrscheinlichkeit den gleichen Preis. Der Mehrwert allerdings ist, dass Programmangebote, die aus verschiedenen Gründen in den ÖR-Mediatheken nicht mehr enthalten sein dürfen, bei Magenta dann weiterhin abrufbar sind.
    Das die ÖR-Anstalten dafür Lizenzgebühren erhalten und damit auch die Hersteller dieses Contents ist ja klar. Sollten sie es der Telekom etwa kostenlos zur Verfügung stellen??? Welchen Grund könnte es geben, diesen Content gar nicht zur Verfügung zu stellen?
    Die im Artikel kritisierten “Ausflüge der Anstalten in die Privatwirtschaft” sind doch Gang und Gäbe. Wer produziert denn den allergrößten Teil des ÖR-Contents? Private Produzenten, die dafür einen Auftrag der ÖR-Anstalten erhalten. Dafür fließen die Gebührengelder logischerweise in Richtung dieser privaten Produktionsunternehmen. Warum sollten die ÖR-Anstalten keine Beziehungen zur Privatwirtschaft haben, bzw. wie sollte oder könnte es ohne gehen?
    In diesem Fall ist es nun erfreulicheweise umgekehrt, dass Einnahmen aus Lizenzen erzielt werden, die Druck von der KEF und damit vom Rundfunkbeitrag nehmen. Der Gebührenzahler profitiert doch eher von dieser zusätzlichen Einnahme. Ein Problem wäre es, wenn die ÖR-Anstalten an die Telekom für den Verbreitungsweg zahlen würden. Dann gäbe es Grund sich zu ärgern und der Gebührenzahler würde unnötigerweise belastet.

    1. @Johannes tom Dieck: Zitat: “Welchen Grund könnte es geben, diesen Content gar nicht zur Verfügung zu stellen?” Schon einmal daran gedacht, dass es derselbe Grund sein könnte, der es notwendig macht den Content in der Mediathek nach kurzer Zeit zu entfernen? Das wurde u.a. so geregelt, damit nicht-öffentlich finanzierte Unternehmen auch eine Marktchance haben. Und jetzt umgeht man das einfach, indem man es an einen Dax-notierten Konzern verkauft?

      Wenn ich mit meinen Kindern eine ältere “Sendung mit der Maus” sehen möchte, muss ich jetzt also ein Magenta-Abo abschließen? Wie soll das nicht Zweimal-Bezahlen sein?

      Aus der Sicht der Gebührenzahler kann ich keinen Profit erkennen. Der eigentliche Auftrag der ÖRs wird dadurch nicht besser wahrgenommen, das Programm wird nicht besser, die Gebühren sinken nicht, die Verwaltungsausgaben sinken nicht, die Traumgehälter der Intendanten sinken nicht auf das Niveau einer Kanzlerin – wo bitte ist der Profit für diejenigen, die alles finanzieren?

      Aus ökonomischer Sicht könnten Sie schon Recht haben: Das sind Zusatzeinnahmen. Aber die gehen in der mittlerweile sehr ineffizient arbeitenden Maschinerie unter. Alleine durch die Umwandlung der hierarchischen Strukturen – die nicht nur ökonomische Nachteile mit sich bringen, wie Sie wissen – in eine flache Hierarchie und die längst überfällige Zusammenlegung von ARD und ZDF wären aus ökonomischer Sicht viel nutzbringender. Meinen Sie nicht?

      1. Dass es am ÖR-Rundfunkt sehr viel zu kritisieren gibt, was den viel zu großen Verwatungsapparat einschließlich Doppelstrukturen, überbezahlte Führungskräfte, furchtbarer Pensionsverpflichtungen usw. angeht, stellt ja niemand in Abrede.

        Es ist weiterhin Unfug diesen Deal mit Magenta-TV als “kackdreist”, “doppeltes Kassieren” usw. zu bezeichnen.

        Dass die “Sendung mit der Maus” nur 14 Tage zu sehen ist, hängt mit den Verträgen zusammen, die diese einzelne Sendung betifft, die ja nun schon über 40 Jahre alt. Schau Dir mal jüngere Formate wie “Wissen macht ah” oder “9 1/2” an: Da sind wohl alle jemals gesendeten Folgen der letzten Jahre in den ÖR-Mediatheken abrufbar.

        Und nein: Du musst nicht ein Magenta-Abo abschließen um alte Folgen der “Sendung mit Maus” zu sehen. Du kannst es selber aufzeichnen oder aus der Mediathek herunterladen uns speichern usw. oder, wenn das nicht gegeben ist, eben auf das Magenta-Abo verzichten, wie sicherlich 90% der Bevökerung. Wenn das alles schlimm ist: Die Alternative wäre, den Content nicht zur Verfüfung zu stellen oder kosten los. Das wäre doch immer die schlechtere Alternative.

        Dass der Content (und ja längst nicht jeder) in der Mediathek nach kurzer Zeit entfernt wird, wurde nicht nur deswegen so geregelt, damit nicht-öffentlich finanzierte Unternehmen auch eine Marktchance haben. Das betrifft hauptsächlich den Print-Nachrichten-Bereich, aber doch nicht Dokutainment oder fiktionale Programme.

  6. Kritisch wäre für den Gebührenzahler das ganze doch nur, wenn bei der Feststellung des gebührenrelevanten Finanzbedarfs von ARD und ZDF deren Erlöse aus der Rechteüberlassung nicht berücksichtigt würden oder die Entgelte zu niedrig wären und damit einer Subvention der Telekom gleichkämen. Dazu findet sich in dem Beitrag leider nichts.

  7. Wenn wir GEZ-Zahler für unser “Gebühren-Geld” rechtlich eine Mediathek von ARD und ZDF bekommen könnten, hätte es diesen Deal nicht gegeben. Dafür können wir uns bei der “Privatwirtschaft” und ihren Lobbyisten bedanken. Von daher Herr Siebenhaar, halten Sie mal den Ball flach. Konkurenz belebt das Geschäft und die Einnahmen kommen uns GEZ-Zahlern ja wieder zugute.

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