Partner von:
Anzeige

“Wollen einen Markt für Bezahl-Journalismus schaffen”: NYT-Herausgeber hält zehn Millionen Digital-Abonnenten für möglich

NYT-Herausgeber A.G. Sulzberger (links) im Gespräch mit dem CNN-Moderator Stelter
NYT-Herausgeber A.G. Sulzberger (links) im Gespräch mit dem CNN-Moderator Stelter

Arthur Gregg Sulzberger ist erst seit Anfang des Jahres Herausgeber der New York Times. Im Interview mit CNN hat der 38-Jährige nun ausführlich über die Herausforderungen des digitalen Journalismus gesprochen und warum sich ein Paid Content-Markt im News-Sektor bilden muss – auch mit Hilfe von Netflix und Spotify. Außerdem hat er über sein Treffen mit Donald Trump gesprochen.

Anzeige

100 Millionen Abonnenten seien sicher zu optimistisch, aber zehn Millionen Digital-Kunden halte er für durchaus möglich, erklärt New York Times-Herausgeber A.G. Sulzberger im Interview mit CNN-Moderator Brian Stelter auf der Citizen-Konferenz Anfang dieser Woche. Insgesamt bringt es die New York Times derzeit auf 2,9 Millionen Digital Only-Abonnenten bzw. 3,8 Millionen inklusive der Printausgabe. Gleichwohl betont Sulzberger, erst seit Anfang Januar Herausgeber der Times, dass der Markt für Bezahl-Journalismus grundsätzlich unausgereift sei und die Branche gemeinsam daran arbeiten müsse. “Wir wollen einen Markt für Bezahl-Journalismus schaffen”, so Sulzberger. Dabei gehe es darum, mehr Leute davon zu überzeugen, für Qualitätsjournalismus auch Geld auszugeben. Dank der Streamingdienste Netflix und Spotify fühlten sich Nutzer immer wohler, auch für digitale Angebote zu zahlen. Diesen Trend erwarte er künftig auch für Nachrichtenorganisationen, betont der 38-Jährige.

Seit Anfang des Jahres ist Sulzberger an der Spitze der New York Times, die er von seinem Vater Arthur Sulzberger Jr. übernommen hat (MEEDIA berichtete). Das renommierte Blatt wird damit bereits in fünfter Generation von derselben Familie geführt, seit Adolph Ochs sie 1896 kaufte. Für Aufmerksamkeit sorgte Mitte des Jahres sein Treffen mit Donald Trump, als der NYT-Herausgeber den US-Präsidenten im Oval Office besuchte. Die eigentliche Vereinbarung, keine Inhalte zum Gespräch zu veröffentlichen, brach Trump per Tweet und teilte darin gegen die New York Times und kritischen Journalismus im Allgemeinen aus. Sulzberger wehrte sich in einer langen Erklärung gegen die Vorwürfe.

“Brauchen ein gesundes journalistisches System”

Er bedauere es nicht, so Sulzberger im CNN-Interview, die von Trump ausgesprochene Einladung angenommen zu haben. Er wollte mit ihm sprechen, dessen Bedenken anhören, aber ebenso seine eigenen Irritationen über Trumps Anti-Medien-Rhetorik äußern. “Ich bin mir nicht sicher, wie viele Leute ihm in die Augen geschaut haben und ihm gesagt haben, dass seine Äußerungen nicht nur spaltend und unverantwortlich sind, sondern auch potenziell gefährlich”, erläutert er gegenüber Stelter, der früher selbst für die Times arbeitete. Da allerdings sehe er als seine Verantwortung als Herausgeber an. Die Mission des Blattes habe sich seit Trumps Amtsantritt nicht geändert, antwortet Sulzberger auf die Frage des Moderators. “Wir stehen weiterhin für die Demokratie ein und unser Job ist es nach der Wahrheit zu suchen.” Außerdem wolle man den Bürgern die Möglichkeit geben, die Welt zu verstehen.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von MEEDIA (@meedia.de) am

Anzeige

Derzeit befinde sich der Journalismus in einer “All-hands-on-deck”-Phase, glaubt der junge Herausgeber. Die Rolle in einer freien Gesellschaft sei sehr wichtig, allerdings sei wiederum die Zahl der Journalisten in den USA in den vergangenen 20 Jahren schneller gesunken als die der Bergbauarbeiter. “Die Welt braucht nicht nur eine gesunde New York Times, Washington Post, CNN oder andere große Medien”, betont er deshalb. Es gehe  auch um lokale Nachrichten und Medien, die immer häufiger Probleme hätten, sich auf dem Markt zu halten. Er fordert deshalb ein gesundes journalistisches System.

“Dazu gehören mehr Journalisten, aber es geht nicht nur um die reine Anzahl”, erklärt Sulzberger, der selbst einige Jahre im Lokaljournalismus gearbeitet hat, unter anderem beim The Oregonian in Portland, bevor es dann nach New York zur Times ging. “Sie brauchen Zeit und Ressourcen, um gute Arbeit zu leisten.” Als Beispiel nennt er die Recherche von drei Reportern zu den Finanzen von Donald Trump, die Anfang Oktober weltweit Beachtung fand. “Drei Journalisten hatten 18 Monate Zeit, um sich gänzlich einem Thema zu widmen”, erläutert er. Nur so könne eine Redaktion etwas von Wert schaffen.

Das 30-minütige Interview mit Sulzberger hier in voller Länge:

tb

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Linksradikale Narrative? Es gibt in Deutschland keine linksradikalen Zeitungen. Die taz ist mit viel Wohlwollen als linksalternativ zu bezeichnen. Mit Sicherheit haben Sie sich noch nie eines der Blätter vollständig gelesen. Das ist ja das Problem mit vielen, die in den letzten Jahren so viel Groll auf Presse und Berichterstattung entwickelt haben. Und warum sollte ich, nur weil ich gute Zeitungen mag, Genderbeauftragter sein oder bei den Grünen? Ist schon erstaunlich, wie schnell Sie hier losschießen und alles in die Suppe rühren, was Ihnen an Klischees so einfällt. Ich habe doch auch nicht behauptet, dass Sie ein alkoholabhängiger Ossi sind, dem Hassan seinen Maurerjob wegnommen hat und dessen Schwester mit Punks ins Bett steigt. Vermischen Sie hier doch nicht alles. Und die ZEIT als alles andere als linksradikal, im Gegenteil, sie ist eher konservativ geworden über die Jahre, aber sie ist eben auch eine verdammt schön und hochwertig gemachte Wochenzeitung. Also, kommen Sie etwas runter und erzählen Sie mir mal etwas Vernünftiges. Etwas, das wirklich an Artikel und einzelnen Journalisten festgemacht ist. Mit Aluhut-Attitüde kommen Sie hier sich nicht weit.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia