Anzeige

"Joe Kaeser muss Teilnahme an Investitionskonferenz in Riad absagen": Reporter ohne Grenzen appelliert an Siemens-Chef

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat sich nach der Erklärung Saudi-Arabiens zum Tode des Regimekritikers Jamal Khashoggi kritisch gegenüber Siemens und dessen Chef Joe Kaeser geäußert. Gegenüber der Funke Mediengruppe sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr, dass Kaeser nun wie Außenminister Heiko Maas handeln müsse und die Teilnahme an der Investitionskonferenz absagen sollte.

Anzeige

„Möchte Siemens-Chef Joe Kaeser das saudische Regime nicht in seinem mörderischen Vorgehen bestärken, dann muss er jetzt seine Teilnahme an der Investitionskonferenz in Riad absagen, so wie schon Außenminister Heiko Maas“, sagte der ROG-Geschäftsführer Mihr gegenüber der Funke Mediengruppe am Wochenende. Die Organisation betonte zudem, dass das Statement von Saudi-Arabien zum Mord des Regimekritikers unglaubwürdig sei und mehr Fragen aufwerfe als das es Antworten liefere. „Jeder Versuch, nach der Erklärung wieder zur Tagesordnung übergehen zu wollen, wäre de facto ein Freibrief zum weiteren Töten von Kritikern eines Königreichs, das Journalisten inhaftiert, auspeitscht, entführt und auch ermordet“, erläuterte Mihr.
Neben Mihr hatten auch zahlreiche hochrangige Politiker wie CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen gefordert, dass Wirtschaftsbosse auf ihre Teilnahme verzichten. „Das gilt aus meiner Sicht beispielsweise für den CEO von Siemens, der ja zugesagt hat“, sagte Röttgen gegenüber der Welt am Sonntag.  Auch SPD-Chefin Andrea Nahles sagte gegenüber der Bild am Sonntag zur Teilnahme: „Ich hoffe, Joe Kaeser überdenkt das nochmal.“
Siemens teilte mit, dass die Entscheidung über die Teilnahme des Konzern-Chefs noch nicht gefallen sei.

Khashoggis Fall hat neue Dimension

Bereits Mitte voriger Woche hatte sich Christian Mihr gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zum Fall Khashoggi geäußert. Er könnte anderen Ländern in schlimmer Hinsicht als Vorbild dienen, erklärte der ROG-Chef. In allen Gesprächen – auch mit Exiljournalisten – zeichne sich ab: „Der Fall geht ganz schön in die Knochen.“ Nun habe er die Befürchtung, „dass das letztlich überall passieren könnte – und dass das als Inspiration dient für andere Länder, genauso brutal vorgehen zu können.“

Nach Mihrs Einschätzung hat der Fall eine neue Dimension. „Insbesondere hinsichtlich des Tatorts, nicht wegen der Tat selbst, denn Ermordungen von Journalisten erleben wir beinahe täglich.“ Khashoggi, der als Kolumnist für die Washington Post gearbeitet hatte, wollte am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul Papiere für seine Hochzeit abholen. Seitdem ist er verschwunden.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von MEEDIA (@meedia.de) am


Wichtig sei für die Zukunft, die Ermittlungsmechanismen in solchen Fällen zu verbessern. „Wir setzen uns für einen Uno-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten ein“, erklärte Mihr. „Der Bundestag hat im vergangenen Jahr die Bundesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen.“ Die Bundesregierung scheine aber nicht bereit zu sein, den Vorschlag umzusetzen.
tb/dpa

Anzeige