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Wochenrückblick: “Wer hat Lust, für viel Geld in die Pressefreiheit einzugreifen?” Ralf Höcker sucht neue Medienanwälte

Aktuelles Medienpersonal: Satiriker Boris Palmer, Live-Künstler Stefan Raab, Zeitschriften-Ikone Barbara Schöneberger und Anwalt Ralf Höcker
Aktuelles Medienpersonal: Satiriker Boris Palmer, Live-Künstler Stefan Raab, Zeitschriften-Ikone Barbara Schöneberger und Anwalt Ralf Höcker

Stefan Raab feiert sein Comeback nicht im TV, sondern in der Kölner Lanxess-Arena vor ausverkauftem Haus. Die aktuellen Auflagenzahlen enthalten womöglich eine unbequeme Wahrheit in Sachen Testimonial-Magazine. Boris Palmer versuchte sich mal wieder als Witzbold. Und Medienanwalt Ralf Höcker sucht via Facebook neue Leute. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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“Wadde hadde dudde da?” Der Eurovision-Song von Stefan Raab war sein Opener bei der ersten von drei Live-Shows in der Lanxess Arena in Köln. Rund 14.000 Plätze. Ausverkauft. Natürlich. Nach allem, was zu lesen und zu erfahren ist, hat Raab exakt das geliefert, was man erwarten konnte: eine tolle Show. Entertainment kann Raab und sein kurzes Live-Comeback führt einem vor Augen, dass er der Branche doch ziemlich fehlt. Raab schafft es, mit kleinen Gesten die Spekulationen am Laufen zu halten, ob er nicht vielleicht doch zurückkommt auf die noch größere Bühne Fernsehen. Oder womöglich in dieses Internet geht, von dem neuerdings so viel die Rede ist. Immerhin startete er während der Show seinen Instagram-Kanal als @therealstefanraab. Das erste Foto, das ihn beim Event-Abend zeigt, kam schnell auf knapp viereinhalbtausend Likes, sein Account auf über 7.000 Follower. Sein Publikum hat ihn nicht vergessen. Schlau übrigens, dass seine Show weder jetzt noch später im TV oder auf DVD zu sehen sein soll. Getreu dem alten Grundsatz “Willst Du was gelten, mach Dich selten!”

 

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Foto: Willi Weber ©Allendorf Media #stefanraablive #dankeköln

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Diese Woche kamen mal wieder die IVW-Auflagenzahlen für die Print-Branche. Diese Zahlen sind schon seit geraumer Zeit kein Quell der Freude mehr, zumindest nicht für die meisten Marktteilnehmer. Diesmal fiel mir eine spezielle, gegenläufige Entwicklung auf. Die Personality-Zeitschrift Barbara rund um Barbara Schöneberger sackte mit 28% ziemlich ab. Vom Rekordwert 115.697 bleiben 82.968 verkaufte Hefte im zurückliegenden Quartal. Nicht schön. Umgekehrt legte das Personality-Magazin mit dem mutmaßlich längsten Titel, Dr. v. Hirschhausens stern gesund leben, um satte 46,3% auf 70.782 verkaufte Hefte zu (jeweils Abo plus Einzelverkauf). Es ist aber halt so, dass die gute Barbara schon eine Weile im Geschäft ist, während Dr. v. Hirschhausens Magazin noch recht frisch ist. Könnte es sein, dass sich die Masche mit den Promi-Heften schon abnutzt? Das wären keine guten Nachrichten für den Verlag Gruner + Jahr, der sehr stark auf die Promi-Schiene setzt. Ein Magazin rund um den TV-Modeschöpfer Guido Maria Kretschmer steht in den Startlöchern und wird nächste Woche, am 25.Oktober, erscheinen.

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Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer gilt in seiner Partei, den Grünen, als Querdenker, bzw. Querulant. Je nachdem, wen man fragt. Palmer fühlt sich in seiner Tätigkeit als Lokalpolitiker offensichtlich nicht zu 100% ausgelastet und schreibt darum auch Bücher zur Flüchtlingsfrage (“Wir können nicht allen helfen”) und verbringt augenscheinlich große Teile seiner Freizeit bei Facebook. Dort pflegt der Sohn des “Remstal-Rebellen” Helmut Palmer ab und zu auch ironische Einlassungen zu veröffentlichen. Das irritiert mitunter. Diese Woche schaffte es Palmer jr. sogar bundesweit in die Schlagzeilen mit seinem Satire-Posting, dass Angela Merkel und Horst Seehofer nach der Bayern-Wahl ihre Ämter zur Verfügung stellen würden. Darf der Palmer das? Klar, darf der das. Das heißt aber nicht, dass die Aktion auch besonders schlau war. Satire darf vielleicht wenn nicht alles (siehe Böhmi-Gedicht), so doch sehr viel. Aber Satire sollte auch ein ganz kleines bisschen lustig sein. Diese Voraussetzung erfüllen die Palmer-Postings leider in den seltensten Fällen. Man kann es natürlich auch so sagen wie Palmers Parteikollege und BaWü-Chef Winfried Kretschmann: “Sowas muss man schlichtweg bleiben lassen.” Listen to the Kretsch!

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Der Medienanwalt Ralf Höcker hat nicht nur Freunde in der Branche. Doch auch seine Kritiker werden im nicht absprechen könne, dass er zumindest eines nicht ist: langweilig. Via Facebook sucht Höcker neue Anwälte für seine Kanzlei und er tut das durchaus mit Witz:

Zu Erinnerung: Zu Höckers Mandanten zählten u.a. der türkische Staatspräsident Erdogan (in Sachen Schmähgedicht/Böhmermann), der ehemalige ARD-Wetterexperte Jörg Kachelmann und die AfD-Politikerin Alice Weidel. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte Höcker einst, ein Anwalt mit Berufsethos müsse auch bereit sein, Hitler gegen Stalin und Stalin gegen Hitler zu vertreten. “Und zwar je nachdem, wer als Erster anruft.“ Es kann also durchaus schillernd zugehen im Medienanwalts-Biz. Auch wenn Höcker warnt: “Bitte nicht enttäuscht sein, wenn in der Praxis dann nicht NUR korrupte Wirtschaftslenker, psychopathische Extremisten und drogenabhängige Dschungelcampbewohner im Wartezimmer sitzen: Die meisten unserer Mandanten sind seriös. Wir sind also in der Regel die Guten und die Journalisten die Bösen!” Zwinkersmiley bitte dazudenken.

Schönes Wochenende!

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